Spoiler
wieder zu besuch bei meinen eltern gewesen, die damals noch etwas außerhalb der stadt wohnten in einem kleinen dorf. ihr haus lag ziemlich am anfang des dorfes und so waren es nur ein paar meter (genau gesagt musste man einfach nur die hauptstraße überqueren) zu den umgebenden feldern und weinbergen. schräg gegenüber des hauses, in dem meine eltern wohnten, stand die dorfkirche mit dem dazugehörigen friedhof.
es war kein großes dorf und dementsprechend klein und (falls man es überhaupt so nennen kann) idyllisch war auch der friedhof, der von einem recht niedrigen maschendrahtzaun recht weitläufig (also mit genug sicherheitsabstand zu den gräbern^^) umgeben war und immer schön gepflegt aussah. in den knapp 15 jahren, die meine eltern dort wohnten, konnte ich mich an keine beerdigung, bzw. an keine veränderung des friedhofs, in form eines neuen grabsteins o.ä., erinnern.
ich erwähne das nur, weil ich damals in einer großstadt wohnte und mit friedhöfen nur labyrinthe aus alleen mit endlosen grabsteinen links und rechts, und immer eine art "get-the-fuck-out-of-here-gefühl" verband. bei diesem war's mir recht wayne und so hatte ich auch nie ein problem damit, auch abends, mit dem hund den nicht beleuchteten feldweg zum spaziergang zu nehmen, der an diesem besagten zaun entlangführte.
an jenem abend, als ich wie üblich mit dem hund die runde ging, bemerkte ich auf dem friedhof ein neues grab, das ziemlich nah am zaun angelegt wurde (so viel zum sicherheitsabstand). da die anderen reihen schon voll waren, sollte mit diesem wohl eine neue reihe beginnen und es stand etwas abseits vom restlichen (mir wohl bekannten und kein gänsehautauslösenden) areal.
diesen anblick in der dämmerung allein fand ich zugegebenermaßen schon etwas creepy und die tatsache, dass es ein frisch angelegtes grab war (1-2 tage max.), was man an der feuchten erde und dem noch sauberen grabstein erkennen konnte, machte die sache nicht besser. da es aber nur noch 300-400 meter zum haus meiner eltern waren, und ich keine lust hatte den umweg zurück zu nehmen, sagte ich "fuck it" und ging zügigen schrittes weiter.
der hund, der wie immer ein paar schritte vorneweg ging, um ja alles als erster beschnuppern und entdecken zu können, blieb einige meter vor besagtem grab wie angewurzelt stehen und blickte in dessen richtung. als ich aufgeschlossen hatte und neben ihm stand (wohlgemerkt mit dem herzen in der hose), drückte er sich zitternd ganz fest an mein bein, ohne den blick vom grab abzuwenden. plötzlich schreckt er zurück, schaut hektisch nach oben, rechts, links und zischt jaulend mit dem schwanz zwischen den beinen los, in einer geschwindigkeit, die ich bei ihm niemals für möglich gehalten hätte. kein rufen und schreien half mehr, obwohl er sonst immer auf's wort gehört hatte und ich deswegen auch immer ohne leine mit ihm ging.
also auch ich in voller panik die beine in die hand genommen und einfach hinterher. weniger, um ihn einzuholen, oder vor der hauptstraße abzufangen (zum glück war's abend und kaum befahren), als um mein leben rennend.
keine ahnung wieviele sekunden ich bis zur haustür gebraucht habe (wahrscheinlich bin auch ich schneller gerannt, als ich es bei mir je für möglich hielt), aber ich fand ihn zitternd an diese gepresst und mit weit aufgerissenen augen vor. sobald ich aufgeschlossen hatte, rannte er schnurstracks unter den wohnzimmertisch, von wo wir ihn erst nach einiger zeit mit gut zureden und unter einsatz von lockmitteln hervorholen konnten.
den weg bin ich mit ihm nur noch tagsüber entlang gegangen.
mir ist schon klar, dass hunde weitaus besser riechen und hören können, aber kann mir irgendwie kaum vorstellen, dass ein geruch, sei es verwesung oder whatever, solch eine reaktion hervorrufen kann