Original von klys
So, habe ja hier schon einen Unfall geposted, aber jetzt, so finde ich, ist es mal Zeit, eine neue Dimension der Ekelhaftigkeit und des Schmerzes zu betreten. Der Hüftknaller hier hat ja schon gut vorgelegt, das war echt teilweise schaurig. Aber jetzt folgt eine Story, die ich erlebt habe, die Übelkeit auslösen kann (CLIFFNOTES AM ENDE).
Hoffentlich habe ich nicht zuviel versprochen! Ich lege dann mal los.
Ich nenne die Story:
Wie World of Warcraft, Vice City und ein Aschenplatz mir ein Loch in den Arsch zauberten
Ich bin also damals gerade so 15 Jahre alt. Mein Tag besteht aus ein bisschen Schule, meinen Freunden, dem PC und Fussball. Was das Gekicke angeht, bin ich ganz gut zu gebrauchen, und daher stehe ich im Dienst von Kölns U16. Das war damals Status pur und brachte viele tolle Dinge mit sich. Zum Beispiel umgehende ärztliche Behandlung, was mir, als Kassenpatient, natürlich gut gefiel, und uns auch gleich zum eigentlichen Thema der Story führt.
Irgendwann stand ein Training auf einem Aschenplatz an, und bei einem Kopfballduell verhedderte ich mich elegant in, äh, mir selbst, und falle auf meinen Arsch. Drei Tage lang tut mir das Steißbein weh, wenn ich mich setze, wenn ich gehe, stehe - eigentlich tut es nie nicht weh. Der Doc verordnet mir 2 Wochen Pause, so wenig wie möglich gehen, am besten sitzen oder liegen - es ist eine schwere Prellung.
Ich also ganz der brave Junge, installiere mir Vice City und WoW und sitze mir mein Hinterteil vor dem Rechner platt. Ich zocke den ganzen Tag, meine Leute besuchen mich oft und mir geht es super.
Kurz nach Anbruch der dritten und letzten Woche zwickt es aber wieder am Steiß, ich denke mir nichts dabei und blende es aus. Helfen tut das nicht direkt, und nach 3 Tagen kann ich nichtmal mehr sitzen. Nach dem Duschen schaue ich mir dann die Sache mal im Spiegel an und - Scheiße! Mein Steiß ist knallrot und geschwollen. Ich habe Angst, dass ich zum Pavian digitiere und mein Hinterteil bald komplett aufleuchtet, und so düse ich, da es ein Sonntag war, in die Ambulanz des Krankenhauses.
Dort fällt die Begrüßung wenig freudig aus, ich bin jetzt nicht sicher, ob das daran lag, dass ich Kassenpatient bin, oder an meinem vorgeschobenen Hinweis, dass es um meinen Arsch geht.
Ich lege mich also bäuchlings auf eine Liege und der Medizinmann guckt sich meinen Pöbbes an.
"Humm... hmmm, .. ahh.. hmmm. Sie haben eine Steißbeinfistel. Das heißt, dass da Schwellungen sind, die voller Eiter sind. Der muss raus. Haben sie das nicht vorher mal gemerkt? Sowas wächst doch lange."
Ich sage, dass ich vor 2 Wochen eine schwere Steißbeinprellung hatte und da deshalb eh Schmerzen hatte. Trocken stellt er fest, dass er wohl doch lieber 2 Ampullen benutzen sollte, für die Eitermenge, die enorm sein müsse, nach der Zeit.
In freudiger Erwartung der Schmerzlinderung suche ich nach dem Betäubungsmittel, aber ich sehe bloß Eisspray. Meine plötzliche Angst wird im nächsten Moment erschreckend real, als mir mitgeteilt wird, dass man entzündetes Gewebe nicht betäuben könne, aber wir könnten Eisspray versuchen. KÖNNTEN? VERSUCHEN? Diese Kanüle hat ein 3mm großes Loch und soll in das Kriegsfeld, das mir schon bei leichter Berührung mit der Fingerspitze einen Wahnsinnsschmerz bereitet, gestochen werden??
30 Sekunden später fühle ich einen Schmerz, der unbeschreiblich war. Wurde dann ohnmächtig, aber nur für ein paar Sekunden, und als ich wieder bei Sinnen war, kam der nächste Einstich. Als ich dann soweit leer war, musste ich erstmal 30 Minuten starr da liegen, um wieder zu Kräften zu kommen, nassgeschwitzt und völlig fertig.
Den Rest des Tages überspringen wir, war eh für den Arsch, nach der Tortur.
Nächster Morgen, ich denke, yeah, Schmerz weg, richte mich im Bett auf - UAAAARGH!!!!!! JEMAND WILL MICH UMBRINGEN UND HAT MIR EINEN SPEER IN DIE MATRAZE GESCHMUGGELT, DER SICH GERADE IN MEIN HINTERTEIL BOHRT!!!
Ne, war doch nur die Wunde vom Vortag, die jetzt eigentlich garnicht mehr wehtun sollte.
Also wütend wieder ins Krankenhaus, "Medic Medic" gespammt, bis endlich einer bei mir war und diesem dann meinen Hintern ins Gesicht gestreckt.
"OP, am besten sofort. Wir behalten Sie direkt hier."
Ähm, wtf? Was für 'ne OP? Da ist doch einfach eine Wunde, oder habe ich Arschkrebs? Ich war relativ ratlos und gedanklich nicht auf der Ebene der anderen Menschen, eher so, hmm, zu Gast auf der Ebene der Viecher, die im Aquarium immer sinnlos die Scheibe ablutschen.
Dann folgte die Aufklärung durch einen Arzt. Ich habe eine Steißbeinfistel, und die hat all das schöne Gewebe um das Steißbein herum zu Matsch gemacht, der sich entzündet, eitert und mir Höllenschmerzen bereitet.
In der OP würde man alles Gewebe bis auf die Knochenhaut abscharben und die Wunde mit Verbandszeug ausstopfen. Das müsste man dann 2x am Tag rauspulen und durch frisches Material ersetzen. Wie lange, das würde man erst nach der OP sagen können, wenn klar ist, wieviel Gewebe befallen ist und wie groß die Wunde dann ausfällt.
Aha. Kann ich auch Option B wählen, Tod durch Verbrennung im siedenden Ölbad? Das klingt viel angenehmer als DER Scheiß.
Konnte ich natürlich nicht, und nachdem ein armer Zivi mir den Steiß von den kleinen Häärchen befreit hatte (der Schmerz, den Rasierklingen auf entzündeter, offener Haut machten, war ein Witz, gegen den, der von Innen kam), ging es los.
Ich wache 5 Stunden später auf und fühle direkt nach der Wunde. War aber nix zu fühlen da, nur ein riesiges Verbandsquadrat.
Wurde dann am Tag darauf über die Wunde aufgeklärt: 7cm lang, 2,5cm breit und bis auf den Knochen tief. Vor dem Spiegel konnte ich mir einfach auf den Knochen gucken und musste beim ersten Mal direkt gut abkotzen.
Täglich kam dann die Schwester und hat mir aus diesem Megakrater das Verbandszeug gepult, am Anfang bin ich dabei fast draufgegangen, das klebt ja alles und jede Berührung ist die Hölle. Dann musste man die Wunde aber wieder ausstopfen, damit die nicht nur oben zuwächst und ein Hohlraum zurückbleibt. Das war der schlimmste Schmerz, den ich in meinem Leben je hatte - und als der Arzt mir dann mitteilte, dass die Wunde etwa 3 Monate auf diese Art versorgt werden müsse, und das täglich, war alles vorbei.
Jeden Tag Schmerz, Schmerz ohne Ende, drei lange Monate. Jeder Schritt brennt, hinsetzen hat mir die ersten 3-4 Wochen Tränen in die Augen getrieben, Schlafen konnte ich vielleicht 2 Stunden am Stück, ich bin echt wahnsinnig geworden. Dazu konnte ich am Tag nicht mehr machen, als zu sitzen und mir die Zeit mit WoW zu vertreiben.
Jetzt kommt der Kicker:
Nach den 3 Monaten bekam ich wieder Schmerzen und es stellte sich heraus, dass das Gewebe direkt am Knochen eine Konsistenz hatte, die einem labbrigen, nassen Toastbrot am ehesten entsprach - also musste ALLES nochmal wiederholt werden.
Hab nach der 2. OP dann Vice City installiert.
Cliffnotes:
Schmerzen im Arsch gehabt,
Doc zerstört erst Arsch, failed aber hart und macht dann direkt Komplettrodung,
Höllenschmerz und offener Arsch für 3 Monate,
Truck kommt an, schüttet Load of Fail auf mich -> nochmal gleiche OP.