Moin,
ich benötige mal euren Rat.
Seit 1,5 Jahren arbeite ich nun in einem Betrieb (Produktion), mein erster Zeitvertrag belief sich auf 6 Monate, die nächsten 3 waren ebenfalls nur Zeitverträge, welche jeweils eine Dauer von ~5 Monaten hatten.
Letzte Woche unterschrieb ich also den letzten Vertrag, nach diesem bin ich etwa bei 2 Jahren angelangt, was bedeutet, entweder erhalte ich eine Festeinstellung, oder ich werde entsorgt.
Nun, in diesen 1,5 Jahren habe ich wirklich Leistung gezeigt, damit meine ich nicht, ich hab nur gut gearbeitet, sondern viel mehr als das.
Ich habe gut und gerne eine 2. Arbeitskraft ersetzt, habe Aufgaben übernommen, welche eigendlich nicht in meinen Aufgabenbereich fallen, um damit die Produktion am laufen zu halten.
Bin nie zu spät gekommen, habe keinerlei Fehltage (bin sogar Krank arbeiten gegangen), habe gelegentlich 3 Arbeitsplätze besetzt, wenn zuwenig Personal anwesend war, bin sogut wie immer Samstags freiwillig zur Arbeit gekommen, falls gearbeitet wurde...
Ich war aufmerksam, habe mir ohne zu viel zu fragen ein Wissen angeeignet, mit welchem ich gewisse Abläufe selbstständig erfüllen kann, was manche Mitarbeiter selbst nach 10 Jahren nicht hinbekommen.
Diese 1,5 Jahre habe ich Tag für Tag Vollgas gegeben, egal wie meine Verfassung war.
Die Kollegen machten schon Späße, ob ich nach "Stückzahl" bezahlt werde, andere meinten ich wäre "Stückzahlgeil".
In der Abteilung weiss jeder um meine Leistung, jeder kleine Mitarbeiter, sämtliche Maschinenführer und auch die Meister.
Ich habe nie ein Dankeschön dafür erwartet, habe die Schnauze gehalten, war immer Nett und habe es einfach "ertragen".
Ja, Eigenlob stinkt, ich übertreibe hier aber auch nicht, es ist Tatsache. Ich möchte nur, das man meine Situation besser verstehen kann.
Was war die Belohnung für das ganze? Ich werde permanent an den gleichen drecks Arbeitsplatz verfrachtet, bei welchem man den ganzen Tag steht und fast im sekunden Intervall Produziert, da dort die Stückzahl Umsatzentscheident ist.
Ich muss zuschauen, wie andere, welche gelegentlich mal Krank machten, ab und an mal zu spät kommen und maximal nur Durchschnittsleistung erbrachten, die gemütlichen Sitzplätze einnehmen dürfen. Diese erhalten das gleiche Geld wie ich und wurden auch immer wieder verlängert.
Meine einzigste Hoffnung war, das der Lohn für die ganze Pein ein Festvertrag sei.
Jetzt ist auch diese Hoffnung mehr oder weniger gestorben, einige Kollegen, welche die 2 jahre voll haben, müssen nun gehen. Darunter waren auch sehr engagierte Kräfte.
Arbeitspläte werden abgebaut, durch Maschinen ersetzt...
Kein Meister ist ehrlich zu einem, es gibt keinerlei Auskunft darüber, wie es um eine Festeinstellung steht. Erst 2-3 Wochen vor Ende, wird einem gesagt, was nun los ist.
Ich fühle mich total ausgenutzt und betrogen. Warum wird jemandem wie mir, welcher solch eine Leistung an den Tag legt, nicht mal ein gemütlicher Arbeitsplatz zugeteilt? Wenn ich nur mal alle 1-2 Monate für eine Woche, oder wenigstens ein paar Tage etwas entspannen könnte, wäre ich schon zufrieden, aber nix da.
Ist es heutzutage üblich geworden, das leistungsbereite Arbeitskräfte nur ausgenutzt werden?
Die Festverträge die dort mal zustande kommen (was selten vorkommt), basieren auch nur auf Zufall.
So wird nicht geschaut, wer gut gearbeitet hat, sondern danach entschieden, welcher Vertrag als nächstes ausläuft.
Kann die Führungsebene/Managment nicht klar denken? Es werden Leute entsorgt, welche viel Produziert haben und somit guten Umsatz erbracht haben. Dagegen werden gelegentlich sogar faule Arbeiter mit einem Festvertrag belohnt, weil es der Zufall gerade so will.
Ist es nicht Ziel eines Unternehmens, möglichst viel Umsatz zu erwirtschaften? Bin ich zu doof und verstehe nichts von der Ökonomie?
Auch wenn die Auftragslage über kurze Strecken mal nicht gerade gut aussieht, sichere ich mir doch gute Arbeitskräfte, da diese langfristig mehr Umsatz erwirtschaften, statt eine schlechte Arbeitskraft zu nehmen, weil es gerade passt. Aber vermutlich bin ich einfach zu dumm um das zu verstehen (bin ja nur Hauptschüler).
Die eigendliche Frage dazu ist nun, soll ich resignieren, für die letzten 6 Monate? Einfach auch mal krank machen, auch nur noch Durchschnittsleistung erbringen, contra geben und mir damit jegliche Chance auf eine Festeinstellung verwirken (falls diese überhaut jemals vorhanden war)?
Eigendlich bin ich mir sicher, das keinerlei Chance existiert, andererseits bleibt dennoch ein kleiner Restzweifel, was wäre wenn...
Oder doch noch die letzten 6 Monate durchhalten, mich durchquälen, den Hass schlucken?
Dann würde ich allerdings völlig durchdrehen, wenn ich letztendlich doch weggeworfen werde.
Ich würde es einfach noch als eine Art Befriedigung empfinden, wenn ich der Firma mit "Schlechtleistung" noch eins reindrücken würde und könnte damit besser mit dem Ende klar kommen. Andererseits werde ich mich dann möglicherweise ewig Fragen - hätte es doch die Chance gegeben, wenn ich nur weiter volle Leistung erbracht hätte.
Ihr merkt schon, ich weiss echt nicht wie ich handeln soll.
Es ist nun schon so weit gekommen, das ich selbst zu Hause nicht mehr abschalten kann, ich denke permanent über die Arbeit nach, ich bin bereits jetzt genervt, wenn ich an die nächste Woche denke.
Es ist einfach nur noch eine Qual, nicht nur das die Arbeit ultra monoton ist, sie ist auch stressig und anstregend, dazu habe ich durch das fast dauerhafte stehen an einem Platz ständig Kreuzschmerzen.
Dennoch habe ich Angst meinen Arbeitsplatz zu verlieren, wieder bei 0 anzufangen, wieder beim Amt angekrochen zu kommen...
Tut mir Leid das ich hier etwas Frust ablasse, ich bin kein Mensch der über Gefühle oder sein Empfinden spricht, weshalb das hier die einzigste Möglichkeit für mich ist.
Ich habe wirklich das Gefühl, man darf keine Leistung mehr zeigen, damit hatte ich immer nur Pech.
Angefangen bei meiner ersten Ausbildung als Bäcker, in welcher ich 1-2 mal anbot, etwas länger zu bleiben, da der Chef viel Arbeit hatte.
Es endete damit, das die Mehrarbeit selbstverständlich für Ihn wurde, ich wurde nicht mehr gefragt, sondern aufgefordet.
Immer 6 Tage Wochen, jede Woche gut 5 Stunden mehr gearbeitet, natürlich unentgeltlich und ohne die Zeit als Freizeit zu erhalten.
Pausen? Hätte ich machen können, allerdings hätte ich im Anschluß die Arbeit nachholen müssen, so sagte es mir der Chef, weshalb ich NIEMALS eine Pause machte.
Gelegentlich waren auch mal 12Stunden Tage dabei, ebenfalls ohne Pause.
Ja ich war dumm und jung, es war mein erster Arbeitsplatz, ein kleiner Familienbetrieb, ich hielt den Mund.
Die "Parole" - "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" trug den Rest dazu bei.
Später folgte eine Ausbildung im Lager, unter 5 Lehrlingen war ich der einzigste, welcher ständig kommissionieren musste.
Als ich den Schichtleiter fragte, weshalb ich der einzigste bin, der das ständig machen muss, bekam ich die Antwort: "So ist das eben, die guten Arbeiter müssen leiden".
Klar, schnelles zusammenstellen der Ware = mehr Umsatz.
Wieder habe ich mir durch Leistungsbereitschaft in´s eigene Knie geschossen.
Nach der Ausbildung ging es dann über die Zeitarbeitsfrima zu Bosch. Es waren mit mir 5 Zeitarbeiter, welche neu in den Betrieb kamen.
Auch hier machte ich mir Hoffnung, das eine Übernahme erfolgen könnte, wenn ich mich nur bemühe.
Wieder zeigte ich überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft und erhielt Lob von den Schichtleitern.
Und auch hier endete es damit, das ich von allen neuen Zeitarbeiter der einzigste war, welcher ständig die "dumme" Arbeit machen musste, bei welcher die Positionen relevant waren, mehr Positionen = mehr Umsatz.
Und letztendlich erfahre ich nun das gleiche im aktuellen Betrieb.
Es tut mir wirklich leid, falls ich hier zu viel weine.
Vielleicht möchte mir jemand einen Ratschlag geben, oder sich dazu äußern, möglicherweise übertreibe ich auch einfach und das ist eben einfach die Norm.
Ich würde mich jedenfalls über Antworten freuen.