"Ich wusste sofort, dass es ein schlechter Call war"
Wir unterhalten uns mit Stepan 'xxSTEPANxx' Osinovski, unserem SpinLegends-Coach für die russische Community, der vor Kurzem das WSOPE Main Event auf Platz 9 abschließen konnte.
Wie es die Tradition so will, musst du dich zunächst kurz vorstellen und uns ein bisschen was über deine bisherige Pokerkarriere erzählen.

: Hallo zusammen! Mein Name ist Stepan und ich spiele Poker seit 2010. Angefangen habe ich mit MTTs, bei denen ich rund $4.000 gewinnen konnte. Im Anschluss habe ich dann HUSNGs entdeckt und mich ein paar Jahre in dieses Format gestürzt. Dabei gab es einige Höhen, aber natürlich auch Tiefen. Zunächst ging es rauf auf die $100- und $200-Turbos, dann wurde der Spielerpool allerdings zu stark für mich und ich musste wieder absteigen. Gegen andere Regs habe ich auf dem Niveau angefangen zu verlieren.
Auf den $20- bis $30-Partien habe ich mich dann wieder vermehrt der Theorie gewidmet und konnte nach einiger harter Arbeit wieder auf $100 und $200 zurückkehren. Anfang 2016 habe ich dann zum ersten Mal die neuen Spins ausprobiert und mich recht schnell in diese hineingesteigert. Zum Aufwärmen ging es los bei $30, relativ schnell dann auf $60 und etwas später dann auf die $100-Partien.
Auf diesem Buy-in-Level spiele ich aktuell HUSNGs und Spins, investiere dabei jedoch weiterhin sehr viel Zeit in die Theorie.
Herzlichen Glückwunsch zu deinem deepen Run beim WSOPE Main Event! Hattest du vorher damit gerechnet, dass du es so weit schaffen könntest?
: Vielen Dank! Ich hatte keine großen Erwartungen. Ich wollte einfach nur Poker spielen und ein gutes Spiel zeigen.

Du hast es mit einem recht großen Stack in die Preisränge geschafft, hast dann später jedoch einen großen Pot verloren und dir blieben nur noch 10BB übrig. Wie lief das Ganze aus deiner Sicht ab?
: Als ich nur noch die 10BB hatte, habe ich mich schon darauf eingestimmt, dass ich in ein paar Händen wohl busten werde. Es gab also nicht viel nachzudenken. Ich habe einfach versucht weiterhin gut zu spielen.
Eine weitere Schlüsselhand war ein All-in von dir vor dem Flop mit 94s gegen
Ramin Hajiyev, der ausgerechnet KK hielt. Du konntest die Hand gewinnen und ihm blieb hingegen nur noch ein mickriger Stack. Wie sah dein Gedankengang bei diesem Spot aus?
: Ich war mir sicher, dass ich ein tightes Image am Tisch hatte und meine Gegner versuchen würden, genau das zu exploiten. Wenn er 50% der Hände isoliert, aber ein All-in eher tight callt, dann ist ein Limp/Push praktisch mit Any-Two +EV. Und meine Hand war in dem Fall sogar suited.
Bei deinen Gegner dürfte die Hand trotz dessen für die eine oder andere Diskussion gesorgt haben?
: Sie haben mich im Anschluss ein paarmal gefragt, ob ich wieder 94 habe, als ich ein paar Pötte ohne Showdown gewinnen konnte.
Dann hast du immer mehr Chips angesammelt, es unter die Top 9 geschafft und zeitweise sogar den zweitgrößten Stack gehalten. Wie lief der Final Table aus deiner Sicht, bis es dann zur dramatischen Wende kam?
: Alles lief gut. Ich bekam gute Hände, hab meine Karten richtig gespielt und weiterhin Chips gewonnen.

Bei deiner letzten Hand musstest du eine ganze Weile tanken. Warum hast du dich am Ende entschieden, mit AK gegen einen eher tight aufgelegten Marti Roca de Torres zu callen, der später das Event für sich entscheiden würde?
: Ich war bereits am Tilten, weil ich in der vorherigen Hand gegen Maria Ho rund ein Viertel meines Stacks verspielt hatte. In der Hand hatte ich mit 64 ein paar sehr unnötige Risiken genommen:
- Es war es zunächst überhaupt nicht wert, mit einer solchen Hand preflop gegen den Chipleader zu eröffnen. Es gab gar keine Möglichkeit, wie ich in dem Spot postflop hätte Druck ausüben können.
- Meine C-Bet am Turn für 500.000 war rein auf die Chips bezogen +EV, aber dasselbe gilt nicht unbedingt für den $EV. Ich hätte auch einfach checken und meine Karten spielen können, um Komplikationen und Varianz zu vermeiden.
- Nach der Bet am River habe ich eine halbe Stunde getankt und überlegt gegen ihre Bluff-Hände zu rebluffen. Sie hat sehr häufig am Final Table geblufft und ich dachte daher, dass es Sinn machen kann, gegen ihre schwächeren Top Pairs, die sie in einen Bluff verwandeln könnte, All-in zu bluffraisen. Mittlerweile musste ich einsehen, dass ich die Dinge da etwas zu sehr verkompliziert habe. Zu dem Zeitpunkt hatte ich einfach Sorge, dass mir die Chance auf einen großen Pot durch die Lappen ging. Stattdessen büßte ich aber letzten Endes ein Viertel meines Stacks ein.
In der nächsten Hand wollte ich meine Karten eigentlich direkt folden und eine Runde drehen, um mich zu beruhigen. Dann bekam ich allerdings AK.
Im Normalzustand würde ich eine solche Hand mit Sicherheit nicht 3-betten gegen einen Gegner mit einem ähnlich hohen Stack, der UTG geraist hat.
Als ich über den Call nachdachte, wusste ich eigentlich, dass er schlecht für mich war. Ich weiß immer noch nicht so genau, warum meine Hand den Chip in die Mitte warf und "Call" aus meinem Mund kam...
Das war ein ziemlich heftiger, unverzeihlicher Fehler. Damit habe ich wohl einige 10.000 Euro, wenn nicht sogar 100.000 Euro weggeschmissen.
So richtig kriege ich das Ganze immer noch nicht aus meinem Kopf.

Es muss ziemlich frustrierend gewesen sein, auf diese Weise so kurz vor dem ganz großen Geld auszuscheiden.
: Das kannst du laut sagen.
Im Turnier waren auch viele Elitespieler unterwegs. Hattest du die Möglichkeit, dich mit ein paar von ihnen zu unterhalten und welchen Eindruck konntest du dir von ihrem Spiel machen?
: Lange Unterhaltungen entwickelten sich nicht wirklich. Ich bin ein schüchterner Typ. Um ihr Spiel tatsächlich zu beurteilen, fehlt mir glaube ich die Kompetenz. Ich bin einfach kein MTT-Profi.
Wie fandest du die Organisation des Events und den Austragungsort Rozvadov?
: Ich fand es gelungen. Es ist ein schönes Casino, eine gute Atmosphäre, die Spieler wurden gut behandelt. Es war alles erstklassig.
Das Leben geht trotz deines unglücklichen Ausscheidens natürlich weiter und du bist wieder zurück im Coachingsessel bei SpinLegends. Rund drei Monate sind vergangen, seitdem du dich dem Team als Headcoach für die russische Community angeschlossen hast. Wie fällt dein bisheriges Fazit aus? Welche Fortschritte konnten deine Schüler bisher verbuchen?
: Wir haben eine freundliche Community von Gleichgesinnten entwickelt. Fast jeder meiner Schüler ist mindestens ein oder zwei Limits nach oben geklettert. Einige von ihnen sind mittlerweile bei den $30-Partien angelangt. Die Jungs unterstützen sich gegenseitig und feuern sich an. Das Projekt schreitet pausenlos voran, die Schüler machen Fortschritte und es insgesamt einfach eine tolle Sache!
Viele deiner Supporter an den Rails in Rozvadov sind Teil dieser Community, was man wohl auch als sehr positives Feedback für deine Arbeit als Coach sehen kann. Hattest du etwas zusätzlichen Druck dadurch, dass deine Schüler genau zusahen?
: Nein, ich habe einfach versucht entspannt zu spielen und mich von solchen Dingen nicht beeindrucken zu lassen.
Als PokerStars zu Beginn das Rakeback gesenkt hat, war das ein Schlag für alle aktiven Regulars, darunter natürlich auch die Spin-&-Go-Spieler. Ist es mittlerweile noch möglich, die Spielvariante trotzdem zu schlagen?
: Ohne Zweifel!
Und was ist aus deiner Sicht die wichtigste Message, die du versuchst bei deinen Coachings zu vermitteln?
: Der Schlüssel zum Erfolg ist die Arbeit, die man investiert. Das Wissen, das wir vermitteln, ist die Angel samt Haken. Die Fische muss man jedoch selbst fangen.

Vielen Dank für das Interview, Stepan! Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg bei anstehenden Turnieren und freuen uns auf weitere Coachings mit dir!
: Auch meinerseits vielen Dank!
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