Zum Forum springen
Benachrichtigungen
Alles löschen

Fehler eines Messwertes bestimmen

7 Beiträge
4 Benutzer
0 Reactions
596 Ansichten
Zweitausendelfer
Beigetreten: 08.02.2011
PokerStrategist

Hallo hallo,

ich brauche nochmal euren Rat, nachdem ich durch googlen einfach nicht schlauer werde.

Da ich mich noch ganz am Anfang meines Bachelorpraktikums befinde und Statistik hauptsächlich aus der Schule bekannt ist, ist die Frage hoffentlich noch vertretbar

Und zwar habe ich eine Schwingung einer Kugel, erzeugt durch Kompression und Expansion eines Gases, gemessen. Dazu habe ich 12 Zeiten für je 4 Schwingungen erhalten. Ich habe einen Messfehler von +-0,2s angenommen.

Wie mache ich jetzt weiter? Ich brauche den Mittelwert der Periodendauer samt Fehler, um mit meinen weiteren Berechnungen fortfahren zu können. Mein Problem fängt dabei schon an, wie ist der eigentliche Fehler meiner Messung? Ich habe die +-0,2s der Zeitmessung und aus meinen Werten erhalte ich noch eine Standardabweichung von 0,091s. Dies muss ich nun zu einem Fehler kombinieren, auf die Periodendauer umrechnen und dann als Fehler des Mittelwerts angeben.

Stehe wirklich am Schlauch, wäre also super falls mir jemand Einblick geben könnte, gerade inwiefern ich Messfehler und Standardabweichung zu einem Fehler zusammentue (falls man das überhaupt macht) ist mir gar nicht bewusst.

Danke! :)


Antwort
Zitat
6 Antworten
FiftyBlume
Beigetreten: 06.06.2010
PokerStrategist

Also, Messfehler bestimmt man i.d.R. über die einzelnen Fehler, die man für den Worst-Case-Fall zusammenführt.

Wenn du wirklich nur Messungenauigkeiten bei der Zeit hast,
dann ist der Fehler des Mittelwerts gleich den Fehlern einer einzelnen Zeitmessung.

Mittelwert= Summe aller Zeiten/ Anzahl aller Zeiten

Der Fehler bestimmt sich analog: 12*0,2/12 = 0,2

Falls du mehrere Ungenauigkeiten hast, wird es etwas schwieriger:

f=m*x

Maximaler Fehler wäre hier Fehler(m)+Fehler(x)+Fehler(m)*Fehler(x), wobei man - zumindest hat mein Prof im Praktikum drauf bestanden - die Multiplikation weglässt, weil vernachlässigbar klein :-)


Antwort
Zitat
Zweitausendelfer Themenstarter
Zweitausendelfer
Beigetreten: 08.02.2011
PokerStrategist

Ah okay, danke, dann weiß ich da schonmal Bescheid :) Mit Fehlerfortpflanzung, Maximalfehler etc bei der weiteren Rechnung weiß ich Bescheid.

Also hat die Standardabweichung da gar nichts zu suchen? Ich frag mich, wann ich die berücksichtige? Also würde ich jetzt die Zeiten grafisch darstellen und dazu den ermittelten Mittelwert darstellen würde ich ja Fehlerbalken mit +-1 Sigma einzeichnen, mit Sigma für die Standardabweichung, da würde ich dann die Messungenauigkeit nicht rein bringen, oder?


Antwort
Zitat
Xybb
Beigetreten: 12.05.2007
Oldschool Grinder

Wenn du eine Messreihe hast über die du den Mittelwert bildest würde ich im Allgemeinen die Standardabweichung des Mittelwertes nehmen und mich gar nicht erst mit den selbst geschätzten Fehlern der Einzelmessungen abgeben.

Die Standardabweichung des Mittelwertes ist definiert als

deltax = SQRT(1/n * 1/(n-1) * Summe((xi - xm)²))

mit n = Anzahl Messwerte, xi die Einzelmessungen (i = 1, ..., n), xm der Mittelwert über die Einzelmessungen und die Summe läuft von i = 1 bis n.

Dann hast du für den Mittelwert + Standardabweichung eine Sicherheit von ~66% das der wahre Wert innerhalb deiner ermittelten Fehlergrenzen liegt, was allgemein als "Standard" für den Fehler gilt.

Der Vorteil an der Standardabweichung ist auch, dass du unabhängig von deiner persönlichen Einschätzung immer die selbe Sicherheit für deinen Mittelwert hast.

Den geschätzten Fehler verwende ich eigentlich nur, wenn ich Einzelmessungen habe mit denen ich dann weiterrechnen muss oder wenn ich eine Messreihe habe über die ich eine graphische Anpassung machen will.


Antwort
Zitat
Zweitausendelfer Themenstarter
Zweitausendelfer
Beigetreten: 08.02.2011
PokerStrategist

Aah okay! Also nehme ich immer entweder die Standardabweichung oder den geschätzten Fehler, also hier z.B. Ablesefehler usw. ?

Hab jetzt mit dem geschätzten Fehler gearbeitet, den Mittelwert zur entsprechenden Größe gebildet und damit in den weiteren Formeln gearbeitet, der Prof hat sich im Gespräch zum Protokoll heute dazu nicht beschwert, war also wohl in Ordnung. Aber ist gut wenn ich das fürs nächste mal weiß, da die Schätzung ja nicht immer ideal möglich ist


Antwort
Zitat
sarc
Beigetreten: 06.06.2008
PokerStrategist

Genau deswegen machst du ja mehrere Messungen, damit du eine Aussage über den Messfehler machen kannst. Dein geschätzter Ablesefehler wird vor allem dann interessant, wenn das Ergebnis nicht zu deinen Erwartungen passt: Dann kannst du nämlich davon ausgehen, dass du einen systematischen Fehler drin hast, der immer in die gleiche Richtung tendiert (also zum Beispiel immer 0,1 Sekunden zu viel oder zu wenig abgelesen), das kannst du dann unter anderem mit dem Ablesefehler begründen. Ansonsten gehst du davon aus, dass der Ablesefehler mal in die eine und mal in die andere Richtung einschlägt, wodurch der Mittelwert der Einzelergebnisse dann ne bessere Approximation an das tatsächliche Resultat ist.


Antwort
Zitat
Zweitausendelfer Themenstarter
Zweitausendelfer
Beigetreten: 08.02.2011
PokerStrategist

Manchmal kann alles so einfach sein :)

Vielen dank für die ausführliche Antwort, jetzt ist mir alles klar.


Antwort
Zitat
Teilen: