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[Geschlossen] Wo ist die Perspektive?

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ilovemarleen09
Beigetreten: 05.01.2013

Hallo ihr,

Ich war am überlegen ob ich den Thread aufmachem da es schon bisschen schwer ist mit offenen Karten zu spielen, aber vielleicht muss ich das einfach mal machen, damit es besser wird.

Ich bin 23 Jahre alt und seit langem "Arbeitslos" eine schulische Ausbildung/Abschluss habe ich nicht.

Ich bin mit 16 von zuhause ausgezogen.
Grund dafür war die Trennung meiner Eltern, meine Mum verliebte sich neu, doch der Typ entpuppte sich als Arschloch,der heimlich auf Seiten wie Pop*en.de nach Seitensprüngen suchte.

Sie heirateten und kriegten nen Kind.
Anyway.. Bin dann aufgrund des Streits zwischen ihm und mir oft umgezogen, erst zu meinem Dyalisekrankenvater, dann wieder zu denen, dann zu meiner Schwester, hin und her.. Letztlich dann über das Jugendamt eine 45 m² Wohnung erhalten, in der ich nun auch seit ca 5 Jahren lebe.

In meiner Kindheit wurd ich in der Schule sehr ausgegrenzt, gemobbt und körperlich misshandelt (Tritte,Schläge etc)

Das war auch der Grund wieso ich mich immer mehr zurück zog.
Mein Vater ist vor 3 Jahren verstorben, der Kontakt zu mutter ist sehr rar, momentan meldet sie sich garnicht mehr.
Die Einzige die für mich da ist ist meine große Schwester, und selbst die hat massig Probleme.

Ansonsten hilft meine Freundin wo sie kann, die wohnt jedoch 120 KM entfernt und kommt jedes WE mit dem Auto zu mir.

Ich stand in der Vergangenheit regelmäßig in Kontakt zum Psycho-soziale-Dienst in Dortmund - die Dame half mir wo sie konnte.

Doch leider gelang es mir immer häufiger Termine nicht wahr zu nehmen.

Warum weiß ich nicht - meist kommt ich nachts nicht einschlafen, oder ich verkroch mich einfach so, öffnete keine Türen,Briefe meidete Telefonate...

"Therapie" hab ich nie richtig gemacht, ich war 2 mal auf der offenen Station einer Psychatrie und einmal in einer Tagesklinik.

In 2 der 3 Fällen musste ich vorzeitig die Klinik verlassen, da ich mich nicht an die Regeln halten konnte (Verspätung/alles hinterfragen affektives Verhalten (Türen schlagen)

In der Klinik wurde u.a vorsichtig diagnostiziert dass ich Borderline habe.
Einige Bücher die ich über das Thema gelesen habe gaben mir auch durchaus das Gefühl, dass da was dran sein könnte.

Z.B merke ich, wenn ich mal extrem krass unter EV laufe und schon soviel verloren habe kann ich meist nicht aufhören sondern riskiere dann quasi entweder alles reinzuholen oder alles zu verlieren - hab vorher keine Ruhe, egal ob ich die Nacht nicht schlafe und dann übermüdet zur "Arbeit" gehe oder garnicht erst wach werde.

Ich habe ca 12.000 €Schulden (u.a zahle ich gerade ne Haftstrafe ab (schwarzfahren in der Jugend)(neckermann,quelle, Mc Fit,Ticket etc...)

Es gab 2 Haftbefehle die ich gerade eben noch umgehen konnte mit einer Zahlung von 200 € bevor ich einfahren musste - 250 € zahle ich gerade noch in 50 € Raten ab.

Mein Problem ist: Mein Mangel an Selbstbewusstsein und mein nicht vorhandenes Identifikationsbild - wer oder was bin ich ? bin ich nur eine kranke Akte ?

Bin ich trotz fehlendem Abschluss Jemand ? bin ich was wert ?

Ich habe auch versucht mein Abschluss nach zuholen, Notentechnisch ist das kein Problem,meist fingen die Angszustände an (zuviel schlechte Erinnerungen)

Ich möchte sogern arbeiten, mir würde auch reichen erstmal nen 400 €Job zu machen (Regale einraeumen z.b (Da bin ich nicht so im Mittelpunkt (Stichwort - > Kontakt zu Menschen (erschwaerlich))

Doch selbst dafür fehlt mir der Mut - wieso sollte mich jemand nehmen ohne Abschluss ? Trau mich nichtmals ne Bewerbung zu schreiben - wofür? nur um wieder zu spüren dass Menschen wie mir kein Platz in der Gesellschaft haben ?

Momentan bin ich von der Arge in einer Art "Weiterbildung" (Fördezentrum schimpft sich das) dort bin ich quasi auch nur den ganzen Tag am Pc..

Jedenfalls hab ich dort Unterstützung in der Form dass wir ein Therapeuten suchen, den erneuten Kontakt zum Sozialpsychischen Dienst aufnahmen, und ein Antrag auf ein Betreuer gestellt haben - Also schon ein Stück weiter, jedoch lauf ich auch Gefahr hin bald dort abgemeldet zu werden weil ichs nicht schaffe aufzustehen und nichtmals zum Arzt gehe um mir ein Attest zu holen - Ich würd mich am liebsten den ganzen Tag verkriechen :-((

Am liebsten würd ich Fotograf werden, irgendwo die Chance erhalten mitwirken zu dürfen.. Ich Fotografiere seit Jahren, und hab inzwischen auch ein ganz gutes Equipment.. Doch ein Fotograf mit meinen Defiziten ? Ich weiß ja nicht...

Bin mal gespannt, was ihr sagt...

Musste das alles einfach mal los werden.

Danke für's zuhören!

Chris


5 Antworten
Guillaume
Beigetreten: 20.01.2006

Werde keine große Hilfe sein können, aber ich würde mal gerne auf zwei Punkten eingehen.

Ich habe eine Freundin die auch mit Borderline diagnostiziert wurde. Es ist natürlich einen etwas schwammiger Begriff der ein bißchen alles zu beinhalten scheint was Psychischen Störungen ist, aber dennoch nicht in einen schlimmen Ausmaß wie es z.B Schizophrenie wäre. Jedenfalls ging es ihr nicht genau sowie du, aber sie hatte trotzdem große Probleme die zum Teil vergleichbar mit deine waren, auch mit familiären Hintergründe, und hat 2 Studium und 1 Ausbildung geschmissen. Sie hat auch versucht Therapien zu machen, einmal Ambulant und 2mal Stationär glaube ich, oder andersrum. Jedesmal ohne sie abzuschließen. Es erschien ihr zwecklos und sie hatte auch Schwierigkeiten die Regeln zu befolgen usw.
Dann hat sie sich aber entschieden noch einen Versuch zu starten, und hat ne 6-monatige Stationäre Behandlung gemacht, wo sie die Regeln gefolgt hat, sich auf die Therapie eingelassen hat usw. Und nach der Therapie hat sie weiterhin ein paar Schwierigkeiten gehabt sich zurechtzufinden, aber es ging ihr langsam immer besser. Jetzt geht's ihr schon deutlich besser, sie hält sich auch seit ca. 3 Jahre an ihre Studium, jobt nebenher, und die Aussichten sind jetzt wesentlich besser.

Ich glaube es ist wichtig zu verstehen daß eine Therapie dir nicht unbedingt heilt, es geht eher darum einen Teufelskreis zu stoppen, und einen Art "Engelskreis" (oder wie auch immer man auf Deutsch das Gegenteil einer Teufelskreis nennt, einen Virtuous Circle halt) einzuleiten. Vieles mag Zwecklos erscheinen, aber allein die Regeln zu befolgen, die unausweichliche Gespräche zu führen usw haben da schon eine Positive Wirkung.

Vielleicht solltest du also nochmal das ganze eine Chance geben, mit dem festen Entschluss dich wirkilich darauf einzulassen. Schlimmstenfalls wirst du einfach sechs Monate im Sand gesetzt haben, was in deine Situation nichts weiter Schlimm ist. Aber ich kann mir nicht vorstellen daß du daraus gar nichts nehmen würdest.

Zweitens was den 400 Job betrifft :

Doch selbst dafür fehlt mir der Mut - wieso sollte mich jemand nehmen ohne Abschluss ? Trau mich nichtmals ne Bewerbung zu schreiben - wofür? nur um wieder zu spüren dass Menschen wie mir kein Platz in der Gesellschaft haben ?

Um Regal aufzuräumen braucht keiner einen Abschluss, und du musst nichtmal einen Bewerbung schreiben. Einfach in dem nächsten Edeka reinlaufen und nach ne Stelle fragen (vorrausgesetzt du findest den Mut dazu). So habe ich's jedenfalls als ich nach Deutschland gezogen bin gemacht. Ich konnte kaum Deutsch, und war sehr verunsichert, jedoch konnte ich schon am nächsten Tag anfangen.

So, ich hoffe das konnte etwas hilfreich sein. Ich würde ne Stationäre Therapie machen, und dann direkt versuchen einen Klein Job zu haben, um nicht wieder in den Teufelskreis zu fallen.

Viel Glück auf jeden Fall.


Timmel
Beigetreten: 10.10.2007

Moin,

grundsätzlich tue ich mich eigentlich immer sehr schwer damit, anderen Leuten Ratschläge zu erteilen, aber irgendwie bin ich an deinem Post hängen geblieben.

Vorweg: Es geht mir keinesfalls darum dich irgendwie anzugreifen, also begreife diesen Post bitte als Vorschlag - auch und gerade dann, wenn mein Tonfall etwas direkt wirken sollte.

Zum Thema:
Die von Guillaume beschriebene kreisartige Struktur deines Problems finde ich ebenfalls sehr auffällig:

Du bist antriebslos und würdest dich "am liebsten den ganzen Tag verkriechen", daher versäumst du für deinen Werdegang wichtige Termine und du kommst in deinem Leben nicht weiter. Das wiederum führt dazu, dass dein Selbstwertgefühl leidet, was schließlich in Antrieblosigkeit mündet. In deiner freien Zeit, die dadurch frei wird, beschäftigst du dich viel mit dir selbst und deiner - vermeintlich - hoffnungslosen Situation. Womit der Kreis geschlossen wäre.

Das heißt, man müsste irgendeinen Hebel finden, der dir ermöglicht aus diesem Kreis auszubrechen. Vielleicht hilft es dir ja, deine Perspektive auf dich selbst dahingehend zu verschieben, dass du aufhörst dich zu fragen was dir fehlt, um dich stattdessen zu fragen was du hast. Ich hab mir mal deine bisherigen Posts hier im Forum anzeigen lassen und da sind mir schon ein paar Dinge aufgefallen.

Zuallerst einmal - auch wenn unsere Gesellschaft nicht müde wird, etwas anderes herunterzubeten - mit 23 ist dein Leben alles andere als vorbei. Du hast noch mehr als genug Möglichkeiten aus deinem Leben etwas zu machen.

Punkt 2:
Allein der Umstand, dass du deinen Text strukturiert und gegliedert verfasst hast, deutet doch schonmal darauf hin, dass du was in der Birne hast.
Du sagst ja selbst, dass du es weniger als Problem siehst, dich bei Weiterbildungen den Klausuren zu stellen und ordentliche Noten einzufahren. Was dir fehlt ist Motivation.

Punkt 3:
Du hast eine Freundinn, die bereit ist, jedes Wochenende für dich 120km zurückzulegen. Hast du dich schonmal gefragt, warum sie das macht? Könnte es vielleicht sein, dass sie etwas positives in dir sieht, was du selbst nicht in dir zu sehen gewillt bist, weil es bequemer ist, in deinem niedergedrücktem Zustand zu verweilen?

Punkt 4:
Wegen deiner sozialen Kontaktangst: Eine feste Freundinn bekommt (und vor allen Dingen: BEHÄLT) man doch nicht, weil man totale soziale Niete ist. Dein gemeinsamer Trip nach Düsseldorf mit ihr deutet auch nicht unbedingt darauf hin, dass du die gesamte Welt zum Fürchten findest - im Gegenteil: Den Düsseldorf-Trip scheint ihr doch gemeinsam sehr genossen zu haben.

---

Könnte es nicht eine Motivation für dich sein, zu sagen:
"In einem Jahr möchte ich diesen Ausflug nach Düsseldorf mit meiner Freundinn wiederholen - und zwar ohne die Kreditkarte meines Kumpels dafür zu brauchen!"?

Ab da sind es genau die gleichen Schritte die vor die liegen, wie jetzt auch - nur mit dem Unterschied, dass es für dich ein persönliches "Warum" gibt, weshalb du diese Schritte gehen solltest.

Geh zu den Beratungsstellen, die dir Hilfe anbieten. Bei diesen Leuten handelt es sich um Profis, die wissen, was sie tun - und das ist 1000 mal mehr wert, als jegliches Geschwätz - inklusive meinem - das du in Internetforen zu hören bekommst.
Auch wenn du es jetzt vielleicht noch anders sehen magst, verurteilen dich diese Leute weder für das was du bist, noch blicken sie in irgendeiner Form auf dich herab, sondern sie wollen dir helfen.

Mit einem Ziel vor Augen dürfte es dir auch leichter fallen, die Regeln dieser Institutionen - deren Einhaltung sie übrigens deshalb fordern, weil ansonsten alle anderen, weiterführenden Schritte keinen Sinn hätten und nicht um dich zu knechten - zu befolgen.

Ab da wird es schon von allein aufwärts gehen. Wenn du die ersten Schritte gemacht hast, werden dir die dich betreuenden Stellen auch bei deinem Schuldenproblem helfen und die weiteren Baustellen mit dir abarbeiten. Versuch nicht in Eigenregie alle Probleme gleichzeitig zu lösen - sowas geht meistens in die Hose und drückt dich nur unnötig nieder.

Das fehlende Selbstbewusstsein gibt sich mit den ersten Erfolgen von ganz allein - auch bei dir.

Ich wünsch dir viel Erfolg. Packen kannst du das - du musst nur den ersten Schritt machen.

Gruß

Timmel


Nani74
Beigetreten: 15.12.2005

Dein Leben ist verkorkst und sieht trostlos aus im Sinne der gängigen Werte. Daher könnte eine Alternative sein, sich zu belesen und den Zugang zu anderen Welten zu suchen, anderen Denkmustern und einer neuen Art zu leben.
Was ich damit sagen will, mach aus der Situation die Du hast eine Chance etwas neues zu beginnen. Weil das braucht Kraft und Durchhaltevermögen, diese Motivation kannst Du Dir aus Deiner miserablen Situation ziehen.
Du wirst das aber auf jeden Fall alleine machen müssen, da aufgrund Deiner Vorschädigungen im Kontakt mit anderen Menschen, zu viele Mechanismen aktiviert werden, die ein produktives Arbeiten mit Dir nicht zulassen.


eit by Krupsinator:

Bitte keine Flames. Klär das in seinem Feedbackthread oder außerhalb des Forums aber nicht hier


Krupsinator
Beigetreten: 24.05.2010

Da OP nicht mehr schreiben kann und bevor weitere Flames kommen ist hier mal zu.


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