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Vom Grinder zum Anwalt (und zurück???)

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Meter1887
Beigetreten: 13.12.2010
PokerStrategist

gehe mal stark davon aus, dass man die gewinne versteuern, die verluste aber nicht absetzen kann :truestory:


Antwort
Zitat
aaaRt
Beigetreten: 15.08.2007
BlackMember

Original von xVdVx
Alberne Frage: Kann ich Pokerverluste als Berufsspieler auch mit steuerpflichtigem Einkommen aus anderweitigem beruflichen Erwerb gegenrechnen? Würde es meine Steuerlast mindern? Praktisches Beispiel: Ich arbeite Vollzeit als Angestellter, gleichzeitig spiele ich jedoch etliche live und online Pokerpartien mit Gewinnerzielungsabsicht, was dann jedoch misslingt. Wäre es für diesen Fall nicht klug sich frühzeitig beim Finanzamt zu melden und die Verluste dort "anzumelden"?

Ja, kannst du.

Original von Meter1887
gehe mal stark davon aus, dass man die gewinne versteuern, die verluste aber nicht absetzen kann :truestory:

Das ist dann entsprechend auch nicht korrekt.


Antwort
Zitat
Meter1887
Beigetreten: 13.12.2010
PokerStrategist

echt? krass, hätte ich nicht gedacht


Antwort
Zitat
p00s88
Beigetreten: 08.09.2007
Oldschool Grinder

kann das Finanzamt dann nicht einfach sagen, dass keine Gewinnabsicht vorliegt, wenn man nur Verluste macht? :f_p:


Antwort
Zitat
aaaRt
Beigetreten: 15.08.2007
BlackMember

Original von p00s88
kann das Finanzamt dann nicht einfach sagen, dass keine Gewinnabsicht vorliegt, wenn man nur Verluste macht? :f_p:

Sobald sie dich als Gewerbetreibenden erachten, und dafür muss vorher schon mal eine Periode vorliegen, in der du Gewinn erzielt hast, darfst du fortan auch Verluste absetzen. Diese Handhabung ist aber problematisch und widersprüchlich. Habe ich auch hier anhand eines Beispiels erläutert: https://www.pokerstrategy.com/de/forum/thread.php?postid=20166760#post20166760

Der ursprüngliche Post spricht ja von "Berufsspieler" und dafür muss gegeben sein, dass das FA denjenigen auch als Gewerbetreibenden einordnet. Ist diese "Hürde" genommen, dann lassen sich auch Verluste absetzen.


Antwort
Zitat
xVdVx
Beigetreten: 27.12.2007
Oldschool Grinder

Worauf ich ja hinauswill:

Line, ich gehe als Verlustspieler proaktiv auf das Finanzamt zu und behaupte ich sei Berufsspieler (gut, Einnahmen habe ich keine, aber ich bin halt "Profi".
Dann sagt das Finanzamt, ne mein Freund, wir erkennen dich nicht als Berufsspieler an. Du hast ja kein Einkommen erzielt.
Fortan habe ich quasi einen Freibrief für meine künftigen Winnings, weil ich mich darauf berufe dass das Finanzamt meinen Profistatus nicht anerkannt hat.


Antwort
Zitat
Egozocker
Beigetreten: 26.08.2006
Elite Grinder

Original von xVdVx
Worauf ich ja hinauswill:

Line, ich gehe als Verlustspieler proaktiv auf das Finanzamt zu und behaupte ich sei Berufsspieler (gut, Einnahmen habe ich keine, aber ich bin halt "Profi".
Dann sagt das Finanzamt, ne mein Freund, wir erkennen dich nicht als Berufsspieler an. Du hast ja kein Einkommen erzielt.
Fortan habe ich quasi einen Freibrief für meine künftigen Winnings, weil ich mich darauf berufe dass das Finanzamt meinen Profistatus nicht anerkannt hat.

Ich kann dir mit Sicherheit sagen, dass das nicht klappen wird. Da gibt es glasklare Rechtsprechung zu.


Antwort
Zitat
Jakomo
Beigetreten: 04.03.2006
Elite Grinder

Ach wäre das schön, wenn es so einfach wäre. Natürlich kannst du dir durch gemeldete Verluste nicht einfach den Hobbyspieler-Status sichern. Evtl. werden deine Verluste aus den Vorjahren berücksichtigt, wenn du durch Gewinne steuerpflichtig werden solltest. Auf mehr brauchst du nicht hoffen.

Aber Fabian hat hier ja eigentlich schon alle Möglichkeiten aufgezeigt. Entweder du gewinnst "kleinere" Summen, die man durch geschicktes Verhandeln mit dem FA noch als steuerfreie Gewinne verbuchen kann oder man verlässt Deutschland.


Antwort
Zitat
MauMau
Beigetreten: 28.04.2005
Oldschool Grinder

Original von f4bianG
In Deutschland ist es so, dass alle Einkünfte oberhalb von 9.400 Euro steuerpflichtig sind, da die Freigrenzen damit ausgeschöpft sind. Bei Pokerspielern stellt sich immer wieder die Frage, ob es sich bei den Gewinnen um gewerbliche Einkünfte im Sinne des Einkommensteuergesetz handelt. Das Problem daran ist, dass diese Frage unterschiedlich beantwortet wird. Je geringer der Gewinn, desto wahrscheinlicher ist es, dass du gegenüber dem Finanzamt glaubhaft machen kannst, dass du kein Berufspokerspieler bist und unabhängigen von Freibeträgen deine Gewinne kein Einkommen im Sinne des Einkommensteuergesetz darstellen.

Warum weise ich auch bei Spielern mit vermeintlich wenig Gewinn darauf hin, dass Gewinne in der einen oder anderen Form gegenüber dem Finanzamt angezeigt werden sollen?

Aufgrund meiner Erfahrung musste ich immer wieder feststellen, dass Spieler realtiv schnell vergessen, dass Gewinne steuerpflichtig sein können. Im ersten Jahr sind die Freibeträge möglicherweise nicht überschritten, dann haben Spieler einen Gewinn von 15.000 Euro, im Folgejahr von 21.000 Euro, ect und kümmern sich mehrere Jahre nicht um die Angelegenheit, weil sie davon ausgehen, irgendwie bin ich ja nur Amateuerspieler. Spielst du jetzt über mehrere Jahre summieren sich die Gewinne und das Problem wird größer.

WICHTIG:
Bei den Freibeträgen gelten deine Gesamteinkünfte: Verdienst du bereits 9.400 Euro jährlich (nicht mit Poker), womit auch immer, ist der 1. Euro darüber hinaus steuerpflichtig, WENN DEINE GEWINNE ALS STEUERPFLICHTIG ANGESEHEN WERDEN, was wiegesagt regelmäßig nicht der Fall ist.

Vielen Dank für die ausführliche Antwort


Antwort
Zitat
SgtJackColt
Beigetreten: 06.03.2011
Oldschool Grinder

Original von f4bianG
Warum weise ich auch bei Spielern mit vermeintlich wenig Gewinn darauf hin, dass Gewinne in der einen oder anderen Form gegenüber dem Finanzamt angezeigt werden sollen?

Ich weiß nicht, ob meine Vorstellung darüber etwas schlicht ist, aber wie läuft das genau ab, wenn über die Anzeige der Gewinne hinaus Nachweise gefordert werden?

Schickt der Pokerspieler dann dem FA eben mal die Handhistory in Form von den Textdateien rüber? Kann ja schonmal ne Million Hände zusammenkommen im Jahr. Arbeiten die Beamte etwa mit nem Tracker zum Einlesen? Ansonsten viel Spaß bei der manuellen Sichtung der „Dokumente“.


Antwort
Zitat
f4bianG Themenstarter
f4bianG
Beigetreten: 05.09.2007
BlackMember

Gute Fragen und teilweise richtige Antworten zum Thema "Verluste".
Grundsätzlich kannst du deine Verluste in den Folgejahren geltend machen. Wie bereits aaaRt richtig erkannte, wird dir das Finanzamt früher oder später sog. "Liebhaberei" vorwerfen. In dem Moment wird die sog. Gewinnerzielungsabsicht vom Finanzamt bestritten. Hier gibt es viele Szenarien die denkbar sind.

Jedes Veranlagungsjahr wird einzeln für sich betrachtet, dass heißt, theoretisch ist es denkbar, dass Finanzämter Euch besteuern, wenn Ihr Gewinne erzielt und Euch Liebhaberei vorwerfen, wenn Ihr Verluste erzielt. In der Praxis kann man grds. sagen, dass der Vorwurf der Liebhaberei meistens erst nach 2-3 Jahren aufkommt, wenn wir vorab in dem Gewerbe schonmal Steuern gezahlt habt. Die Liebhaberei ist eines meiner Kernargumente, wenn ich mit FA darüber streite, ob Gewinne zu versteuern sind. Bei meinem Schriftwechsel mit den Finanzämter sichere ich mich dadurch ab, dass im Falle der Besteuerung in Gewinnjahren in den Folgejahren eine Berufung auf die Liebhaberei nicht möglich ist.


Antwort
Zitat
f4bianG Themenstarter
f4bianG
Beigetreten: 05.09.2007
BlackMember

Original von xVdVx
Worauf ich ja hinauswill:

Line, ich gehe als Verlustspieler proaktiv auf das Finanzamt zu und behaupte ich sei Berufsspieler (gut, Einnahmen habe ich keine, aber ich bin halt "Profi".
Dann sagt das Finanzamt, ne mein Freund, wir erkennen dich nicht als Berufsspieler an. Du hast ja kein Einkommen erzielt.
Fortan habe ich quasi einen Freibrief für meine künftigen Winnings, weil ich mich darauf berufe dass das Finanzamt meinen Profistatus nicht anerkannt hat.

NEIN! So einfach ist es nicht. Aber wenn du Verluste erzielst, aber auf dem Sprung zum Winningplayer bist, kann es tatsächlich Sinn machen, mit dem Finanzamt Kontakt aufzunehmen. Ich werde das in den nächsten Wochen wieder gehäuft vornehmen. Ich hatte in 2020 diverse Beratungen, in denen mir die Spieler Ihre Winnings mitteilten (>20k). Die Steuererklärung für 2020 muss erst im Februar 2022 (mit Berater) abgegeben werden. Jetzt kümmern wir uns zunächst um das Veranlagungsjahr 2019, in dem meine Mandantin noch Verluste erzielten und finden eine Vereinbarung mit dem Finanzamt. Zudem kennen wir direkt die Haltung des Finanzamtes zum Thema Poker. Somit haben wir genügend Zeit, Vorkehrungen zu treffen, um die Situation für 2020, in dem Winnings erzielt wurden, zu optimieren.


Antwort
Zitat
meistermieses
Beigetreten: 31.12.2006
Elite Grinder

Was passiert wenn man umzieht und das Finanzamt wechselt? Nur verbindliche Auskünfte nach Paragraph 89 AO sind rechtlich auch für andere Finanzämter bindend. Stellst du immer eine verbindliche Auskunft nach Paragraph 89 AO? Ich dachte immer, dass dann die übergeordnete Behörde (OFD) entscheidet wie der Sachverhalt zu bewerten ist, wenn die Rechtslage nicht eindeutig ist.


Antwort
Zitat
f4bianG Themenstarter
f4bianG
Beigetreten: 05.09.2007
BlackMember

Verbindliche Auskünfte sind aus zwei Gründen leider sehr selten zielführend. Zum einen liegt das daran, dass bereits begonnene Sachverhalte nicht bearbeitet werden. Sollte dieser Fall tatsächlich nicht vorliegen, sind die Auskünfte in der Regel derartig unbestimmt, dass daraus kein Mehrwert gezogen werden kann. Es wird in der Regel, in Bezug auf Pokerspieler, nur die aktuelle Rechtssprechung zitiert.

Der Umzug bewirkt, dass das Finanzamt am neuen Wohnort zuständig wird. Ein Umzug kann in schwierigen Fällen, insbesondere wenn das Finanzamt konträre Ansichten hat, sinnvoll sein. Grundsätzlich dürfte das alte Finanzamt den Fall an sich ziehen, jedoch passiert das so gut wie nie. Keine Behörde der Welt behält Fälle, die abgegeben werden können.


Antwort
Zitat
p00s88
Beigetreten: 08.09.2007
Oldschool Grinder

Antwort
Zitat
Hausierer
Beigetreten: 10.05.2005
PokerStrategist

Hallo Fabian,
kannst du mir sagen inwieweit die Neuregulierung die Lage in Schleswig-Holstein betrifft? In meinem schönen Bundesland ist das online Glücksspiel ja schon seit einiger Zeit reguliert. Werden durch die "vermutlich" landesweite Neuregulierung die Lizenzen im nächsten Jahr hier dadurch eingestampft?

Lieben Gruß Hausi


Antwort
Zitat
f4bianG Themenstarter
f4bianG
Beigetreten: 05.09.2007
BlackMember

Bencb und ich haben einen Podcast aufgenommen. Wer Interesse hat, kann gern mal vorbeischauen:

https://graske.net/de/pokerregulierung-deutschland/


Antwort
Zitat
f4bianG Themenstarter
f4bianG
Beigetreten: 05.09.2007
BlackMember

Schau ich mal nach. Kann ich spontan ehrlich gesagt nicht beantworten.


Antwort
Zitat
dortonator
Beigetreten: 17.04.2007
Oldschool Grinder

Vermutlich gilt auch hier Bundesrecht bricht Landesrecht...


Antwort
Zitat
Hausierer
Beigetreten: 10.05.2005
PokerStrategist

Original von f4bianG
Schau ich mal nach. Kann ich spontan ehrlich gesagt nicht beantworten.

Das wäre super:f_drink:


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Zitat
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