Die Frage des OP ist eigentlich ziemlich clever weil ich denke, selbst wenn ich die technischen Zusammenhänge ignoriere, derartige Nachrichten in der Tagesschau von weit weniger als 1% der Zuschauer auch nur ansatzweise verstanden werden. Eigentlich ist ja auch schon alles erklärt worden, ich fasse es nochmal zusammen auch wenn das bei mir schon eine Weile her ist. Gelesen hatte ich seinerzeit (ca. 1987-1989)
Johann Philip Bethmann
"Auf Inflation folgt Deflation"
"Die Zinskatastrophe"
"Der verratene Kapitalismus"
und noch irgendeinen vierten Titel von Bethmann. Ich fürchte heutzutage wären die glatt aktueller als damals. Ich habe dazu dann 1989 eine Schularbeit geschrieben zum Thema Wiedervereinigung und was zu tun wäre. Während meine unreifen Klassenkameraden (ich drehte eine Runde) alle nur 1 Seite abgaben mit dem Tenor "Supi wieder 1 Land" schrieb ich 7 Seiten Abhandlung über kritische Probleme des wirtschaftlichen Wiederaufbaues, welches mir die schlechteste Note der Klasse einbrachte und den Kommentar des Lehers "Ich solle mich nicht mit Dingen beschäftigen die ich sowieso nicht verstehen würde", dabei hatte ich zumeist eh nur Bethmann zitiert.
Nun denn, hier nochmal in Kurz:
- Die Zinsen der EZB beziehen sich auf Geschäft mit den Banken, welches direkt erstmal nix mit dem Kundengeschäft der Banken (sowohl gewerblich wie privat) zu tun hat. Das wirkt sich nur tendenziell und indirekt auf Kundenkrediter aus und im Vergleich zu den USA auch mit total unterschiedlichen Zinssätzen.
- Niedrige Zinsen sind prinzipiell besser für die Wirtschaft
- Sowohl schnell steigende wie auch schnell sinkende Zinsen sind fundamental schlecht, wirkt sich aber ggfs. eher langfristig aus.
- Die Staatsbilanz (ggfs. Defizit) ist immer mit einzubeziehen, deshalb ist die Einhaltung der EU Kritieren wichtig um mit dem konkreten Durschnitt arbeiten zu können. Wenn Italien und Griechenland hier schummeln wirkt sich das auch auf ganz Europa konkret negativ aus.
- Für das tatsächlich vorhanden Geld gibt es verschiedene Definitionen, alles in Geldmenge "M" beschrieben (M0, M1, M2, M3). Prinzipiell will man eine möglichst große Geldmenge haben, aber eben ohne hohe Inflation (also durch echtes Wirtschaftswachstum).
Der normale Bürger hat praktisch keinen Einfluß auf die Politik der EZB, die nationalen Politiker übrigens auch nicht, was wohl auch zu einer unabhängigen EZB und einem starken Euro geführt hat. Wenn man nur Quatsch macht wie in den USA, Defizit durch die Decke, Zinsen hoch, runter, hoch und fleissig Krieg führen dann geht eine Währung halt den Bach runter.
Gruß,
CMB
btw, erstaunlich was man heutzutage alles bei wikipedia lesen kann. Ich habe mir die Bücher damals in der Bücherhallte extra bestellt und mußte Wochen darauf warten. (Jetzt kommt die Frage was eine Bücherhalle ist....)