Original von Wayn333
Poker spieltheoretisch zu lösen ist konzeptionell überhaupt nicht schwierig. Die Mathematische theorie existiert und ist gut verstanden. Es scheitert an der rechenleistung. Damit ist im prinzip auch schon geklärt, dass op überhauptkeine ahnung hat wovon er redet.
Der Graph für FLHU liegt in O(10^20). Das Team der UofA arbeitet mit modernen algorithmen und reduziert den Graph. Behandelt gewissermaßen spots gleich die sich sehr ähnlich sind. Die berechnung konvergiert für T -> unendlich gegen GTO.
Für NLHU kommt hier eine neue dimension hinzu, nämlich die betsize. Man kann das folgendermaßen verdeutlichen:
Angenommen, wir spielen 10/20 und sitzen mit $10 im sb (der sb ist dann schon gepostet, gestartet sind wir mit $20). Wir können also nur completen und sind dann all-in, oder wir folden. Da die range des BB 100% beträgt, kann man relativ leicht ausrechnen, wieviel prozent man completen muss, um GTO zu spielen. (Das kann jeder, der den equilator bedienen kann)
Angenommen, wir säßen nun mit $50 im sb. Gepostet sind unser sb ($10) und der BB ($20).
FL bedeutet das folgendes: Wir können
a) folden
b) completen
c) raisen - und sind dann ohnehin committed
Das ist relativ leicht zu lösen. Jeder gute FL reg wird dir eine lösung innerhalb einer stunde produzieren können.
NL bedeutet das aber:
a) folden
b) completen
c) raise auf x e [40, 50] - das wir uns hier wieder committen stimmt zwar, was das spieltheoretisch bedeutet ist aber a priori erstmal garnicht klar.
Der graph eurer strategie für dieses sehr einfache spiel ist auf FL also sehr überschaubar, der für NL übersteigt schon jegliches vorstellungsvermögen. Ihr könnt natürlich sagen ihr pushed einfach eure gesamte raising range. Das ist sicherlich eine für gut befundene strategie. Sie ist insbesondere balanced, aber deshalb eben noch lange nicht GTO. Man kann sich eben gerade nicht vorstellen, wie unglaublich unmöglich es ist, NL auch nur ansatzweise GTO zu spielen. Mit optimalen bluff frequencies ist es da noch lange nicht getan.
Was Internet schreibt, ist zwar sehr interessant, bestätigt aber lediglich, dass online poker eben nicht tot sondern noch so primitiv ist, dass college kids ein programm schreiben können, dass midstakes schlägt.
Dass der bot lediglich ein halbes dutzend hände HU spielt, kann alle möglichen gründe haben. Wer mit occams razor vertraut ist, wird aber vermutlich zu dem schluss kommen, dass er wahrscheinlich doch sehr einfach zu exploiten ist.
Hervorzuheben ist hier nochmal, dass der unterschied zwischen GTO und balanced ein gewaltiger ist. 3/4 pot betten ist im moment lediglich angesagt. In 2 jahren wird man vielleicht darüber lachen, wie unglaublich dumm dass war. Die river overbet wurde anfangs als fishmove abgetan. Dann hat durrr dagegen ordentlich auf die fresse gekriegt. Mittlerweile etabliert.
Der teil der aktuellen highstakes elite, der sich mit mathematik auskennt (und hiermit ist nicht gemeint, dass man +ev ausrechnen kann) geht davon aus, dass das aktuelle spiel soweit von GTO entfernt ist, dass der unterschied zwischen GTO und absolutem fishplay garnicht klar wäre.
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Und das geht imo nicht nur erst Postflop los (wo es wohl noch sehr viel komplexer ist) , sondern schon Postflop.
Momentan openen wir immer mit der gleichen bb-Zahl gleich, da wir so einfach balancen und keinen Rangesplit vornehmen müssen. Kann mir aber nicht vorstellen, dass das GTO-Play so etwas vorsieht.
Alleine schon, als ich in den HB-Foren mal darauf hingewiesen wurde, dass donken eher fischy ist, da es so viel schwerer ist, eine donk+ x/r, + x/c Range zu balancen als nur die x/r und x/c Range.
Ghostmaster schrieb dazu sinngemäßg:
Selbstverständlich kann man an eine donking-Range haben, nur ist es sehr viel schwerer 3 als 2 Ranges zu balancen.
Und das sind jetzt nur noch die verschiedenen lines. Die Betsize sind noch nicht einmal mit drin(welches das Spiel imo erst richtig kompliziert machen).
Wieso , kann es nicht sein, dass wir auf dem Flop vllt. sogar eine 1/3 cbet, 2/3, 3/3, 4/3 und eine 12/3 cbetting-Range haben?
Als Cyde mal in nem Interview bezüglich einer Betsize am River gefragt wurde kam nur die Antwort: Ich weiß nicht ob das die optimale Betsize ist, das wäre viel zu komplex. Momentan haben sich halt diese Betsizes durchgesetzt.
Edit:
Möchte mich aber von der Aussage distanzieren, dass ich Bots für ungefährlich halte. Im Gegenteil. Denn selbst wenn diese nicht optimal spielen, sondern noch kleinere Leaks aufweisen ist es der Tod für das Spiel.
1. Müsste man unverhältnismäßig viel tun um diese Bots zu schlagen.
2. Darf man nicht vergessen, dass es immer noch das Rake gibt und wenn Edges minimal klein werden, gibt es nur noch einen Gewinner.