Aktualisiert am 12 März 26 von

Standardlines: Riverplay für Fortgeschrittene

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wann betten? Wann checken?
  • Call, Raise oder sogar Fold?
  • Warum du auch einmal bet/folden musst

Die Riverentscheidung scheint auf den ersten Blick am leichtesten zu fallen. Es gibt keine Odds&Outs mehr zu vergleichen. Du musst dir keine Gedanken über die Wahrscheinlichkeit machen, wie oft ein Draw ankommt oder nicht, und Konzepte wie Protection oder Semibluffs spielen keine Rolle mehr. Alle Informationen über die Karten und die Setzsequenz liegen vor und du musst nur noch einschätzen, welcher Spielzug am besten ist.

Die Vielfalt der Möglichkeiten am River

Eben genannte Faktoren lassen sich leider nicht so einfach auf die Praxis übertragen. Es gibt eine Vielzahl von möglichen Lines und jede einzelne kann unter gewissen Voraussetzungen optimal sein. Durch Leaks im Riverplay kann man einen erheblichen Teil der Winrate einbüßen, Folds an der falschen Stelle können viele große Pötte verlieren und ständige Calls in Situationen, in denen man sich geschlagen sehen muss, kosten ebenfalls sehr viel.

In diesem Artikel erfährst du, welche Sachen es zu beachten gibt, um zu der Entscheidung mit dem höchsten Erwartungswert zu kommen. Wie immer führt der Weg zu einer korrekten Entscheidung über die Analyse der Handrange des Gegners.

Zunächst werden zwei grundlegend verschiedene Situationen unterschieden und ein allgemeines Verständnis dafür geschaffen, welche Kriterien es bei der Entscheidungsfindung zu beachten gibt:

  • Du bist entweder out of Position oder in Position und es wurde zu dir gecheckt. Du musst dich entscheiden: Check oder Bet? Obwohl es Unterschiede gibt zwischen oop und ip, ist die Logik hinter einer Riverbet dieselbe.
  • Es wurde vor dir gebettet und du musst dich entscheiden: Call, Fold oder Raise?

Im Anschluss werden einzelne Lines, die man am River spielen kann, isoliert betrachtet und es wird anhand von Beispielen erläutert, wann jede einzelne angewendet werden sollte. Im Anschluss an den Artikel kannst du dein erworbenes Wissen in einem Quiz testen.

Die Handrange des Gegners

Die Schwierigkeit im Poker besteht darin, dass man mit unvollständigen Informationen umgehen muss. Das Ziel in jeder Hand ist es, aufgrund der Informationen, die man durch die Spielweise des Gegenübers bekommt, möglichst genau auf die gegnerische Hand zu schließen. Durch die beschränkte Möglichkeit von Spielzügen im Poker gelingt es meist nur, eine Range festzulegen, also eine Menge an wahrscheinlichen Händen. Je genauer man in der Lage ist, das Spiel des Gegners aufgrund von Reads zu deuten, desto bessere Entscheidungen kann man treffen.

Am River liegen alle Informationen vor. Der Gegner hat preflop, am Flop und am Turn eine Entscheidung getroffen, die dir Informationen über sein Holding geben. Jede Entscheidung, die getroffen wird, gibt dir neue Informationen und die Möglichkeit, seine Handrange einzuschränken. Was davon am River übrig geblieben ist, stellt die Grundlage für eine optimale Entscheidung deinerseits dar.

Für die richtige Entscheidung am River ist es also elementar, eine Idee von der Handrange des Gegners zu haben. Wie weit und wie genau man die Handrange des Gegners einschränken kann, ist sehr unterschiedlich. Dabei spielen die Genauigkeit deiner Reads genauso wie der Handverlauf allgemein eine Rolle.

Wie eine solche Handrangeanalyse bis zum River auszusehen hat und welche unterschiedlichen Ergebnisse sie liefern kann, wird hier zunächst anhand von drei Analysen verdeutlicht zu folgenden drei Grundtypen:

  • Enge Range
  • Weite Range
  • Polarisierte Range
Enge Range

In einigen Fällen kann die Range des Gegners am River nur sehr wenige Hände umfassen, was es dir erlaubt, exakte Entscheidungen zu treffen.

Villain: 22/17/2.5/35 Typischer reasonable Tag, der nicht blufft.

Preflop: Hero is BU with AK
2 folds, CO raises, Hero 3-bets, 2 folds, CO calls.

Flop: 8, 2, K (6,5SB)
CO checks, Hero bets, CO raises, Hero calls.

Turn: A (5,25BB)
CO bets, Hero raises, CO 3-bets, Hero caps, CO calls.

River: 4 (9,25BB)
CO checks, Hero?

VILLAINS HANDRANGE

Preflop: Schon nach seiner Preflop-Entscheidung kannst du seine Range ziemlich genau einschränken, da du seine Raising-Standards kennst. Er openraist vom CO und cappt deine 3-Bet nicht. Das gibt ihm (nach gängigen Charts) ungefähr folgende Range: A7-AJ, A2s-AJs, KT-KQ, K8s-KQs, QT-QJ, Q8s-QJs, JT, J8s-JTs, 78s-9Ts, 33-88.

Flop: Er checkraist den Flop. Da der Gegner selten blufft, kannst du hier schon einen Großteil seiner Range streichen. Er wird wahrscheinlich jedes Midpair+ checkraisen, d.h.: A8, A8s, KT-KQ, K8s-KQs, 88.

Nur K8s und 88 schlagen dich zu diesem Zeitpunkt. Daher ist der Plan: call Flopraise, raise any Turn for Value.

Turn: Seine Turnbet schränkt seine Range zunächst nicht weiter ein. Ein TAG wird nahezu immer auch noch den Turn betten, nachdem er den Flop gecheckraist hat.

Du raist wie geplant ungeachtet der Karte und wirst ge-3-bettet. Dieser Move lässt eine drastische Einschränkung von Villains Handrange zu. Es ergibt für ihnen keinen Sinn, mit einer One-Pair-Hand zu 3-betten. Aus seiner Flop-Checkraise-Range bleiben nach der 3-Bet nur noch K8s, A8, A8s, A2s und 88 übrig.

Das sind sehr wenige Hände und du kannst einfach herausfinden, ob du gegen diese Range vorne liegst und cappen solltest. Du bist gegen drei Kombinationen hinten: 88, 88 und 88.

Vorne bist du gegen acht Kombinationen: K8, K8, A8, A8, A8, A8, A8, A8.

River: Villains Check am River schränkt seine Handrange in der Regel gar nicht ein, weil er entweder check/callen wird (mit A8 & K8) oder checkraisen (mit 88). Du kannst davon ausgehen, dass schlechtere Hände nur callen, bessere aber check/raise spielen werden.

Für deine Riverbet brauchst du demnach 66% Equity, da du nur eine Bet gewinnst, wenn du vorne liegst, aber zwei verlierst, wenn du hinten liegst. Da du, wie gerade gesehen, gegen 8 von 11 Kombinationen vorne liegst, also in rund 73% der Fälle, kannst du profitabel valuebetten (und auf ein Raise einen crying Call machen in der Erwartung, häufig zu verlieren).

Was wenn der River die 8 wäre? Dann lägest du hinten gegen fünf Kombinationen, 88, K8, A8, A8, A8, und gegen keine mehr vorne. Gegen diese Range solltest du daher check behind spielen.

So eine exakte Analyse kann man während der Hand nicht machen, trotzdem muss man es möglichst genau versuchen. In ausführlicheren Nachanalysen kann man dann die Entscheidung noch einmal genau überprüfen.

WEITE RANGE

Im oberen Beispiel war es möglich, die Range auf wenige Hände zu reduzieren. In anderen Fällen lässt eine Analyse fast gar keine Einschränkung zu und du spielst auch am River noch gegen eine sehr große Range von bis zu 100% aller möglichen Hände.

In der folgenden Hand hast du es mit einer viel größeren Range zu tun, die neben made Hands auch Bluffs enthält.

Villain: 35/27/2.8/42 LAG, der viele Spots attackiert.

Preflop: Hero is BB with KQ
4 folds, SB raises, Hero 3-bets, SB calls.

Flop: 6, 9, J (6,5SB)
SB checks, Hero bets, SB raises, Hero calls.

Turn: 2 (5,25BB)
SB bets, Hero calls.

River: 9 (9,25BB)
SB bets, Hero?

VILLAINS HANDRANGE

Preflop: Der Gegner ist preflop aggressiv und wird einen Großteil seiner Hände openraisen. 80% sollten als Range realistisch sein. Die Tatsache, dass er nicht cappt, ermöglicht es, die besten 8% seiner Hände aus seiner Range zu entfernen.

Flop: Da der Gegner loose-aggressive ist, kann er diesen Flop mit vielen seiner Hände checkraisen. Jedes Pair und besser (6x, 9x, Jx, Pocket), außerdem jeder Flushdraw und Straightdraw (78, 8T, QT, 57, 58, 7T, 8Q, KT) sind mögliche Hände, zudem noch gelegentliche pure Bluffs.

Turn: Der Gegner wird mit jeder Hand, mit der er den Flop checkraist, auch den Turn betten, for Value oder Foldequity. Daher schränkt diese Bet seine Range nicht ein und du kannst callen, weil du entweder vorne liegst oder noch viele Outs hast.

River: Auch die Riverbet dieses Gegners schränkt seine Range nicht ein. Er wird auf die Scarecard jeden Bluff nochmal barreln, außerdem aber auch jedes Pair for Value betten, da du keine Stärke gezeigt hast. Wenn du solch eine loose Range annimmst, kannst du auch hier noch einmal profitabel callen.

Polarisierte Range

In speziellen Fällen, besonders gegen gute Gegner, hat man es oft mit polarisierten Ranges zu tun. Dann sind beim Gegner nur gute Valuebet-Hände oder gute Bluff-Hände, also völlig wertlose Hände, wahrscheinlich.

Villain: 30/25/2.8/38 Aggressiver Thinking TAG-LAG, der viele Spots attackiert.

Preflop: Hero is BU with AT
3 folds, CO raises, Hero 3-bets, 2 folds, CO calls.

Flop: 6, 9, J (6,5SB)
CO checks, Hero bets, CO raises, Hero calls.

Turn: A (5,25BB)
CO bets, Hero raises, CO 3-bets, Hero calls.

River: 2 (9,25BB)
CO bets, Hero?

VILLAINS HANDRANGE

Preflop: Dieser Gegner wird in etwa eine 30%-CO-Openingrange haben, wovon du ca. die besten 7% abziehen kannst, nachdem er nicht cappt.

Flop: Der Gegner wird nicht blind attackieren, allerdings viele Flushdraws und Straightdraws ohne SD-Value, ebenso jede made Hand checkraisen. Seine Handrange entspricht in etwa der des Gegners im Beispiel zur weiten Range, allerdings wird er wissen, dass er auf dem drawheavy Board weniger Foldequity hat und dementsprechend seltener schwache Draws oder Air aggressiv spielen.

Turn: Die Turnbet schränkt seine Range nahezu nicht ein, da TAGs nach einem Flop-Checkraise selten den Turn checken werden. Die 3-Bet hingegen verändert seine Handrange stark. Jede mittlere made Hand fällt raus.

Da du das Ass (mit gutem Kicker) repräsentierst, ergibt es für den Gegner keinen Sinn, One-Pair-Hände zu 3-betten. Seine Range ist zu diesem Zeitpunkt polarisiert. Sie enthält nur noch Hände, die Toppair / good Kicker schlagen, oder eben Bluffs ganz ohne SD-Value, z.B. 78s. Diese könnte der Gegner 3-betten in der Hoffnung, dass du auch nur die Scarecard für einen Bluff bzw. ein Free-SD-Raise nutzt und er dich von der besseren Hand bluffen kann.

River: Nach der erneuten Bet entspricht seine Range noch der nach der Turn-3-Bet, da er angesichts des großen Pots jeden Bluff noch einmal barreln muss, um dich von busted Draws oder anderen schwachen Holdings zu bringen.

Hier hast du es also am River mit einer Range zu tun, die nur starke made Hands oder komplette Bluffs enthält.

Auf einen Check hat es also auch keinen Sinn zu betten!

Check oder Bet

Der erste Schritt, die Analyse der Handrange des Gegners, ist die Grundlage für den nächsten Schritt: davon auf die optimale Spielweise zu schließen. Dabei sind verschiedene Kriterien zu beachten.

Wie eingangs erwähnt, lassen sich generell zwei Situationen unterscheiden, die getrennt betrachtet werden:

  • Du stehst vor der Wahl: Check or Bet.
  • Du stehst vor der Wahl: Fold, Call or Raise?

Dieses Kapitel befasst sich mit der ersten Situation. Wann solltest du checken oder betten? Man hat die Initiative und den Turn gebettet. Am River muss man sich nun entscheiden, ob man nochmal betten soll oder ob man lieber checkt. Immer wieder steht man auch ohne Initiative am River vor der Entscheidung, ob man betten soll, entweder als Donkbet (ohne Initiative) oder weil der Gegner zu einem gecheckt hat.

Ungeachtet der Position und der Initiative lässt sich immer anhand von zwei Kriterien überprüfen, ob es besser ist, zu betten oder zu checken. Folgende zwei Fragen musst du dir jeweils stellen:

  • Können ausreichend schlechtere Hände aus der gegnerischen Handrange callen?
  • Können ausreichend bessere Hände aus der gegnerischen Handrange folden?

Wie viel ausreichend ist, hängt von der Potgröße und der eigenen Position ab und wird noch erläutert.

Bette nicht, wenn nicht genügend schlechtere Hände callen und/oder bessere Hände folden!

Um das zu überprüfen, muss man, wie eingangs erwähnt, Annahmen über die Handrange des Gegners machen und darüber, wie er sich mit diesen Händen am River entscheiden wird. Eine Frage ist dabei elementar: Hast du Showdownvalue?

Sehr oft hat man eine Hand, die zu schwach ist, um einen Call von einer noch schlechteren Hand zu bekommen, die aber genug Showdownvalue hat, um noch gegen einige Hände des Gegners vorne zu liegen, wie z.B. busted Draws. Mit solchen marginalen Händen sind in der Regel beide Kriterien nicht erfüllt und man sollte checken.

Für eine Bet am River kommen also nur made Hands in Frage, mit denen man von schlechteren Händen gecallt werden kann (je nach Situation z.B. Bottompair oder besser), oder Hände ganz ohne SD-Value, wenn bessere (Highcard-)Hände folden können, je nach Situation z.B. K high oder schlechter.

Es kommt selten im Fixed Limit vor, dass man mit Highcard-Händen valuebetten kann und ebenso selten, dass man mit Pairs bluffen kann.

Beispiel 1

Villain: 40/10/1.5/40

Preflop: Hero is BB with Q9
4 folds, SB calls, Hero raises, SB calls.

Flop: 5, 9, T (4SB)
SB checks, Hero bets, SB calls.

Turn: 7 (3BB)
SB checks, Hero bets, SB calls.

River: 2 (5BB)
SB checks, Hero?

HANDRANGEANALYSE

Der Gegner ist preflop und postflop loose und moderat aggressiv. Aufgrund seines PFRs kannst du annehmen, dass er ca. die besten 20% seiner Hände aus dem SB raisen wird. Obwohl du nicht genau weißt, was er completet, kannst du angesichts seines VPIPs von einer weiten Range ausgehen. Nachdem er den Flop und Turn check/callt, kannst du sicher sein, dass er keine T hat, weil er die irgendwann anzeigen würde. Seine Range enthält also am River schwache made Hands (A high, Pockets, 9x, 5x, 7x) und busted Straightdraws (QJ, 8Q).

ÜBERPRÜFUNG DER KRITERIEN
  • Können schlechtere Hände callen?
    Diese Frage ist hier eindeutig mit Ja zu beantworten. Da es ein Blindbattle ist und der Gegner einen hohen WTS hat, wird er jedes schlechtere Pair callen und oft auch A high.
  • Können bessere Hände folden?
    Sicherlich nicht. Kein Gegner wird hier Toppair am River folden.

Kriterium 1 ist erfüllt. Du kannst profitabel valuebetten.

Beispiel 2

Villain: 40/10/1.5/40

Preflop: Hero is SB with 67
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: 5, 8, T (4SB)
Hero bets, BB calls.

Turn: 3 (3BB)
Hero bets, BB calls.

River: A (5BB)
Hero?

HANDRANGEANALYSE

Der Gegner ist preflop und postflop loose und moderat aggressiv. Du kannst annehmen, dass der Gegner einen Großteil (bis zu 100%) seiner Hände gegen ein SB-Openraise defenden wird. Da er nur 10% PFR hat, wird er wahrscheinlich auch nur seine Premiumhände 3-betten, die du also aus seiner Range streichen kannst. Er ist aggressiv genug, um zumindest die T oder besser spätestens am Turn zu raisen. Seine Range besteht also am River aus busted Straight- und Flushdraws, A high (Toppair), kleine Pairs.

ÜBERPRÜFUNG DER KRITERIEN
  • Können schlechtere Hände callen?
    Sicherlich nicht, da du nur 7 high hältst.
  • Können bessere Hände folden?
    Das ist hier gegeben. Der Gegner kann eine Reihe Draws halten (J9, J7, QJ, Q9, 97, 96 und jeden Flushdraw, der 76s schlägt), die nicht angekommen sind und die er folden muss. Selbst wenn er kein Pair foldet, der Bluff muss nur in einem von 6 Fällen funktionieren, um +EV zu sein.

Kriterium 2 ist erfüllt. Du kannst profitabel bluffbetten.

Wann genau ist eine Riverbet profitabel?

Wie häufig eine schlechtere Hand auf eine Valuebet callen bzw. eine bessere Hand auf eine Bluffbet folden muss, hängt elementar davon ab, ob du in Position oder out of Position bist.

In Position

In Position ist es simpel. Wenn mehr als 50% der Hände, die der Gegner callt, schlechtere sind als die eigene, sollte man betten. Das bedeutet aber nicht, dass insgesamt 50% der Entscheidungen des Gegners ein Call mit einer schlechteren Hand sein müssen. Wenn er in 7 von 10 Fällen foldet, zweimal mit einer schlechteren Hand callt und einmal mit einer besseren, ist die Bet +EV.

Wenn die Checkraise-Gefahr einer besseren Hand groß ist, braucht man eine etwas bessere Hand zum Valuebetten. Ist hingegen z.B. ein Checkraise fast immer ein Bluff, würden auch schwächere Hände für bet/call ausreichen.

Out of Position

Out of Position ist es komplexer, weil die Hand noch nicht vorbei ist, wenn du checkst. Der Gegner könnte bessere Hände behindchecken oder schlechtere betten, die er auf eine Bet gefoldet hätte.

Generell lässt sich sagen: Die 50% Regel stimmt für oop nicht. Wie viel Prozent man haben muss, hängt von der Situation ab.

BEISPIEL

Gehst du davon aus, dass der Gegner alle schlechteren Hände behindcheckt, wenn du checkst, alle besseren aber valuebettet, würde es reichen, wenn der Gegner mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/(Bets im Pot) eine schlechtere Hand callt. Hat der Gegner eine bessere Hand, würdest du sowieso eine Bet verlieren und du kriegst keine Bet mehr von einer schlechteren Hand.

Ist z.B. der Pot vor deiner Bet am River 9 BB groß und der Gegner callt zu 60% mit einer besseren Hand, callt zu 20% eine schlechtere Hand und foldet zu 20% eine schlechtere Hand, dann musst du betten.

Villain: TAG

Preflop: Hero is SB with KK
1 fold, MP raises, CO folds, BU 3-bets, Hero caps, BB folds, MP folds, BU calls.

Flop: 5, 4, A (11.5SB)
Hero bets, BU calls.

Turn: 4 (6.75BB)
Hero bets, BU calls.

River: 2 (8.75BB)
Hero?

Checkst du hier, wird jede schlechtere Hand, die deine Bet callen würde, behind checken. Solche Hände sind kleinere Pocketpairs oder KQ, da der Gegner mit diesen Händen nicht davon ausgehen kann, dass du eine bessere Hand foldest oder eine schlechtere callst. Außerdem kannst du davon ausgehen, dass er jedes Ass for Value bettet, wenn du checkst. Auch wirst du selten geraist, solltest du betten. Ax spielt wa/wb oder raist vorher. Ein Bluffraise ergibt wenig Sinn.

Check/Call bringt also schon mal nichts. Die Frage ist, wie oft du hier von einer schlechteren Hand gecallt werden musst, damit eine Bet einen höheren Erwartungswert hat als ein Check/Fold.

Der Pot ist am River nach deiner Bet 9.75 BB groß, wenn der Gegner callt 10.75 BB. Du investierst also 1 BB, um 10.75 zu gewinnen. Hat der Gegner also bei mehr als 1 von 10.75 Calls eine schlechtere Hand, ist die Bet +EV.

Anders gesagt: Wenn nur mehr als 9.3% seiner Callingrange schlechtere Hände sind, ist eine Bet hier besser als Check/Call und Check/Fold. Das heißt, dass du mit dem Spielzug im Schnitt am meisten Gewinn machst, selbst wenn du in 9 von 10 Fällen von einer besseren Hand gecallt wird. Sind weniger als 9% seiner Callingrange schlechtere Hände, ist Check/Fold die Line mit dem höchsten EV (d.h. mit dem geringsten Verlust).

Gibst du ihm am River eine Callingrange: QQ, AJ-AQ, ATs-AQs+, kommst du auf 19% Equity. Andere Hände hätte er vorher gefoldet oder geraist, bei KK ist es egal. In diesem Extrembeispiel sollte man also selbst als klarer Underdog (hier sogar mit der Annahme, dass JJ nicht callen wird) eine Valuebet machen.

Ausnahmen

In anderen Situationen verschiebt sich das Gleichgewicht vollkommen und du solltest nicht so dünn valuebetten. Das ist immer dann der Fall, wenn …

  • … die Gefahr besteht, am River von einer besseren Hand geraist zu werden. Dann müsstest du zwei Bets für den Showdown zahlen.
  • … eine gute Chance besteht, dass der Gegner eine schlechtere Hand bettet, die er auf eine Bet deinerseits gefoldet hätte – Bluffinduce.
  • … eine gute Chance besteht, dass der Gegner eine bessere Hand behindcheckt. Du sparst in diesem Fall eine Bet.

In solchen Situationen kann ein Check/Call einen höheren EV haben als eine Bet, selbst wenn mehr als 50% der Calls des Gegners schlechtere Hände sind. Zwar wäre eine Bet dann generell +EV, aber nicht der Spielzug mit dem höchsten Erwartungswert.

BEISPIEL

Villain: typischer 'Ich call, wenn du bettest. Ich bette, wenn du checkst'- Fisch 50,15, 1.3, 40

Preflop: Hero is SB with Q 8
3 folds, BU calls, Hero raises, BB folds, BU calls.

Flop: 5, 8, T (5.5SB)
Hero bets, BU calls.

Turn: 3 (3.75BB)
Hero bets, BU calls.

River: 5 (5.75BB)
Hero?

Das sieht eigentlich nach einer klaren Valuebet aus und das wäre hier auch nicht schlecht, weil du viel öfter vorne bist als hinten und dich auch noch einige schlechtere Hände callen. Trotzdem solltest du hier besser check/callen, wenn du den Read hast, dass der Gegner light bettet, for Value oder als Bluff.

In seiner Range sind die 8, die 5, kleine Pockets und viele busted Straight- und Flushdraws. Mit 15 PFR hat der Gegner nach seinem Button-Limp fast nie A high. Außerdem kannst du davon ausgehen, dass er zumindest Toppair irgendwann geraist hätte.

Du hast außerdem den Read, dass der Gegner gerne bettet, wenn du checkst. Er wird also jedes Pair for Value gegen A high betten und es kann gut sein, dass er blufft. Wenn der Gegner also sowieso jede schlechtere made Hand selbst bettet, solltest du lieber checken, eben um noch eine Bet von busted Draws zu bekommen. Außerdem verhinderst du so, zwei Bets zu zahlen, falls der Gegner die 5 hat.

ZUM VERGLEICH

Villain: 35, 12, 2.3, 45

Preflop: Hero is SB with Q 8
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: 5, 8, T (4SB)
Hero bets, BB calls.

Turn: 3 (3BB)
Hero bets, BB calls.

River: 5 (5BB)
Hero?

Dieser Gegner hat ohne weiteres A high in seiner Range. Außerdem hätte er mit Draws häufig vorher einen Semibluff spielen können. Gegen so eine Range, die viele Hände mit ein bisschen Showdownvalue enthält, und gegen Gegner, die sehr viel callen (hoher WTS), ist am River eine Valuebet deutlich besser als ein Check/Call.

Call, Raise oder Fold?

Wenn der Gegner schon selbst aktiv geworden ist, muss du dich fragen, ob die eigene Hand geeignet ist, noch eine Riverbet zu callen oder zu raisen, oder ob du sie einfach aufgeben solltest.

Wann solltest du eine Bet / ein Raise callen?

Wie häufig du bei einem Call vorne liegen musst, erkennst du an den Pot Odds. Ist der Pot nach deinem Call 10 BB groß und du musst für den Showdown eine Bet callen, dann musst du in mehr als einem von zehn Fällen vorne liegen, um einen +EV-Call zu haben.

Musst du für den Showdown x BB callen und der Pot ist nach deinem Call y BB groß, dann musst du mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als x/y vorne liegen.
BEISPIEL

Preflop: Hero is BB with KQ
4 folds, SB raises, Hero 3-bets, SB calls.

Flop: 6, 9, J (6,5SB)
SB checks, Hero bets, SB raises, Hero calls.

Turn: 2 (5,25BB)
SB bets, Hero calls.

River: A (7,25BB)
SB bets, Hero ?

Der Pot ist nach Villains Bet am River 8,25 BB groß und nach deinem Call 9,25 BB. Gewinnst du die Hand in 1 von 9,25 Fällen, ist der EV des Calls 0. Wenn du also im Schnitt öfter als 1/9,25 = ~11% am Showdown die beste Hand zeigen kannst, ist der Call +EV, d.h. profitabel.

Woher weißt du, ob das gegeben ist? Dafür musst du wieder die Handrange des Gegners analysieren und überprüfen, ob ein entsprechend großer Anteil davon Hände sind, die du schlägst. Hier müssten also mindestens 11% seiner Range schlechtere Hände (busted Straightdraws und pure Bluffs) sein, damit du profitabel callen kannst.

In einer Rangeanalyse würde man nach dem Flop-Checkraise etwa folgende Hände beim Gegner für wahrscheinlich halten: Jx, 9x, Twopair+, oft Pockets, oft 6x, viele Flushdraws und oft Straightdraws. Außerdem wird er in der Regel alle diese Hände am Turn und am River betten, for Value oder for Foldequity.

Seine SB-Opening-Range liegt bei etwa 70%. Die besten 10% kannst du abziehen, da er nicht gecappt hat. Gegen diese Range hast du am River ~21,1% Equity und somit einen klaren Call.

Diese Analyse setzt allerdings voraus, dass der Gegner wirklich jeden busted Draw am River nochmal blufft. Glaubst du, er würde auch öfter aufgeben, wird die Rechnung knapper. Wäre der River die 5, sänke deine Equity auf ~8.9%, womit wiederum ein Fold korrekt wäre.

Da man während des Spielens keine Zeit hat, Equilator-Analysen o.ä. zu machen, muss man versuchen, es möglichst genau abzuschätzen. Dabei sind Nachanalysen hilfreich.

Wann solltest du raisen oder reraisen?

Um eine Bet am River zu raisen, brauchst du eine verhältnismäßig starke Hand. Das liegt daran, dass du oft nur eine Bet mehr gewinnen wirst, wenn du vorne bist und dein Gegner nur callt. Wenn der Gegner hingegen eine stärkere Hand hat, wird er meist 3-betten und dann verlierst du 2 Bets.

Du riskierst also oft, 2 Bets mehr zu verlieren, um eine zusätzliche Bet mehr zu gewinnen. Aufgrund dieses 1/2-Missverhältnisses kann man vereinfacht sagen, dass man in 66% der Fälle vorne liegen muss, um den River profitabel zu raisen, natürlich vorausgesetzt man hat vor, raise/call und nicht raise/fold zu spielen.

Unter gewissen Voraussetzungen stimmt diese Angabe aber nicht:

  • Wenn der Gegner in der Lage ist, den River zu bluff-3-betten, muss man im Schnitt seltener vorne liegen. Das ist auf niedrigen Limits aber selten zu finden.
  • Wenn das Board so scary ist bzw. dein Raise dem Gegner so stark erscheinen muss, dass er viele stärkere Hände nicht 3-betten wird, verschiebt es sich auch in Richtung 50%.
  • Wenn der Gegner viele dünne Valuebets in seiner Range hat, die er auf ein Raise sowieso foldet, kannst du hingegen nicht profitabel raisen, selbst wenn du in mehr als 66% vorne liegst. Dann gewinnst du nämlich selten eine Bet mehr und riskierst trotzdem, zwei Bets zu verlieren, wenn er eine starke Hand hat.

Beim Cap hingegen findet sich die 66%-Prämisse nicht, da der Gegner bei den meisten Anbietern keine Möglichkeit hat für eine 5-Bet. Hier reicht es, sich im Schnitt in mehr als 50% der Fälle vorne zu sehen.

Um einzuschätzen, wie oft man mit der eigenen Hand vorne liegt, muss man wiederum die Range des Gegners nach seiner Riverbet bzw. seinem Raise betrachten.

BEISPIEL

Villain: reasonable TAG
Hero: Image ist tight/solide.

Preflop: Hero is BB with KQ
4 folds, SB raises, Hero 3-bets, SB calls.

Flop: 6, 9, J (6SB)
SB checks, Hero bets, SB raises, Hero calls.

Turn: 9 (5BB)
SB bets, Hero calls.

River: K (7BB)
SB bets, Hero ?

Am River verbessert sich deine Hand zum Toppair. Ist der Gegner aggressiv, willst du nicht raise/fold bei Odds von dann 12:1 spielen. Falls der Gegner blufft, wird er auf das Raise immer folden. Auch wenn er eine dünne Valuebet mit 6x macht, wird er manchmal auf das Raise folden.

Du gewinnst also nicht immer eine Bet mehr gegen eine schlechtere Hand. Hat der Gegner hingegen eine bessere Hand, wird er meist 3-betten, da er dich aufgrund deiner Spielweise auf den K readen kann. Daher musst du hier sogar in mehr als 66% der Fälle gegen eine made Hand beim Gegner vorne liegen, um profitabel zu raise/callen.

Das ist angesichts dieser Karte am River, die sehr viele Draws ankommen lässt, kaum wahrscheinlich. Du solltest daher eher nur callen. Gegen einen Gegner, der nie eine schlechtere Hand am River 3-bettet, wäre raise/fold optimal, sofern du dich zumindest in mehr als einem von zwei Fällen vorne siehst.

Wann solltest du folden?

Die Mathematik dazu ist simpel:

EV(Call) > 0, wenn EQ > 1 / Pot

EQ ist hierbei deine Equity gegen die Range des Gegners. Bedenke hierbei, dass du deine zu callende Bet zum Pot hinzuzählst.

Beispiel: Der Gegner bettet und der Pot ist 9 BB groß. Wenn du callst, wird der finale Pot 10 BB sein.

EV(Call) > 0, wenn EQ > 1 / 10 = 0,1 = 10%

Du must in diesem Fall also in mehr als jedem 10. Mal gewinnen, damit dein Call + EV ist.

Häufig ist der Pot am River schon 5-10 Big Bets groß. Für einen Fold mit einer made Hand muss man also die Range des Gegners sehr gut einschätzen können und sicher sein, hinten zu liegen, da man häufig nur in 10-20% vorne sein muss.

Zusammenfassendes Beispiel

Preflop: Hero is BB with ?
4 folds, SB raises, Hero 3-bets, SB calls.

Flop: 6, 9, J (6,5SB)
SB checks, Hero bets, SB raises, Hero calls.

Turn: 2 (5,25BB)
SB bets, Hero calls.

River: 9 (7,25BB)
SB bets, Hero ?

Mögliche Aktionen in der Hand

Du siehst dich vorn Deine Aktion Beispielhand
0% - 11% Fold 78
12% - 66% Call 77
67% - 100% Raise A9

Die Riverlines im Überblick

Im folgenden Abschnitt werden wir verschiedene Riverlines mit Schwerpunkt auf das Spiel out of Position unter die Lupe nehmen. Dabei handelt es sich um folgende Lines:

  • Check /Call
  • Check /Fold bzw. Check behind
  • Bet / Fold
  • Bet / Call
Check/Call

Bisher haben wir die Kriterien für einen Check am River generell betrachtet. Jetzt kommt die Frage, wann man eine Bet des Gegners noch callen sollte, nachdem man den River gecheckt hat. Hier geht es speziell um die Line check/call mit Initiative. Der Fall, dass der Gegner Aggressor ist, wurde schon im vorherigen Kapitel behandelt.

Damit die Line check/call den höchsten EV hat, muss zunächst sichergestellt werden, dass die beiden obengenannten Kriterien für eine Bet nicht erfüllt sind:

  • Können ausreichend schlechtere Hände aus seiner Handrange callen?
  • Können ausreichend bessere Hände aus seiner Handrange folden?

Check/call mit Initiative kommt also nicht mit starken Händen in Frage. Damit sollte man valuebetten. Ebenso sind schwache Holdings nicht dafür geeignet, damit sollte man entweder check/folden oder bluffbetten.

Optimale Hände sind also Hände mit etwas Showdownvalue, die zu schwach sind zum Valuebetten, aber zu stark sind, um bessere Hände zum Folden zu bekommen, und die noch gegen einige Holdings aus der Range des Gegners vorne liegen. Das können je nach Situation oft J-A high oder Bottom- oder Middlepair sein.

Zwei Faktoren begünstigen den Check/Call River:

  • Der Gegner ist aggressiv, bzw. blufft oft.
  • Das Board lässt viele Draws zu, die am River nicht angekommen sind.

Mit einem Check/Call kann man aufgrund der eben genannten für dich sinnvollen relativen Handstärke nämlich nur Bluffs catchen. Man hofft also, mit dem Check beim Gegner einen Bluff mit einer schlechteren Hand (z.B. busted Draw) zu induzieren, die er auf eine Bet gefoldet hätte.

Dafür ist es generell hilfreich, wenn der Gegner aggressiv ist, also oft bettet. Der AF gibt das aber nur unzureichend an. Viele Gegner mit niedrigem AF raisen zwar selten, betten aber oft Trash, wenn man zu ihnen checkt. Hier sind Tablereads (Notes) wichtig.

Außerdem ist es wichtig, ob die Handrange des Gegners überhaupt Hände völlig ohne SD-Value enthalten, die bluffen könnten. Das ist oft gegeben wenn viele Straight und/oder Flushdraws möglich waren, die am River nicht angekommen sind. Gerade Gegner, die ihre Draws nicht aggressiv spielen, haben dann oft eine hoffnungslose Hand, gegen die du einen Bluff inducen kannst.

BEISPIEL 1

Preflop: Hero is SB with KQ
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: 6, 8, 2 (4SB)
Hero bets, BB calls.

Turn: 3 (3BB)
Hero bets, BB calls.

River: 3 (5BB)
Hero checks, BB bets, Hero?

Am River wird in der Regel keine schlechtere Hand callen und keine bessere folden, da auch A high oft am Showdown sein wird. Daher kommt eine Bet nicht in Frage. Auf diesem Board sind sehr viele Draws möglich gewesen, OESDs, Gutshots und zwei Flushdraws, die am River alle nicht angekommen sind, daher wird ein großer Teil der Range des Gegners solche Hände enthalten. Hast du einen Read, dass der Gegner sehr passiv ist, kannst du folden, ansonsten solltest du für Odds von 1:6 callen, zumal der Gegner A high in der Regel behindchecken würde.

BEISPIEL 2

Preflop: Hero is SB with A4
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: Q, 7, 2 (4SB)
Hero bets, BB calls.

Turn: 9 (3BB)
Hero bets, BB calls.

River: 3 (5BB)
Hero checks, Villain bets, Hero?

Auch hier sind die Kriterien für eine Riverbet nicht erfüllt. Check/call oder check/fold? Es sind keinerlei Draws am Flop möglich, daher ist es zumindest nach dem Turncall des Gegners wahrscheinlich, dass er eine made Hand hat, die er am River valuebettet. Deshalb wirst du wohl check/folden müssen.

Wann solltest du aber betten, obwohl du vermutest, dass der Gegner eine bessere Hand hat? Das ist immer dann gegeben, wenn du aufgrund der Boardtextur und/oder des Gegners weißt, dass du keinen Bluff am River inducen wirst, also bei einem passiven Gegner oder wenn keine Hände ohne SD-Value in der Range des Gegners sind. Dann wird dieser in aller Regel nicht bluffen und du musst dich zwischen einer dünnen Valuebet und der Line check/fold entscheiden, da auf einen Check von dir nur bessere Hände betten würden.

BEISPIEL 3

Preflop: Hero is SB with JJ
1 fold, MP3 raises, 2 folds, Hero 3-bets, BB folds, MP3 calls.

Flop: A, 9, 2 (7SB)
Hero bets, MP3 calls.

Turn: 3 (4,5BB)
Hero bets, MP3 calls.

River: 3 (6,5BB)
Hero ?

Hier gibt es am River nur drei mögliche Holdings beim Gegner: ein Pocketpair 44-99, die 9 oder das Ass, das er wa/wb spielt. Alle anderen Hände hätte er am Flop oder Turn gefoldet, geraist oder preflop gecappt.

Daher bringt es nichts zu check/callen. Dann wird er die 9 behindchecken und das Ass valuebetten. Bettest du selbst, verlierst du dasselbe gegen das Ass, gewinnst aber noch eine Bet gegen die Neun.

Check/Fold bzw. Check Behind

Ohne Initiative check/foldet man den River oft, z.B. wenn der Draw nicht angekommen ist oder wenn du einen Calldown abbrichst, weil eine Riverkarte erscheint, die deine Equity stark verringert. Wann solltest du aber mit Initiative check/folden bzw. behindchecken, also die eigene Hand aufgeben, obwohl du am Turn noch Aggressor warst?

Zunächst muss sichergestellt sein, dass eine Bet nichts erreicht. Die eigene Hand muss also zu schwach sein zum Valuebetten, der Call einer schlechteren Hand des Gegners muss weitestgehend ausgeschlossen werden können.

Außerdem musst du sicher sein, dass zu selten bessere Hände folden. Wenn in der gegnerischen Handrange keine oder wenig bessere Hände möglich sind, die auf eine Bet aufgeben könnten (z.B. bessere busted Draws), erreicht die Bet nichts.

Bist du oop und die Entscheidung für einen Check ist gefallen, musst du dich fragen, ob es sich lohnt, die Bet des Gegners noch zu callen. Sind in seiner Handrange schlechtere Hände als deine, z.B. busted Draws, und würde dieser Gegner damit auch bluffbetten? Kannst du aufgrund der Gegnertendenz und/oder aufgrund des Boards nicht davon ausgehen, solltest du auch mit Initiative am River check/folden.

Es ist wichtig, diese Line im Repertoire zu haben. Viele Spieler verlieren eine Menge Geld, weil sie glauben, sie müssten mit Initiative am River immer selbst betten oder zumindest check/callen.

Angebracht ist der Check/Fold bzw. Checkbehind also vor allem auf Boards, auf denen wenig Draws möglich waren oder die Draws am River angekommen sind und man dem Gegner deshalb Credit für eine made Hand geben muss. Außerdem sollte man die Line besonders gegen weake und passive Gegner spielen, weil diese selten bluffen, wenn zu ihnen gecheckt wird.

Neben absolutem Trash ohne SD-Value ist es oft auch richtig, schwache bis mittlere made Hands aufzugeben, nämlich immer dann, wenn die Handrange des Gegners und die Boardentwicklung zu viele bessere Hände wahrscheinlich machen.

BEISPIEL 1

UTG: 50, 15, 0.8, 38

Preflop: Hero is SB with A2
UTG calls, 3 folds, Hero raises, 1 fold, UTG calls.

Flop: K, 7, 5 (5,5SB)
Hero bets, UTG calls.

Turn: 2 (3,25BB)
Hero bets, UTG calls.

River: 6 (5,25BB)
Hero checks, UTG bets, Hero folds.

Obwohl du hier 6,25 zu 1 für den Call bekommst, ein Pair hast und der Gegner bisher keine Stärke gezeigt hat, solltest du check/folden. Der Gegner hat wenige A high in seiner Prefloprange (VPIP-PFR) und wird diese Hände auch nicht zum Showdown bringen (WTS). Daher hat er, nachdem er den Turn callt, entweder ein Pair oder einen Straightdraw. Nachdem davon alle am River mindestens ein Pair getroffen haben, kannst du dich fast immer hinten sehen. Außerdem wird auf die Bet auch kein Pair folden.

BEISPIEL 2

BB: 38 / 27 / 2,0 / 42

Preflop: Hero is BU with 89
3 folds, Hero raises, 1 fold, BB calls.

Flop: Q, 6, 2 (5,5SB)
BB checks, Hero bets, BB calls.

Turn: A (3,25BB)
BB checks, Hero bets, BB calls.

River: 6 (5,25BB)
BB checks, Hero checks.

Auch hier musst du davon ausgehen, gegen ein Pair zu spielen, nachdem der LAG bei diesem trockenen Board selbst bei dem A am Turn noch callt. Da der River blankt, kannst du nicht davon ausgehen, dass ein Pair foldet. Weiterhin bietet das Board auch fast keine busted Draws, so dass eine Bet in dieser Situation nichts bringt. Daher ist ein Checkbehind die beste Spielweise.

Bet/Fold

Es ist sicherlich ein Leak, am River sehr häufig bet/fold zu spielen. In der Regel ist der Pot schon so groß, dass man nur gelegentlich vorne liegen muss, um ein Raise noch profitabel zu callen. Abgesehen von dem Fall, in dem man als Bluff den River bettet und auf ein Raise foldet, kann es auch manchmal optimal sein, eine Valuebet zu machen und auf den Raise die Hand noch aufzugeben.

Diese Line muss mit Bedacht eingesetzt werden. Sie nie zu spielen, würde aber bedeuten, den Gegnern zu viel Value für ihre starken Hände zu geben. Wann ist sie also angebracht?

Vereinfacht gesagt immer dann, wenn man …

  • … eine Valuebet hat.
  • … gegen ein Raise in der Situation gegen den bestimmten Gegner aber fast sicher hinten ist.

Die Line ist sehr stark, weil man mit check/call oft den gleichen Betrag gegen bessere Hände verliert, dem Gegner aber die Chance nimmt, schlechtere Hände zu checken. Man gewinnt also eine Bet mehr, wenn man vorne liegt, und verliert eine Bet, wenn man hinten liegt. Das Problem ist natürlich, dass man, nur um eine Bet zu sparen, sehr viel verliert, wenn man tatsächlich die beste Hand foldet. Allerdings spielen die meisten Gegner ein Riverraise nie als Bluff, was es wiederum mit guten Reads zu einer sehr guten Line macht.

Typische Situationen sind gegeben, wenn der Gegner eine polarisierte Range hat zwischen einem kleinen Pair und einem Draw. Du hältst ein gutes 2nd Pair oder Toppair und am River kommen viele Draws an. Wenn du hier check/callst, werden die Pairs meist behindchecken und nur bessere Hände betten. Bet/foldest du hingegen, gewinnst du eine Extra-Bet von niedrigeren Pairs, verlierst aber trotzdem nur eine Bet gegen den angekommenen Draw.

Da es sehr teuer ist, die beste Hand in einem großen Pot zu folden, musst du stark aufpassen, dass es keinen Gegnern gelingt, die Line mit Riverbluffraises zu exploiten.

BEISPIEL

BB: 25 / 19 / 2,2 / 39 oder 40 / 14 / 1,2 / 40

Preflop: Hero is SB with JJ
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: 8, 7, 3 (4 SB)
Hero bets, BB calls.

Turn: Q (2,5BB)
Hero bets, BB calls.

River: 9 (4,5BB)
Hero bets, BB raises, Hero folds.

Am River würdest du eine Valuebet gegen jedes Pair verpassen, wenn du check/callt spielst. Auch ein TAG wird hier nicht jede schwächere Hand selber betten. Daher ist die Valuebet Pflicht. Nachdem aber das Raise kommt, musst du dich weit hinten sehen. Es gibt keine plausible schwächere made Hand, die der Gegner hier raisen könnte. Du liegst also nur gegen einen Bluff vorne.

Da aber keine Draws busted sind, müsste der Gegner schon ein Pair oder A high in einen Bluff verwandeln. Das wird nicht in 1 von 8 Fällen gegeben sein. Außerdem gibt es sehr viele Hände aus Villains Coldcalling-Range, die improved haben. Viele Twopairs, Straights und Flushs sind möglich.

Bet/Call

Wann man den River bet/callen sollte, ergibt sich schon aus dem bisher Gesagten: wenn die eigene Hand stark genug für eine Valuebet ist und außerdem noch stark genug, gegen ein Raise des Gegners oft genug vorne zu liegen.

Dabei musst du dich fragen, ob du auch gegen plausible made Hands des Gegners vorne liegst. Schlägst du nur noch einen Bluff, kannst du auch vermeintlich starke Hände auf ein Raise folden, sofern du den Gegner nicht für fähig hältst, den River mit Air zu raisen.

Ist aber z.B. am River noch ein schwächeres Twopair als das eigene möglich geworden, das in der Range des Gegners liegt, kommst du angesichts der Potgröße oft nicht von der eigenen Hand los.

Du musst dir immer vor Augen halten, dass du nur in mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/(Pot+1) nach Villains Raise vorne liegen musst, um profitabel zu callen. Das ist sehr oft gegeben, wenn du bedenkst, dass die Potgröße oft schon um die 10 BB beträgt, selbst in normalen Heads-up-Pötten.

Außerdem musst du auch aus Imagegründen ein Raise oft noch callen, da du sonst, wie schon gesagt, leicht exploitet werden kannst und viele BB verlierst.

Wichtig ist die Frage, ob der Gegner mit seinem Raise am River eine Hand repräsentieren kann. Oft liegt z.B. die Riverkarte gar nicht in der Range des Gegners. Wenn er also nicht gerade sein Raise verzögert hat, spielt man oft gegen einen Bluff, z.B. von einem busted Draw.

BEISPIEL

BU: 40 / 18 / 1.5 / 44

Preflop: Hero is SB with JJ
3 folds, BU calls, Hero raises, 1 fold, BU calls.

Flop: Q, 7, 6 (5,5SB)
Hero bets, BU calls.

Turn: 3 (3,25BB)
Hero bets, BU calls.

River: A (5,25BB)
Hero bets, BU raises, Hero calls.

Gegen diesen loosen Gegner solltest du den River valuebetten. Er wird jedes kleinere Pair noch callen. Nachdem er raist, musst du dich fragen, was er hier repräsentieren kann. Nach seinen Preflopstats zu urteilen würde der Gegner jedes Ass preflop raisen. Eine Dame bis zum River zu delayen und dann auch noch beim Ass zu raisen, ergibt keinen Sinn. Daher musst du hier auf jeden Fall callen. Er könnte zwar ein Monster slow gespielt haben, in einem von 9 Fällen zeigt er aber sicherlich eine schlechtere Hand als deine.

Fazit

Auch wenn am River die Würfel bereits gefallen sind und die Entscheidungen eher unspektakulär wirken, ist das Riverplay sehr facettenreich und alles andere als einfach. Du musst deine Bets am River gewissenhaft und konzentriert einsetzen, um eine bestmögliche Winrate zu erreichen.

Das Auslassen von Valuebets und das Callen in den falschen Situationen sind weit verbreitete Leaks, die viele Spieler beim Erklettern der Limits aufhalten. In diesem Artikel wurden dir essenzielle Konzepte für fortgeschrittene Spieler gezeigt, wie du das Spiel am River bestmöglich meistern kannst.

Wenn du die hier erörterten Konzepte beherzigst und richtig anwendest, bist du am Tisch für das Spiel am River gut gewappnet. Dein Wissen zum Riverplay kannst du auch in folgendem Quiz testen: Quiz Riverplay für Fortgeschrittene