Die hier vorgestellte Idee greift Konzepte aus folgenden Videos/Artikeln auf:
Vorbemerkungen
- Hier geht es prinzipiell um ein Lernkonzept, nicht sosehr um eine strategische Idee.
- Diese 'Lernmethode' mag für den einen hilfreich sein, für den anderen völlig überflüssig.
- Jeder Mensch hat seine eigenen Lernstrategien.
- Mir persönlich hat diese Idee sehr geholfen mein Spiel zu verbessern.
Im Prinzip sind SnGs (im Push or Fold Modus) ganz einfach: Wir setzen unsere Gegner auf Pushing und Callinranges und pushen bzw. callen mit der Range, die uns Wizzard oder Nashb berechnen.
In der Praxis ist das aber oft schwer umzusetzen, da es soviele Situationen gibt, dass es keine triviale Aufgabe ist die korrekten Ranges unserer Gegner abzuschätzen und mit der richtigen Range darauf zu reagieren.
Deshalb kann es sehr hilfreich sein, die Vielfalt der Situationen zu kategorisieren und anschaulich darzustellen, um ein einfacheres Lernen zu ermöglichen.
Dabei sind die Konzepte Risiko-Aversion und Bubblefaktor sehr nützlich.
Intuitive Definition von Risiko-Aversion
Risiko-Aversion wörtlich verstanden bedeutet Risiko-Scheuheit, oder Abneigung Risiko einzugehen. So gesehen beinhaltet der Begriff eine psychologische Komponente. Stellt euch vor, man stellt euch vor folgende Entscheidung: Ihr bekommt entweder 100$ direkt geschenkt, oder geht ein Münzwurf ein, bei dem ihr 200$ gewinnen könnt. Der EV der beiden Wetten ist genau gleich. Eure Entscheidung wird daher nicht vom EV beeinflußt.
Wenn wir nun die Wette so verändern, dass ihr im ersten Fall die 100$ bekommt, im zweiten Falle aber 201$, dann wäre es profitabler, die zweite Wette zu nehmen, da diese einen höheren EV hat als die erste. Wählt ein Spieler dennoch die erste Möglichkeit, dann hat er eine hohe subjektive Risiko-Aversität bzw. anders ausgedrückt eine geringe subjektive Risikobereitschaft (z.B. weil man underrolled ist).
Beispiel: Die Bubble
So wie Pzhon den Begriff in Bezug auf SnGs verwendet beinhaltet dieser aber keine psychologische Komponente, sondern beschreibt lediglich, wieviel Risiko ein Spieler nach mathematischen Gesichtspunkten eingehen darf. Was genau das bedeutet kann man so ausdrücken.
(1) Je mehr Equity wir in einem SnG für einen profitablen Coinflip benötigen, desto höher ist unsere Risiko-Aversion.
Oder:
(2) Je größer unser Bubblefaktor in einem SnG gegen einen bestimmten Gegner ist, desto höher ist unsere Risiko-Aversion gegen diesen Gegner.
Wenn in einem Cashgame ohne Blinds ein Spieler vor uns All-In ist, und wir last-to-act vor einer Call oder Fold Entscheidung stehen, dann können wir immer dann profitabel callen, wenn wir mindestens 50% Equity haben, egal wie groß die Stacksizes sind.
Wenn wir dagegen in einem SnG mit non-Winner-Takes-It-All Payout Struktur, in dem es keine Blinds gibt, ein Spieler vor uns All-In ist, und wir last-to-act vor einer Call-or-Fold Entscheidung stehen, dann benötigen wir mehr als 50% für einen profitablen Coinflip. Das liegt grob gesprochen daran, dass in einem SnG mit non-1.0 Payoutstructure verlorene Chips mehr wert sind, als gewonnene (Genauer könnt ihr das in Bobbs und Morgoths Artikeln nachlesen).
Erstellen einer Farbskala mithilfe von Bubblefaktoren
Wenn wir nun eine Skala erstellen wollen, die die Risiko-Aversität aller Spieler anzeigt, dann sind 50% benötigte Gewinnwahrscheinlichkeit für einen profitablen Coinflip also das untere Ende der Skala, nämlich nicht-risiko-aversiv. Das obere Ende wären dann 100% benötigte Equity (Wobei mir gerade kein Beispiel einfällt, in dem man 100% Equity für einen profitablen Coinflip benötigt).
1 keine Risiko Aversion (50% [1,0])
2 gering Risiko aversiv (55% [1,2])
3 mittelmäßig Risioko aversiv (60% [1,5])
4 stark Risiko aversiv (67% [2,0])
5 Fuuuuuuu (<75% [<3,0])
Eine solche Skala ist eine gutes Hilfsmittel, um eine schnelle und grobe Einschätzung einer bestimmten Bubblesituation zu erhalten bzw. um sich bestimmte prototypische Konstellationen besser merken zu können. Dabei ist Risiko-Aversität ein Gegner- bzw. Stacksizerelatives Konzept. Gegen verschiedene Stacksizes benötigen wir unterschiedlich hohe Equity fuer einen profitablen Coinflip bzw. gegen verschiedene Stacksizes haben wir unterschiedlich hohe Bubblefaktoren (genaueres könnt ihr wieder in Bobbs Artikel nachlesen).
Nehmen wir ein Beispiel aus Bobbs Artikel, mit folgender Konstellation (65/35 vs. 50/30/20 Structure):
BU 4500
SB 2250
BB 2250
Bobbs stellt die Bubblefaktoren der verschiedenen Stacks gegeneinander in folgender Tabelle dar (zunächst für 65/35):

Und für 50/30/20:

Mithilfe der Bubblefactors und unserer Farbskala können wir nun die Stacksizes einfärben, so dass wir die Risiko-Aversion der verschiedenen Stacks gegeneinander an der Farbe erkennen:
65/35
BvB:
BU 4500
SB 2250
BB 2250
BB vs. BU
BU 4500
SB 2250
BB 2250
50/30/20
BvB
CO 8000
BU 4000
SB 4000
BB 4000
CO vs BB
CO 8000
BU 4000
SB 4000
BB 4000
Faktische Risikobereitschaft
Die Probleme dieser Klassifikation von Risiko-Aversion liegen auf der Hand.
Nur weil ein Spieler nach mathemathischen Gesichtspunkten risikoaversiv ist bedeutet das nicht, dass er sich auch an diese Vorgaben hält. Dementsprechend können wir nicht einfach superloose pushen, wenn ein Spieler mathemathisch betrachtet hochgradig risikoaversiv ist. Unsere Strategie muss sich danach richten, wie risikoaversiv unser Gegner tatsächlich ist.
Um diese faktische oder subjektive Risiko-Aversität von der oben mithilfe von Bubblefaktoren definierten 'mathematischen' Risiko-Aversität abzugrenzen, nenne ich erstere Risikobereitschaft.
Oft beschweren sich Spieler darüber, dass ihr any2 Push an der Bubble sehr loose gecalled wird. „Dieser **!!## darf hier eigtl nur 5% callen“. Wenn ich aber any2 pushe, obwohl mein Gegner so loose called, dass ich z.B. eigtl nur 70% pushen darf, dann habe ich genauso einen Fehler gemacht, wie mein Gegner. Ich habe dann nämlich die Callingrange meines Gegners bzw. dessen Risikobereitschaft falsch eingeschätzt.
Wir sollten also versuchen unsere Gegner anhand ihrer individuellen Risikobereitschaft einzustufen. Dies wiederum ist nichts anderes, als ihnen Pushing- und Callingranges zuzuweisen. Je genauer ich die Ranges meiner Gegner abschätzen kann, desto genauer kann ich auch meine eigene Range bestimmen.
Colour Coding
Colour Coding ist ein bekanntes Hilfsmittel in Bezug auf Tableselection. Basierend auf Sharkscope Daten werden dabei bestimmten RoI-Werten auf eine bestimmte Samplesize mit einem bestimmten BuyIn verschiedene Farben zugeordnet, z.B. Grün für Spieler mit -10 bis -15% RoI auf 1k SnGs mit einem Av. BuyIn von 10$, und Rot für Spieler mit 7%+ RoI auf 1k SnGs mit 20$ av. BuyIn (Wie genau man die Spieler kategorisiert und farblich kennzeichnet hängt vom jeweiligen Spieler ab).
Dieses System ermöglicht es mir schnell zu erkennen, welche SnGs für mich profitabel sind und welche nicht.
Ich halte jedoch ein Colour-Coding System, welches Spieler anhand ihres 'Spielstils' kategorisiert bzw. einfärbt für besser. Dabei finde ich es persönlich am besten, Spieler anhand ihrer Risikobereitschaft (nicht Risiko-Aversion) farblich zu markieren. Dies ist gerade beim multi- und masstablen eine große Hilfe.
Fragen:
- Wozu brauche ich überhaupt Color Coding, sind Stats nicht viel besser geeignet, um die Calling-/Pushingranges meiner Gegner abzuschätzen?