m.E. stellt sich nicht die Frage zwischen Studium und Pokern. Richtig lautet die Frage: dieses jahr studieren oder erst nächstes Jahr.
Ich selbst habe erst nach einer Berufsausbildung und Arbeit in diesem Beruf zum Studieren angefangen. Als gelernter DDR-Bürger kam für mich aus gewissen Gründen ein Studium zu DDR-Zeiten nicht in Frage, ich habe nicht mal Abitur gemacht (nach der Wende dann auf der Volkshochschule).
Ich habe diese Entwicklung immer als Vorteil begriffen. Denn ich hatte eine gewisse Lebenserfahrung, die mir beim Studium und auch danach beim Berufseinstieg ungemein geholfen hat. Wenn ich jetzt Personalgespräche führe, bin ich immer wieder erschrocken, mir welchem sozialen Hintergrund und welchem Allgemeinwissen sich manche Berufsanfänger bewerben. Wie soll man Mandanten beraten, wenn man selbst wenig Ahnung von Dingen hat, die über das Studium hinausgehen.
Meine Empfehlung: Mach ruhig ein Jahr Pause. Nutze es, um Deine Sprachkompetenz zu verbessern, Dir etwas von der Welt anzuschauen und Erfahrungen auf Gebieten zu sammeln, die Dir derzeit noch fehlen. Wenn Du daneben Pokern kannst und Geld dabei machst - großartig.
Das fehlende Jahr im Lebenslauf interessiert keinen. Ganz im Gegenteil: Wenn zu mir einer sagt, er ist ein Jahr in der Weltgeschichte herumgefahren, dann hat er einen Pluspunkt bei mir.
Außerdem: So eine Situation kommt Dein ganzes Leben nicht mehr. Beruf mit einer ambitionierten Stelle ist eine Mühle, aus der Du nicht mehr rauskommst bis zur Rente. Nutze das Jahr, Du bist in der seltenen Situation, daß Du das insbesondere finanziell ohne weiteres kannst.