Ich wollte eigentlich gerade einen ähnlichen Thread eröffnen, da bin ich hier drauf gestossen.
Bei mir stellt sich die Sache fast gleich dar und ich finde es Unsinn so was auf die Varianz zu schieben. Da kann ich auch gegen argumentieren: Ich komme relativ oft ins Geld (300/1900, ca. 17%) und habe schon desöfteren ein 3 oder 5 Dollar Turnier gewonnen. Bei 20 - 30 Dollar Buy läuft es aber meistens so, dass ich im Bereich der letzten 10 - 15% buste und ich habe erst zwei mal den FT erreicht.
Ich spiele alle Turniere tight agressiv, aber voll auf Sieg. D.h. in guten Spots spiele ich auf maximalen Value und riskiere oft meinen kompletten Stack. Der Effekt liegt auf der Hand, ich buste hin und wieder auch in der frühen Phase eines Turniers (selten bin ich dabei jedoch vor dem Flop nicht der Favorit). Dieses Risiko nehme ich in Kauf weil ich eben meinen Stack kontinuierlich ausbauen will um in späten Phasen des Turniers Druck auszuüben.
Die Bubble Phase existiert für mich nur insofern, dass ich als BigStack die MediumStacks attakiere und gerne auch mal eine, von mir als 40/60 eingeschätze Situation, eines Shortstacks calle. Als Medium Stack spiele ich in dieser Phase weiter agressiv, und achte darauf, dass mein M nicht unter 8 sinkt. Das ist für mich oberste Prio in jeder Phase des Turniers! Deshalb komme ich relativ selten in den "Genuss" mich als Shorty durch die Gegend zu folden, das würde ich auch nur um die Bubble herum machen um vielleicht noch ins Geld zu kommen.
Bei der Analyse meiner "Erfolge" ist mir aufgefallen, dass ich immer in der Phase zwischen Geld und FT mehrere kritische Situationen oder gar unmögliche Hände gewinnen musste. Für mich ist das dementsprechend die Phase in der die Varianz am extremsten zu schlägt. Aber - kann man diese Situationen vermeiden, durch besseres Spiel in der Anfangsphase oder eine noch tightere Range? Hier möchte ich meine Analyse ansetzen und ich würde mich freuen eure Meinung dazu zu lesen.
Nehmen wir eine reale Situation aus einem 24 Dollar Turnier. Kurz zuvor wurden meine Asse von einem Shorty mit 96 gecrackt und mein Stack liegt bei 42k, ca 4M:
MTT, 1400 Teilnehmer, die Bubble ist geplatz, aktuelle Position ist 74 von 110, Stack 42k, Blinds 1k/2k, Ante 250, Pot 5k. Ich sitze in MP und bekomme AJh. Raise auf 5300, links neben mir raist auf 14k, er hat in den letzten 5 Händen nochmals aufgetrippled, hat einen 80k Stack. Der Rest des Tisches folded, Aktion zurück bei mir.
Mein erster Gedanke ist es zu folden. Ein Push kommt für mich nicht in Frage, ich will mit AJ nicht flippen und nach dem Raise muß ich davon ausgehen dass mein Gegner callt. Ich entscheide ich mich dann doch für einen Call (erster Diskussionspunkt). Der Flop kommt runter, 5d 6h Qh. Ich habe Nut Flush Draw + Ass als Overcard und pushe All in. Mein Gegner callt instant mit 10s 10h und gewinnt die Hand, es kommt keine Hilfe auf dem Turn oder River.
Im Nachhinein denke ich mir, hättest du den Scheiss mal lieber preflop gefolded, auf der anderen Seite war der Flop ja fast ideal für mich, und auch das setup war super, schließlich hatte mein Gegner auch "nur" 1010 (wobei ich hier auch der Meinung bin dass der instant call meines gegners etwas überpaced ist).
Es geht mir jetzt aber nicht speziell um diese Hand, es geht um den Grundgedanken. In diesen Situationen denke ich mir "wenn ich diese Hand gewinne, kann ich ganz vorne mitspielen", ich nehme das Risiko also bewusst in Kauf.
Wie spielt ihr in der Phase? Seid ihr da eher tight oder voller Risikobereitschaft? Mit welchem Spiel habt ihr die besten, erfolgreichsten Erfahrungen gemacht?
Oder ist diese ganze Diskussion überflüssig und wir reden hier wirklich von den 1 - 2 entscheidenden Händen die man gewinnen muss um ein Turnier erfolgreich abzuschließen?
Ich freue mich von euch zu lesen.
Bestes,
MuckiP