A beautiful day

Unkonventionell ist durchaus eine angebrachte Beschreibung für den Film. Man sollte hier definitiv nicht mit der Erwartungen den Kinosaal betreten, einen klassischen Revenge-Action-Film mit seinen typischen Plotverläufen serviert zu bekommen. Der Film macht vieles anders. Er nimmt sich Zeit für seinen Protagonisten und zeigt einen mit seiner Kindheittraumata geplagten Mann. Einen Mann, der auf der einen Seite kühl, gnadenlos und versiert tötet - Sich auf der anderen Seite liebevoll um seine Mutter kümmert. Er spart sich auch großartige Inszenierungen von überspitzten Actionszenen und coole Oneliner sucht man vergebens. Ja der Film ist brutal, aber nicht an den Stellen wo man es erwarten würde (schwer mehr zu sagen ohne zu spoilern. Aber ein kleines Beispiel (aus dem Gedächnis): Wideshot von Phoenix vor dem Haus, bewaffnet mit einem Hammer - CUT - Phoenix im Haus, im Fokus der Hammer blutende Hammer, off-fokus eine ausgeschaltete Person).
Der Film bricht auch musikalisch immer wieder mit lauten/verstörenden Effekten in unerwarteten Momenten, verzichtet an anderer Stelle aber vollständig auf Musik. Wenn man umbedingt einen Vergleich ziehen möchte, könnte man meinen, man würde sich eine "enthollywodisierte" (sorry für den grauenhaften Neologismus) Version von the equalizer anschauen. Das kann man mögen, viele werden es sicher nicht tun. Mich erinnert das ganze ein wenig an Drive. Die Trailer suggerierten damals einen mit Spannung vollgepackten Actionthriller und waren von den Längen des Films und der Zeit die er sich nimmt, einen Beziehungsplot zu erzählen enttäuscht und gelangweilt. Es hat ein bisschen gebraucht, bis sich der Film seine Fanbase aufgebaut hat - Ähnliches kann ich mir hier auch vorstellen.
Schauspielerisch gibts nicht viel zu sagen. Es ist Phoenix, ich kann mich nicht an eine schlechte Performance von ihm erinnern. Jedoch muss man sagen, dass hier der Charakter selbst nicht so viel hergibt wie bei anderen Projekten, das Schauspiel tritt hier also nicht enorm hervor.
Für mich starke 8/10. Die Hauptsache ist, dass man weiß worauf man sich einlässt.