Bin grundsätzlich bei draghkar, hab das alles ähnlich empfunden. Sprich, Kleinigkeiten gut umgesetzt, sehr guter Soundtrack, sensationelle Bilder, gegen Mitte des Films auch gefragt wie das einigermaßen sauber zu Ende gehen soll und am Ende total geflashed gewesen.
Dennoch gibt es einen Punkt, die ich leider kritisieren muss:
Das mit den Logiklöchern hat selbst mich als jemanden, der gerne über fragwürdige plots hinwegguckt wenn sie dem "größeren ganzen dienen", etwas gestört. Hierbei vor allem eine Sache und am Ende noch eine weitere.
1. Das von Santalino2 angesprochene Problem mit McConaugheys zweiter Reise. Scheinbar wusste er erst bei der zweiten "Vergangenheit", dass es eine Raumstation gibt etc. Wie kam aber dann der erste dahin, ohne das time-paradoxon als Erklärung zu nehmen?
2. Als am Ende McConaughey gerettet wurde und wieder in seiner Galaxy war, war er soweit ich mich erinnern kann, knapp 125 Jahre alt. Demnach müssten ca 60 Jahre vergangen sein (41 als er losflog, 23 Jahre als sie wieder auf der Station waren und irgendwas mit 125 am Ende des Films). Seine Tochter sagt ihm dann, dass Hathaway auf ihrem Planeten ist und noch auf die Menschen wartet. Bei ihr sind wohl keine 10 Stunden vergangenen, aber die Menschen hatten ja schon längst ihre Kolonie vor dem Saturn. Ich frage mich also wie in dem time-gap zwischen den 60 Menschen Jahren die Menschen die Station bauen konnten, aber niemand bis dahin Hathaway besuchen konnte. Klingt für mich ein wenig unrealistisch um ehrlich zu sein, sofern sie nicht alle Ressourcen in die Kolonie stecken wollten statt irgendeine Expedition zu Hathaway zu schicken.
3. Schade, dass Nolan das time-paradoxon als Stilmittel gewählt hat. Sprich, Menschen aus der Zukunft bauen einen Tesserakt, um die Menschheit in der oder einer Vergangenheit zu retten. Ich spreche hier bewusst von mehreren Möglichkeiten, da ja nie klar wurde, ob es sich um die gleiche handelt. Der Film hat ja viel Zeit darin investiert zu erklären, dass Raum und Zeit für "diese" fortschrittliche Rasse keine Rolle mehr spielt, da es sich genauso wie ein Naturgesetz verhält. Aber das führt den ganzen Film eigentlich ad absurdum. Nimmt man McConaugheys Meinung, dass es sich um Menschen handelt, als mittelbares Erklärmittel des Regisseurs, macht der Film praktisch keinen Sinn mehr. Man hätte es einfach philosophisch belassen können um statt Menschen einfach "Wesen" sagen können, die warum auch immer etwas im Menschen sehen bzw. für den Erhalt von Spezien im Universium einstehen o.ä. Kleines Detail, große Auswirkungen. Hier hätte sich Nolan meiner Meinung nach einfach komplett auf die Sci-Fi-Schiene einlassen sollen.
Alternativ hätte er einfach eine andere Story-Line erklären müssen, damit es Sinn macht. Der Film war mit 170 schon extrem lang, aber bei so einem Meisterwerk hätten 10-15 Minuten mehr oder irgendwas nicht ganz so wichtiges schneiden auch nicht geschadet, vielleicht hätte man ja hier einigen stilistischen Elementen aus "Edge of Tomorrow" bedienen können.
Meine Idee wäre z.B. folgende: In der "ersten" Storyline stirbt die Menschheit als Ganze aus aber irgendwie schaffen sie es noch "Plan B" auf einem anderen Planeten umzusetzen. Jedenfalls schaffen es die überlebenden Menschen eine Kolonie zu gründen und Tausende Jahre später entwickeln sie sich zu diesen 5-dimensionalen Wesen, die dann das Wurmloch aufmachen um die Menschheit aus der "Vergangenheit" zu retten. Beim ersten Mal ist McConaughey ja offensichtlich gestorben (er hat seine Tochter versucht zu erreichen, es aber nicht geschafft, eventuell hat er den Tesserakt nicht richtig nutzen können), hier hätte dann wieder der "zweite" Plan B gegriffen, nämlich die Kolonie von Hathaway. Das Spielchen hätte von vorne angefangen, sprich Menschen entwickeln sich weiter, bauen Wurmloch und Menschen versuchen darüber zu reisen und im dritten Versuch hätte dann McConaghey sich selber gesehen als er gestorben ist und die gleiche Story durchlebt mit dem Unterschied, dass er seine Tochter erreicht wegen der Liebe etc. (Da die Wesen laut den Protagonisten auch das Gefühl für Raum und Zeit verloren haben sowie nicht direkt mit den Menschen kommunizieren können, bauen sie halt den Tesserakt damit McConaughey selber die einzelnen Ereignisse zuordnen kann und die Menschheit sich dadurch gewissenmaßen selber rettet.). Meine Theorie steht auf sehr wackeligen Füßen, aber so würde für mich die Story "Sinn" ergeben, auch wenn sicherlich bewusst von Nolan offen gelassen wurde, wie das Zeitparadoxon am Ende Sinn gemacht hätte.
Dennoch alles in allem ein unfassbar guter Film, der mich in jeder Sekunde gefesselt hat. Die zwei besten Momente waren für mich als sie das erste Mal durch das Wurmloch reisen und McConaughey später in dem Tesserakt war. Die Stille und seine plötzlichen Schreie haben mich selber innerlich schreien lassen und mich ein bisschen an einen Traum erinnert, wo man irgendwo gefangen ist, aber keiner dich hört und sieht und du nicht wieder rauskommst.