Original von OnkelHotte
Original von n0gg
Trotzdem obligt die Bewertung von Gesetzen nicht dem Bürger insbesondere damit auch keine Bewertung welche Gesetze er nicht beachten darf.
Und es kommt da auch etwas kurz, dass die Politiker die Entscheidung ja nicht aus dem Bauch raus treffen sondern von einem expertenrat beraten wird wo Leute drin sind die da beruflich hoch qualifiziert für sind und sowas das ganze Leben schon machen.
Und die Arroganz muss man auch erstmal haben, die eigene Meinung ohne weiteres höher zu stellen als deren Bewertungen...
Ich wollte dieses Zitat nochmal aufgreifen und meine Gedanken dazu teilen.
Zunächst muss ich für mich persönlich feststellen, dass der Gedanke "Die Politiker wissen schon, was sie tun und folgen nur den besten Ratschlägen" durch Corona erheblich gelitten hat. Und das bei einem Thema, wo es, was eher selten ist, literally um Leben und Tod ging (wohlgemerkt Vergangenheit. Aktuell bin ich unsicher, ob das politische Handeln überhaupt noch großen Einfluss auf diese Frage hat).
Der härteste Schlag wurde dafür im Sommer 2020 gelegt. Ich finde, die Regierung hat mit dem harten Lockdown im März 2020 alles richtig gemacht. Es gab nicht genügend Daten. Es gab Indizien, dies könnte eine Superseuche sein, die das Gesundheitssystem lahm legen und Hunderttausende hätte töten können, alles andere als "Vorsicht ist besser als Nachsicht" wäre töricht gewesen.
Leider war die Regierung dann im Sommer 2020 töricht, in dem sie literally ihren Amtseid, das Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, einfach außer acht gelassen haben. Es wurden Quellen gepostet und gibt klare die Evidenz dafür, dass der Sommer 2020 schlicht verstrichen lassen wurde gemäß Prinzip Hoffnung = hoffen wir mal, dass es das war. Das macht mich bis heute sprachlich und ist für mich eine einzigartige Pflichtverletzung der Politik durch fahrlässige Untätigkeit, dass uns die 2. Welle im Herbst 2020 so unvorbereitet getroffen hat. Danach hat mich auch noch die Impfstoffbeschaffung und das langsame Hochfahren der Kampagne aufgeregt, aber das sind für mich im Vergleich zum Sommer 2020 dann schon Kleinigkeiten.
Nun zu den Maßnahmen und der Kommunikation. Ich persönlich finde, dass die Kommunikation in 2020 absolut hinreichend war.
Flatten the curve war schon direkt in der ersten Welle das Mantra und es war völlig logisch und nachvollziehbar. Ziele waren sowohl Vermeidung Überlastung Gesundheitssystem als auch Zeit schinden, bis ein Impfstoff verfügbar war.
Was die Maßnahmen angeht, war ebenfalls klar nachvollziehbar und empirisch belegt, dass Lockdown = Masken, Abstand UND Kontaktbeschränkung eine Welle brechen und die Inzidenzen runterbringen kann. Das haben wir im März 2020 und auch im Dezember 2020 erlebt.
Ich war damals auch klarer Befürworter der Maßnahmen und finde, dass sich Deutschland dann ab 2021 ganz gut durch die Pandemie manövriert hat, bis man die Leute geimpft hatte. In dieser Zeit war die Inzidenz eine sinnvolle KPI und es gab transparente Ziele, auf die hingearbeitet wurde.
Alles schön und gut, aber die Situation hat sich nunmal verändert, wir haben gelernt, dass:
- Omicron mit "herkömmlichen" Maßnahmen nicht zu "brechen" ist. Man bekommt nur eine breiartige Verzögerung einer Welle hin, nicht aber ein Abflachen wie 2x in 2020
- Wir nicht mehr Zeit schinden müssen, um die Impfkampagne durchzuziehen, weil jeder der wollte, die Chance zur Impfung hatte
- und am wichtigsten, dass "Flatten the curve" obsolet geworden ist. Das Schockszenario "Überlastung Gesundheitssystem" hat sich in Ländern mit Omicron plus solide Impfquote empirisch als schlicht "not gonna happen" herausgestellt.
- Die Inzidenz keine sinnvolle KPI mehr ist, weil es nicht auf die Anzahl der Infizierten, sondern die der krititisch Kranken WEGEN und nicht MIT Corona ankommt
Der Kritikpunkt an den aktuellen Äußerungen von Lauterbach und co, die jetzt pauschal von "wir brauchen im Herbst wieder Maßnahmen" sprechen halt darauf hindeutet, dass sie alle gemachten Learnings ignorieren und, überspitzt ausgedrückt, wieder in den 2020-Modus gehen wollen, ohne auch nur den Hauch einer Strategie zu präsentieren:
- Was sie die konkreten Sorgen und Schockszenarien, die es zu verhindern gibt?
- Was sind die Ziele, auf die hingearbeitet werden soll? Welche Inzidenzen wären zu hoch, wo sollen die Evidenzen sein?
- Wo sind die wissenschaftlichen Studien zur Analyse der Maßnahmen?
- Wird überhaupt daran gearbeitet, Kern KPIs wie KH Inzidenz sauber nach MIT oder WEGEN Corona zu separieren?
usw...
Wenn man die Studien und Beweise nicht liefert oder liefern kann, verlassen sich die Leute halt auf gesunden Menschenverstand, zB:
Es ist total logisch, dass man Wellen brechen kann, wenn man A) Kontakte signifikant einschränkt UND B) die unvermeidbaren Kontakte in geschützten Umgebungen durchführt mit Masken und Abstand
Es ist total unlogisch, wenn man aber für die unvermeidlichen Kontakte (bei den meisten Menschen <10% des Tages) Schutzzwang verschreibt, aber die vermeidbaren Kontakte ungeschützt zulässt. Das kann doch, nur per common sense nichts Signifikantes bringen.
Und selbst wenn jemand ne Studie auspackt aka "verringert Inzidenz um 10%" zurück zu den Zielen die Frage "Was soll das bringen?" Ist die Inzidenz halt niedriger und die Welle dauert dafür 10% länger an.
Und warum überhaupt unbedingt Wellen künstlich brechen? Klappt bei Omicron eh nur mäßig und ist doch auch gar nicht schlimm.
Aktuell ist Kommunikation die Kommunikation der Maßnahmenforderungen eben entkoppelt von der Formulierung klarer und nachvollziehbarer Ziele.
"Flatten the curve" war klar und nachvollziehbar. Aktuell habe ich keinen blassen Schimmer, welche Ziele Lauterbach oder jeder mit "Maßnahme werden im Herbst nötig sein"-Sprech mit seiner "Strategie" verfolgt.
Im Prinzip bin ich ja garnicht so weit weg von dir. Ich sage halt nur dass selbst wenn man die Punkte die du aufzählst wirklich 1:1 bestätigt sieht, dann darf die Folge darauf nicht sein, dass ich ein Gesetz breche und Anarchie ausrufe. Das ist einfach die Grundlage für unser Zusammenleben.
Ich persönlich finde die Kommunikation insgesamt besser als zu beginn. Das MAGS hat zum Beispiel schon einen groben Plan an alle Einrichtungen verschickt, die in Berührung mit Risikopatienten kommen. Da sind klar Handlungsweisen anhand von 3 Szenarien aufgeführt. Die Szenarien sind 1. Variante Harmloser als Omnikron 2. Variante Variante gleich Harmlos aber deutlich ansteckender als Omni und worst case 3. ähnlich oder mehr anstekcend und deutlich höhere Sterberate. Analog dazu eben Maßnahmen die kommen können.
Ob das jetzt 1:1 dann so kommt sei mal dahingestellt, aber für mein empfinden immer noch besser als das Fahren auf Sicht von Spahn. Das wurde ja auch vielfach kritisiert...