Tag die Herrschaften!
Pool war heute Nacht ganz okay, aber bei weitem nicht so gut wie die Woche davor am Morgen. Es hat zwar so richtige Whales, aber die meisten der besseren Regs spielen eben abends/nachts. Ging in der Session gestern so oft rein wie die ganze letzte Woche zusammen
Aber glaube bin ganz solide gerunnt.
Hab ja geschrieben ich will Hände und Strategiethemen ab jetzt eher gliedern, als random Hands reinzuwerfen. Als ich mal nen Stat Check laufen hab lassen, hab ich gemerkt, dass meine delayed cBets, Probes und Floats sehr niedrig sind, ich also zu oft Autopilot mäßig versuche down zu checken (vor allem mit vermeintlichen SDV). Hab mir gedacht mit Turn Probes anfangen wäre ganz cool. Wenn man sich Datenbanken von Spielern auf fast allen Stakes anschaut, sieht man, dass dise Nodes bei vielen Spielern, selbst bei winning Regs, leaky sind.
Zuerst zur Definition: Eine Turn Probe Möglichkeit ergibt sich, wenn wir im BB/OOP generell eine Bet callen, der Flop durch gecheckt wird und wir dann auf dem Turn die Möglichkeit haben jetzt zu "leaden" oder nochmal zu Villain zu checken. Da die Ranges hier in der Regel sehr weit sind, kann man sehr viele Fehler machen, sowohl was Handauswahl als auch Sizing angeht.
Wir betrachten jetzt ein BUvBB srp Szenario, um die Theorie hinter Turn Probes zu veranschaulichen. Wir sind 100bb effektiv, der BU ist ein GTO Bot und Rake bezahlen wir keinen. Der Bu opened für 2.5bb, der SB foldet und wir callen im BB. Der Pot ist nun 5.5bb, wir haben beide noch 97.5bb und der Flop kommt XXX. Es ist ein Flop auf dem wir 0% donken möchten und den der BU ca. mit der global Frequency in diesem Spot von ~ 60% cbetten möchte. Der BU nimmt den Check behind und Turn X fällt. Hero muss sich nun entscheiden ob er proben möchte und wenn ja für welches Sizing. Gehen wir zunächst nochmal zurück vom Flop. Wichtig ist es nochmal zu erwähnen, dass wir gegen einen GTO Bot spielen. Für gewöhnlich sind die checkback Ranges vieler Microstakesspieler (aber auch bei gar nicht mal so wenigen auf etwas höheren Stakes) nicht sehr gut konstruiert. Dadurch dass zu viel und zu value-lastig auf dem Flop cbettet wird, wird die xb Range sehr schwach und Air-heavy, weswegen es eine gute Strategie sein kann, sehr oft und mit einem kleinen Sizing zu proben.
Betting Frequencies und Sizings werden für gewöhnlich von zwei Faktoren beeinflusst: Dem Rangeadvantage (RA) und dem Nutadvantage (NA). RA bedeutet, dass einer der beiden Spieler (im Folgenden nenne ich diese einfach Hero und Villain) das Board mit allen seinen Händen etwas besser "getroffen" hat, als der andere. Dadurch haben die die Hände in Heros Range für gewöhnlich mehr EQ als die in Villains Range (geht obv auch umgekehrt, ist nur beispielhaft). Hero hat auch weniger Air, bzw besteht auch dieser Teil der Range aus Händen, mit guter Equity gegen Villains Range. NA bedeutet, dass Hero mehr "nutty" Hands in der Range hat als Villain. Dabei ist aber nicht nur der oft sehr kleine Teil wie Sets+ gemeint, sondern generell Hände, die mehr als ~90% EQ gegen die gegnerische Range haben. Der RA bestimmt unsere Frequenz und der NA unser Sizing. Es gibt Ausnahmen, aber als Faustregel kann man sich das so merken.
Checks und Bets verändern die Ranges. Was erstmal trivial klingt, ist dennoch komplexer als man meinen möchte. Generell gilt: Bets machen Ranges polarer und Checks depolarer. Es gibt zwar etliche Spots, in denen auch eher mergy, das heißt Hände die weder wirklich stark aber auch nicht wirklich schwach gebettet werden, aber wir gehen jetzt davon aus, dass Villain eine eher depolare, sprich condensed Range back checkt. Dadurch behält er auf den meisten Turns den RA, verliert aber den NA. Während Villain seine stärksten Hände in den allermeisten Fällen am Flop IP cbettet hätte, haben wir diese noch alle pure in der Range, da wir den Flop ja nicht gedonkt haben. Wir haben aber nicht nur sehr starke Hände in der Range, sondern auch viele mittlere und schwache Hände.
Wir wissen bereits, dass der RA unsere Bet Frequenz beeinflusst. Da dieser ja nach wie vor bei Villain liegt, können wir also oft nicht hochfrequent den Turn betten. Die global Frequency für unsere Turn Probes liegt in unserem Beispielspot bei ~32%. Dabei nutzen wir kleine, mittlere und sehr große Bets zu nahezu gleichen Anteilen. Ein weiterer Grund für die doch sehr niedrig anmutende betting Frequenz ist, dass Hero OOP, im Gegenteil zu Villain IP, noch die Möglichkeit besitzt zu checkraisen. Während Villain IP mit starken turned Hands quasi gezwungen ist zu betten, die Dringlichkeit um den Pot zu builden also sehr hoch ist, kann Hero OOP immer nochmal checken um zu checkraisen. Wir sind in diesem Node OOP weitaus öfter trappy, als Villain IP.
Auch Blocker spielen eine gewisse Rolle. Eine "gewisse" Rolle deswegen, weil Blocker in wide Range Spots nicht so wichtig sind, wie sie in Spots sind, in denen die Ranges sehr narrow sind. Dennoch können sie eines der "Puzzleteile" sein, die unsere Hand in eine bestimmte Richtung, also Check oder Bet shiften.
Wenn wir uns zu einer Turn Probe entscheiden, gelten wie für alle Bets drei Regeln: Wir werden von schlechteren Hands gecallt, wir bringen bessere Hände zum folden oder wir verwähren Villain seinen Equityshare (Denial). Der dritte Grund, also der Denial, sollte aber in den allermeisten Fällen nur nebensächlich sein und kann fast nie alleiniger Grund für eine Bet sein. Manchmal kommt es auch dazu, dass eine Hand zwei oder sogar alle drei Gründe zu betten erfüllt, was man als hybrid Bet bezeichnen kann.
Die Kunst besteht jetzt darin, die richtigen Thresholds zu finden, also ab wann ist eine Bet besser als ein Check. Wann und mit welcher Hand lohnt es sich zu bluffen etc. Generell: Wann liefert die Turn Probe mindestens genauso viel EV wie der Turn Check. Ich werde jetzt zur Veranschaulichung und zum besseren Verständnis ein paar Beispielboards erstellen und Hero random Hands zuweisen und dann jeweils erläutern, was für bzw. gegen eine Turn Probe spricht.
Action, Stack- und Potsize bleiben wie ganz oben beschrieben!
Beispiel 1: Durchwachsene Turns/mixed Strategy
Dealt to Hero 4♣:3♣:
Q♠:8♥:5♥:6♦:
Ausgangslage: Ein Flop den Villain polarisiert und mit großer Size cbetten sollte. Durch den Check shifted Villains Range stark zu schwachen Qx, mid Pairs und Ace hi. Heros Range bleibt uncapped. Villain behält zwar den RA, allerdings haben wir nun etliche 2P+ die Villain fast alle nicht haben kann. Dadurch sollten wir hier eher polarisiert betten, sprich mit großem Sizing. Overbets können eine Rolle spielen, jedoch können wir diese hier nicht ausschließlich wählen, da Villain nicht vollkommen capped auf mittelstarke Hände ist und wir selber zwar Hände haben, die quasi pure betten möchten, aber nicht stark genug für eine sehr große Size sind. Eine Hand wie z.B. 6x profitiert kaum vom Denial, bringt mit einem kleinen Sizing nicht genug bessere Hände zum folden und auch nicht genug schlechtere zum callen. Wir müssen also nun unseren Value Threshold bestimmen. Da Villain kaum starke Qx Hände in der Range hat, können wir unseren Value Cut also ~QX herum festlegen. Ab 2P+ können wir auch Overbets mit in unsere betting Range mixen. Der EV zwischen Overbet und normal Sizing ist aber indifferent, wollen wir also nur mit einem Sizing spielen, können wir hier auch ausschließlich auf z.B. B75 simplifizieren. Unser spezifisches Holding ergibt einen ausgezeichneten Bluffkandidaten. Wir haben mit 4 hi NULL SDV, wir verlieren gegen Villains Checkdowns und würden einem großen Teil seiner checking Range kostenlose Equityrealisierung erlauben. Auch unsere "future" Blocker/Unblocker sind exzellent, wir können auf fast allen Rivern weiter bluffen, da wir so gut wie keine Hände der Call Turn - Fold River Range blocken. Unsere Hand ist eine pure Turn Probe.
Beispiel 2: Sehr gute Turns/Range Leads
Dealt to Hero K♦:Q♥:
8♠:6♥:2♦:5♣:
Ausgangslage: Villain hat am Flop viele must Bets und kann sowohl klein als auch groß sizen. Boards dieser Art sind eher "unique", denn im Gegensatz zu den allermeisten Boards, erlangen wir hier am Turn nicht nur den NA sondern auch den RA. Dadurch können wir es uns erlauben, nicht nur hochfrequent, sondern auch mit allen möglichen Sizes zu betten. Wenn man hier wieder auf eine Size vereinfachen wollen würde, würde ich erneut das mittelgroße Sizing benutzen und etwas mehr als optimal checken. Wir können den Value Threshold hier bis auf einige third Pairs mit Redraw festlegen (eine Hand wie 54s hat 70% Equity gegen die Range mit der Villain den Turn erreicht). Diese werden oft auch von besseren Händen gecallt werden, aber Villain muss hier noch viele Ace hi callen und wir haben auch etwas Denial gegen Broadways. 54s wäre also mehr oder weniger eine hybrid Bet aus allen drei Kategorien. Unser spezifisches Holding stellt einen puren Check dar, denn sollten wir betten, erfüllen wir keinen der Gründe für eine Bet. Unser SDV ist zwar minimal, dennoch erhalten wir mit dem Checkdown mehr EV als durch eine Bet. Ab Q hi fangen wir jedoch an zu bluffen. Unsere Hand ist eine "verbotene" Turn Probe.
Beispiel 3: Extreme Polarisation/Overbet Probes
Dealt to Hero 8♠:8♦:
A♠:Q♥:8♥:2♣:
Ein Board welches Villain am Flop optimalerweise bereits sehr groß bettet. Wählt Villain hier den Check, shiftet er seine Range in Richtung weak Ax, mid pairs und bottom Pairs. Hero hat hier quasi keine einzige Hand, die von einem kleinen Sizing profitieren würde. Alle unsere wenigen Hände, die hier betten wollen, wählen deswegen ein extrem großes Sizing, B150+. Unsere Bluffs wollen und müssen außerdem maximale FE erzeugen, der treibende Faktor für unser Sizing sind aber unsere Value Hände. Unseren Threshold können wir hier auf AJ+ festlegen und bei unseren Bluffs wollen wir einerseits wieder Hände wählen, die wie immer möglichst wenig SDV haben, die fold Range unblocken und die call Range blocken. Hände wie 2x können hier ein sehr guter Bluffkandidat sein und obwohl die Blocker nicht optimal sind, ergibt auch eine Hand wie JT einen guten Bluff, u.a., da Kx und 9x sehr gute River für Villain sind (wir können also damit rechnen es sehr oft rein zu kriegen falls wir hitten). Vor allem auch die Kombinationen mit einem
ergeben auf Flush completing Rivern einen sehr guten future Bluff. Unser spezifisches Holding kann am Turn beide Optionen wählen, Villain wird oft genug den Turn betten, dass xr eine valide Option darstellt, eine direkte Bet ist aber auch nicht besser oder schlechter. Unser Hand ist eine "can" Turn Probe.
Beispiel 4: Turns aus der Hölle/Range Checks
Dealt to Hero Q♠:T♠:
A♠:K♥:9♥:K♠:
Ein ähnliches Board wie in Beispiel 3, diesmal mit einer Turnkarte aus der Hölle. Villains checkback Range improved hier so stark, dass wir es uns mit keinem Teil unserer Range leisten können, hier zu leaden. Natürlich fühlt es sich unfassbar doof an, zum Beispiel einen FD ohne SDV check/fold zu spielen. Dennoch ist dies in diesem sehr extremen Beispiel korrekt. Eine Hand wie T♠:6♠:, stellt beispielsweise einen puren xf bereits gegen ein mittelgroßes Sizing dar. Wir müssten einfach zu oft den River xf spielen, als dass wir hier profitabel callen könnten (obv haben wir einen easy Call wenn Villain sehr klein sized). Auch checkraisen stellt quasi keine Option dar, da Villain mit diesem Turn einfach den Jackpot hittet. Wenn wir dennoch checkraisen, dann mit einem Mix aus Boats und Bluffs, dabei wählen wir als Bluffs unsere niedrigsten Flushdraws, da gegen unser Checkraise einige höhere FDs in Villains Range indifferent zwischen Call und Fold werden. Wie bereits erwähnt, spielen aber checkraises eine verschwindend geringe Rolle und man kann auch gänzliche ohne xr Range spielen. Unsere spezifische Hand, genauso wie unsere komplette Range, ist eine "verbotene" Turn Probe.
tl;dr/Cliffs:
- die generelle TurnProbe Frequency ist eher low
- das liegt daran, dass Villain, nachdem er den Flop checkt, den RA behält
- RA ist der treibende Faktor hinter der Bet Frequenz, NA hinter der Bet Größe
- Turns auf denen beide Faktoren ausgeglichen sind betten wir mit einem mittelgroßen Sizing und einem Mix aus mittelstarken bis sehr starken Händen und Bluffs
- Turns auf denen wir den RA, aber nicht den NA halten, können wir hochfrequent mit kleinem Sizing betten
- Turns auf denen wir den NA, aber nicht den RA halten, betten wir selten aber mit extrem großen, polarem Sizing und Range.
- Turns auf denen wir weder noch halten, sind oft hochfrequente Checks
- Turns auf denen wir beides halten, können wir sehr frequent und mit einem Mix aus verschiedenen Sizings betten
- OOP kann checkraisen oftmals eine valide Option sein, die keinerlei EV im Gegensatz zu Bet verliert; die Dringlichkeit zu betten ist niedriger als IP
- Blocker spielen auf dem Turn landing Node noch eine untergeordnete Rolle, da die Ranges noch sehr weit sind, dennoch können vor allem future Blocker/Unblocker wichtig sein
- Es muss einer der drei goldenen Gründe für eine Bet erfüllt sein: Value - Bluff - Denial. Letzterer spielt dabei meistens nur eine untergeordnete Rolle.
Oookay, richtig lang geworden und hat mich auch stellenweise ordentlich zum Schwitzen gebracht, ich hoffe ich hab nirgends einen Fehler gemacht, aber habs jetzt dreimal gegengelesen und konnte nix entdecken. Falls jmd etwas auffällt, gerne melden
Fragen dazu gerne stellen.
Heute Nacht geht's entweder an die Tische oder ich drille noch ein paar hundert Turn Probe Nodes, weiß ich noch nicht. Bis dann!