Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Das Peter-Prinzip

Wie beim Aufstieg im Berufsleben hat man auch beim Erklimmen der Limits beim Poker irgendwann den Punkt erreicht, wo man einfach wieder der Fisch ist.

the office
Warum werden manche Menschen überhaupt befördert?

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, bei der wir einige der wichtigsten Themen abdecken, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Die Artikel zur GTO-Pokertheorie bringen wir vor allem, weil wir überzeugt sind, dass es sehr hilfreich für ambitionierte Pokerspieler sein kann, wenn sie die darin geschilderten Konzepte verstehen und auf Poker übertragen können. Das ist beim heutigen Artikel zwar nicht anders, aber ein ganz kleines bisschen wollen wir uns damit auch über Menschen in Machtpositionen lustig machen.

Das "Peter-Prinzip" ist ein Konzept aus dem Bereich des Managements von Laurence J. Peter, der beobachtet haben will, dass Menschen in einer Hierarchie stets bis zur Stufe ihrer Inkompetenz aufsteigen. Was er damit meint, ist simpel: Talentierte Menschen werden im Beruf eine Beförderung nach der anderen erhalten und nur dann stagnieren, wenn sie keinen guten Job mehr machen (und weitere Beförderungen somit ausbleiben).

Ein Beispiel: Ein Call-Center-Mitarbeiter verfügt über exzellente Fähigkeiten beim Umgang mit Kunden und wird dadurch in den direkten Verkauf befördert. Auch dort glänzt er weiter mit Leistung, sodass er sogar zum Manager der Verkaufsabteilung wird. Da er jedoch über keinerlei Managementskills verfügt, stagniert die Laufbahn nun und er bleibt in genau dieser Position (oder wird gefeuert), anstatt weiter in Richtung CEO aufzusteigen.

Es fing an mit einem Witz

the dilbert principle
Das Dilbert-Prinzip als Weiterführung des Peter-Prinzips

Das Interessante am Peter-Prinzip ist, dass alles mit Satire anfing. Es war eigentlich nur ein Witz, um sich über Vorgesetzte in Machtpositionen lustig zu machen. Scott Adams, der Schöpfer des Comicstrips Dilbert, hatte als Folge das sogenannte Dilbert-Prinzip formuliert, nach dem inkompetente Angestellte lediglich in Management-Positionen befördert werden, damit sie raus aus dem eigentlichen Betriebsablauf sind und ihn nicht weiter negativ beeinträchtigen können.

Obwohl es als Spaß begann, hat sich das Peter-Prinzip bei Vordenkern im Bereich Business und Management mittlerweile als tatsächlich zutreffend durchgesetzt. Erst in diesem Jahr haben drei Wirtschaftsforscher die Leistung von 214 Unternehmen untersucht und festgestellt, dass die überwiegende Anzahl der Betriebe Personal aus dem Verkauf auf Grundlage der erreichten Verkaufszahlen in Management-Positionen befördert hat, anstatt den Aufstieg von tatsächlich benötigten Führungsqualitäten abhängig zu machen. Im Anschluss haben die beförderten Mitarbeiter größtenteils nur noch dürftige Leistungen in den neuen Positionen erbracht. Somit ist das Peter-Prinzip auch wissenschaftlich belegt, insbesondere die Tatsache, dass man im Falle von guter Leistung in einem Bereich nicht automatisch auch Erfolg in einem anderen oder nächsthöheren Bereich haben wird.

Das eigene Leistungsniveau kennen

Das Peter-Prinzip sollten Pokerspieler vor allem im Hinterkopf haben, wenn es um die eigene Gameselection geht. Sind wir erfolgreich, werden wir beim Poker gewissermaßen befördert, indem wir höhere Limits erreichen. Aber wie die meisten von euch wissen, wird man nicht automatisch auch ein Gewinner auf NL200, weil man zuvor NL100 mit ausreichender Samplesize schlagen konnte.

Beginnt man gerade erst seine Laufbahn, ist es möglich, mehrere Limits in kürzester Zeit zu schlagen, wenn man über ein gutes Verständnis der Strategien verfügt und die Varianz einem gewogen ist. Nur eine äußerst geringe Zahl an Spielern marschiert jedoch durch und kann sich auf den Nosebleeds etablieren. Die überwiegende Mehrheit von uns rennt irgendwann gegen eine unüberwindbare Mauer, wir steigen also nur bis zur Stufe unserer eigenen Unfähigkeit auf.

Was in Sachen Poker beim Peter-Prinzip nicht berücksichtigt wird, ist jedoch, dass es eine Vielzahl an nicht beeinflussbaren Variablen gibt, die uns davon abhalten können, den persönlichen Leistungsgipfel zu erreichen. Die Varianz ist dabei die bedeutendste dieser Variablen. Das folgende Video mit Liv Boeree veranschaulicht die Konsequenzen daraus sehr gut, gesteht eine eigentlich erstklassige Spielerin doch ein, dass ihr natürlich auch von Varianz begünstigter Erfolg bei der EPT dazu geführt hat, dass sie ihre eigene Leistung in den Turnieren überschätzt hat. Gleichermaßen kann ein schlechter Lauf auch dazu führen, dass wir die Verluste einfach als negative Varianz abtun und potenzielle Schwachstellen in unserem Spiel ignorieren.

Im Gegensatz zum normalen Berufsleben sollten wir uns jedoch nie wirklich an das Limit gebunden fühlen, auf dem wir gerade unterwegs sind. Wenn ihr NL100 crusht, aber auf NL200 einfach nicht klarkommt, dann ist es überhaupt keine Schande, noch einmal einen Schritt zurückzugehen, um vielleicht in Zukunft zwei voranzuschreiten. Flexibilität im Hinblick auf die gespielten Limits ist beim Poker eine außerordentlich wichtige Fähigkeit. Es kann äußerst kostspielig werden und ganze Karrieren zerstören, wenn man sich nicht eingestehen kann, dass man noch nicht in der Lage ist, ein bestimmtes Niveau zu schlagen. Man muss sich dazu nur die Laufbahn von Gus Hansen ansehen, der wohl in nahezu allen Partien ein gefürchteter Hai ist – außer eben auf den Online-Nosebleeds, wo er mittlerweile über $20 Millionen verloren hat.

Kann man aktuell ein Limit nicht schlagen, sollte man natürlich nicht einfach aufgeben und nie wieder versuchen voranzukommen. Im Berufsleben ist es sehr schwierig zurück auf eine vorherige Position zu wechseln, da derartige Degradierungen mit einem Stigma belastet sind, selbst wenn sie freiwillig vorgenommen werden. Beim Poker hat man die seltene Möglichkeit, flexibel und experimentell zu verfahren, was das aktuelle Leistungsniveau betrifft. Es gilt, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, wenn man sich eingestehen muss, dass es für das höhere Level noch nicht ganz reicht. Denn langfristig verfügen Spieler, die auch die notwendigen Rückschritte vornehmen können, über einen wichtigen Skill, der bei vielen anderen eher Mangelware ist.

Welche Theorien außerhalb der Welt von Poker haben euch am meisten beim Verbessern eures Spiels oder in anderer Weise geholfen?

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