Ob es machbar und bezahlbar ist, ist meiner Meinung nach eine Frag der Zielsetzung. Man braucht nicht Millionen und auch nicht unbedingt 5 Mannjahre für einen ansprechenden Bot.
Bei der Programmierung hat man zunächst einmal zwei Probleme zu lösen:
1. das technische Problem - also ein Rahmenprogramm, was selbständig spielen kann
2. die Qualität des Spiels.
In der ersten Stufe muß man erstmal das technische Problem lösen. Das ist dann erreicht, wenn der Bot den Pokerclient bedienen kann.
Dafür gibts ja sogar schon quasi eine Programmieranleitung (irgendein Link in den vorherigen Antworten).
Bei der Qualität des Spiels geht es dann darum, die Entscheidungsfindung des Bots zu verfeinern.
Dabei kann es natürlich nicht das Ziel sein, einen Bot zu programmieren, der jede Hand gewinnt. Es geht nur darum, daß der Bot vernünftige Entscheidungen fällt.
Genauso wie jeder Anfänger hier bei PS seine Aktionen aus beispielsweise dem SHC für die SSS ermitteln kann, genauso kann auch ein Bot über eine entsprechende Entscheidungstabelle gesteuert werden.
Wenn das erreicht ist, dann hat man bereits einen Bot, der solide nach der SSS spielt (oder auch BSS)
In der nächsten Ausbaustufe kann man dem Bot die Statistiken der Gegner aus der Pokertracker-DB mitgeben.
Genauso wie jeder echte Spieler die Werte VPIP, PFR, AF usw. in seine Überlegungen miteinbezieht, kann man auch die Entscheidungstabelle für den Bot damit verfeinern - also die in Frage kommenden Aktionen des Bots anders gewichten.
Der Bot fällt dann seine Entscheidung anhand des SHC und merkt zusätzlich z.B., daß gerade jemand im BB sitzt, der bisher 90% Fold BB to steal hat.
Die zu treffende Aktion ist dann bei Berücksichtigung der eigenen Karten nicht mehr 100% Fold, sondern möglicherweise 80% fold wegen der Karten und 20% raise wegen der Gegner-stats.
Kommen weitere Faktoren hinzu, die der Programmierer nach und nach mit einbezieht, dann kann die Entscheidung des Bots am Ende ein raise sein,
weil mehr Faktoren für den raise sprechen (Gegner-stats, gute Position, keine Tags in der Hand usw.).
Die Spiel-Qualität des Bots ist daher abhängig von den Pokerkenntnissen des Programmierers.
Wenn der Programmierer weiß, woran man einen TAG, Maniac, LAG, nit usw. erkennt und wenn er weiß, wie man das eigene Spiel gegen die jeweiligen Typen anpassen muß, dann kann er das auch in eine Entscheidungstabelle packen und der Bot passt sich scheinbar den Gegnern an.
Was man nicht erreichen kann, ist ein Bot, der "bessere" Entscheidungen trifft, als der Programmierer. Daher kann natürlich auch der Bot sehr leicht broke gehen. Wenn der Programmierer beispielsweise nicht berücksichtigt, daß in einem Limit checkraises unüblich sind und auf einen starke Hand hindeuten - in einem anderen Limit aber zum Standard gehören, dann wird der Bot im falschen Limit scheitern und ordentlich Kohle verbraten.
Notwendig wäre dann eine Erweiterung der Entscheidungstabelle um weitere Faktoren mit entsprechender Gewichtung.
Nach und nach kann man den Bot immer weiter feintunen. Aber dabei kann man natürlich noch nicht von KI sprechen.
KI beim Bot würde bedeuten, daß der Bot durch sein Spiel Erfahrungen sammelt, die ihn dazu veranlassen, seine Entscheidungstabelle selbständig zu erweitern oder zumindest anzupassen.
Das ist allerdings gerade bei Poker extrem problematisch, da Poker ein Spiel mit unvollständigen Informationen ist.
In den meisten Fällen wird der Bot nicht wissen, welche Karten die Gegner gefoldet haben. Er wird auch nicht immer feststellen können, ob sein eigener Fold korrekt war, oder ob er die Hand gewonnen hätte.
Das "Lernen" bei KI benötigt vergleichbare Situationen und Ergebnisse.
Aber die Ergebnisse fehlen oft und die Situationen sind nicht vergleichbar.
Selbst wenn der Bot die gleichen Karten gegen den gleichen Gegner von der gleichen Position ein zweitesmal spielt, kann der Bot nicht wissen, ob der Gegner ebenfalls die gleichen Karten hat. Ein Vergleich der Ergebnisse wenn er einmal foldet und ein anderesmal callt ist also sinnlos.
Als weiteres Problem für KI kommt dann noch der Faktor Glück hinzu. Wie oft kommt es vor, daß man eine Hand korrekterweise bettet/raist/callt und dann den showdown trotzdem verliert.
Die geliebte Varianz würde im schlimmsten Fall dazu führen, daß der Bot die eigentlich korrekte Spielweise als falsch einstuft.
Fazit:
Man braucht eigentlich keine besondere Angst vor Bots haben. Die spielen auch nur ihren Stiefel runter.
Wenn der Bot gut ist, dann hat derjenige, der ihn einsetzt eventuell dadurch einen Gewinn. Allerdings nur, weil der Bot ihm die Arbeit abnimmt, hunderte Tische gleichzeitig zu spielen.
Die jeweiligen Gegner am Tisch brauchen den Bot nicht mehr oder weniger zu fürchten, als wäre der Programmierer selbst am Tisch.
Ich halte es für unwahrscheinlich, daß ein Bot mit KI ausgestattet ist und dadurch in der Lage ist sich immer mehr zu verbessern.
Ebenso wird der Bot die einzelnen Gegner nicht bis ins kleinste Detail analysieren können.