Original von richumisteinspast
neidgesellschaft deutschland.
Weder das eine Extrem noch das andere ist richtig, und zu Neidgesellschaft Deutschland gehört nicht nur der Neid von armen auf reiche, sondern auch umgekehrter Neid und daraus folgende "Rechtfertigungen" und Argumentationen:
Es gibt in D z.B. einen Steuerfreibetrag, den könnte man deutlich heraufsetzen und dafür den Spitzensteuersatz etwas mehr anheben - die Folge wäre, dass den unteren Lohngruppen mehr Geld bleibt und sich Arbeit eher lohnt - das wollen aber die sehr gut verdienenden nicht, "weil es ja unfair wäre, wenn sie 100.000 Euro Steuern zahlen und andere mit wenig Lohn gar keine" -> ist genauso Neid.
Dasselbe gilt für Dinge wie Beitragsbemessungsgrenzen, diese schützen nur Gutverdiener mit dem gleichen Argument wie bei der Lohnsteuer - das ist doch genauso Neid, der Neid mehr zahlen "zu müssen" als andere, ungeachtet des riesigen Einkommengefälles.
Es gibt dafür noch viele viele weitere Beispiele, z.B. Grundsteuer bei Eigentum: warum muss jeder kleinste Grundstückbesitzer Grundsteuer zahlen, warum wird kleiner Besitz (die zur Lebensgrundlage nunmal gehört, irgendwo muss man wohnen), besteuert? Man könnte genauso einen Untergrenze einführen und sagen, die ersten 1000qm Grundstück sind frei, schlicht zum Leben?
Auch der Sparerpausch/freibetrag fusst ja auf so ein System, nur wurde der in den letzten Jahrzehnten immer nur abgesenkt oder nicht verändert, warum erhöht man ihn nicht dynamisch, wo doch alle Normalverdiener selbst zusätzliche Rentenvorsorge betreiben sollen?
Und die ganzen kleinen Abgaben wie GEZ mit 18 EUR im Monat merkt jemand mit 100k Einkommen überhaupt nicht, den unteren Einkommensgruppen tuts aber weh (und es summiert sich ja auch, denn es sind 10 Euro hier Gebühr und 20 Euro da Gebühr bei z.B. den ganzen Amtsgeschichten).
In einigen Bereichen gibt/gab es diesen Ansatz im deutschen System also schon und es macht meines Erachtens auch Sinn, wieso verfolgt man diesen Ansatz nicht weiter? Warum sind die ersten z.B. 1000 Eur/Monat Einkommen nicht komplett Steuer- und Abgabenfrei, das würde Arbeit attraktiv machen und gleichzeitig hat man in Kombination mit dem Mindestlohn erstmal ein sinnvolles Grundeinkommen für einen Grossteil der Menschen? Warum müssen Sachen, zu denen jeder verpflichtet ist, jeden extra Geld kosten wie z.B. Amtsgeschichten wie Pass usw. oder GEZ? Warum muss jedes kleinste 80qm Wohnhaus mit kleinem Grundstück gleich besteuert werden, es gehört zur Lebensgrundlage?
Und bevor jetzt mit diesem Argument auch Wasser, Strom usw. kostenlos gefordert wird - nein, das ist verbrauchsabhängig und da würde ich vorerst nichts ändern und subventionieren, es gibt genug einfache, direkte, sinnvolle und schnelle Wege, Arbeitnehmer zu entlasten, die sind erstmal zu gehen!
Die Verwaltungskosten würden deutlich sinken, und tut es den Reichen und Gutverdienern wirklich so weh ein paar % mehr Abgaben zu zahlen um die Differenz zu begleichen, und ist es so unerträglich ungerecht und unfair dass sie für ein grosses Haus mit 10ha Grundbesitzsteuer zahlen und der kleine Nachbar mit kleiner Hütte für seine 500qm nicht? Tut das so weh, wandern dann sofort alle aus?
Ich denke nicht, und Sorry wenn dieser Post jetzt nicht direkt was mit dem BGE zu tun hatte, aber wenn man mit solchen Maßnahmen erstmal denjenigen einen höheren Wert beimisst die jeden Tag arbeiten gehen, wäre schon sehr vielen deutschen geholfen.
Ich möchte zu richumisteinspast ausserdem noch folgenden Denkanstoss geben:
Egal wann, wie, in welcher Gesellschaft - fühlt sich ein Teil der Bevölkerung, warum auch immer, benachteiligt oder ungerecht behandelt, wird es immer zu einer Spaltung führen und je grösser diese wird, desto gewaltbereiter wird der sich vernachlässigt fühlende Teil werden, und im absoluten Extrem endet das in der Regel im Bürgerkrieg (da sind wir weit von entfernt, will ich jetzt hier nicht zum Thema machen, sondern nur damit sagen, dass langfristig ein grosses Ungleichgewicht nie Bestand hatte)