Original von michimanni
Hey thesharkboss,
bevor dein Freund jeden Sparer als planlos oder sogar als dumm bezeichnet, sollte er imo realisieren, mit welchem Motiv ein Sparer normalerweise sein Geld anlegt. Dem gemeinen Sparer ist vor allem eines wichtig: Sicherheit. Erst in zweiter Instanz spielen für ihn in der Regel Liquidität und Rentabilität eine Rolle.
Richtig ist natürlich, dass der Sparer sich atm real gesehen arm spart, da die Inflationsrate > Zinsniveau auf Spareinlagen ist. Hier muss man dann differenzieren: Einige Sparer sind sich nicht über das Phänomen Inflation im Klaren. Andere nehmen sie billigend in Kauf. Das muss man nicht logisch finden, aber Menschen verhalten sich bekanntermaßen nun einmal auch nicht immer logisch.
Völlig am Thema vorbei ist für mich der Beitrag von Lowsungsmittel (auch wenn ich denke, dass seine Intention eine gute ist, da er eine Alternative aufzeigen möchte), da er das Motiv eines Sparers mit dem eines Aktieninvestors gleichsetzt, was schlicht nicht sinnvoll ist. Für die Aktienanlage gibt es genau 4 Motive:
- Das Ertragsmotiv (in erster Linie die Dividende)
- Das Sachwertmotiv (Schutz vor Inflation)
- Das Mitsprache- bzw. Beherrschungsmotiv (Einfluss auf das Unternehmen)
- Das Spekulationsmotiv (Partizipation an möglichen Kursgewinnen)
Keines (!) dieser Motive geht jedoch mit dem primären Ziel eines Sparers einher.
Jeder, der sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass keine Anlage zu 100% risikolos ist und dass Risiko und Chance immer in einem Verhältnis zueinander stehen. Wenn man das beherzigt und nicht alle Eier in einen Korb legt (nicht in Einlagen, nicht in Aktien, nicht in Immobilien und auch nicht in andere Assets), sondern sie nach dem eigenen Gusto gewichtet bzw. gewichten lässt, dann fährt man hinsichtlich des Risikos seiner Anlagen die beste Line.
Gruß,
michimanni
Hallo,
ja, die Intention war es, den Blick breiter aufzustellen.
Sicherlich wird kein Privatanleger (gute Otto-Normal-Mensch) eine Aktie kaufen um z.B. auf der Hauptversammlung mitbestimmen zu können. Das ist ja unrealistisch. Nach meinem Verständnis geht es dem Eröffner um eine Ertragsfrage und Sicherheitsfrage.
Bei isolierter Betrachtung des Mikrokosmos Sparbuch ist mein Beitrag sicherlich nicht zielführend, bei Betrachtung aller relevanten Alternativinvestitionen und somit Opportunitätskosten ist sie meiner Ansicht nach sehr wohl sehr relevant.
Ein Sparbuch ist schlicht eine mangelhafte Allokation der eigenen finanziellen Ressourcen. Ich rede hier nicht davon, dass jeder in Aktie oder riskante Geschäfte investieren sollte.
Für die Verlustbegrenzung als Tagesgeldkonto vermag es zu dienen, als wertschaffende Anlage nicht. Und wenn eine Person Sicherheit will, die gibt es nicht mehr.
Um nicht zu weit auszuholen, aber durch die politischen Maßnahmen in Zypern z.B. wurden auch die (aus juristischer Sicht) sicheren Bankeinlagen von Bankkunden zwangsenteignet. Der faktische Bruch von EU-Recht wird billigend in Kauf genommen. Wer gibt dem Sparer die Sicherheit, dass dies nicht auch anderswo passieren kann?
Ich formuliere bewusst überspitzt: Lieber Siemens-Aktien (Existent seit 166 Jahren) oder eine Sparanlage einer 10 Jahren alten Bank? Im Zweifel werden Sparkonto immer zuerst rasiert.
Nächster Punkt zum Thema Sicherheit:
Einer Aktie ist es egal, in welcher Währung die gehandelt wird, die Inflation wird indirekt durch die höheren Absatzpreise des Unternehmens eingepreist, direkt durch den Kapitalmarkt.
Wenn Währungen entwertet werden (Extremfall: Hyperinflation), ist mir eine Sachanlage (das ist eine Aktie) doch deutlich lieber als eine Geldanlage.
Ich bin niemand, der ein gnadenloser Aktienverfechter ist, nur die Argumentationslinien der "Gegner" sind mir oft ein wenig kurz gegriffen.