Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Betsizing und Bluffen - Teil 1

Wie häufig sollte man bluffen oder valuebetten, wenn man eine große oder kleine Bet setzt? In einem weiteren informativen Artikel räumt Dara O'Kearney mit einem Mythos rund ums Betsizing auf...

Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Ein grundlegendes Prinzip der Spieltheorie beim Poker ist, dass man beim Betten eine Balance zwischen Bluffs und Valuebets finden sollte. Wenn wir zu häufig oder zu selten bluffen, wird es sehr einfach gegen uns zu spielen. Die Gegner können dann einer sehr simplen Strategie gegen uns folgen, die langfristig profitabel ist: Wenn wir zu viel bluffen, müssen sie lediglich immer callen, wenn sie einen Bluff schlagen können. Und wenn wir zu selten bluffen, müssen sie lediglich immer folden, wenn sie nur einen Bluff schlagen können.

Wie häufig sollten wir also bluffen? Das hängt von unserem Betsizing ab. Wenn wir am River den Pot setzen, sollten wir zweimal so häufig valuebetten, wie wir bluffen. Warum? Weil unser Gegner Odds von 2 zu 1 auf seinen Call bekommt, sodass er in mindestens 33% der Fälle vorn sein muss, um profitabel zu callen. Wenn wir in mehr als ein Drittel der Fälle bluffen, kann der Gegner immer mit seinen Bluffcatchern callen, um den Spot langfristig gegen uns profitabel zu spielen. Bluffen wir hingen seltener als in 33% der Fälle, kann er all seine Bluffcatcher folden und unsere Valuebets werden nicht häufig genug ausgezahlt.

Setzen wir in derselben Situation nur die Hälfte des Pots, muss der Gegner nur in 25% der Fälle vorn sein. Entsprechend sollten wir wiederum in 25% der Fälle bluffen (je drei Valuebets für einen Bluff). Setzen wir ein Drittel des Pots, sind wir bereits bei 20% angekommen (je vier Valuebets für einen Bluff).

Mehr Bluffs für größere Bets

Der eine oder andere dürfte ein Muster erkannt haben: Je größer unsere Bet ausfällt, umso häufiger sollten wir bluffen. Das steht im Widerspruch zur Intuition, der viele Anfänger zu Beginn ihrer Pokerlaufbahn folgen: Sie denken, dass sie häufiger bluffen könnten, wenn sie kleiner setzen, da ein Bluff so weniger kostet und das Verhältnis von Risiko zu Nutzen günstiger ausfällt.

Auf den Streets vor dem River ist das Prinzip nicht ganz so deutlich, weil auch unsere Bluffs immer noch etwas Equity haben, das heißt eine Chance zu gewinnen, wenn wir gecallt werden. Setzen wir zum Beispiel den Pot am River, sollten wir wie gelernt in ein Drittel der Fälle bluffen, da unsere Hand keine Chance mehr hat zu gewinnen. Stellen wir uns aber vor, dass wir eine Street zuvor auf dem Turn mit derselben Frage konfrontiert werden und unsere Bluffs im Schnitt dort 16,66% Equity haben, das heißt, dass wir noch in einem von sechs Fällen gewinnen würden, wenn wir einen Call kassieren: Nun kann unsere Blufffrequenz sogar auf 40% erhöhen, da wir bei einem Call in 6,67% der Fälle (ein Sechstel von 40%) dennoch gewinnen und nur in 33,33% der Fälle verlieren. Je mehr Equity also unsere Semibluffs haben, umso häufiger können wir auch semibluffen.

Die Prämisse, dass wir häufiger bluffen sollten, je mehr wir setzen, kann man auch umformulieren in den Ansatz: Je mehr Bluffs wir in einem Spot halten, umso höher sollten wir auch setzen. Oder: Je mehr Valuebets wir halten im Vergleich zu Bluffhänden, umso kleiner sollte auch unsere Bet ausfallen. Zu entscheiden, welche Betsize man nutzen sollte, ist eine komplizierte Aufgabe, bei der man stets die eigenen Valuehände und potenziellen Bluffs in einem Spot berücksichtigen muss. Wenn unsere Valuehände sehr stark ausfallen und unser Gegner viele gute, aber dennoch schlechtere Karten halten kann, wollen wir für gewöhnlich groß setzen, um so viel Value wie möglich zu bekommen. Das bedeutet allerdings auch, dass wir viel bluffen können. In solch einem Fall kann mal also von einer polarisierten Range mit sehr starken und sehr schwachen Händen sprechen. Wenn wir wiederum viele schwächere Hände betten, weil unser Gegner schwächere Hände hält, die noch callen könnten, wollen wir für kleiner setzen, um tatsächlich einen Call der schwachen Hände zu bekommen. Die Folge ist aber, dass wir auch deutlich weniger bluffen sollten.

Häufig kann man die eigene Betsize also bestimmen, indem man sich die Stärke der eigenen Valuehände im Vergleich zu den Händen, mit denen der Gegner callen könnte, ansieht. Sobald wir das eingeschätzt haben, wissen wir auch, wie viele Hände wir bluffen müssen, um gebalancet zu agieren, und können uns über die passenden Hände in unserer Range Gedanken machen.

Manchmal ist es aber einfacher, die eigene Range aus einer anderen Richtung zu konstrurieren: Man denkt darüber nach, mit wie vielen Händen man bluffen will, und vergleicht das dann mit der Anzahl an Valuehänden, die man hält, um eine passende Betsize zu finden. Wenn wir zum Beispiel entscheiden, dass wir 50 Kombinationen an Bluffhänden und 150 Kombinationen an Valuehänden halten, dann werden wir in 25% der Fälle bluffen und sollten folglich die Hälfte des Pots betten.

Im nächsten Teil des Artikels erläutert Dara anhand eines konkreten Beispiels, wie man die Prinzipien bezüglich Betsizing und Bluffs in der Praxis umsetzen kann.

Ähnliche Strategietipps und -ratschläge gibt es jeden Monat aus der Feder von Dara O'Kearney in seinem Gratis-Newsletter sowie in den Büchern Poker Satellite Strategy und PKO Poker Strategy.

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