Die Studie sagt eigentlich was ganz anderes aus (ich habe sie mir durchgelesen). Wenn die Umgebung so ist, dass Glück eine grosse Rolle spielt und Talent die Chance steigert, aus einem glücklichen Ereignis einen Erfolg zu machen, dann ist bei einer Normalverteilung des Talents der Erfolgreichste häufig ein mittelmässig begabter und praktisch nie ein Höchstbegabter. Warum? Weil der Survivalbias durch mehrere in Folge auftretende glückliche Ereignisse so stark ist, dass die Chance höher ist, dass aus der grossen Masse mittelmässig Begabter jemand mit vielen glücklichen Ereignissen häufiger bedacht wird als ein Hochbegabter. Von den Hochbegabten gibt es viel weniger und es hat mit der besonders glücklichen Kette viel häufiger einen Mittelbegabten getroffen.
Wie im Lotto: definieren wir einen Hochbegabten damit, dass er in der Lage ist, mehr Tipps pro Schein abzugeben als ein Mittelbegabter, der die Masse der Teilnehmer stellt. Jeder gibt einen Schein ab. Die Gesamtzahl aller abgegebenen Tipps enthält aber mehr Tipps von Mittelbegabten, weil diese in der Anzahl viel grösser sind als die Hochbegabten. Deshalb wird der Jackpot häufiger von einem Mittelbegabten abgeräumt als von einem Hochbegabten. Durch die viel geringere Anzahl der Teilnehmer fallen die Tipps der Hochbegabten weniger ins Gewicht, obwohl sie mehr Tipps pro Schein abgeben.
Das ist im Kern ziemlich äquivalent zum Experiment in der Studie, obwohl sie sich mit multiplikativen Kettenereignissen befasst und nicht mit Einzelschüssen auf einen Jackpot.
Viel interessanter ist der zweite Teil des Papers, wo man sich mit Förderung befasst. Ist Elitenförderung besser als das Giesskannenprinzip? Die Studie kommt zu dem extrem eindeutigen Ergebnis, dass Elitenförderung das ineffizienteste ist, was man machen kann. Giesskanne schlägt alles bei weitem und die höchste Effizienz mit wird geringen kontinuierlichen Beträgen erzielt, auch wenn bessere Spitzenergebnisse und bessere durchschnittliche Ergebnisse bei grosszügigerer Förderung erzielt werden. Aber im Quotienten Ergebnissteigerung / Förderung ist ein kleiner Betrag pro Gefördetem besser als ein grosser. Die durchschnittliche Erfolgsquote im Endergebnis wird durch Giesskanne mit einem geringen Betrag am effizientesten gesteigert. Eine random Auswahl bei der Förderung ist knapp hinter der Giesskanne und zwar je breiter die Förderung gestreut wird, desto wirksamer ist sie. Überraschenderweise schlägt eine random Förderung die Elitenförderung selbst dann deutlich, wenn die gleiche Anzahl an Individuen gefördert wird. Das heisst, Förderung der Besten (also der Erfolgreichsten zu einem bestimmten Zeitpunkt) ist immer das schlechteste Auswahlkriterium.
Konsequente Förderung der Talentiertesten führt zu einer besonders grossen Lücke zwischen wenigen Erfolgreichen und der Masse der weniger Erfolgreichen. Fördert man stattdessen mit dem gleichen Geld das Mittelmass, dann hat man mehr Erfolgreiche, die im Durchschnitt besser liegen und eine kleinere Lücke zwischen den sehr Erfolgreichen und dem Rest. Das heisst, Anhebung der durchschnittlichen Kompetenz bringt mehr als Anhebung der Spitzenkompetenz.
Ich finde, das ist schon ein heftiger Schlag ins Kontor der gegenwärtigen Forschungspolitik bei Universitäten ("Exzellenzinitiative"). Politiker schmücken sich gerne mit dem Prestige von Forschern höchster Kompetenz, dabei wäre das Geld bei der Ausbildung der Studenten und Doktoranden viel besser angelegt, weil das die Durchschnittskompetenz fördert. Statt Schwerpunkte zu setzen sollte grössere Vielfalt angestrebt werden. Aber das verleiht viel weniger Prestige und kommt damit dem Ego der Geld verteilenden Politiker nicht entgegen. Gefördert wird eigentlich mehr das Eigeninteresse der Politiker in Form von Prestige als die Wirksamkeit der ausgegebenen Mittel.
Das kann man auch auf Pokerstables übertragen. Wenn man einen festen Geldbetrag investieren will, dann sollte das Investment in viele Spieler auf kleinen Limits effizienter sein als das Investment in wenige Spieler in hohen Limits. Das bedeutet, es ergibt Sinn, Einstiegskurse für billiges Geld anzubieten, damit man einen möglichst breiten Grundstock an Spielern bekommt.