Original von Kreatief
Ich kann so einiges nicht nachvollziehen was du schreibst, cyde.
1) "Schuften" ist sicherlich der falsche Ausdruck. Genauso wenig wie du als Pokerpro Pokern als "gambeln" ansiehst, sieht ein Arbeitnehmer seinen Wunschjob als "schuften" an. Ich habe studiert und arbeite nun in einem Job der mich sehr ausfüllt. Ich weiss, dass ich weniger verdiene als mit Pokern, jedoch würde ich niemals den Schritt gehen zu tauschen. Warum? Weil mir der Job viel gibt. Herausforderungen, Verantwortungen, Abwechslungen, Kreativität und vieles mehr. Das bietet Pokern sicherlich nicht.
Klar, wenn du deinen Traumjob hast mag das sicher stimmen. Aber mal ehrlich: Wieviel Prozent der arbeitenden Bevölkerung kann denn ehrlich behaupten, dass sie in ihrem Traumjob arbeiten? Der Prozentsatz mag unter Studierten etwas höher sein als im Gesamtschnitt aber gerade wenn man nicht die Bestnoten vorweisen kann, ist die Auswahl ja schonmal eingeschränkt.
2) Du sagst, du freust dich auf jeden Tag, um deinem pokerpro-sein nachzugehen. Auf der anderen Seite schreibst du, dass du deine Pokerziele nicht erreicht hast. Ich hoffe, dass liegt an weiteren Vorzügen des pokerpros wie reisen etc. Denn wenn du viel vergammelt hast und nicht, wie korn es schreibt, eine 40h Woche mit Pokern verbringst, dann kann ich die beiden Punkte nicht auf einen Nenner bringen.
Ich kann dir da nicht ganz folgen. Es liegt auch zu gewissen Teilen an Reisen aber ein Großteil der Zeit wurde auch vergammelt. Ich finde das schade im Hinblick auf die potentiellen Ergebnisse die ich hätte erzielen können, hätte ich die Zeit genutzt. Aber zu behaupten, dass ich beim "Gammeln" keinen Spaß hatte, wäre auch gelogen. Ich fühle mich natürlich auch besser wenn ich den Tag produktiv verbracht habe aber ab und an ein bisschen Nichtstuen ist auch schön. Natürlich ist so eine Einstellung gefährlich und man sollte auch nicht das Studium abbrechen/aussetzen um sich nen faulen Lenz zu machen aber ein Pluspunkt ist es für mich definitiv. Ich habe z.B einen Kumpel der in seiner Freizeit dauernd was machen muss/will. Er hat Spaß dran von Aktivität A zu Aktivität B zu wechseln und den ganzen Tag mit Dingen vollzustopfen. Das ist toll aber ich bin da anders. Und ich finds nicht schlimm wenn es nicht überhand nimmt.
3) Es geht nicht darum, "hundert Freunde und ne Frau für jeden Wochentag" zu haben. Ich "kenne" einige pokerpros, bei denen ich behaupten würde, die tatsächlichen realen Freunde und Kontakte halten sich schwer in Grenzen. Wenn es gut läuft, leben sie in einer Poker-WG und reisen ab und zu zu events, um andere Pokerpros zu treffen. Es ist nur allzu verständlich. Mir würde es ähnlich gehen und das würde mir arg zusetzen. Es gibt Ausnahmen, aber eben nur Ausnahmen.
Aber wie bereits geschrieben denke ich, dass es bei solchen Leuten eher an der sozialen Kompetenz mangelt und sie auch im Unileben nicht viele Kontakte knüpfen würden. Auch hier gibt es unterschiedliche Typen. Manche Menschen werden durch soziale Aktivitäten angeregt, andere erschöpft es. Durch die frei einteilbare Zeit hat man aber alle Möglichkeiten Freunde zu finden und Kontakte zu pflegen, wenn man dies wünscht.
Original von belze
Cyde, meinst du wirklich, dass Leute, die die signifikanten Stakes wirklich gut beaten, sich theoretisch mit nem Durchschnittsabschluss zufrieden geben müssten? Das ist einfach zu nem großen Prozentsatz nicht richtig mMn. Damit meine ich nicht die SSS-Grinder, die nl200 drölftablen und ihre winnings aus dem rakeback ziehen, sondern die Leute, die wie du irgendwo die Highstakes beaten.
Wenn sich ein leidenschaftlicher Pokerspieler genauso für ein Studium begeistern könnte wie fürs Pokern, dann wäre wohl für fast jeden der die Highstakes schlägt auch ein super Hochschulabschluss drin aber das muss erstmal passieren. Und ich könnte mich jetzt z.B einfach nicht fürs Studium motivieren, wenn ich weiß, dass ich währenddessen pokern könnte und würde hinterher die Zeit bereuen, die ich nicht dem Poker gewidmet habe. Es ist auch nicht so, dass das Gehirn unbegrenzt leistungsfähig ist. Die Pausen beim Poker sind ebenso wichtig wie das Spielen. Als Pro fallen die Pausen sicherlich großzügiger aus als sie müssten aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich schlechter spielen würde, wenn ich schon paar Stunden gelernt hätte. Zudem schränkt die Uni zwangsläufig meine Tagesplanung ein. Ich muss Abstriche in Ernährung und Sport machen (vor allem zeitlich), was sich halt auch wieder auf die Performance auswirkt. Daher ist beides parallel machen für mich keine Option. Das wird dann nur beides halbherzig und am Ende bin ich dann auch mit beidem unzufrieden.
Meine "jetzt leben" Aussage war natürlich etwas überzogen. Natürlich muss man auch ein bisschen an die Zukunft denken aber es besteht ja auch ein Unterschied zwischen "Jeden Tag Party machen bis zum Umfallen" und "Viel Geld mit Poker verdienen und sein Leben freier gestalten und mehr genießen". Ich denke halt, dass wir uns im besten Alter befinden und wir alle Möglichkeiten haben um ein paar Jährchen zu erleben, auf die man für immer mit einem guten Gefühl zurückdenken kann. Und wenn es sowas wie einen Lebenssinn gibt, dann ist es für mich das Leben zu genießen.