Zum Forum springen
Benachrichtigungen
Alles löschen

[Geschlossen] Bewertung eines Arbeitszeugnises

19 Beiträge
11 Benutzer
0 Reactions
1,187 Ansichten
Azathoth
Beigetreten: 09.02.2007
Elite Grinder

Hiho,
Kumpel von mir (ja, wirklich) hat nach einem 3-monatigen Praktikum ein Arbeitszeugnis gekriegt. Er ist damit sehr zufrieden und meint es sei topp, ich denk es ist eher mies.

Das ganze liest sich so:

Nach kurzer Einarbeitungszeit arbeitete Herr XY sehr selbstständig. Sein organisatorisches Geschick konnte er gewinnbringend in die Arbeit für uns einsetzen. Herr XY führte alle Aufgaben zuverlässig und zur Zufriedenheit schnell aus.
Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war jederzeit einwandfrei. Herr XY erwies sich als sehr teamfähig, er hat seine Kompetenzen umfassend eingebracht. Ich habe Ihn als sehr liebenswerten und vertrauensvollen Mitarbeiter kennen gelernt, der meinen Anforderungen in allen Punkten voll gerecht wurde. Er besaß ein hohes Engagement.
Ich danke Herrn XY sehr für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. Ich wünsche ihm für seinen weiteren Studien-, Berufs- und Lebensweg alles Gute und viel Erfolg.

Ich würd das so interpretieren, dass er zwar ein netter Kerl ist und auch was auf dem Kasten hat, nur leider ist er eine faule Sau (das "zur Zufriedenheit schnell" sticht find ich ziemlich raus und ist meines Erachtens halt echt nicht toll).
Würd auch mit meiner persönlichen Einschätzung seiner Person übereinstimmen ;)

Wie würdet ihr das ganze bewerten?


18 Antworten
Shandout
Beigetreten: 19.05.2010
PokerStrategist

Vom "Chef-Wording" her ist das Zeugnis tatsächlich nicht optimal, wobei die Frage offen bleibt, ob der Chef überhaupt weiß wie die Satzbausteine bei einem super Zeugnis stehen müssen.


PHCruiser
Beigetreten: 02.06.2006
Oldschool Grinder

"sehr selbstständig" -> eigenbrötler?
"sehr teamfähig" -> unterhaltsamer kollege, verlässt sich vielleicht zu sehr aufs team?
"sehr liebenswert und vertrauensvoll" -> zu nett, zu verschlossen?
das "schnell" fällt sofort auf, da hast du recht, das könnte auf ungenaues arbeiten hindeuten?
der rest ist aber super: "gewinnbringend", "jederzeit einwandfrei", "kompetenzen umfassend eingebracht" (aber vielleicht seine meinung ein bisschen zu sehr in den vordergrund gerückt?)
"voll gerecht", "hohes engagement", dank und wünsche am ende

das ergibt aber kein schlüssiges gesamtbild. da kann man durchaus annehmen, dass Shandout recht hat mit seiner vermutung, dass der chef vielleicht kein experte ist. evtl. wollte er es sehr positiv formulieren, tut aber deinem kumpel nicht nur gutes damit. wenn man keine erfahrung mit zeugnissen und entsprechenden formulierungen hat, könnte man ein - subjektiv sehr gutes - zeugnis so schreiben. hoffentlich bewerten das die personaler so, mit denen dein kumpel später zu tun hat.


BloodCanHappen
Beigetreten: 29.11.2006
PokerStrategist

Ich hab kein Plan wie sowas gewordet sein müsste, aber das is doch ein mind. gutes Zeugnis.


Shandout
Beigetreten: 19.05.2010
PokerStrategist

Bei "Zufriedenheit" gibt es AFAIR beispielsweise (ist bei mir schon länger her) noch die besseren Eskalationen "zur vollen" und "zur vollsten".


Kellerlanplayer
Beigetreten: 02.12.2006
PokerStrategist

Wie sieht denn ein optimales Arbeitszeugnis aus?

Bin wohl in der glücklichen Lage es selbst schreiben zu dürfen.
Imho fehlt da auch der Tätigkeitsbereich in dem gezeigten Arbeitszeugnis.


FlipFlip
Beigetreten: 17.04.2007
Oldschool Grinder

Mehr als eine 3 (notentechnisch gesehen) ist das nicht.


PHCruiser
Beigetreten: 02.06.2006
Oldschool Grinder

wenn man sich schon herablassen will, eine durchschnittsnote zu bilden: das zeugnis ist eine mischung aus 1 (z.b. dank am ende) und 4 (z.b. schnelle ausführung). daher glaube ich (wie oben gesagt), dass der verantwortliche kein großes verständnis von der materie hatte.


f0xi
Beigetreten: 01.11.2008
PokerStrategist

Das schwebt zwischen einer 3 und einer 4...


Shandout
Beigetreten: 19.05.2010
PokerStrategist

Die Eckdaten eines qualifizierten Zeugnisses sind auf jeden Fall recht umfangreich und zwischen Überschrift, Einleitung, Positions-, Aufgaben- und Tätigkeitsbeschreibung sowie einer Bewertung der Leistung und des Verhaltens recht klar strukturiert. Abschließend dann immer ein Abschluss mit einem Grund für das Ende des Verhältnisses.

Wenn da halt steht, dass man selber gehen wollte ("neue Aufgaben") und der ehemaligen Arbeitgeber einen nur ungern verliert und eine Empfehlung ausspricht, ist schon viel gewonnen.

Die letztendlichen Formulierungen sind halt eine Wissenschaft für sich, eben weil sie für einen neutralen Betrachter ohne Ahnung von der Materie immer positiv klingen müssen. Ein Beispiel:

Sehr gut = ... hat die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollsten Zufriedenheit ...
Gut = ... hat die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollen Zufriedenheit ...
Befriedigend = ... hat die ihm übertragenen Arbeiten zu unseren vollen Zufriedenheit ...
Ausreichend = ... hat die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit ...

Alles was schlechter ist hat dann Floskeln wie "im Großen und Ganzen" und ähnliches drin. Dazu gibt es dann die ganzen Klassiker: "Sehr gesellig" = Suffkopp; "Zeigte Einfühlungsvermögen für die Belange der Belegschaft" = Gräbt Mitarbeiter(innen) an. Steht bei letzterem Punkt gar "umfassendes Einfühlungsvermögen" sei dies laut Literatur ein Hinweis auf Homosexuelle Veranlagungen des Mitarbeiters.

Wie gesagt, die Materie ist sehr komplex und wenn das nicht von einem geschulten Personaler oder Chef geschrieben wird, kann da viel in die Hose gehen. Die Beispiele waren jetzt aus dem "Bewerbungshandbuch" von Hesse/Schrader, was zumindest zu meiner Studienzeit noch eines der Standardwerke war.


FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

Hängt das nicht auch vom Unternehmen ab?

Also ich kann mir vorstellen, dass in einem mittelständischen Unternehmen(<1000 Mitarbeiter) kaum jemand wirklich zwischen "vollen/vollsten" unterscheidet. Bei ner großen Firma würde ich mir sorgen machen:)

Ich hätts mit meinem Halbwissen als "arbeitet sehr schnell, aber nicht immer 100%-ig genau" interpretiert.


Shandout
Beigetreten: 19.05.2010
PokerStrategist

Ist wie bei Jura und schwierigen Entscheidungen im Poker: "Es kommt darauf an." ;) Prinzipiell habe diese Formulierungen aber ihre Gültigkeit und bei der Interpretation gibt es auch wenig Spielraum. Ganz blöd gesagt: Selbst aus dem letzten Satz kann man dem Kumpel einen Strick drehen.

Warum? Im Satz fehlt das schöne Wort "weiterhin". Wir wünschen ihm "weiterhin viel Erfolg" ist eine geläufige und gute Abschlussformel. Wir wünschen ihm "viel Erfolg" kann auch bedeuten "bei uns hatte er keinen".


Ardarandir
Beigetreten: 27.10.2006
Oldschool Grinder

der letzte satz ist einfach eine standardabschlussformulierung und hat nichts mit der benotung zu tun. Das Zeugnis würde ich wie oben schon einige gesagt haben auch als schlechte 3 lesen

Zum Thema kleine Firmen wüssten nicht wie sowas geschrieben bzw. gelesen wird. Kann ich mir kaum vorstellen, eine kurze internetrecherche sollte für die Grundzüge eines Zeugnisses reichen und so eine hohe Wissenschaft ist das auch nicht. Wenn man mal ein paar geschrieben/gelesen hat kann man die kodierung schon gut rauslesen


PHCruiser
Beigetreten: 02.06.2006
Oldschool Grinder

Original von FiftyBlume
Hängt das nicht auch vom Unternehmen ab?

Also ich kann mir vorstellen, dass in einem mittelständischen Unternehmen(<1000 Mitarbeiter) kaum jemand wirklich zwischen "vollen/vollsten" unterscheidet. Bei ner großen Firma würde ich mir sorgen machen:)

doch, von sehr kleinen unternehmen und irgendwelchen (IT-)startups abgesehen, sollte das jeder personaler wissen. den von dir genannten unterschied wissen sogar die meisten mitarbeiter in einer leitenden funktion (egal welche ebene), auch wenn sie so gut wie nie damit zu tun haben. gibt natürlich immer einzelpersonen als ausnahme.

Original von Ardarandir
der letzte satz ist einfach eine standardabschlussformulierung und hat nichts mit der benotung zu tun.

der letzte satz sieht wie eine standardformulierung aus, ist aber keine. erstens kann er durchaus fehlen (ganz schlecht), zweitens sollte die reihenfolge korrekt sein (berufliches vor dem privaten) und drittens kommt es - wenn man es genau nimmt - auf die exakte formulierung an. siehe post von Shandout. es gibt auch abstufungen, z.b. wenn "viel erfolg" fehlt, und nur "alles gute" gewünscht wird.
auf dank und wünsche besteht übrigens kein rechtlicher anspruch

wer so etwas nicht genau nimmt, verlässt dann fröhlich den arbeitgeber aber wird vom nächsten personaler nicht begeistert angeschaut.


shawnyboi
Beigetreten: 08.10.2008
Oldschool Grinder

habt ihr keine arbeiterkammer? dort kann man sowas prüfen lassen und bewerten

ps: bin ösi deswegen die frage


Shandout
Beigetreten: 19.05.2010
PokerStrategist

Um noch einmal auf die Abschlussformel zurückzukommen, die PHCruiser schon sehr gut erklärt hat: Eigentlich ist das mit das Wichtigste am ganzen Zeugnis. Es gibt nämlich durchaus Formulierungen, die darauf hindeuten, dass man beim alten Betrieb mehr oder weniger rausgeflogen ist. Da schaut der neue Arbeitgeber dann halt doppelt kritisch auf alles weitere oder sortiert die Bewerbung ganz aus.


PHCruiser
Beigetreten: 02.06.2006
Oldschool Grinder

Original von shawnyboi
habt ihr keine arbeiterkammer? dort kann man sowas prüfen lassen und bewerten

ps: bin ösi deswegen die frage

sowas gibt es in deutschland nicht. wenn man eine kostenfreie prüfung will muss man dann wohl zum betriebsrat/personalrat oder zum arbeitsrechtler der gewerkschaft (sofern man mitglied ist)


Ardarandir
Beigetreten: 27.10.2006
Oldschool Grinder

Original von PHCruiser

Original von Ardarandir
der letzte satz ist einfach eine standardabschlussformulierung und hat nichts mit der benotung zu tun.

der letzte satz sieht wie eine standardformulierung aus, ist aber keine. erstens kann er durchaus fehlen (ganz schlecht), zweitens sollte die reihenfolge korrekt sein (berufliches vor dem privaten) und drittens kommt es - wenn man es genau nimmt - auf die exakte formulierung an. siehe post von Shandout. es gibt auch abstufungen, z.b. wenn "viel erfolg" fehlt, und nur "alles gute" gewünscht wird.
auf dank und wünsche besteht übrigens kein rechtlicher anspruch

wer so etwas nicht genau nimmt, verlässt dann fröhlich den arbeitgeber aber wird vom nächsten personaler nicht begeistert angeschaut.

Ich habe schon in der Personalabteilung eines Dax Konzernes gearbeitet, dort war der Schlusssatz (in ähnlicher Form wie oben) eine Standardformulierung


nikorw
Beigetreten: 03.08.2006
Oldschool Grinder

Original von Ardarandir
Ich habe schon in der Personalabteilung eines Dax Konzernes gearbeitet, dort war der Schlusssatz (in ähnlicher Form wie oben) eine Standardformulierung

Problem - ähnliche Formatierung. Ein einziges Wort kann im Arbeitszeugnis locker eine Note Unterschied machen. :/
Hat Shandout mit seinen Beispielen ja schon gezeigt.

Es gibt im Inet Freewareprogramme, mit denen man Arbeitszeugnisse erstellen kann. OP könnte sich so eins ja mal runterladen und rumprobieren, vielleicht sind dort ja die Sätze von dem Zeugnis heir mit drin. Dann sieht er welche Note das darstellt.


Teilen: