Original von Konti23
Ich finde DeFI interessant, bin aber unsicher bzgl. der Steuer-Thematik in DE. Könnte der Defi Pulse Index (DPI) da Abhilfe schaffen? So investiere ich in die dezentralisierte Zukunft, diversifiziere meine Defi-Coins und habe keine eventuelle 10 Jahre Haltefrist für Ausschüttungen. Sinnvoll oder gibt's da einen offensichtlichen Haken?
Die Steuer-Thematik wirst Du mMn in den nächsten 10 Jahren gar nicht klären können. Wenn Du Dich (ggf. über einen Steuerberater) mit Deinem Sachbearbeiter im Finanzamt einigst wie und wo die Thematik zu erklären ist, kannst Du eine Festsetzung der Veranlagung erlangen. Viele interessiert es nicht. Damit begehen sie ggf. Steuerhinterziehung und werden sogar oft damit durchkommen. Das ist ähnlich wie der Übergang zum Pokerprofi. Über allem schwebt ein Damoklesschwert.
Wie über die Steuer im Eingangspost geschrieben:
Spoiler
Wie wird das ganze versteuert?
Gute Frage - weiß keiner so richtig. Beachtet bei dem ganzen, dass sich die steuerliche Haltefrist durch das Erzielen passiven Einkommens von einem Jahr bei normalem hodln auf zehn Jahre erhöhen kann. Auch könnte es zu hohen Steuerzahlungen kommen, wenn ihr z.B. im Januar 1 ETH an Yield erhalten habt, die zu diesem Zeitpunkt 1.000€ wert sind, ihr haltet den ETH, dann sinkt der Preis auf 100€, müsst ihr aber u.U. trotzdem den Januarwert versteuern. Infos gibt es z.B. hier https://cryptotax.io/defi-und-steuer-borrowing-und-lending/
Keiner weiß es so richtig, weil sich keiner die Mühe macht, einer Vertragsgrundlage und einer Definition genau auf den Grund zu gehen. Das ist ja egal, so lange ein Hype vorhanden ist. Der Kommentar ist damit schon zu kurz gefasst, weil nur die steuerliche Thematik der "sonstigen Einkünfte" angesprochen wird.
Die DeFi werden also eingeordnet wie der Kauf von Gemälden oder eines Oldtimers. Achtung: "eines" Oldtimers. Da ist schon ein Knackpunkt: Es gibt Urteile, dass mit dem Handel mehrerer Fahrzeuge innerhalb eines kurzen Zeitraumes die Liebhaberei vorbei ist und mit der Gewinnerzielungsabsicht ein Gewerbe begründet wird. Somit "Einkünfte aus Gewerbebetrieb" und vorbei mit 1- oder 10- Jahresfrist.
Dann ist der fließende Übergang eines Coins in ein Finanzprodukt. Also auch hier die Klärung der vertraglichen Vereinbarung. Wenn das ein ETF sein soll, wird er an der Börse gehandelt? Was ist eine Börse? Ist für diese Bezeichnung eine staatliche Regulierung und Zulassung erforderlich? Wenn in einem ETF keine staatlich regulierten Produkte enthalten sind, ist das dann ein Finanzprodukt? Das sind so die Fragestellungen. Wenn das mit "JA" beantwortet ist, dann kommt die Veranlagung als "Einkünfte aus Kapitalvermögen" in Frage. Somit wie Aktien usw. aktuell mit 25% Abgeltungssteuer.
Exkurs: Xetra-Gold
https://www.justetf.com/de/news/etf/xetra-gold-liquides-gold-als-langfristanlage-und-fuer-unsichere-zeiten.html
An sich sind Gewinne bei Gold unter "sonstigen Einkünfte" zu erklären. Jetzt wurde wegen Umsatzsteuer, besserer Handelbarkeit und Reduzierung von Lager- und Transportkosten auf das physisch gelagerte Gold ein Schuldschein ausgegeben und zum Börsenhandel gebracht. Durch die Verbriefung und regulierten Börsenhandel sollte daraus ein Finanzprodukt werden. Dagegen hat ein "hodler" geklagt und Recht bekommen. Es bleibt bei der Steuerfreiheit bei Langfristanlage trotz des Konstruktes. Im Gegensatz bedeutet das aus meiner Sicht für einen gut verdienenden Trader, dass seine Gewinne mit dem persönlichen Steuersatz veranlagt werden und kein Cap auf 25 % durch die Abgeltungssteuer entsteht.
Andererseits kann aus meiner Sicht mit dem Kauf eines Coins die Zahlung von Mezzanine-Kapital erfolgen / erfolgt sein.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mezzanine-Kapital
Dann wäre das Traden so was wie das Hin- und Herschieben von Genussscheinen u.ä.
Ich habe vor 2 - 3 Jahren mal White-Paper von Alt-Coins gelesen. Da stand meist nur drin, dass man keine Eigentums- und Stimmrechte usw. hat und man mit den Coins später lediglich berechtigt ist, damit die geplante Verwendung auszuführen. Für mich hat sich da ein Vergleich aufgetan:
Die Alt-Coins sind wie früher die Münzen zum Eintritt in ein Schwimmbad. Damit hat man schlußendlich nur eine Verwendungsmöglichkeit. Man kann eventuell in einer Umfrage kundtun, wie die Gestaltung erfolgen soll. Damals hat aber keiner daran geglaubt, dass man mit der Münze Eigentumsrecht begründet oder nachhaltig einen Ertrag aus der Geschäftstätigkeit erzielt. Fast alle Betriebe werden mit Steuergeldern bezuschusst.
Der Hype ist mMn so ähnlich wie damals der "Neue Markt". Wer da wie langfristig profitiert, wird sich zeigen. Ich wünsche jedem den "Lambo". Bei Einzahlung stimmt man der Leihe seiner Coins zu und erhält dafür Ertrag. Die Umlaufgeschwindigkeit erhöht sich. Wenn man neue Einzahler gewinnt, kriegt man nicht nur ein Präsent, sondern übermäßig Provision. Das muss ja erst wieder verdient werden. Sind das angemessene Kapitalbeschaffungskosten? Für mich sind damit die Anzeichen von eher vielen Schneeballsystemen gegeben, die durch Knappheit und zufließendes Kapital einen steigenden Preis erreichen.
Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Bisher hat es aber keiner versucht oder getan.
BTW: Ich glaube an die Zukunft von Blockchain usw. Das wird sehr vieles sehr stark verändern.