Ich wollte den Beitrag nicht in jeden der neuen "Ich werde Pokerpro" Threads reinschreiben, weil er mal losgelöst von einer bestimmten Persönlichkeit, die aufgrund ihrer eigenen suboptimalen Darstellung hier im Forum, Angriffsfläche bietet, betrachtet werden soll.
Viele Pokerstrategen hier greifen sich an den Kopf warum Leute mit zugegebener Maßen riskanten Strategien Pokerprofis werden wollen. Das geht meist soweit dass derjenige in seinem entsprechenden Thread geflamed und als dumm hingestellt wird.
Derjenige macht es trotzdem und setzt es in die Tat um. Doch ist diese Person dann wirklich immer dumm?
Es wird viele wundern, aber nicht jeder hat im Leben die selben Prioritäten und nicht jeder kann mit dem Maß des Einzelnen gemessen werden. Zur konkreten Thematik, ich selber bin ein Mensch der die Freiheit über alles liebt und ich würde, trotz Diplom, lieber für 1000€ monatlich selbstständig eine Toilettenputzfirma, wo ich auch selber Hand anlege führen, als für 10000€ monatlich Angestellter zu sein, wo es eine Person gibt, die mir sagt wie ich meine Arbeit zu erledigen habe.
Jetzt geht mal in Euch, könnt ihr das verstehen? Ich versichere Euch es ist absolute Realität und meine vollste Überzeugung. Ich bin mir sicher dass der Grossteil dies nicht nachvollziehen kann. Aber ich würde es trotzdem machen, weil das Wichtigste in meinem Leben, neben der Gesundheit und der Liebe, die Freiheit ist. Selber aufzustehen wenn ich will, und wenn der Kunde die Toilette um 8 Uhr geputzt haben will und ich das nicht möchte, dann muss ich selber eine Entscheidung treffen und abwägen ob ich mir das leisten kann oder nicht. Aber ich habe die Freiheit und kann entscheiden.
Bei den angehenden Pokerpro ist es sogar so, dass man wirklich ohne Bedenken die Zeit frei einteilen kann. Einige können sich nicht einmal im Entferntesten vorstellen wie wichtig manchen Leuten die Freiheit ist. Zurück zu mir, weil ich ein extrem anschauliches Beispiel bin, ich würde mir sofort den Link Arm abtrennen lassen anstatt mir irgendwann von irgendjemanden sagen zu lassen wie ich meinen Tag zu verbringen habe. Auch das ist 100%ig meine Überzeugung.
Viele die hier anfangen wollen Pokerpros zu werden, wissen auch dass Massgrinding und der Stress sicher nichts tolles sind, aber sie wissen eben auch dass sie dann frei werden und es ist nur eine Frage der Priorisierung was sie zu ertragen bereit sind.
Alles was wichtig ist im gegenseitigen Miteinander bzgl. dieser Thematik ist, dass man zu akzeptieren lernt, dass andere Menschen, andere Prioritäten haben und man eben nicht, wie ich es jedesmal in diesen Thread sehe, anfängt zu erklären wie risikoreich und schwer dass ist und das es eigentlich nicht schaffbar wäre.
Gerade den Pokerstrategen hier sollten Begriffe wie risikoavers und risikofreudig was sagen. Manche riskieren für eine Chance von 1% auf ein freiheitliches Leben ihren kompletten aktuellen Besitz und manche eben nicht. Auch wenn die Chance für manche Pokerprostarter hier extrem niedrig von der fähigen objektiven Masse hier eingeschätzt wird, heißt es trotzdem nicht dass es falsch wäre dies zu versuchen und es heißt eben auch nicht dass derjenige dumm oder bemitleidenswert ist.
Jeder Mensch ist anders und manchmal ist es für Person A so wahnsinnig schwer zu verstehen wie Person B sich darstellt und wie er sein Leben leben möchte, aber Person B hat nunmal seine eigenen Vorstellungen und anstatt ihn zu flamen oder aufklären zu wollen wie dumm sein Vorhaben ist, sollte man einfach akzeptieren dass derjenige das Risiko für den Gewinn der Freiheit in Kauf nimmt.
Was ich absolut in Ordnung finde, ist wenn der Threadstarter offensichtlich zu krasse Fehleinschätzungen bzgl. einer Entwicklung hat, dass man ihn darauf hinweist. Zum Beispiel rechnet sich einer eine Winrate aus mit longterm 10BB FL SH. Dann kann man ihn kurz aufklären darüber, dass das wirklich noch keinem gelungen ist. Aber sich anzumaßen jemanden zu sagen, dass er nie und nimmer z.bsp 10h am Tag micros grinden kann, man auf NL25 seinen Lebensunterhalt nicht verdienen kann oder noch besser 700€mtl. nicht ausreichen ist absolut arrogant und spricht für eine egozentrische Weltanschauung, welche eigentlich mit dem verlassen des Kleinkindalter biologisch beendet ist. Ich möchte bewusst nicht die Pokerstrategen angreifen, die einfach nur aufklärend posten, sondern diejenigen, die dann davon ausgehend ihr Priorisierungsprofil auf den Threadstarter anwenden.
Um es nochmal zu wiederholen: Für viele ist die Freiheit die eine selbstständige Arbeit bietet mehr Wert als Geld. Einfach dieses akzeptieren und den Menschen, die Pokerpros werden wollen, nicht immer mit soviel negativen Vibrations entgegentreten. Denn wir sollten niemals vergessen so unterschiedlich wir alle sind, uns hat alle das Pokern zusammengeführt. Da darf man schonmal ein wenig Toleranz zeigen, so rauh wie es auch hier manchmal zugeht. Aber da dies für viele eine existenzielle Entscheidung ist, sollte man auch den Respekt entgegenbringen und mal vom aggressiven BBV Ton abrücken.