Mein Mitgefühl ist bei jenen, die gerade einen fiesen Downswing durchlaufen. Natürlich hatte ich auch schon mehrfach damit zu tun. Es ist immer wieder ein frustrierendes Erlebnis.
a) Der kurzfristige Downswing
Kurzfristige Downswings ereignen sich ziemlich oft. Man spielt seinen normalen soliden Stil und am Ende der Session hat man drei ganze Tische verloren. Wie ist das zu erklären? Im Prinzip ist es nichts anderes als eine Verkettung unglücklicher Ereignisse. Jede Menge zweitbeste Hände, Bad Beats und dann noch all die kostspieligen High Quality Draws, die sich nicht materialisieren wollen. Mein persönlicher Rekord ist Minus 3000 Dollar in vier Stunden. Drei ganze Tische auf 20/40. In der letzten Hand der Session befand ich mich in einer Small Blind versus Big Blind Konstellation gegen den Tisch-Maniac (70 % flop seen). Ich hatte AA und floppte einen Nutflushdraw. Er floppte eine Straight. Ich war gelöscht.
Für viele Spieler ist es angebracht, eine Stop-Loss-Marke festzulegen. Diese könnte sehr gut bei - 50 BB (Big Bets) liegen. Es ist nun einmal so: Wenn man verliert, dann verschlechtert sich die Stimmung. Es besteht die Gefahr, dass man dann nicht mehr seine optimale Leistung (A-Game) bringen kann. Umgekehrt gilt ja auch, dass man alles, was man mit Freude macht besonders gut erledigt. Jeder, der dazu neigt, on tilt zu gehen, sollte sich strikt an eine bestimmte Stop-Loss-Marke halten. Noch etwas kommt hinzu. Wenn man verliert, kann dies auch äu�?ere Umstände haben. Vielleicht sind die Gegner besonders stark. Es spricht jedenfalls einiges dafür, ein wenig Abstand zwischen sich und den Mi�?erfolg zu bringen. Morgen ist auch noch ein Tag!
Die 50 BB Regel: Verliert man während einer Session mehr als 50 BB, so macht man am besten bis zum nächsten Tag Pause.
Die 300 BB Abstiegsregel: Erreicht eure Bankroll die 300 BB Grenze für das darunterliegende Limit, so müsst ihr auf dieses Limit wechseln. Spielt ihr z.b. 3/6 und eure Bankroll fällt auf 1200 (also 300 BB bei 2/4) so müsst ihr auf 2/4 zurückwechseln.
Die Nichtaufstiegsregel: Unter gar keinen Umständen dürft ihr während eines Downswings im Limit raufgehen oder spontan auf ein anderes Spiel wechseln (z.B. von fixed Limit zu No-Limit).
b) Der langfristige Downswing
Der eigentliche Härtetest für den Pokerspieler ist der langfristige Downswing. Dieser kann sich über Wochen erstrecken und hat schon manche verhei�?ungsvolle Pokerkarriere beendet, bevor sie eigentlich begann. So unwahrscheinlich wie es klingt, aber auch sehr lange Pechsträhnen befinden sich durchaus im Rahmen des mathematisch Plausiblen. Um sich gegen die psychische Belastung während eines Downswings zu wappnen, sollte man sich auf jeden Fall mit der mathematische Natur von Glücks- und Pechsträhnen vertraut machen. Zwar ist Poker ein Strategiespiel, aber es kann oft sehr lange dauern, bis die richtige Spielweise Früchte trägt. Denn die sogenannte Varianz – also der mathematische Faktor um Glücks- und Pechsträhnen zu messen – ist unerwartet gro�?. Unter Umständen kann man über mehrere tausend Hände Verlust machen, obwohl man perfekt gespielt hat. Andererseits kann aber auch der Gewinn über die gleiche Zahl an Händen deutlich grö�?er sein als erwartet. Auf lange Sicht jedoch, wird sich der tatsächliche Gewinn mit dem mathematisch erwarteten Gewinn (hinsichtlich der eigenen Spielstärke) decken.
Natürlich ist nicht auszuschlie�?en, dass ein Downswing spielerische Ursachen hat. Man sollte sich stets fragen, ob das Limit einen nicht überfordert. Wer unsere Anweisungen zum richtigen Bankrollmanagement befolgt, der wird natürlich automatisch im Limit herunter gehen, wenn es längerfristig schlecht läuft. Ein Downswing ist immer eine gute Gelegenheit, sein eigenes Können auf den Prüfstand zu stellen. Wo sind meine Schwächen, wo die Leaks, durch die ständig Geld versickert? Während einer Pechsträhne sollte man verstärkt an seinem Spiel arbeiten und sich vermehrt mit Literatur beschäftigen. Da das Spielen ja in solchen Phasen ohnehin nicht so viel Freude bereitet, dürfte das nicht schwer fallen.
Regel: Mache dich mit der mathematischen Natur von Glücks- und Pechsträhnen vertraut!
Regel: �?berprüfe, ob der Downswing spielerische Ursachen hat!
Regel: Benutze den Downswing, um dich vermehrt mit der theoretischen Seite des Pokerns zu beschäftigen!