Original von leo7689
Keine Ahnung, warum dieser Thread so viele Dislikes bekommt. Für mich ist die Eingangs gestellte Frage …
Spoiler
Original von Buddy2504
Die Frage ist relativ simpel: Ist es eurer Meinung nach heutzutage überhaupt noch möglich, ein Winner zu sein?
Ich spiele zur Zeit NL2 und muss sagen, dass das ganze eher eine Achterbahnfahrt gleicht als eine ordentliche Kurve. Daher die Frage, ist es eurer Meinung nach heute überhaupt noch möglich ist, Winning Gamer zu sein? Wenn man Leuten glauben darf, schaffen sie es, bei 100 K Händen gerade mal Even zu sein auf NL2?
Das kann doch nicht der Sinn der Geschichte sein, nach 100.000 Händer mal gerade Equal zu sein?
Lass mich gerne eines besseren belehren ...
Liebe Grüße Buddy
… heutzutage eine sehr wichtige für jemanden, der mit Poker beginnen will bzw. sich jetzt noch aktuell hochspielen will.
Zu allererst: Ich würde keinem raten, sich als Ziel zu setzen, Poker for Living zu spielen, wenn er nicht entschlossen ist mehrere Stunden täglich über einen langen Zeitraum, sich mit dem Thema Poker zu beschäftigen. Man braucht aktuell schon sehr viele Dinge um richtig gut Winning zu sein und da gehört nicht nur das pokertheoretische Wissen allein dazu.
Es gibt viele Eigenschaften, die ein professioneller Pokerspieler bzw gute Pokerwinner haben sollten:
1) Geduld - für mich das wichtigste beim Pokern. Jeder, der sich ein bisschen auskennt, weiß wie groß die Varianz sein kann. Wie lange es dauern kann, bis man trotz guten Spiels in die Gewinnzone kommt. Dazu lernt man Poker nicht an einem Tag … auch hier ist beim Lernen absolut Geduld eine entscheidende Eigenschaft. Immer Step-by-step gehen … dir darf es nicht zu blöd sein 1/2 Jahr nur zu verlieren. Und hier kommt für mich die 2.wichtigste Eigenschaft ins Spiel
2) Mindset, v.a. Frustrationstoleranz:
Ein Winningplayer muss in der Lage sein, lange Verluststrecken, zu verdauen und trotzdem sein A-Game zu spielen. Hört sich vl nicht so arg an, aber wer Antiruns erlebt hat, weiß wie das ist (Man beginnt nach einiger Zeit Badrun schön langsam an seinem Spiel bzw. seinem Glück zu zweifeln) - das kann richtig hart sein. Wenn man gut Winning sein will, sollte man aber auch in solchen Zeiten nicht zurückscheuen zu spielen und auch immer A-Game abrufen können.
Weitere nicht unwichtige Punke Konzentrationsfähigkeit (Man sollte schon einige Stunden täglich gut performen können, ohne die Konzentration zu verlieren), Intelligenz/Logisches Denken, mathematisches Verständnis, etc.
Weiters ist auch wichtig, dass du ein gutes HUD hast und mit den Stats was anfangen kannst: Gerade auf den niedrigen Limits machen die Gegner so viele Fehler, die man alle exploiten kann. Allerdings sollte man auch wissen, wie man das macht.
GTO auf niedrigen Limits ist für mich halt absolut sinnlos. Man sollte einen Gameplan gg das Spielerpool entwickeln und von dem Plan aus, gewisse Stats von den Gegnern exploiten.
GTO macht deswegen keinen Sinn, weil wir damit zwar grundsätzlich +EV (zumindest 0EV) spielen, aber in den größten Teil der Fälle nicht maxEV. Dafür sind wir in allen Spots unexploitbar, was uns aber widerrum nichts nützt, da unsere Villains auf kleinen Limits ja sowieso nicht wissen, wie sie was exploiten können.
Zusätzlich schlecht macht es der hohe Rake auf kleinen Limits. Da ich nie maxEV, sondern in den meisten Spots leicht +EV spiele, kann schnell der Rake (der auf niedrigen Limits um ein vielfaches höher ist als auf hohen) unsere Gewinne auffressen und wir werden schnell vom slightly Winner zum Loser.
Auf höheren Limits macht es va gg gute Gegner mehr Sinn GTO-nahes Spiel einzubauen, da der Rake wesentlich kleiner ist, und unsere Gegner Leaks viel schneller und besser erkennen und exploiten können. (Ein Tipp für alle Aufsteiger: Spielzüge, die auf kleinen Limits höchst +EV sind, können auf höheren Limits stark -EV sein)
Puh, bin jetzt schon weit vom eigentlichen abgeschweift … weiter im Text:
Nächstwichtiger Punkt, den viele unterschätzen:
Es ist wichtig, sich schwache Gegner zu suchen. Ein altbekanntes Pokersprichwort sagt: Wenn du der 10. beste Spieler der Welt bist, wirst du keinen Gewinn machen, wenn du gegen die 9 besseren spielst. Das versteht jeder. Allerdings sollte man online auch nicht gegen nur wenig schwächere Gegner spielen. Und zwar aus 2 Gründen: 1. unterschätzt man Gegner zu oft bzw. man überschätzt den eigenen Skill und der geglaubte Vorteil ist in Wirklichkeit ein Nachteil und was imo noch wichter ist, 2. kann es so sein, dass alle Spieler an einem Tisch verlieren, und zwar dann, wenn alle ähnlich gut sind. (Einfaches Bsp. mit 3 Spielern: Wir sitzen zu Hause beim Homegame - Spieler A macht an dem Tisch 8bb/100, Spieler B macht 5bb/100 und Spieler C verliert diese bb, also -13bb/100 … im Homegame gibt es also 2 gute Winner und 1 Loser. Sitzen diese Spieler allerdings an einem NL10 online Tisch, werden wsl (je nach Pokerseite) alle Spieler Losing sein, da auf NL10 normalerweise über 10bb/100 Rake abgegeben wird. Wenn wir jetzt 10bb/100 annehmen hat Spieler A hat somit -2bb Winrate, Spieler B -5bb und Spieler C - 23bb.
Also sollte man Tische nur dann spielen, wenn zumindest ein sehr schlechter bzw. 2 leicht schwächere Gegner am Tisch sitzen.
Am besten also fischige Pokerseiten suchen und dann noch gut Table selecten (oder auch Game selecten, man muss ja nicht NL spielen)
Zum Abschluss möchte ich noch ein wenig über mich selber schreiben: Ich spiele seit gut 10 Jahren Poker, war ab dem 2. Jahr immer Winning, und spiele seit ca 5 Jahren for Living. Allerdings muss ich schon sagen, dass sich das Niveau des Spiels extrem gesteigert hat. Ich mache seit ca 6-7 Jahren jährlich ca die selben Gewinne, die zwar fürs Leben reichen, aber nicht fürs reich werden (noch nicht :f_biggrin:). Ich habe extrem viel gemacht und mich imo extrem verbessert. Mit dem heutigen Wissen hätt ich vor 6-7 Jahren sicher ein vielfaches meiner Winnings gemacht. Leider wird Poker immer tougher … und man sollte das auch nicht leugnen.
Spoiler
2014 hab ich eine Statistik von Win2day gesehen, in der ausgegeben wurde, dass 16% aller Spieler Gewinner in diesem Jahr waren. Heute sind es denk ich weniger bzw. die Erträge der Gewinner kleiner
Man braucht sich ja nur die Google Trends Statistik anschauen und weiß, wohin sich Poker entwickelt hat und vl noch weiter entwickeln wird:

Hier liegt das aktuelle Interesse bei ca. 6% vom Höhepunkt. Das heißt, die Spieler werden immer weniger, und es bleiben leider nicht die schlechtesten, sondern die, die es schon halbwegs können.
Abschließend möchte ich sagen, dass ich denke, dass Poker auf kleinen Limits für jedermann der will, noch immer schlagbar ist, allerdings ist es wesentlich schwerer auch hier Winning zu sein als früher. Heutzutage muss man schon ein wenig was investieren, egal welches Limit zu schlagen, früher hat eine halbe Gehirnzelle ausgereicht