Original von lastdayever
Kennt sich hier jemand mit dem Impfthema aus? Hab dazu so viele unterschiedliche Sachen gehört von allen möglichen Seiten.
Gibt oder gab es überhaupt mal Impfungen gegen Coronaviren? Angeblich wurden für andere Arten (SARS 2003) z.B. niemals Impfstoffe entdeckt.
Und da Coronaviren anscheinend der gewöhnliche Schnupfen/eine Erkältung sein sollen, gibt es dagegen einfach keine Mittel(?)
Eine gewöhnliche Erkältung ist zu ungefährlich, darum entwickelt da keiner Impfstoffe - und es sind da ja auch nur zu ca. 15 % Coronaviren verantwortlich. Bei SARS und MERS wurde kein Impfstoff entwickelt, da beide sich einfach nicht verbreitet haben, daher braucht es auch da keinen Impfstoff. Dass bis heute kein Impfstoff für Coronaviren am Menschen existiert, liegt erstmal daran, dass es nicht benötigt wurde, nicht daran, dass man es nicht könnte. Für Katzen gibt es zum Beispiel einen Impfstoff für das feline Coronavirus mit einer Schutzwirkung bei 80 % der geimpften Katzen (wenn er richtig angewendet wird).
Außerdem gibt es mutmaßlich jetzt schon dutzende Versionen und Mutationen, wird dann gegen alle gleichzeitig geimpft oder suchen die Labore dann immer nur nach dem Impfstoff für eine Version von Covid?
Nach meinem Verständnis würde der Impfstoff bislang gegen alle Mutationen funktionieren. Das Coronavirus mutiert sowohl seltener als auch "einfacher" als zum Beispiel Grippeviren. Das heißt nicht, dass es nicht hier auch Mutationen geben wird, die die Wirkung der Impfung verringern, aber das wird seltener passieren als bei der Grippe.
Vielleicht weiß auch jemand, was es mit RNA-Impfstoffen auf sich hat? Hab ich das richtig verstanden, dass sie in einer Weise in unsere Genetik und unser Erbgut eingreifen?
Gab/gibt es solche Impstoffe schon in großem Umfang irgendwo auf der Welt oder vielleicht sogar in Deutschland?
Es wird ja in dem von dir verlinkten Artikel schon ganz gut erklärt. Die mRNA-Impfstoffe geben dem Körper die Bauanleitung für Teile des Virus und dieser setzt das dann zusammen und es wird eine Immunreaktion gegen Teile des Virus getriggert. Das ist kein Eingriff in das Erbgut des Menschen. Die mRNA-Impfstoffe bieten die beste Möglichkeit schnell auf solche Pandemien zu reagieren. Sobald das Erbgut des Erregers bekannt ist kann man eigentlich schon mit der Herstellung beginnen und das auch schnell in großen Mengen. Herkömmliche Impfstoffe dauern da ganz erheblich länger.
Das Problem dieser Technologie ist allerdings, dass sie neu ist. Sie wird erst seit wenigen Jahren erforscht - daher gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff mit dieser Technologie. Wir wissen nicht ob es Langzeitfolgen gibt - nach dem Stand der Forschung würde ich allerdings sagen, dass diese als recht unwahrscheinlich angesehen werden - aber es ist ganz klar, die Wissenschaftler, die damit arbeiten, würden normalerweise ein paar Jahre länger testen, bevor sie das für alle freigeben würden. Das deutsche Unternehmen Curevac testet seit 2018 einen Impfstoff gegen Tollwut an 130 Freiwilligen und dieses Jahr im Januar wurde bekanntgegeben, dass der Impfstoff gut vertragen wurde und alle Probanden, für die Ergebnisse vorlagen, haben ausreichend Antikörper gebildet.
https://www.curevac.com/news/curevac-announces-positive-results-in-low-dose-1-%C2%B5g-rabies-vaccine-clinical-phase-1-study
https://www.curevac.com/news/curevac-announces-first-study-participant-enrolled-in-phase-i-clinical-trial-testing-prophylactic-mrna
Diese Daten hat man schonmal. Für eine Zulassung müsste man allerdings locker nochmal 5000 Menschen impfen und mehrere Jahre beobachten.
Jetzt muss man aber auch ganz klar sagen, dass die Messlatte für das Sicherheitsprofil von Impfstoffen normalerweise (zu Recht) extrem hoch liegt, da es bei den meisten Impfstoffen ja so ist, dass man normalerweise ein extrem geringes Risiko hat die Krankheit zu bekommen (z.B. Tollwut) oder die Krankheit zwar nicht besonders gut behandelbar ist, man aber noch sehr lange mit ihr lebt (z.B. Hepatitis B). Das heißt ein Impfstoff darf nach der gewohnten Kosten-Nutzen-Abwägung eigentlich keinen Schaden anrichten und muss deshalb wesentlich genauer und länger auf Nebenwirkungen untersucht werden als zum Beispiel Krebsmedikamente.
Bei Corona könnte das etwas anders sein. Denn hier haben wir ganz akut das Risiko, dass ein großer Teil der Bevölkerung daran erkranken wird und ein nicht zu vernachlässigender Teil (halt im Bereich von 0,5 % bis 1 %) daran sterben wird, andere werden Lungenschäden davontragen und akute wirtschaftliche Schäden haben wir auch. Da erlaubt die Kosten-Nutzen-Abwägung durchaus Nebenwirkungen (die wie gesagt gar nicht sooo wahrscheinlich sind).
In den USA wurde der erste Mensch am 16.03. mit der mRNA-Technologie gegen das Coronavirus geimpft.
https://investors.modernatx.com/news-releases/news-release-details/moderna-announces-first-participant-dosed-nih-led-phase-1-study
So schnell wurde (zumindest in der westlichen Welt) noch nie ein Impfstoff gegen einen Erreger entwickelt und am Menschen angewandt. Die erste Dosis des Impfstoffes haben mittlerweile 45 Menschen bekommen und im Mai werden es über 100 sein. Die 45 bekommen in diesen Tagen ihre zweite Dosis und danach wird man etwas über die Immunreaktion wissen.
https://investors.modernatx.com/news-releases/news-release-details/moderna-announces-award-us-government-agency-barda-483-million
Sollte die Immunreaktion gut sein und es treten keine unerwarteten Nebenwirkungen auf, dann haben wir Ende des Sommers locker über 1000 Geimpfte rumlaufen (auch in Deutschland startet in diesen Tagen eine Studie mit dieser Technologie). Und wenn es denen gut geht wird der Druck sicher nicht kleiner da mal beide Augen zuzudrücken und keine Langzeitschäden zu untersuchen - was angesichts der Folgen von Corona auch durchaus eine Entscheidung mit positivem Erwartungswert sein kann.
Erstmal müssen wir aber natürlich hoffen, dass die Immunreaktion ausreichend ist. Die bisherigen Erfahrungen mit der mRNA-Technologie lassen jedenfalls hoffen.