Original von ssssshh
Also wenn die hohe Todesrate auch mit der geringen Impfquote zusammenhängt, handelt es sich schon mal nicht um ein Strohmann, sondern um ein valides Argument. Zudem hat Sachsen den, in Deutschland, größten Anteil an alten Menschen, gemessen an der Gesamtbevölkerung.
Weitere Gründe befinden sich aber eher im Bereich der Spekulation. Zb. glaube ich dass sich die Menschen dort weniger an Auflagen und Restriktionen halten.
Du musst's schon im richtigen Kontext sehen und der war nämlich, dass UK ein negatives Beispiel dafür ist, was bei "keinen bzw. milden Maßnahmen" passiert (was natürlich für jeden Sachsen absurd ist, wo wir hier hohe Todeszahlen trotz härtesten Maßnahmen haben). Dort hat der Staat seinen Bürgern gesagt, dass sie sich (nachdem die Impfung für alle verfügbar ist) selber schützen können, darum fast alle Maßnahmen aufhoben und damit die Eigenverantwortung den einzelnen Bürger zurückgegeben hat, was wahrscheinlich auch zur guten Impfquote in UK beigetragen hat.
Die deutsche Regierung hat das anders gemacht und den Bürgern wenig Eigenverantwortung zugestanden sondern sehr viel reguliert, aber viele AfD Wähler machen im Zweifel das Gegenteil was die Regierung sagt weshalb diese Strategie für Sachsen nicht gut funktioniert.
Original von krong
Wer sagt denn, dass das ein Erfolgsrezept gegen die Pandemie sein soll?
Das Erfolgsrezept lautet impfen, impfen und nochmals impfen. Wer das noch nicht verstanden hat, dem ist nicht mehr zu helfen.
Lockdowns sind vielmehr ein notwendiges übel, wenn zu viele Leute sich gegenüber dem allgemeinen Werte- und Faktenkanon verschließen und in der kalten Jahreszeit die Infektionszahlen der Ungeimpftne nach oben schnellen. Man hat doch an der ITS Auslastung gesehen, dass die Zahlen gedrückt werden mussten.
Ich habe leider auch keine Ahnung, wie man das Problem insbesondere in Sachsen und Thüringen in den Griff bekommen will. Man sieht ja an den "Spaziergängen", dass ein relevanter Teil der Bevölkerung jegliche Maßnahme "von oben" ablehnt. Es gibt leider keine Impfung gegen die Empfänglichkeit von Esoteriker/Schwurbler/Verschwörungsunsinn.
Mir fehlt auch irgendwo die Phantasie, wie man dort eine Impfpflicht durchsetzen will.
Ich finde, dass man Sachsen und vielleicht auch andere ostdeutsche Bundesländer wie Thüringen anders behandeln muss als zB Hamburg oder Bremen.
Es war früh klar (spätestens im April), dass die Impfbereitschaft in Sachsen deutlich niedriger ist als anderswo. Da hätte man die Strategie überarbeiten und mehr Infektionen im Sommer zulassen müssen, damit im Winter ein höherer Anteil immunisiert ist, Stichwort "flatten the curve" statt "no covid". Stattdessen gab es in einigen Kreisen bis Ende Juni einen harten Lockdown durch die Bundesnotbremse, obwohl die Intensivstationen da leer waren. Nur ist es eben kontraproduktiv wenn man Ende des Sommers bundesweit eine der niedrigsten Inzidenzen bundesweit hat (am 1.9. in Sachsen gut 20 während es in Deutschland gut 80 waren).
Ich bezweifle wie du, dass man die Impfpflicht in Sachsen vernünftig durchsetzen kann. Es gibt viele arme Rentner die sich nicht impfen lassen wollen, aber relativ oft auf den Intensivstationen landen. Die können sowieso keine Geldstrafen zahlen und man kann sie nicht alle (knapp 20% der >60 jährigen in Sachsen sind ungeimpft) in's Gefängnis stecken. Auch bei den zZ 37% ungeimpften 18-59jährigen wird man mit der Impfpflicht große Probleme bekommen. Dadurch drängt man zu viele Menschen an den Rand der Gesellschaft.
Folgende Ansätze (neben der Strategie "flatten the curve") sehe ich noch für Sachsen:
- Intensivpflegekräfte (im Herbst/Winter) deutlich besser bezahlen als im Bundesdurchschnitt, da der Job dort viel fordernder ist als anderswo
- über ein Herabsenken der medizinischen Versorgung nachdenken, wie es zB in Tschechien geschehen ist, wo Patienten mit geringen Genesungschancen keine optimale medizinische Versorgung bekommen haben
@soulfly: Geboosterte sind dort ausgenommen, also entfällt für die meisten die Testpflicht.