Zum Forum springen
Trisomie 21 Bluttes...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Designerbaby im Jahre 20xx? Die Umfrage wurde am März 22, 2014 erstellt

  
  
  

Trisomie 21 Bluttest / Pränataldiagnostik / "Designerbabys"

34 Beiträge
13 Benutzer
0 Reactions
1,962 Ansichten
Haldirk
Beigetreten: 13.07.2008
PokerStrategist

Ein sehr heikles Thema!
Ich persönlich würde mein Kind auf Behinderungen testen lassen und womöglich über eine Abtreibung nachdenken.
Man darf nicht unterschätzen, was für eine Belastung ein behindertes Kind - sowohl psychisch wie auch finanziell - darstellen kann!

Ich habe insgesamt 1,5 Jahre in einer Behindertenwerkstatt mit leicht bis schwerbehinderten Menschen gearbeitet, kann also etwas beurteilen wie das ist. Je nach Behinderung ist das wirklich eine brutale Belastung für die Angehörigen und zwar ein Leben lang.

Wie oben schon jemand geschrieben hat, ist das Down Syndrom aber wirklich eine etwas "angenehmere" Behinderung. Im Moment arbeite ich selbst in einem Kindergarten mit einem kleinen Mädchen, dass Down Syndrom hat. Diese Kinder können sehr viel lernen und wenn man sie richtig begleitet, können sie später auch ohne weiteres ein eigenständiges Leben führen. Mit dem Inklusionsgedanken, der immer stärker aufkommt, wird das auch besser gefördert.

Allgemein fände ich es nicht schlimm wenn durch Frühtests mehr Eltern sich für eine Abtreibung entscheiden würden und so Behinderungen quasi "aussterben" würden.
Das sollte aber jeder Mensch mit sich selbst vereinbaren, ob es für ihn moralisch vertretbar ist, sein Kind abzutreiben oder nicht.


Antwort
Zitat
Khrano
Beigetreten: 20.06.2009
PokerStrategist

Prinzipiell ist es meiner Meinung nach anmaßend zu entscheiden, ob eine Behinderung eine solche Einschränkung der Lebensqualität darstellt, dass man entscheidet, dass es lieber gar kein Leben geben soll, als ein behindertes Leben. Ich denke es gibt wenig Menschen mit Behinderung, bei denen man davon ausgehen kann, dass das Leben so schmerzvoll ist, dass es besser wäre, wenn sie nicht geboren worden wären. Der Anteil macht selbst bei den schwerstmehrfachbehinderten nur einen geringen Prozentsatz aus, möchte ich an dieser Stelle behaupten. Mit dem Wohl des Kindes lässt sich an dieser Stelle denke ich aus ethischer Sicht nicht argumentieren.

Die andere Seite ist natürlich die der Eltern und der Pflegeaufwand, den ein solches Kind sicherlich benötigt. Das müssen alle Eltern für sich selbst entscheiden. Prinzipiell könnte man hier auch ansprechen, dass eine Behinderung des Kindes stärker auf die Eltern auswirkt, wenn ein schwaches Sozialsystem vorhanden ist. Die skandinavischen Länder sind/waren da ja lange Zeit Paradebeispiel. (Dänemark hat da unter den bürgerlichen Regierungen leider stark aufgebaut.) Wenn die Unterstützung durch den Staat groß ist, können die Eltern extrem entlastet werden. In solchen Wohlfahtsstaaten können Eltern weniger damit Argumentieren, dass der Mehraufwand zu hoch ist.

Bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind mit Behinderung muss jeder selbst entscheiden, ob der Mehraufwand so groß ist, dass er rechtfertig, dass man einem Menschen das Recht zu Leben aberkennt. Und gleichzeitig entscheidet, wie lebenswert das Leben eines Menschen mit Behinderung ist.

Beim Thema Designer-Kindern gibt es übrigens auch Gegenbeispiele. Es gab in Amerika den Fall, dass zwei gehörlose Eltern ihr Kind so ausgewählt haben, dass es ebenfalls gehörlos ist. Gab eine große Debatte darüber, ob man es verantworten könne, dass ein Kind mit einem Sinn weniger auf die Welt kommt. Viele, die vorher Designer-Babys verteidigen, sind hier auf die Barrikaden gegangen, weil es angeblich unverantwortlich wäre.

Es gibt tatsächlich Argumente, warum es eben verantwortbar ist. Es ist für Eltern wichtig, dass sie sich mit ihrem Kind identifizieren können. Das ist eben besser möglich, je ähnlicher die Kinder den Eltern sind. Außerdem haben die so genannten CODA (Children of deaf adults) eine höhere Belastung, weil sie früh als Kommunikationsassistenten für die Eltern einspringen müssen, sobald sie Sprechen können. Die Logik der Argumentation ist dabei ähnlich, wie bei "gesunden" Menschen, dass sie sich ein lebenswertes Leben für ihr Kind wünschen. Was das im Endeffekt ist, ist eine absolut subjektive Einschätzung. Ergo sollte darüber niemand Außenstehendes urteilen dürfen.

Kurz: Muss jeder für sich selbst wissen. Aus Außenstehender zu urteilen, dass es um das Wohl des Kindes geht, ist meiner Meinung nach aber ein anmaßendes Argument.


Antwort
Zitat
Heinz021
Beigetreten: 27.09.2007
BlackMember

Original von Khrano
Ich denke es gibt wenig Menschen mit Behinderung, bei denen man davon ausgehen kann, dass das Leben so schmerzvoll ist, dass es besser wäre, wenn sie nicht geboren worden wären. Der Anteil macht selbst bei den schwerstmehrfachbehinderten nur einen geringen Prozentsatz aus, möchte ich an dieser Stelle behaupten.

worauf stützt du diese behauptung?

wo würdest du die grenze ziehen, wenn man glück und leid quantifizieren könnte? sprich wer mehr leid erfahren muss als glück erfahren zu dürfen, wer 5mal mehr leid erfahren muss als glück erfahren zu dürfen...


Antwort
Zitat

Original von Khrano
Beim Thema Designer-Kindern gibt es übrigens auch Gegenbeispiele. Es gab in Amerika den Fall, dass zwei gehörlose Eltern ihr Kind so ausgewählt haben, dass es ebenfalls gehörlos ist. Gab eine große Debatte darüber, ob man es verantworten könne, dass ein Kind mit einem Sinn weniger auf die Welt kommt. Viele, die vorher Designer-Babys verteidigen, sind hier auf die Barrikaden gegangen, weil es angeblich unverantwortlich wäre.

Das ist für mich schlicht und einfach Körperverletzung.
Wenn überhaupt darf so eine Selektion nur im Interesse des Kindes gemacht werden.

Wie würdest du den Fall den beurteilen wenn das Kind die Eltern später verklagt weil es gehörlos ist.


Antwort
Zitat

Original von Tandor1973

Original von Pr0digy1

Das war eine polemische Anspielung auf die NS-Zeit.

Das habe ich schon verstanden, und ich sage dir das wir das schon seit Jahrzehnten machen.

Wenn du das infrage stellen willst müsstest du Abtreibungen generell in Frage stellen.

Ja, ich sehe Abtreibungen auch kritisch, weil ich denke, dass dahinter fast immer Versagen an anderer Stelle steht (mangelnde Aufklärung, Fahrlässigkeit) und das Ungeborene die Konsequenzen dafür nicht tragen sollte. Ich finde den Gedanken auch falsch, dass das Kind den Eltern gehört und sie über Leben und Tod entscheiden dürfen. Ein Leben gehört niemandem, höchstens der Natur.

Das ist für mich schlicht und einfach Körperverletzung.Wenn überhaupt darf so eine Selektion nur im Interesse des Kindes gemacht werden.Wie würdest du den Fall den beurteilen wenn das Kind die Eltern später verklagt weil es gehörlos ist.

Und es im Mutterleib zu ermorden ist im Interesse des Kindes? Du hast mit deinen Ansichten gar kein Recht dazu, dich über diesen Fall zu beschweren.


Antwort
Zitat

Original von Pr0digy1
Und es im Mutterleib zu ermorden ist im Interesse des Kindes? Du hast mit deinen Ansichten gar kein Recht dazu, dich über diesen Fall zu beschweren.

Für mich ist es kein Mord weil es nicht selber lebensfähig ist.
An einer Körperverletzung ändert das aber nichts, da es ja am Ende ein lebensfähiges verletztes Kind gibt, und die Verletzung bewusst verursacht wurde.

Im übrigen lasse ich mir von dir nicht vorschreiben ob ich das Recht zu meiner Meinung habe oder nicht !


Antwort
Zitat
Khrano
Beigetreten: 20.06.2009
PokerStrategist

Habe den Fall gerade noch mal herausgesucht, auf den ich mich Bezogen habe mit den gehörlosen Eltern. War ein gehörloses, lesbisches Pärchen, dass einen Samenspender gesucht hat, der auch gehörlos ist, damit das Kind mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit ebenfalls gehörlos ist. Ist als noch etwas anders, als von mir geschildert, da scheinbar nicht mit Präimplantationsdisgnostik ein Embryo geschaffen wurde. Falls sich jemand für die philosophische Diskussion dazu interessiert: H. Dirksen, L. Baumann (2002) Designing Deaf Babies and the Question of Disability, Gallaudet Univerity.

Original von Heinz021

Original von Khrano
Ich denke es gibt wenig Menschen mit Behinderung, bei denen man davon ausgehen kann, dass das Leben so schmerzvoll ist, dass es besser wäre, wenn sie nicht geboren worden wären. Der Anteil macht selbst bei den schwerstmehrfachbehinderten nur einen geringen Prozentsatz aus, möchte ich an dieser Stelle behaupten.

worauf stützt du diese behauptung?

wo würdest du die grenze ziehen, wenn man glück und leid quantifizieren könnte? sprich wer mehr leid erfahren muss als glück erfahren zu dürfen, wer 5mal mehr leid erfahren muss als glück erfahren zu dürfen...

Die Behauptung stütze ich auf persönlichen Erfahrungen, die ich mit Menschen mit Behinderung gemacht habe. Durch mein privates Umfeld und während einer Hospitation bei einem Behinderten Beauftragten auf Landesebene habe ich eben den Eindruck bekommen, dass das Argument "Behinderte haben ein schlechteres Leben und man muss deswegen lieber ein gesundes Kind bekommen" eben nicht zieht. Ich hatte bei den meisten Menschen eben nicht den Eindruck, dass sie unglücklich mit ihrem Leben sind und sich wünschen würden, dass sie nicht geboren wären.

Original von Tandor1973

Original von Khrano
Beim Thema Designer-Kindern gibt es übrigens auch Gegenbeispiele. Es gab in Amerika den Fall, dass zwei gehörlose Eltern ihr Kind so ausgewählt haben, dass es ebenfalls gehörlos ist. Gab eine große Debatte darüber, ob man es verantworten könne, dass ein Kind mit einem Sinn weniger auf die Welt kommt. Viele, die vorher Designer-Babys verteidigen, sind hier auf die Barrikaden gegangen, weil es angeblich unverantwortlich wäre.

Das ist für mich schlicht und einfach Körperverletzung.
Wenn überhaupt darf so eine Selektion nur im Interesse des Kindes gemacht werden.

Wie würdest du den Fall den beurteilen wenn das Kind die Eltern später verklagt weil es gehörlos ist.

Wäre es dann für dich auch unmoralisch, wenn man wissentlich ein Kind mit Behinderung zur Welt bringt? Der Logik nach wäre es dann ja quasi fahrlässig, wenn man wissentlich die Behinderung zur Welt bringt.

Um das ganze vielleicht mal logisch von Anfang an aufzurollen, damit überhaupt verständlich ist, wieso ihr so denkt. Wieso meint ihr, dass man Kinder mit Behinderung aussortieren muss?


Antwort
Zitat

Original von Tandor1973

Original von Pr0digy1
Und es im Mutterleib zu ermorden ist im Interesse des Kindes? Du hast mit deinen Ansichten gar kein Recht dazu, dich über diesen Fall zu beschweren.

Für mich ist es kein Mord weil es nicht selber lebensfähig ist.
An einer Körperverletzung ändert das aber nichts, da es ja am Ende ein lebensfähiges verletztes Kind gibt, und die Verletzung bewusst verursacht wurde.

Im übrigen lasse ich mir von dir nicht vorschreiben ob ich das Recht zu meiner Meinung habe oder nicht !

Warum soll ein Kind mit Trisomie 21 denn nicht lebensfähig sein? Das ist kompletter Schwachsinn. Wenn ein Kind nicht lebensfähig ist, stirbt es ohne Außeneinwirkung! Alles andere ist lebensfähig.

Du willst Behinderungen ausrotten und diese Frau wollte, dass ihr Kind behindert ist. Ihr sitzt im gleichen Boot, ohne es zu merken.


Antwort
Zitat

Zum Zeitpunkt der Abtreibung ist es nicht lebensfähig, egal ob gesund, Trisomie21, oder weiß ich was.

In dem Moment ist es einzig und alleine die Entscheidung der Mutter ob sie das Kind will.

Trisomie21 ist eine Spontanmutation, die kann man gar nicht ausrotten, weil sie nicht klassisch vererbt wird, und es wird immer Eltern geben die sich dennoch für das Kind entscheiden.

Das ist auch vollkommen ok so.

Eine Erbkrankheit bewusst herbeizuführen indem man sich den "passenden" Samenspender sucht ist für mich dagegen nicht ok.
Juristisch schwer zu fassen, moralisch verwerflich.


Antwort
Zitat
Rubnik
Beigetreten: 12.02.2006
Oldschool Grinder

Wenn ein Embrio in der 30. Schwangerschaftswoche abgetrieben wird, ist er idR. aber lebensfähig. Dann ist eine Abtreibung ja auch nur noch mit med. Indikation möglich.
Die Abtreibung bis zur 12. Woche, zu der sich die Frau selbst entscheiden kann ist wieder ein anderes thema.

EDIT zur Moralfrage:
Ich fand die Anspielung auf die Euthanasie auch nicht ganz falsch. Der Unterschied ist, dass das Kind einmal vor und einmal nach der Geburt getötet wird.
Die Gemeinsamkeit ist, dass es getötet wird, WEIL es behindert ist.
Also rein technisch ein Unterschied (wobei man da bei einem 30Wochen Embrio auch drüber streiten kann), rein moralisch aber absolut dasselbe.


Antwort
Zitat
Starfighter99
Beigetreten: 04.04.2011
Elite Grinder

Also mein Bruder ist körperlich und geistig behindert ( Kann nicht sprechen,sehen und gehen).

Das ist kein Leben in meinen Augen auch wenn sein Körper mit Hilfe und Pflege lebensfähig ist. Ich wäre in solch einem Fall immer für eine Abtreibung wenn man es schon vor der Geburt weiß.

Ich finde es auch Grotesk eine Behinderung gezielt hervorzurufen weil die Eltern auch so sind/es wollen.

Menschen mit körperlicher Behinderung, die aber Geistig noch da sind, können genau so viel erreichen wie wir Normalos.

Deswegen sollte man diese Unterscheidung schon machen wenn es um Behinderung geht, meiner Meinung nach.

Nicht jeder behinderte ist gleich.


Antwort
Zitat
Rubnik
Beigetreten: 12.02.2006
Oldschool Grinder

Hier geht es ja um Trisomie die sich in der Regel in einem Down Syndrom äussert. Es gibt verschiedene Formen der Trisomie, die sich in Ihren Auswirkungen teilweise stark unterscheiden.
Ich weiss jetzt auch nicht, wieweit der Test aus dem OP hier differenzieren kann oder ob es weiterführende Untersuchungen gibt, die eine Aussage über die Schwere der Behinderung zulassen. Ich denken nämölich, dass der letzte Punkt der problematische ist, hier eben zuverlässige Aussagen zu treffen.

Meiner Ex wurde zB. bei ihrem letzten Kind gesagt, sie würde ein schwerst (Superlativ!) behindertes Kind bekommen.
Der Kleine hat Mukoviszidose, ist körperlich unterentwickelt und krankheistanfälliger. Geistig ist er fit und auch ansonsten ein ganz normales Kind.


Antwort
Zitat
Krach-Bumm-Ente
Beigetreten: 01.05.2006
BlackMember

Original von Hennes
Ein Arbeitskollege hat ein authistisches Kind (+irgendein Genfehler), welches lebenslange Pflege bedarf. Ich habe ihn gefragt was er von diesem Test hält, ob er ihn beim nächsten Kind machen würde und wenn ja ob er bei positivem Ausgang das Kind abtreiben lassen würde.
Obwohl er ein pflegebedürftiges Kind hat würde er den Test nie machen bzw bei positiver Bewertung nie Abtreiben. Ich fand das bemerkenswert und hat unsere Entscheidung gegen den Test mit beeinflusst

Das kann aber auch einfach kognitive Dissonanz sein, und halte ich in dem Fall für sehr wahrscheinlich. Er hat so viel in sein Kind investiert, da würde er im Nachhinein niemals sagen, dass sich das nicht lohnt und dass er es nicht nochmals tun würde.


Antwort
Zitat
NiceToMeetYou
Beigetreten: 01.07.2007
Oldschool Grinder

Ich weiß nicht woher ihr die Sache mit der 30. Woche habt? Down-Syndrom wird in der Regel ca. in der 11. - 15. Woche festgestellt und dann geht es mit der Abtreibung auch ziemlich schnell. Ich glaube nicht, dass man ein Kind in der 30. Woche noch abtreiben kann, da müsste man es wirklich schon aktiv töten, denn wenn man es einfach nur rausholt, bestehen relativ gute Überlebenschancen. Abgesehen davon dass mit fortschreitender Schwangerschaft ja auch die Bindung zum Kind schon enorm wächst. Ich glaube kaum eine Mutter würde das in der 30. Woche noch übers Herz bringen, egal was mit dem Kind ist.

Das mit der Definition von "ab wann ist es Leben" ist ziemlich schwierig. Streng genommen ist jede einzelne Zelle bereits leben, also von Anfang an. Trotzdem betrachten wir eine Eizelle oder ein Spermium noch nicht als Leben oder regen uns gar über ihr massenhaftes sterben auf. Die Grenze ziehen würde ich dort, wo das Leben ein Bewusstsein entwickelt, was halt ca. im 4. Monat ist. Deshalb geht das ja normalerweise auch nur bis zur 12. Woche. Dass es jetzt bei Behinderungen länger geht, darüber kann man sich sicherlich streiten. Das Problem ist leider, dass man sie früher nicht feststellen kann.


Antwort
Zitat
Teilen: