Hallo Pokergemeinde,
Seit kurzem zähle auch ich zu den Kartenhaltern und Geldspendern in Partypoker. Hier könnt ihr lesen, was mir so alles am ersten Wochende meiner Amateurlaufbahn (Betonung liegt auf Amateur) wiederfahren ist.
Zuerst kurz zu mir: Ich habe gute 20 Jahre Erfahrung als Bridge-Spieler (Etliche Teilnahmen an Weltmeisterschaften, Bundesligaspieler etc, Aufwand oftmals 50 und mehr Stunden pro Woche). Poker hat mich eigentlich nie wirklich interessiert, da ich "Glückspiele" überhaupt nicht mag. Aber dem DSF sei Dank, hat sich das in den letzten Monaten geändert und in einer langweiligen Stunde (die bei mir sehr selten vorkommen), habe ich mir dann PokerStrategy mal näher angeschaut und war sofort angefressen.
Sobald die 50bucks auf meinem PartyAccount waren, habe ich mich letzten Freitag eingeloggt und gleich meinen dicksten aller Fehler gemacht (Lesen von Anleitungen erleichtert viele Dinge ungemein!!). Ich wusste schon, dass man als Neuling auf 0.05/0.10 Tischen anfangen sollte. Ich habe davon aber keinen gefunden (Auf die Idee "Beginner" anzuklicken bin ich nie gekommen). Also habe ich dummerweise mit 0.5/1 er Tischen angefangen..keine gute Idee ;(. Es ging nicht lange und ich war ein Grossteil meines Geldes los.
Insgesamt wäre es nicht mal so schlecht gelaufen, wenn da nicht diese Hand mit dem KK gewesen wäre... (Leider kann ich nicht auf mein Log zugriefen..deshalb kommt es aus dem Gedächtnis..)
auf BB halte ich KK, UTG+1 raised, alle anderen floppen, und wir gehen bis cap.
flop, turn und river spielen keine rolle, da ja klar ist, dass er eine starke Hand hat (höchstwahrscheinlich auch eine made Hand) (es waren 972 4 und 7 rainbow nebenbei)
Ich dachte mir: Er sollte für sein cap eins von AA, AKs, KK, QQ oder AQs haben. Insgesamt sind das 36 mögliche Hände. Davon haben nur 6 Verteilungen eine höhere Potequity als meine 2 Könige, also muss es doch richtig sein aggressiv weiterzuspielen. das tat ich dann auch.. (ich wurde aber etwas vorsichtiger auf Turn und River mit check / call),
Das Ende der Geschichte: Er hatte natürlich AA und ich habe ne Menge holz liegen lassen.
Eine zweite Hand hat mich dann auch nochmal richtig Asche gekostet, weil ich vor lauter Euphorie das Pik As für ein Kreuz As gehalten habe und ich halt doch nicht die Nuts mit dem Ace-high Flash hatte....
Gerade noch rechzeitig ohne Pleite zu gehen, habe ich dann die Email von Pokerstrategie bekommen, in der beschrieben wird, dass man auf "Beginner" gehen muss für die 0.05/0.10 Tische. Fast wäre eine aussichtsreiche Pokerkarriere (darauf hoffe ich immer noch ♦) im Keim erstickt worden.
Aber auch an den Tischen hatte ich hart zu kaempfen sodass mein Verlust sich auf insgesamt 40 Dollar am Samstag abend aufsummierte.
Ich bin Frühaufsteher und habe deswegen am sonntag schon um 6:00 uhr morgens angefangen und siehe da, die betrunkenen Amerikaner gibt es wirklich! Das ist zwar keine Herausforderung aber Geld bringt es allemal ♦
Jetzt bin ich wieder fast auf meinem Ausganswert von 50 Dollar zurück.
Aber ich habe an diesem Wochende einiges gelernt, was ich hier gerne weitergeben will:
1. Man muss sein Ego doch sehr gut im Griff haben. Nachdem ich die Strategien hier durchgelesen hatte und die ganzen Kommentare über Fische usw mitbekommen habe, dachte ich natürlich, ich mach gleich mal dick Kohle. Aber dummerweise gilt: "Poke is a game of experience not a game of skill". Das ganze theoretische Wissen ermöglicht es einem nur, Erfahrungen bewusster und damit schneller zu erlangen. Sammeln muss man die Erfahrung aber trotzdem. Als Beispiel: Ich habe mich als Anfänger ohne Erfahrung oftmlas unter Druck gesetzt gefühlt schnell eine Entscheidung treffen zu müssen. Erfahrung hilfte einem da gleich doppelt, da mein erstens eine Menge an Stress-situationen vermeiden kann und zweitens trotzdem noch das Wissen für eine korrekte Entscheidung abrufen kann und keine Bauchentscheidung trifft (wie ich als Anfänger)
2. Ich habe gerade am Anfang zu agressiv gespielt, oftmals Hände gecallt oder geraised, die ich nicht hätte spielen sollen, da mir einfach langweilig war. Mir hat es sehr viel geholfen, an zwei Tischen gleichzeitig zu spielen, das erhöht die Action doch deutlich und man kann sich auf die wirklich guten Hände konzentrieren. Mit zwei Tischen wurde mein Spiel tatsächlich wesentlich besser (laut PokerTracker) .
3. Ein Tool wir PokerTracker ist unerlässlich. Für Bridge würde ich mir etwas ähnliches wünschen. Ich habe Stunden damit verbracht, meine Hände hinterher anzuschauen und zu versuchen meine Fehler zu finden. Das hilft immens.
4. Ich habe nachwie vor Probleme mit kleinen Pärchen, die ich oftmals zu aggressiv gespielt habe (vermute ich) und dann weiss man nicht, was man am flop tun soll, wenn die ganzen Overcards daliegen. Da muss wohl noch eine bessere Strategie her.. Was macht ihr da? Der Faktor, wieviele Leute noch mit im Pot sind, ist dafür ja ein wichtiger Parameter, oder? Ich habe mit den Pot-Odds und kleinen Pärchen auf jeden Fall schlechte Erfahrungen gesammelt (ok, noch fehlt die relevante Stichprobengrösse...aber zumindest eine positives Erlebnis könnte doch mal dabeisein, oder?
so, jetzt ist aber erstmal Schluss...
Ach nein, eins hab ich noch: Vielen Dank an alle von PokerStrategie für diese tolle Site und den erstklassigen Bonus bei PartyPoker. Ich hoffe ich kann das irgendwann hundertfach zurückzahlen (natürlich nur aus meinem gewinn-pot :))