Mindset, Krisen..What to do?
Ein ganz zentraler Bereich, mit dem ich mich zurzeit auch wieder intensiv auseinandersetze ist das Thema Mindset, Mental Game, Work-Life-Balance in Verbindung mit allgemeiner Gesundheit und Ernährung. Gesund zu sein und zu bleiben, sowohl körperlich als auch mental, ist essentiell, um meine Ziele im Leben allgemein als auch beim Pokern zu erreichen. Dabei spielen mehrere persönliche Erfahrungen eine wesentliche Rolle.
Erstens bin ich vor mehr als 4 Jahren quasi über Nacht Veganer und Nichtraucher geworden. Ich konnte mir zu Beginn der Woche nicht mal vorstellen wie das gehen soll und war am Ende der Woche voll vegan und rauchfrei und bin es seitdem. Details zum Warum will ich hier gar nicht groß diskutieren, aber es geht um gesundheitliche und moralische Aspekte, um Tierethik, Umwelt- und Klimaschutz. Ich bezeichne diesen Schritt oft als eine der besten Entscheidungen meines Lebens und er ist gleichzeitig der Beweis, dass ich mein Leben sehr grundlegend verändern kann, wenn ich es aus Überzeugung und mit Freude tue und meine Prioritäten entsprechend setze. Mir ist also bewusst, dass ich in der Lage bin radikale Veränderungen an meinen Lebensgewohnheiten durchzusetzen und beizubehalten. Entsprechend sollte das auch für andere Bereiche meines Lebens gelten und möglich sein.
Zweitens hatte ich nach dem Verlust meines Jobs Anfang 2014 mit anschließender längerer Arbeitslosigkeit, erfolglosen Rebuilds und dem gleichzeitigen Druck mit einer schwangeren Frau in einer zu kleinen, verschimmelten Mietwohnung zu leben, mental einiges auszuhalten. Ich hatte meinen Bachelor mit 1,7 abgeschlossen, den Master in England unter den besten 5% meines Jahrgangs mit Auszeichnung und außerdem Auslandserfahrung aus Frankreich und Ghana. Aber Arbeit fand ich keine. Über 200 Bewerbungen, teils weltweit, in einem enorm toughen Umfeld (in der Regel mindestens 300+ Bewerber pro Stelle), unzählige zweite Plätze in Assessment Centern und Absagen machten 2014 zu einem richtig miesen Jahr und packten ordentlich Druck in den Kessel. Tiefpunkt war sicherlich zum Ende des Arbeitslosengeldes Anfang 2015 auf dem Bau Glaswolle stopfen zu müssen, um irgendwie Geld zu verdienen. Glücklicherweise fand ich dann Mitte 2015 meine jetzige Stelle, die uns ein stabiles Einkommen bietet, mir größtenteils Freude macht und uns einen Hauskauf 2017, stabile Finanzen und ein Mittelklasse-Spießer-Leben ermöglichte… aber ich drifte ab…
Entscheidend in dieser schlechten Phase war für mich der Sport (Triathlon), den ich mit großer Leidenschaft betrieb, die Unterstützung meiner Frau und ich begann zu der Zeit zu meditieren. All das hat geholfen diese Phase erträglicher zu machen, Ausgleich zu schaffen, nicht in Depression und Resignation zu verfallen und körperlich wie geistig einigermaßen unversehrt da wieder raus zu kommen. Zu der Zeit habe ich begonnen zu verstehen wie wichtig ein Support-System zum Umgang mit solchen Krisen ist. Und das benötigen auch und vor allem Pokerspieler in Bezug auf die mentalen Herausforderungen des Spiels, wenn man es (semi-)professionell betreiben möchte.
Die dritte Erfahrung zerschoss dann 2016 leider wieder vieles von dem, was sich seit dem kleinen Real-Life-Upswing 2015 entwickelt hatte. Ich hatte es nach jahrelangem Sitzen ohne wirkliche Bewegung während meines Studiums und beim Pokern mit dem Triathlon wohl etwas übertrieben und meine Bandscheibe machte nicht mehr mit. Nachdem ich wochenlang vor Schmerzen weder sitzen, stehen noch gehen konnte, sich der Nerv im Bein langsam entzündete und ich als Kassenproletarier mehrere Wochen auf mein MRT wartete, wurde ich im Juli 2016 endlich operiert. Anschließend mehrwöchige ambulante Reha, die mir sehr gut tat und mittlerweile kann ich wieder normal Sport machen, arbeiten usw. Eine solche echt ätzende, aber im Vergleich zu anderen Menschen ja noch glimpfliche, Erfahrung setzt den Wert der eigenen Gesundheit dann doch nochmal in eine andere Perspektive.
Allerdings muss ich gestehen, dass ich 2017 wieder in alte Muster verfiel, nicht stringent einen Plan verfolgte, zu wenig Sport machte, zu wenig bis gar nicht mehr meditierte, mich nicht so gesund ernährte, wie ich eigentlich sollte/wollte und einfach vieles immer mal ein bisschen aber nie richtig, nie strukturiert und nie wie nötig getan habe.
Und das möchte ich jetzt ändern. Beziehungsweise habe ich bereits seit längerem damit begonnen. Im Bereich Sport/Bewegung fahre ich seit November 2016 jeden Tag mit nur ganz wenigen Ausnahmen mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das sind knapp 15km jeden Tag und immerhin eine passable Basis. Allerdings muss ich zusätzlich einfach noch was für den Rücken/die Athletik/Beweglichkeit tun und das funzt mal mehr, mal weniger gut und ist eine der Baustellen an denen ich gerade arbeite. Zentrales Problem ist wie immer: Zeit. Wann habe ich überhaupt Zeit Sport zu machen und was mache ich dann (Schwimmen, Yoga, Athletik) genau? Dazu werde ich mir nochmal Gedanken machen und das versuchen in eine vernünftige Routine zu packen, die realistisch und dauerhaft durchzuhalten ist. Ziel ist es idealerweise mindestens 2-3 Mal die Woche Sport zu machen. Meist zu Hause mit Videos/Online-Kursen. Fitnessstudios sind für mich persönlich Geld- und vor allem Zeitverschwendung. Alles was ich an Sport machen muss und will, kann ich zu Hause tun, wobei das natürlich nicht für jeden gilt und Fitnessstudios durchaus eine Daseinsberechtigung haben. Also, falls ihr dorthin geht, fühlt euch bitte nicht angegriffen 
Seit Anfang des Jahres hab ich auch meine Morgenroutine verändert. Da mir immer mal wieder die Zeit zum Meditieren fehlte und ich es dann vergessen habe o.Ä. meditiere ich nun jeden Morgen vor der Arbeit direkt nach dem Aufstehen. Danach gibt es nen grünen Smoothie, da ich mich zwar bereits recht gesund ernähre, aber den Rohkostanteil deutlich steigern möchte. Ich esse halt vorwiegend frisch gekochtes, aber zu wenig frisches Obst und rohes Gemüse. Ein erster Schritt ist da der grüne Smoothie jeden Morgen. Und das klappt auch wirklich gut. Ebenso die Meditation, die ich absolut nicht mehr missen möchte. Während des gesamten Morgens herrscht auch Smartphoneverbot… Frühstücken tue ich meist auf der Arbeit und da checke ich dann auch erstmals Mails, Facebook usw. Eventuell erweitere ich die Morgenroutine auch noch um ein kurzes Yogaprogramm… aber da bin ich noch unsicher ob ich das zeitlich morgens alles gut schaffe. Ich muss ja schließlich auch arbeiten und je früher ich morgens aufstehe, desto früher muss ich auch ins Bett, was weniger Zeit zum grinden abends bedeutet. Und Schlaf ist auch immens wichtig für die eigene Gesundheit und auch mentale Leistungsfähigkeit. Letztlich wieder eine Frage des Zeitmanagement und der Priorisierung. In den kommenden Wochen werde ich da also mal testen müssen, was wirklich funktioniert und dann hoffentlich eine gute Balance aus Sport, Schlaf, Meditation usw. finden.
Anyway, soweit erst mal wieder. Ich denke beim nächsten Mal gibt es dann ein paar Infos zu meiner Grind Routine und ein vielleicht ein paar Short Term Goals für Februar.
Good night and good luck,
Mahlzahn