Original von mak199219
Hey Razello,
dein Werdegang finde ich zum Beispiel bemerkenswert. Hab da auch rießen Respekt vor dir. Ich mein jetzt mal abgesehen vom Poker, hast du eigentlich allen gezeigt, dass es lohnenswert ist, dass durchzuziehen was einem wirklich Spass macht. Ich mein macht dich doch bestimmt verdammt glücklich einem tollen Job nachzugehen und dazu noch im Ausland zu leben oder???
Aber wie konntest du damals diese Entscheidung treffen?
Naja ich kann ja mal drauf eingehen, vielleicht hab ich da auch teilweise ein falsches Bild oder einen falschen Eindruck ermittelt.
Ich gehe nochmal ein Stückchen weiter zurück damit man es besser versteht. Die Motivation meinen Job zu beenden und Pokerpro zu werden, war bei mir der Wunsch nach Unabhängigkeit, der Wunsch nach viel Geld. Für Poker gelebt habe ich vor dieser Entscheidung. Von der Fachhochschule mit der Bahn zurück, an meiner Haltestelle raus und die letzten 500Meter einfach gejoggt weil ich zocken wollte. Ob man das da Sucht nennen kann kA, ich habs nicht so gesehen.
Naja Poker schien mir grenzenlose Möglichkeiten zu bieten. War mir ziemlich sicher das System schlagen zu können, war schon immer sehr wettbewerbsfixiert und musste in allen möglichen Strategie/Skillspielen der beste sein. Dann kamen 2 Dinge zusammen. 2 Riesenluckdonkaments, wo ich in knapp einer Woche aus nem 20$ paysafescard ein satellite gew, + das main geschippt habe für 10,3k+ 3 tage später nochmal 4k gemacht habe.
Plötzlich war ich für meine Verhältnisse reich und absolut überzeugt, wenn ich nur den ganzen Tag pokern könnte, ich würde die games alle schlagen, Notizen machen, analysieren, Mathematik. Die möglichkeiten die ein lernwilliger Fischg so hat. Dann bin ich auf PS.de gestoßen, ab da war vorbei. Das war das was ich gesucht hatte, vernünftige Strategieartikel, Videos etc- das Internet war ja voll von Randomdonktipps, die ich per google rausgefunden habe. Also entschieden ich lebe jetzt meinen Traum.
Also, die Gründe haben mich als Fisch damals überzeugt, das pack ich, nur ne Zeitfrage bis ich alles crushe. Es war aber auch eine Art Flucht muss ich eingestehen, mein Job hat mir absolut keinen Spaß gemacht, aber das ist ein anderes Thema.
Weiter gings:
3Monate Gas gegeben, marginale winrate aber sehr viel Rakeback und sehr schnelle Fortschritte gemacht, vom Skill und finanzieller Natur. Es wurde immer geiler, ausschlafen, feiern, mehr Kohle als ich ausgeben konnte, Vegas und das beste kein Ende schien in Sicht. Alles nur eine Frage der Zeit, bis die Million da ist. Aber alles hat seine Schattenseiten, ganz besonders das Larryleben als Onlinepro.
Nach ca 6 Monaten änderte sich einiges. Der Traum platzt und trister Alltag kehrt ein. Hab mich an dieses neue zwanglose Leben zwischen Glotze, PC und Supermarkt komplett gewöhnt.
Die Lust am spielen verging, war ich früher nicht wegzukriegen von den Tischen, wars jetzt keine Qual, aber doch teilweise sehr anstrengend zu spielen. Resultat ich spielte weniger. Das Leben war nach wie vor ganz okay, nur nicht sehr sinnvoll. Viel TV, der lief den ganten Tag, eigentlich jeden Abend Besuch, Bier, Playstation- FIfa/Pizza. Also leben wie Wochenende und das jeden Tag. Ich will aber nicht noch weiter ausschweifen. Es wurde immer langweiliger.
Glück ist kein anhaltender Status.
Mal ausschlafen oder Urlaub haben, ist geil. Aber jeden Tag auusschlafen, ohne Verpflichtungen, ohne Druck irgendwas zu machen, ist irgendwann nicht mehr geil. Man wird ernorm träge, wenn man sich nicht aktiv entscheidet den Tag zu gestalten.
Wenn dann, wie in 2,3 großen Phasen, die ich hatte ein großer Downswing dazukommt, man aber keine Rücklagen geschaffen hat, ist man plötzlich der unglpcklichste Mensch der Welt und läuft echt Gefahr depressiv zu werden.
Allein der Gedanke, du scheiterst mit dem Vorhaben und hast 2,3 Jahre lebenszeit einfach komplett sinnlos verschwendet, lastet schon schwer.
Ich hatte oft diese Phasen, wo ich mich wieder nach Normalität gesehnt habe
Einem geregeltem Leben, als Teil der Gesellschaft.
Mein kleiner Bruder ist Feuerwehrmann geworden, mittlerweile verheiratet und hat ein Kind. Wenn ich da so drüber nachgedacht habe, kamen iimmer häufiger Zweifel an meinem Dasein als Pro auf. Gerade die Sinnfrage, Pokern Geld ausgeben, sonst keine Verpflichtungen. Das macht einfach nicht glücklich.
Ich möchte dann doch aber mal ein Fazit aussprechen, sonst spewe ich hier noch den ganzen Thread voll.
Es gibt nicht das perfekte Leben, den perfekten Job etc. Wenn wir andere beneiden, die ein vermeintlich perfektes Leben führen, können wir denen auch nur vor die Fassade blicken. Der Mensch gewöhnt sich so schnell an alles gute oder wünschenswerte. Wie oft ist es mir passiert, das ich mir etwas gewünscht habe, wenn ich es dann hatte, war die Realität meist ein wenig ernüchtern und irgendwann geht das Interesse verloren.
Glück muss man sich erarbeiten, jeden Tag aufs Neue. Kämpfen und Siegen
Ein Pokerpro ohne Geldsorgen, muss sich sein GLück genauso erarbeiten wie der Student, der jeden Penny 2x umdrehen muss.
Was ich dann noch merke, ist dass es okay ist Wünsche und Ziele für die Zukunft zu haben, das ist sogar wichtig um die Orintierung nicht zu verlieren.
Nur man darf bei all den Wünschen und Zielen nicht vergessen, dass man im heute lebt und der heutige Tag in der Form nicht mehr sein wird. Also Zeit nutzen und aus den Umständen , die einen umgeben das beste machten!