So, bin grade auf der Reise nach Indien und habe kurzen Aufenthalt in Warschau.
Seit der Gehaltsvereinbarung gab es mehrere Einschläge in kurzen Abständen... eigtl unglaublich, wenn man sich überlegt, wie kurz das erst her ist, aber das zeigt auch, wie es in der Firma im Moment steht.
Ich gehe sie mal chronologisch durch....
1. Einschlag: Zielvereinbarung
Da wurden halt die üblichen 12% angesetzt. Absolut irrational, wenn man sich mal überlegt, was abgeht. Dass unsere Geräte im Moment massiv an Boden auf die Konkurrenz verlieren und die Entwicklung absolut nicht mithalten kann, lasse ich dabei schon außen vor... Aber mit der schwächelnden Wirtschaft, jetzt auch noch mit Corona etc ist das halt absolut hirnlos. Gab da auch keinen Diskussionsspielraum, das ist das Ziel, was der Geschäftsführer vorgegeben hat, das an meinen Chef weitergegeben hat und das jetzt auf uns geschmissen wird. Argumente wie Corona gelten gar nicht beim GF, wenn man ihm sagt, dass China blank liegt etc... da kommen dann so fundierte Argumente wie "Aber China kann ja im Sommer explodieren". Auf meine asiatischen Märkte strahlt es natürlich langsam auch aus... grade Korea und Japan sind ja gut betroffen.
Das gleiche 12% Ziel haben alle anderen Vertriebler auch bekommen, da bin ich also nicht benachteiligt, aber alle haben eben auch gesagt, dass sie sich von ihrem Bonus schon verabschiedet haben und es absolut demotivierend und frustrierend wirkt.
Ich finds halt auch lächerlich, wie sich die Geschäftsleitung da der Wirklichkeit versperrt. Da wird einem jede Motivation geraubt. Anstatt dass man sowas sagt wie "Ich weiß die Zeichen stehen grade schlecht und das wird kein Rekordjahr werden, aber ich glaube an meine MItarbeiter, 5% schaffen wir trotzdem!" oder irgendwas in der Richtung, was auch nur ansatzweise das Gefühl gibt, dass man gehört wird und dass irgendeine Form von Motivation vermittelt wird... nein, stattdessen kommt es rüber, als ob der Geschäftsführer wie ein kleines Kind Augen schließt und Finger in die Ohren und die Realität auszublenden versucht,indem er seine ach so tolle Vision und seine 12% immer wieder ausruft.
Da braucht es auch keinen Psychologen für, dass es nur mit Druck etc, der die Motivation killt, nicht klappt. Keine AHnung, was die sich da denken, aber wenn man Mitarbeitern die Motivation killt, kriegt man auch keine guten Ergebnisse. Das Gegenteil ist der Fall. Die direkten Sales Reps haben jetzt auch vor kurzem einen European Sales manager als Chef vorgesetzt bekommen, der jetzt auch ähnlich frei dreht (komme ich gleich noch zu) und nur seine leeren Phrasen drescht (we will be in a high expectatin/high support environment - nur dass man vom Support nichts sieht aber immer mehr Druck und nur Managergelaber. Die beiden deutschen Sales Reps haben auch einfach gegen ihren Wunsch/Willen jetzt noch zwei Kollegen dazu bekommen, die Gebiete sollen aufgeteilt werden, die sollen gleichzeitig den Umsatz in einem halb so großen Gebiet um 12% streigern (verglichen mt Vorjahr im vollen Gebiet), die neuen Mitarbeiter nebenbei noch einarbeiten etc. Es ist nur noch abstrus. (Ganz nebenbei wollten die keine neuen Kollegen haben, wöhrend mein Kollege und ich um einen dritten gebeten haben, den es aber nicht gibt :|) Die neue Mitarbeiterin für eines der Vertriebsgebiete hat jetzt von dem European Sales Manager auch schon auf den Deckel bekommen, weil sie ihre Kinder mal aus dem Kindergarten abholen musste, gab dann echt, laut ihr, Aussagen wie "I dont want that your family affects your work life" usw usw..
2. Einschlag: Anwaltsfall
Kann hier nicht zu sehr ins Detail gehen, weil das vertraulicher Patentkram ist im Rahmen eines Prozesses. Ein Kunde aus meinem Betreuungsgebiet hatte meinen Distributor gefragt, ob er sich für einige fachliche Fragen direkt an mich wenden könne. Nach Absprache zwischen Distributor und mir hab ich dem natprlich zugestimmt und ihn ein bisschen beraten. War nichts besonderes, eher Standardkram. Ist auch schon 3-4 Monate her. Dann wurde ich vor einiger Zeit von einer Anwaltskanzlei angeschrieben, dass der Kudne sich in einem fetten Patentstreit gegen eine andere Firma befindet und die Anwaltskanzlei die vertritt und sie auch nach Experten für fachliche Aussagen etc suchen, das wäre auch mit Honorar verbunden etc.
Ich hab dann in dem Gespräch mit dem ANwalt auch gesagt, dass ich da an meine Kollegen aus der Applikationsabteilung verweisen würde, weil die da noch die größeren Experten sind, die sich noch viel mehr im Detail mit solchen Fragestellungen auskennen. Gemacht, getan, der Fall wurde dann an unser US Office weitergeleitet und läuft jetzt. Der Typ aus den USA hat nen Vertrag mit nem Honorar von 350 USD/h für die FIrma unterzeichnet.
Ich habe dann nach dem Zielvereinbarungsgespräch gesagt, dass ich mir da ne Beteiligung wünschen würde (finders fee), weil diese Geschicht ja nur dadurch reingeholt wurde, weil ich den Kunden gut beraten habe und der scheinbar sehr happy mit meiner Art war. Da war die Antwort dann sehr ausweichend ("sowas muss ja eigentlich auch so gehen innerhalb einer Firma" etc...) Wurde dann damit vertröstet, dass ich meinen Chef daran erinnern soll und man mal schuat, was da an Umsatz rumkäme. Finde ich hart lächerlich.
3. Einschlag: European Sales Manager
Wie bereits beschrieben haben wir ja neue Mitarbeiter für die Sales Gebiete bekommen. Der eine Mitarbeiter fängt jetzt am 1.3. an und soll eingearbeitet werden. Der European Sales manager (ESM) ist sein Chef und hat zusammen mit dem Chef der Laborabteilung, den Einarbeitungsplan erstellt. In dem wurden alle möglichen MItarbeiter, mich inklusive, einfach eingeplant, ohne, dass wir jemals gefragt wurden etc...Da war ich dann auch für Sessions eingetragen, bei denen ich noch der Dienstreise jetzt nach Indien bin bzw. an dem 3 Tagen danach, an denen ich mir Urlaub genommen hatte, um mich von der Reise zu erholen (grade Indien schlaucht mich immer sehr, ist nicht mein Lieblingsland und bin immer etwas fertig danach). Bin dann zu dem ESM gegangen und gesagt, dass ich da nicht kann etc und ob er nicht auch einfach 1-2 Sessions übernehmen könnte - nein, sein Chef (und auhc mein Chef) hätten ihm gesagt, er soll da nicht involviert sein, er soll das nur delegieren. Es gab da keine wirkliche Lösung etc. Ich bin einfach ein Vollidiot und viel zu nett und zu gut und habe dann angeboten, dass man ja das Training an 2 Tagen tauschen könne und ich dann auf einen Tag Urlaub verzichten würde, damit ich das Training machen könne.... (ja ja, ich bin ein riesiger Depp...). Ein Tag später kam dann noch die Mail vom ESM (der keine 30 meter entfernt sitzt), dass ich ja für die anderen Tage auch noch den Ersatz organisieren solle etc. Hab dann geantwortet, dass ich eigentlich denke, dass das die Aufgabe vom Chef des neuen Mitarbeiters sei... da kam dann nur so ne typische Manager/Chef-Antwort, wie es zu laufen hat (auch meinen Chef ins cc gesetzt) bla bla. Das hat mich so sehr geärgert. Ich habe grade für die fucking FIrma auf einen Tag Urlaub verzichtet und das ist der Dank, dass ich alles andere auch noch machen muss und mich um alles kümmern muss (für Sesions, für die ich eingeteilt wurde ohne auch nur einmal gefragt zu werden, ob ich da bin). Kein dankeschön für meinen Einsatz gar nichts. Hab das dann organisiert und bin zu dem ESM hiingegangen und gesagt, dass ich das nicht okay finde, ich ihabe da grade auf einen Tag Urlaub verzichtet für die FIrma und hätte mir gewünscht, dass da dann so viel Dankbarkeit/Zwischenmenschlichkeit herrscht, dass dann der Chef wenigstens das kurz übernimmt und ich nicht auch noch das aufgebürdet bekomme... WIrklich viel kam bei dem Gespräch auch nicht rum "finds gut, dass du das angeprochen hast, bla bla", aber keine wirkliche Einsicht/Entschuldigung oder irgendwas. So viel zur High Support Environment...
4. Einschlag: Meeting
Das war ein Meeting am DOnnerstag und war für mich endgültig der Nail in the Coffin. Hatte mit meinem Chef eigentlich nur unseren regelmäßigen Updatetermin und wollte vor allem über die Reise sprechen. Etwa 1,5 Wochen vorher kam aus dem COntrolling ne Mail mit einer tollen Ankündigung, dass wir jetzt unsere Opportunities in so ne neue tolle Excel-Tabelle einpflegen sollen (wir haben in einer 20 Mio+ Umsatz-Firma imme rnoch kein CRM, soll jetzt kommen dieses Jahr). Die Mail kam natürlich aus dem Nichts, mit null vorheriger Besprechung, null Erläuterung etc. Ich wollte dann in dem Meeting nur kurz erfragen, ab wann ein Projekt denn in die Liste reinsoll, zB erst wenn ein Angebot geschrieben wurde etc - weil mein Kollege, der viel mehr Länder hat, in denen er noch direkt vertreibt, während ich vor allem die Länder mit dem weit entwickelten Distributoren habe und eher wenige Direktländer, da nur 10 Projekte eingetragen hatte und für mich, als jemand, der eigentlich dann viel weniger haben sollte, nicht klar war, wo das Kriterium liegt etc
Das Gespräch ist dann sehr schnell dahin gegangen, dass ich die Liste allen Distributoren schicken solle, da mir alle Projektlisten einholen solle, regelmäßig updaten etc. Und da ging es dann los. Als ich zum einen meinte, dass das gar nicht so leicht sei, weil die Distributoren sowas nicht einfahc so immer rausgeben etc und das vor allem eine Heidenarbeit ist und ich jetzt ja schon überlastet sei etc... Sein wunsch ist es, dass ich am besten nur noch der Tabellenheld sei, der die Projektlisten anguckt und nur fragt, wie wir diese Projekte gewinnen, immer Druck machen etc.
Ich habe das nicht mal per se abgelehnt (obwohl ich das auch anders sehe), aber einfach gesagt, dass dafür gar nicht die Zeit sei im MOment, weil ich so schon kaum hinterherkomme.
Ich kriege gar nicht mehr zusammen, wie das Gespräch danach ging, aber im Nachhinein war ich nur noch sprachlos, ich schreibe einfahc mal die Hauptpunkte auf die müssen nicht unbedingt in der Reihenfolge gefallen sein.
- Ich würde meinen Job ja eigentlich ganz falsch machen, so geht Distributor Management ja gar nicht etc. Ich bin für meine Distributoren halt auch der erste Ansprechpartner für technische/naurwissenschaftliche Fragen. Das liegt enfach daran, dass unsere Geräte und die Wissenschaft dahinter echt komplex und weitläufig ist und ein Disttributor eben auch an seine Grenzen kommt und Hilfe braucht. Das sind Fragen, die ich dann eben auch beantworte und zB großen Wert darauf lege, dass die Antworten auch schnell kommen (meist binnen 24 h), damit die Leute eben Ihre Kunden entsprechen beraten können usw. Ich habs mir auch selber zur Aufgaber gemacht, dafür zu sorgen, dass unsere Distributoren entsprechende Updates bekommen, welche neuen Geräte/Methoden es gibt etc. etc. Wenn ich das nicht machen würde, würde das keiner machen, die Distributoren würden komplett hinten überfallen. Das ist für mich keine Lösung, weil ich denke, dass diese Leute eben Vollzeit quasi für unsere Firma arbeiten (sind natürlich beim Distributor angestellt, machen aber vollzeit nur uns) und auch entsprechende Bildung brauchen etc.
Das sei aber alles gar nicht mein Job, das sei zwar nett, dass ich das mache, aber irrelevant. Das sei ja Aufgabe der Produktmanager. Da habe ich dann gesagt, wenn ich jetzt alle solchen Anfragen an die weiterleite, dauert es Wochen, bis Antworten kommen etc und das wird nicht helfen. Ich könnte hier noch ewig weiter ins Detail gehen, ich bin bis jetzt noch angepisst.. aber Bottom line war, dass ich ja Aufgaben machen würde, die gar nicht mein Job seien und die Distributoren dann eben mal 1 Woche auf ihre Antwort warten müssten etc und ich viel mehr in diesen Tabellen sein müsste etc.
- Ich würde meine Zeit ja unnötig verschwenden und könnte die viel effektiver nutzen etc. Da hat er dann ewig auf 1-2 Tagen rumgeritten, wo ich Gäste empfangen habe, die er für unnötig gehalten hatte...
Es gab noch so viel mehr, ich kriege das hier alles gar nicht kohärent zusammen, dass es ne stimmige Geschichte wird, aber es war echt das aller krasseste. Der Job sei ja ganz anders, es müsse viel mehr um Tabellen gehen, sein idealer Vertriebler sei ja jemand, der gut reden könne, aber von den Produkten eigentlich gar nix wissen müsste sondern dafür immer die Produktmanager fragen müsste. Die Produktmanager sind in unserer Firma aber ganz anders eingespannt etc und sind so schon überlastet. Ich kann die Aufgaben zwar abgeben, aber dann würden Antworten eben ewig dauern. Und das ist nicht, wie ich glaube, dass die Leute betreut werden müssten.
Es war einfach nur krass, wenn man sich mal überlegt, dass ich erst seit einem Jahr dabei bin, im letzten Jahr meine 12% Wachstum sogar geschafft habe, während Alteingesessene, die seit 15 Jahren in der Firma sind und viel mehr verdienen als ich etc das nicht geschafft haben....
Könnte jetzt noch viel mehr erzählen, es würde ein noch viel längerer Text werden, der sehr wirr ist, aber die Zusammenfassung ist im Endeffekt, dass mein Chef wahrscheinlich selber im totalen Meltdown ist, er hat letztes Jahr seinen Bonus schon nicht bekommen, weil das Ziel nicht erreicht wurde und fürchtet für dieses Jahr wahrscheinlich selbiges.... und jetzt denken sie wahrscheinlich, dass mit mehr Kontrolle und mehr Druck alles besser werden würde.
Für mich ist an dem Tag der Entschluss gefallen, dass ich hier nicht bleiben werde. An dem Abend war ich endgültig gebrochen... hatte sogar ernssthaft überlegt, zum Arzt zu gehen und mich krankschreiben zu lassen für die Reise nach Indien, einfach weil ich gar keinen Bock mehr hatte. Die Arbeit mit den Distributoren hatte mich immer gehalten, immer motiviert etc. Aber das ist alles echt vergangen jetzt, bin echt im Resignationsmodus.
Habe 3 coole Stellenausschreibungen in Hamburg gefunden und auch schon auf alle 3 Bewerbungen rausgeschickt.
Eine wäre im Bereich Buisness Development für einen Distributor und zwei wären Produktmanager für Anwendungen, die genau au das passen, was mit unseren Geräten gemacht wurde... denke, dass ich auf 3 Stellen sehr gut passen würde und werde mich weiter umschauen.
Sorry, falls das alles wirr war, aber ich bin auch echt nur noch angekotzt