ich habe es bei einer Hand von FS im HBF schon geschrieben und kann es hier angesichts der Diskussion nur wiederholen:
Poker ist kein Kartenspiel im eigentlichen Sinne, sondern ein Wettspiel.
Man setzt Geld ein als Wette auf bestimmte Karten, bzw. Wahrscheinlichkeiten und man gewinnt dabei, wenn der Gegner für ihn ungünstige Wetten eingeht (-EV) und umgekehrt, wenn man +EV Wetten die der Gegner einem anbietet annimmt und -EV Wetten nicht eingeht.
Nur das ist Poker und nur darauf kommt es an.
Wie die Karten dann tatsächlich fallen ist vollkommen(!) irrelevant. Alles was man machen kann und sollte, ist in jeder Situation, also immer wenn man dran ist, die für diese Situation optimale Wette zu bestimmen und zu offerieren bzw. einzugehen. In dem man dies möglichst optimal umsetzt maximiert man den Erwartungswert (EV), denn wenn ich dauerhaft lukrative Wetten eingehe, dann werde ich gewinnen auf lange Sicht gesehen, sicherer als das Amen in der Kirche.
Was Anfänger immer und immer wieder falsch machen ist Poker als ein Spiel zu betrachten bei dem man die gerade gespielte Hand gewinnen will, anstatt darauf zu achten lukrative Wetten einzugehen.
Erst mit diesem völlig verkehrten mindsetting kann man dann auch davon beeinflusst werden wie die Karten fallen, ob man Hände gewinnt oder verliert und kommt schnell in den negativen Strudel -> depressive/pessimistische Sichtweise/Tilt.
Ich weiß nicht ob jeder in der Lage ist die richtige Sichtweise auf Poker einzunehmen und es ist, wie eigentlich fast alles im Leben halt etwas was man sich hart erarbeiten muss (denn sie ist unnatürlich), indem man drüber nachdenkt, es immer wieder versucht und wenn man doch wieder scheitert oder tiltet, weil man doch jetzt endlich auch mal wieder ne Session im Plus beenden will und 4 suckouts in Folge mehr als zuviel sind, dann hift es nichts als sich wieder zu beruhigen auf diese essentiellen Wahrheiten des Spiels zurückzubesinnen und es erneut zu versuchen.
Denn ohne diese Sichtweise macht man beim Poker dauerhaft Fehler, sowohl im mentalen Bereich als auch im Spiel, weil man aus den falschen Gründen setzt - gerade indem man ABC Poker spielt, also breitgetretenen Wegen die sich als gut gangbar herausgestellt haben folgt, so verdeckt dies oft die fehlerhafte Sichtweise auf das Spiel, die genau dann sichtbar wird, wenn jemand nicht mehr seinem Schema folgen kann und dann anfängt völlig irrationale bets zu machen, Stichworte: "Protection", "suckouts vermeiden", "Pot klar machen", etc.
Ich kann halt nur jedem raten sich dies immer wieder vor Augen zu führen, zudem ein BRM zu fahren bei dem einem die swings die zum Spiel dazugehören nicht, und zwar überhaupt nicht tangieren - wo das beim Einzelnen liegt muss er selber wissen, ich bin ab weniger als 50 stacks auf scared money und hätte lieber 100 als 75 stacks - und dann halt wirklich nur darauf schauen den EV zu maximieren, gute Wetten anzubieten und einzugehen und alles andere auszublenden.
Sobald man dazu nicht mehr in der Lage ist (Tilt im Verzug, Gewinnen wollen, etc.) sollte man insta quitten und erst wieder spielen, wenn man positiv gestimmt ist und rational und emotionslos spielen kann.
just my 2 cents.