Da viele sich hier fragen, was da überhaupt passiert ist, versuche
ich mal das Ganze sehr vereinfacht zusammenzufassen. Falls ich mich
irgendwo vertun sollte, mag man mich gerne korrigieren.
In den USA wurden sehr vielen Leuten Häuser zu 100% Kreditfinanziert,
d.h. man hat ohne Geld zu haben ein Haus gekauft. Sehr oft waren die
Raten hart an der Grenze des überhaupt machbaren oder sogar drüber.
Die Logik dahinter war folgende: in der Zeit, in der man das Haus
abbezahlt steigt der Wert. Sollte der Kredit doch platzen, so
verkauft man das Haus zum nun höheren Preis und kann so die Bank
vollständig ausbezahlen und hat noch Geld über. Wenn es klappt hat
man ein Haus, das man sich eigentlich nicht leisten konnte. Wer genau
hinguckt erkennt das Problem: das ist ein Schneeballsystem!
Als immer mehr Leute ihre Kredite nicht bedienen konnten, wurden
immer mehr Häuser verkauft wodurch der Preis (Angebot und Nachfrage)
einbrach. Das wurde publik und Leute begannen ihre Häuser einfach
zurückzugeben. In den USA ist es in vielen Staaten nämlich möglich,
wenn der Kredit platzt einfach das Haus gegen die Restschuld zu
tauschen (ohne das die Bank etwas dagegen tun kann).
Jetzt platzen den Banken also die Kredite, die in den vergangenen
Jahren mit so tollen Renditen gewunken haben. Im Prinzip noch keine
Katastrophe, wenn das nicht alles weiterverkauft wären worde! Um noch
mehr Leuten noch mehr Kredite ohne Bonität zu geben, haben die Banken
Anleihen verkauft. Wenn die Bank nun Bankrott geht sind die auch nix
mehr wert.
An diesem Punkt wussten die Banker nicht mehr, welche Bank überhaupt
noch im nächsten Monat Geld haben würde und haben aufgehört sich
gegenseitig Kredite zu geben. Das wiederum hat manche Banken
überhaupt erst in die Zahlungsunfähigkeit gebracht.
Zahlungsunfähigkeit heißt ja nicht, dass man pleite ist, nur dass man
seine eigenen Verbindlichkeiten nicht bedienen kann, weil die eigenen
Forderungen noch nicht fällig sind!
Die KfW war da eine lobenswerte Ausnahme, die direkt mal einer schon
insolventen Bank zur Seite gesprungen ist ;-)
All diese Probleme führen nun dazu, dass alltägliche
Liquiditätsengpässe, die man mit Krediten umgeht, zu echten Problemen
werden, weil niemand mehr Kredite herausgeben will. Das betrifft dann
auch die Realwirtschaft, die von Krediten Maschinen und Material
bezahlt, um damit Profit zu machen.
Wenn die Realwirtschaft zu kranken droht, fangen die Leute an ihr
Geld zu sparen, da Arbeitslosigkeit drohen könnte. Anschaffungen
werden nach hinten geschoben (siehe Opel), was die Situation wiederum
verschlimmert.
Im Grunde ist das ganze ein bistabiles System: solange alles gut
läuft (oder zumindest so aussieht) läuft es gut. Sobald Probleme
bekannt werden, geht es steil bergab.
Die Politik will nun mit großen Finanzspriten das Vertrauen
wiederherstellen: wenn der Staat garantiert, dass alle Kredite
zurückgezahlt werden, verleiht man dem gestützten auch wieder Geld,
weil man ja eine Sicherheit hat.
Die Schuldfrage: Schuld sind
a) die Banker in den USA, die das Immobilien-Schneeball-System gebaut
haben.
b) die Banker überall, die sich daran beteiligt haben und Rendite
über Risiko bewertet haben. Es war immer klar, dass das knallen kann,
aber man dachte, die Rendite sei das Risiko wert.
c) die Banker, die per Leerverkäufe(*) die Kriese sehenden Auges
verschärft haben.
d) die Hauptschuld tragen jedoch die Politiker, die den Bankern
erlaubt haben so zu handeln. Man darf sich nicht über unmoralische
Banker aufregen, wenn man deren Handeln gerade noch selber
legalisiert hat. Es muss klare, strenge Regeln und eine starke,
mächtige Aufsicht geben. Damit ist kein Bürokratenhorrorapparat
gemeint, sondern sehr simple Sicherungsfonds, die allerdings die
geliebte Rendite schmälern, weil ein Teil des Geldes einfach nur
schläft...
Ich hoffe alles einfach und korrekt erklärt zu haben. Ich bin zwar
kein Banker oder BWLer, kann dafür aber lesen und selbstständig
denken.
(*) Leerverkauf: Dabei leiht man sich Aktien und verkauft die. Wenn
die Kurse fallen, kann man die Aktien später billiger zurückkaufen,
um sie zurückzugeben. Die Differenz zwischen Verkaufs- und
Rückkaufspreis kann man (abzüglich der Leihgebür) behalten. Wenn dies
nun massenhaft geschieht (weil alle wissen, dass es dem Unternehmen
wahrscheinlich schlecht geht), werden durch die künstlichen
Massenverkäufe die Kurse weiter gedrückt. Daher wurde diese Praxis
jetzt zumindest für Aktien wichtiger Banken verboten.