Cliffs: die Urteilsbegründung ist in mancher Beziehung etwas wacklig. Gerade im Bereich Black Jack /Cash Game. Je nachdem, um wie viel es geht, kann sich eine Revision lohnen.
Ja, an der Steuerbarkeit der Turniergewinne ändert das nichts. Darum ging es OP ja nicht, sondern um den Status von Poker als Glücksspiel. Der betroffene Pokerspieler kann aber vielleicht bei der Steuerbarkeit seiner Black Jack und Cash Game Gewinne etwas machen, wenn er nachweisen kann, dass diese nicht im Zusammenhang mit seinem Turnierspiel stehen. Wenn er davon keine Shares verkauft hat, dann kann er das vielleicht plausibel machen.
Die Urteilsbegründung ist in der Herstellung eines Zusammenhangs sehr unklar. Er hätte an irgendwelchen VIP-Tischen spielen können, an denen er warum auch immer einen Platz bekommen konnte und deshalb sei das auch seiner Gewerbetätigkeit zuzuordnen. Diese VIP-Tische gibt's aber sicher für die anderen (Freizeit-)Spieler auch, wenn sie viel Umsatz machen. Und zwar deswegen, weil sie Kunden des Casinos sind, genau wie er. Vielleicht konnte er an die VIP-Tische sitzen, weil er hohe Black Jack / Cash Game Umsätze getätigt hat? Dann hätte das ja nichts mit seiner Berufstätigkeit, dem Turnierspiel, zu tun. Wieso sollte es dann einen Unterschied zwischen ihm und den anderen geben?
Inwiefern soll es einen Unterschied machen, wenn er zur Entspannung nach der Arbeit (Turnierspiel) ein paar Runden Black Jack spielt im Vergleich zu sagen wir einem Bordellkönig High Roller, der das gleiche macht am gleichen VIP-Tisch? Die Argumentation, wonach er sich beim Black Jack Spielerfahrung holt, die er beim Pokerspiel gebrauchen kann (Black Jack zu Poker-Trainingszwecken, lol) erscheint mir nicht überzeugend. Black Jack ist ein ganz anderes Spiel und das spielt man nicht gegen die anderen Spieler sondern gegen das Haus, worin soll da der Trainingseffekt bestehen? Das müsste vielleicht erst mal bewiesen werden, dass man sich durch Black Jack zum guten Poker Turnierspieler trainieren kann, bevor man das als Begründung in ein Gerichtsurteil schreibt. Ein allgemein anerkannter Fakt ist das sicher nicht. Der Bordellkönig holt sich beim Black Jack vielleicht auch ein paar Bekanntschaften / Erfahrungen, die er in seinem Betrieb gebrauchen kann. Ist das für den dann auch Teil seines Berufs, so dass er seine Verluste beim Black Jack steuerlich geltend machen kann? Scheint mir etwas beliebig zu sein, die Argumentation. Je nachdem, um wie viel es beim Cash Game / Black Jack Anteil geht lohnt sich eine Revision vielleicht doch.
Beim Poker Cash Game ist der Trainingsaspekt eher nachvollziehbar, da Poker Cash Game dem Poker Turnierspiel ähnlicher ist als Black Jack dem Poker Tunierspiel. Doch auch da besteht die Hürde, dass das Gericht wie bisher alle anderen Gerichte auch das Cash Game als wesentlich zufallsgesteuerter ansieht als das Turnierspiel und es bisher immer ohne jeden Zweifel als Glücksspiel gewertet wurde. Anders als im Turnierspiel, wo die Finanzgerichte schon eine ganze Weile ein Geschicklichkeitsspiel für die besseren Spieler zu erkennen glauben.
Trotzdem ist es vielleicht etwas zu einfach, wenn das Gericht beim Cash Game einfach unterstellt, dass der mögliche Trainingsaspekt ausreicht, um es als Teil der Berufstätigkeit zu sehen. Ist dann eine Schlafpause, die zur Erholung dient, nicht mehr als Freizeit anzusehen sondern als Teil der Berufstätigkeit, weil die Konzentration nach der Schlafpause höher ist als vorher? Wenn ja, dann gibt es den Begriff Freizeit nicht mehr, denn die dient aus Prinzip immer der Wiederherstellung der Arbeitskraft. Ich denke, da weitet das Gericht den Begriff der Berufstätigkeit unzulässig auf Freizeitbetätigungen aus. Im Arbeitsrecht wird auch nicht jede sich zufällig bietende Freizeitbeschäftigung mit möglichem Trainingseffekt als zur Arbeit gehörend gewertet. Das würde sonst ganz neue Aspekte bei der Bewertung der Arbeitszeit und von Unfällen in der Freizeit als Arbeitsunfälle eröffnen.