Danke @ GoodGrief für die Erklärung der gleichbleibenden Intensivbettenbelegung.
Die Erhöhung der Intensivbettenkappazität von 28.000 vor Corona auf 31.000 im Mai, finde ich jetzt allerdings keine wesentliche Steigerung.
Dass es inzwischen 4000 weniger als vor Corona sind, finde ich wesentlich bedeutsamer.
Problem scheint hier im Ländervergleich wirklich das Fehlende Personal zu sein:
Anzahl Intensivbetten pro 100.000 Einwohner:
Schweden 5.2
Dänemark 7.8
Spanien 9.7
Israel 10.3
Deutschland 33.9
Anzahl Mitarbeiter pro Bett (nicht Intensivstation, sondern pro Krankenhausbett):
Dänemark 3
Spanien 1.2
Israel 1.1
Deutschland 0.8
Setzt man die Anzahl der stationären Fälle ins Verhältnis zum Personal (sowohl Ärzte als auch Pfleger), haben wir in Deutschland im gesamten EU vergleich die zweitschlechteste Personaldecke, das einzige Land welches noch schlechter abschneidet ist Ungarn.
Quelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/Studie_Krankenhausstrutkuren_Corona_Laendervergleich_final.pdf
Würde also gar nicht so sehr die Zahl der Intensivbetten kritisieren (wobei der Rückgang schon extrem ist), sondern vielmehr die völlig verfehlte Politik, die noch 50.000€ für zusätzliche Betten bezahlt hat, für die es dann offensichtlich kein Personal gibt (denke trotzdem, dass diese im Notfall irgentwie bedient hätten werden können). Da hätte man imho einfach vielmehr Fokus auf den Fachkräftemangel legen müssen, stattdessen tritt man die Fachkräfte mit Füßen (Beispiel: Es wird Notbetreuung für Kinder Systemrelevanter geben --- Realität: Kindergarten öffnet 7:30 und schließt 15 Uhr)
Und ich denke, wenn man einen Facharzt in 18 Monaten zum Intensivmediziner weiterbilden kann, hätte man in den vergangen 12 Monaten weit mehr tuen können.
Interessant finde ich auch, dass Schweden, trotz dass dort auf Einwohner gerechnet, nur 1/6 der Anzahl an Intensivbetten vorhanden ist, sowie 1/4 der Anzahl an generellen Krankenhausbetten, Schweden trotzdem so gut durch die Pandemie gekommen ist.
Aussage über den Zeitraum bis Ende Mai 2020:
Eine erhebliche Belastung des Systems bestand vor allem in der Intensivversorgung. Diese war – regional unterschiedlich – zum Teil höher als die vorhandenen Kapazitäten.
Insgesamt gab es allerdings aufgrund der deutlichen Erhöhung der Intensivplätze keine
Überlastung. Es gab während des gesamten bisherigen Verlaufs der Corona-Pandemie noch freie Intensivkapazitäten, obwohl es lokal – insbesondere in Stockholm – zu einer sehr
hohen Belastung kam. Hier sind trotz des Versuchs der nationalen Koordination Mängel
in der Zusammenarbeit der verschiedenen Provinziallandtage bzw. Regionen untereinander zutage getreten. So sind letztlich so gut wie keine Personen, die der stationären oder der Intensivversorgung bedurften, wegen Überbelegung in einzelnen Krankenhäusern über die Grenzen von Provinziallandtagen bzw. Regionen hinweg verlegt worden.