Prinzipiell ist es meiner Meinung nach anmaßend zu entscheiden, ob eine Behinderung eine solche Einschränkung der Lebensqualität darstellt, dass man entscheidet, dass es lieber gar kein Leben geben soll, als ein behindertes Leben. Ich denke es gibt wenig Menschen mit Behinderung, bei denen man davon ausgehen kann, dass das Leben so schmerzvoll ist, dass es besser wäre, wenn sie nicht geboren worden wären. Der Anteil macht selbst bei den schwerstmehrfachbehinderten nur einen geringen Prozentsatz aus, möchte ich an dieser Stelle behaupten. Mit dem Wohl des Kindes lässt sich an dieser Stelle denke ich aus ethischer Sicht nicht argumentieren.
Die andere Seite ist natürlich die der Eltern und der Pflegeaufwand, den ein solches Kind sicherlich benötigt. Das müssen alle Eltern für sich selbst entscheiden. Prinzipiell könnte man hier auch ansprechen, dass eine Behinderung des Kindes stärker auf die Eltern auswirkt, wenn ein schwaches Sozialsystem vorhanden ist. Die skandinavischen Länder sind/waren da ja lange Zeit Paradebeispiel. (Dänemark hat da unter den bürgerlichen Regierungen leider stark aufgebaut.) Wenn die Unterstützung durch den Staat groß ist, können die Eltern extrem entlastet werden. In solchen Wohlfahtsstaaten können Eltern weniger damit Argumentieren, dass der Mehraufwand zu hoch ist.
Bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind mit Behinderung muss jeder selbst entscheiden, ob der Mehraufwand so groß ist, dass er rechtfertig, dass man einem Menschen das Recht zu Leben aberkennt. Und gleichzeitig entscheidet, wie lebenswert das Leben eines Menschen mit Behinderung ist.
Beim Thema Designer-Kindern gibt es übrigens auch Gegenbeispiele. Es gab in Amerika den Fall, dass zwei gehörlose Eltern ihr Kind so ausgewählt haben, dass es ebenfalls gehörlos ist. Gab eine große Debatte darüber, ob man es verantworten könne, dass ein Kind mit einem Sinn weniger auf die Welt kommt. Viele, die vorher Designer-Babys verteidigen, sind hier auf die Barrikaden gegangen, weil es angeblich unverantwortlich wäre.
Es gibt tatsächlich Argumente, warum es eben verantwortbar ist. Es ist für Eltern wichtig, dass sie sich mit ihrem Kind identifizieren können. Das ist eben besser möglich, je ähnlicher die Kinder den Eltern sind. Außerdem haben die so genannten CODA (Children of deaf adults) eine höhere Belastung, weil sie früh als Kommunikationsassistenten für die Eltern einspringen müssen, sobald sie Sprechen können. Die Logik der Argumentation ist dabei ähnlich, wie bei "gesunden" Menschen, dass sie sich ein lebenswertes Leben für ihr Kind wünschen. Was das im Endeffekt ist, ist eine absolut subjektive Einschätzung. Ergo sollte darüber niemand Außenstehendes urteilen dürfen.
Kurz: Muss jeder für sich selbst wissen. Aus Außenstehender zu urteilen, dass es um das Wohl des Kindes geht, ist meiner Meinung nach aber ein anmaßendes Argument.