Gegnertypen: Der TAG-Fisch
Einleitung
In diesem Artikel
- Wie du TAG-Fische unter Druck setzt
- Anpassungen preflop, postflop und im Metagame
- Switching Gears
Neben den Callingstations, Maniacs und Rocks gibt es einen Spielertypen, auf den du vermehrt treffen wirst, je höher du in den Limits aufstiegst, den Regular.
Dieser lässt sich jedoch nicht so einfach wie die andere Spielertypen anhand von Pokertracker-Werten beschreiben, da es ihn in vielen Formen gibt. Du wirst auf die sehr aggressiven wie auch auf die eher passiven Regulars treffen. Doch du musst sie alle schlagen können, denn sie werden dein täglich Brot sein.
Dieser Artikel nimmt besonders die Denk- und Spielweise so genannter TAG-Fische unter die Lupe und zeigt dir, wie du dich am besten an diesen Gegner anpassen kannst.
Was ist ein Regular/TAG-Fisch?
Bei einem TAG-Fisch kann man nicht von nur einem bestimmten Stil sprechen, da sich dieser von Spieler zu Spieler teilweise sehr stark unterscheidet. Was sie jedoch alle gleich haben, ist, dass sie meist Regulars auf einem Limit sind. Dies bedeutet, dass sie ein bestimmtes Limit regulär spielen und du sie während deiner Zeit an den Tischen immer wieder treffen wirst.
Unter den Regulars gibt es eine ganz besondere Form, die TAG-Fische, welche sich dadurch auszeichnen, dass sie meist sehr viele Tische spielen und an diesen dann auch immer ihr Standard-ABC-Spiel, welches durchaus profitabel ist, durchziehen.
Teilweise wirst du sogar auf Spieler treffen, welche nicht direkt winning Player sind, sondern nur break even spielen. Anhand der großen Anzahl an Händen, welche sie in kurzer Zeit spielen, machen sie schon alleine durch Rakeback einen solch hohen Gewinn, dass sie damit zufrieden sind.
Du erkennst einen TAG-Fisch also immer daran, dass er permanent mehrere Tische auf einem Limit spielt und sein eigenes Spiel kaum weiter verändert. Er ist mit seinem Spiel zufrieden, da er Gewinn erwirtschaftet und will nun das Limit einfach grinden.
Warum spielt er diesen Stil?
Ein solcher Spieler hat nur eins im Sinn. Er spielt nicht wegen der sozialen Kontakte, dem inneren Spielfieber oder der Entspannung. Ihm geht es alleine darum, Geld zu gewinnen und davon seinen Lebensstandard etwas zu heben. Teilweise sind manche TAG-Fische sogar vom Pokerspiel gelangweilt und haben keinen großen Spaß daran. Für sie ist es nur ein Mittel zum Zweck.
Sie wissen, dass man Poker durch geschicktes Setzen und Anwenden verschiedener Konzepte langfristig +EV spielen kann. Sie gelangen meist durch die Lektüre verschiedener Pokerbücher oder Internetstrategieartikeln zu einem Punkt, an dem sie fähig sind, ein bestimmtes Limit, welches in ihrer Komfortzone liegt, zu schlagen. Haben sie diesen Punkt erreicht, stagniert ihre Spielentwicklung meist abrupt, da sie ihr Ziel erreicht haben. Sie sind in der Lage, Gewinn zu erwirtschaften. Diesen versuchen sie dann anhand der Tischanzahl und dem erzeugten Rakeback zu maximieren.
Was sind die Schwächen dieses Stils?
Die Schwächen dieses Stils sind im Grunde schon offensichtlich. Ein TAG-Fisch arbeitet nicht mehr so stark an seinen Theoriekenntnissen und spielt oft einen durchschaubaren Stil.
Hinzu kommt, dass er meist sehr viele Tische spielt und sich dadurch seine Aufmerksamkeit sehr stark in Grenzen hält. Da er von sich und seinem Spiel meist überzeugt ist und schlechte Ergebnisse der Varianz zuschiebt, beginnt er teilweise sehr leicht zu tilten. Dieser Tilt kann auf der einen Seite eine große Schwäche sein, teilweise wird dadurch sein Spiel jedoch plötzlich unvorhersehbarer.
Im Allgemeinen wird er sich jedoch kaum von seiner Standardspielweise abwenden. Sobald er glaubt, einen Read auf einen Gegner zu haben, folgt er diesem auch sehr lange.
Wie spielst du am besten gegen TAG-Fische/Regulars?
Gegen sehr gute Regulars, welche weiterhin an ihrem Spiel arbeiten und nicht nur ein Limit grinden, sondern das Ziel haben, in höhere Limits aufzusteigen, ist es sehr schwer. Hier ist die beste Lösung, den Gegner nicht direkt zu meiden, jedoch darauf zu achten, dass du gegen diesen Spieler nicht in zu marginale Spots verwickelt wirst. Denn oftmals wirst du erkennen müssen, dass dir dieser Spieler überlegen ist und du gegen ihn keine Edge hast.
Die schlechteren Regulars, welche nicht weiter an ihrem Spiel arbeiten, sind jedoch ein sehr gutes Ziel, um deinen Vorteil ihnen gegenüber auszunutzen und ihnen einen Teil ihres Profits wieder abzunehmen. Hierzu musst du dich gegnerspezifisch anpassen. Daher sind die vorgeschlagenen Anpassungen nicht allgemein anwendbar.
Preflop-Anpassungen
Preflop gibt es verschiedene Konzepte, welche du gegen einen TAG-Fisch vermehrt anwenden kannst. Teilweise handelt sich hierbei auch um etwas fortgeschrittenere Konzepte. Diese sind zwar etwas schwerer zu verstehen und durchzuführen, haben jedoch den Vorteil, dass der Gegner kaum Ahnung von der Existenz und dem Sinn dieser Konzepte hat. Er wird nicht verstehen, was du im Schilde führst und denkt teilweise, dass er immer noch alles richtig macht, da er overall immer noch Gewinn erwirtschaftet. Zu den meisten dieser Konzepte findest du weiterführende Artikel in unserer Strategiesektion.
Gegen einen TAG-Fisch kannst du beginnen, preflop looser zu 3-betten und Bluff-4-Bets einzustreuen. Er wird oftmals nicht mit dieser erhöhten Aggression zurechtkommen und sehr viele Hände auf eine 3-Bet bzw. Bluff-4-Bet folden, so dass du diese sehr profitabel durchführen kannst. Was du bei deinen vermehrten 3- und 4-Bets beachten musst wird dir in diesen drei Artikeln weiterführend erklärt:
Lighte Preflop-3-Bets (Platin) (http://de.pokerstrategy.com/strategy/no-limit/1172/)
Don’t fold, just ask: Lighte 4-Bets Teil 1 (http://de.pokerstrategy.com/strategy/weekly-specials/1068/)
Don’t fold, just ask: Lighte 4-Bets Teil 2 (http://de.pokerstrategy.com/strategy/weekly-specials/1108/)
Es wird sehr oft die Situation auftreten, dass ein TAG-Fisch openraist und von einer Callingstation oder einem anderen Spieler gecallt wird. Diese Situation kannst du nun vermehrt durch Squeezeplays ausnutzen. Der TAG-Fisch wird kaum erkennen, dass du hier sehr oft squeezen wirst, und der Coldcaller hat durch seinen Call angezeigt, dass er keine so überragende Hand hält und wird daher sehr oft seine Hand ebenfalls folden müssen.
1/2 No-Limit Hold'em (6 handed)
Stacks
Hero $200
SB $200
BU $200
Preflop: Hero is BB with T
3 folds, BU raises to $8, SB calls $7, Hero raises to $32
Der BU ist in dieser Hand ein Regular, welcher auch ein winning Player auf NL200 ist. Er spielt momentan 7 Tische. Nachdem der etwas schwächere Spieler aus dem Small Blind das Openraise nur gecallt hat, erkennst du die Situation perfekt und bemerkst, dass deine absolute Handstärke in dieser Situation nicht so stark von Bedeutung ist. Du squeezt in der Hoffnung, dass der TAG-Fisch die Situation nicht korrekt durchschaut und der Small Blind aufgrund seiner Handstärke foldet.
Um dich weiterführend mit Squeezeplays auseinanderzusetzen ist der vorhandene Artikel in unserer Strategiesektion nur zu empfehlen.
Squeezeplay (Platin) (http://de.pokerstrategy.com/strategy/no-limit/210/)
Je nachdem ob du es nun mit einem sehr tighten oder recht loosen TAG-Fisch zu tun hast, musst du dein eigenes Blindsteal- und Blinddefend-Verhalten anpassen. Sehr oft wird ein TAG-Fisch gerade aus dem CO und BU loose openraisen, um die Blinds zu attackieren. Er selbst wird aber recht wenig bluff-4-betten oder 3-Bets mit marginalen Händen coldcallen. Diese Tatsache musst du dementsprechend durch ein aggressiveres Blinddefend-Verhalten ausnutzen.
Hat dein Gegner jedoch einen sehr kleinen „Attempt to Steal“-Wert, so musst du selbst deine Blinddefends etwas zurückschrauben, da dein Gegner oft eine Hand halten wird, mit der er komfortabel deine 3-Bet in Position callen oder sogar direkt 4-betten kann.
Ähnlich verhält es sich auch mit deinem eigenen Blindsteal-Verhalten. Triffst du auf einen TAG-Fisch, der viele Tische spielt, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser Spieler einen sehr hohen „Folded BB to Steal“-Wert haben wird und dementsprechend kaum seinen Blind verteidigt.
Andere TAG-Fische übertreiben den aggressiven Blinddefend jedoch stark, da sie sehr oft von ihrer eigenen BU-Openraisingrange ausgehen. Sie denken, dass sie eine hohe Erfolgschance mit einer Preflop-3-Bet haben werden. Je nach Gegnerverhalten musst du dein eigenes Spiel daran anpassen. Verfalle nicht selbst in ein eigenes Standardspiel, denn sonst wirst du zum TAG-Fisch!
Weiterführender Artikel in unserer Strategiesektion zum Thema Blinddefend:
Blinddefend – Wie du deinen Blind verteidigst (Gold) (http://de.pokerstrategy.com/strategy/no-limit/1193/)
Du selbst willst möglichst wenig out of Position gegen einen TAG-Fisch spielen. Denn auch wenn du diesem Spieler skillmäßig eventuell überlegen bist, wirst du durch deinen Positionsnachteil kaum eine derart große Edge haben, dass du auch hieraus einen großen Profit erwirtschaften kannst.
Entscheidest du dich also, vermehrt deinen Blind aggressiv zu verteidigen, so musst du dir bewusst sein, dass du postflop out of Position spielst und solltest dementsprechend schon etwa den Postflopskill deines Gegners einschätzen, um dich selbst nicht zu sehr in zu marginale Spots zu verwickeln.
Dem völlig gegensätzlich willst du natürlich das Spiel in Position gegen einen TAG-Fisch fördern. Du wirst häufig eine Edge gegen ihn haben, wenn du in Position spielen kannst. So kannst du preflop auf der einen Seite lighter 3-betten oder auch beginnen, die gegnerischen Openraises zu callen, um postflop deinen Positionsvorteil gegenüber deinem Gegner auszuspielen. Hierbei ist natürlich wichtig, dass du die gegnerischen Postflop-Spieltendenzen, so weit es geht, durchschaut hast und weißt, ob dein Gegner sehr oft 2nd-barrelt oder ob er out of Position gegen einen guten Spieler plötzlich weak wird. Dies ist wichtig, um dann die korrekten Postflop-Anpassungen durchführen zu können.
Postflop-Anpassungen
Spielst du postflop gegen einen TAG-Fisch, so gibt es einige Spielzüge, welche du nun vermehrt in dein Spiel gegen diesen Gegner einbauen musst, um die gegnerische Schwäche ausnutzen zu können.
Solltest du in die Situation gelangt sein, dass du gegen einen TAG-Fisch ohne Initiative oop oder ip spielen musst, solltest du unbedingt schauen, wie oft er am Flop eine Continuationbet abfeuert. In aller Regel wird dein Gegner einen recht hohen „Continuationbet Flop“-Wert haben, was für dich bedeutet, dass du am Flop öfter direkt bluffen kannst.
Um diese Spielweise gut durchführen zu können, musst du natürlich immer sehr stark auf die Boardtextur und die mögliche Handrange des Gegners achten. Sollte dein Gegner ein Flopraise nur callen, musst du selbst entscheiden, wie weit die Boardtextur einen weiteren Bluff am Turn und/oder am River zulässt.
Wichtig bei Bluffraises am Flop ist, dass du die gegnerische Handrange immer von der gegnerischen absoluten Position abhängig machst. Aufgrund der unterschiedlichen Handranges, welche ein TAG-Fisch, aus den einzelnen Positionen hat, sind auch die Boardtexturen unterschiedlich gut zum Bluffen.
1/2 No-Limit Hold'em (6 handed)
Stacks
Hero $200
UTG $200
Preflop: Hero is BU with Q
UTG raises to $7, 2 folds, Hero calls $7, 2 folds.
Flop: ($17) 7

UTG bets $12, Hero raises to $40
Auf dieser Floptextur wird UTG selten eine starke Hand halten und Angst vor Twopair, Sets und Straights haben. Deine eigene Hand hat jedoch keinerlei Value. Aufgrund dieser Boardtextur kannst du versuchen, deinen Gegner direkt aus der Hand zu bluffen, so dass er seine dich dominierenden Hände und Underpairs folden muss.
1/2 No-Limit Hold'em (6 handed)
Stacks
Hero $200
BU $200
Preflop: Hero is BB with Q
2 folds, BU raises to $7, SB folds, Hero calls $7.
Flop: ($15) 7

Hero checks, UTG bets $11, Hero raises to $37
Auf einem paired Board wird ein Stealer oft nichts getroffen haben. Er hofft, dass du dieses Board zu selten getroffen hast und auf eine Continuationbet demzufolge auch immer deine Hand weglegen musst. Deine Hand hat selbst auch keinen großen Wert. Du kannst daher diese Boardtextur ausnutzen und versuchen, den Pot durch einen Checkraise-Bluff zu gewinnen, da dein Gegner ebenfalls dieses Board mit aller Wahrscheinlichkeit nicht getroffen hat.
Neben dem direkten Bluffraise am Flop kannst du auch damit beginnen, sehr gute Riverkarten als Bluff zu raisen. Hier ist es sehr wichtig, den Gegner und die Boardstruktur zu interpretieren. Du musst bei einem Bluffraise auch immer in der Lage sein, eine Hand auch wirklich repräsentieren zu können. Ansonsten wirst du zu loose gecallt.
Ein TAG-Fisch wird jedoch häufig recht gute Hände am River auf ein Raise folden, wenn er dir eine Hand geben kann, da er selbst kaum Bluffraises am River in seinem Spiel integriert hat und dich als einen ähnlichen Spielertypen ansehen wird.
1/2 No-Limit Hold'em (6 handed)
Stacks
Hero $200
BB $200
Preflop: Hero is BU with T
3 folds, Hero raises to $7, SB folds, BB calls $5.
Flop: ($17) 7

BB checks, Hero bets $13, BB calls $13.
Turn: ($43) 4
BB bets $28, Hero calls $28.
River: ($99) K
BB bets $35, Hero raises to $110
Die gegnerische Betsequenz sieht in dieser Situation sehr schwach aus. Sehr wahrscheinlich donkt er am Turn ein Pocketpaar, um eine Freecard zu verhindern. Du selbst hast auf der einen Seite einen akzeptablen Flushdraw gegen das gegnerische Pocketpaar und siehst schon am Turn, dass sich für dich am River ein guter Bluffingspot auftun wird, wenn eine Highcard fällt. Du callst daher den Turn, um auf den Flush zu drawen und ein mögliches Riverbluffraise vorzubereiten.
Wichtig ist, dass du mit dieser Betsequenz sehr wahrscheinlich auch eine 7 oder eine 4 spielen würdest. Daher wird der Gegner oft ein Pocketpaar zwischen 22 und JJ (ohne 77 bzw. 44) auf ein Riverraise folden. Er entdeckt diesen Bluffingspot nicht und ist sich sicher, dass du ihn geschlagen hast.
Neben den direkten Bluffraises gibt es noch die Möglichkeit, das gegnerische Continuationbet-Verhalten durch vermehrtes Floaten auszunutzen. Wird der Gegner am Turn sehr passiv und 2nd-barrelt kaum eine Turnkarte als Bluff, so kannst du dies ausnutzen und postflop vermehrt floaten.
Bedenke jedoch, dass viele deiner Gegner mit dem Konzept der 2nd Barrel vertraut sind. Du solltest diese Anpassung daher nur gegnerspezifisch anwenden.
Weitere Einzelheiten, wie du genau gute Floatspots entdecken kannst und warum ein Float eine solch gute Waffe ist, erfährst du im folgenden Artikel:
Floaten (Platin) (http://de.pokerstrategy.com/strategy/no-limit/209/)
Spielst du gegen einen sehr aggressiven TAG-Fisch, kannst du in guten Spots von deiner Standardline abweichen und damit beginnen, alle drei Straßen for Bluffinduce zu spielen.
Hierbei ist es sehr wichtig, dass dein Gegner …
- ... recht aggressiv spielt.
- … du eine akzeptable Hand mit Showdownvalue besitzt.
- … deine Hand nicht zu sehr verwundbar durch Freecards ist.
- … auf den folgenden Straßen Karten erscheinen können, welche den Gegner zum … weiteren Bluffen animieren könnten.
1/2 No-Limit Hold'em (6 handed)
Stacks
Hero $200
BU $200
Preflop: Hero is CO with K
2 folds, Hero raises to $7, BU calls $7, 2 folds
Flop: ($17) Q

Hero checks, BU bets $12, Hero calls $12.
Turn: ($41) A
Hero checks, BU bets $30, Hero calls $30.
River ($101) 2
Hero checks, BU bets $50, Hero calls $50.
BU shows K

Du weißt von deinem Gegner, dass er versucht, Schwäche auszunutzen. Da du am Flop im Grunde nur eine 7 oder 5 wirklich fürchtest, hast du keine zu großen Probleme diese Hand als Bluffinduce gegen diesen TAG-Fisch zu spielen.
Zur Erklärung warum du hier kein Ace fürchten musst: Dein Gegner hat dein CO-Openraise coldgecallt. Dies wird er nur in den seltensten Fällen mit einem Ace machen, da er fürchten muss, dass du ihn dominierst. AQ und AK würde er sehr wahrscheinlich preflop 3-betten.
Am Turn erscheint dann auch das Ace, welches für dich eine ganz akzeptable Karte ist, da sie den Gegner dazu verleiten wird, den Turn zu 2nd-barreln, um ein Set oder ein getroffenes Ace zu repräsentieren.
Die Riverkarte ist im Grunde eine Blankkarte. Nur ein seltsames Twopair oder 43 für die Straight hätten dich nun überholt. Eine erneute Bet des Gegners ist in diesem Spot oft sehr schlecht, da er nun nur zwei Hände repräsentieren kann, 77 und 55. Keine andere Hand, welche dich schlägt, kann hier allen Ernstes den River for Value betten. Dein Gegner wird jedoch oft versuchen mit seinen Händen, welchen keinen Showdownvalue besitzen, den River erneut zu betten, um eine bessere Hand noch zum Folden zu bekommen.
Der TAG-Fisch hat leider nur nicht darauf geachtet, dass er durch eine erneute Bet nur eine sehr kleine Handrange repräsentiert, welche eine Q schlagen kann.
Teilweise wird ein TAG-Fisch wie ein wirklicher Fisch in einem 3-Bet-Pot spielen. Diese Situation ist häufig ein weak Spot im Spiel eines TAG-Fisches. Er wird zwar oft als Preflopaggressor eine Continuationbet am Flop durchführen, steht dann jedoch am Turn auf verlorenem Posten. Dies kannst du gegen einen unsicheren Spieler ausnutzen und versuchen, vermehrt 3-Bet-Pots postflop gegen ihn zu spielen. Du darfst dabei aber nicht versuchen, den Gegner permanent auszuspielen. Dies wird dir nicht gelingen. Vielmehr musst du ihn in für ihn unangenehme Spots verwickeln, um so Fehler zu provozieren.
Bevor du jedoch versuchst, den Gegner in 3-Bet-Pots zu verwickeln, musst du sicherstellen, selbst verstanden zu haben, wie du dich in diesem Pots auf verschiedenen Boardstrukturen verhalten musst/kannst. Bist du selbst unsicher, solltest du diese Anpassung tunlichst unterlassen. Du würdest dich dadurch nur selbst in eine unangenehme Situation manövrieren.
Bist du selbst der Preflopaggressor und spielst in Position so wirst du das Problem haben, dass dein Gegner des Öfteren den Flop als Bluff oder for Value checkraist. Dem möchtest du natürlich durch ein kreativeres Postflopspiel entgehen. Es darf nicht sein, dass dein Gegner deine erste Aktion am Flop immer vorhersehen kann. Um dich gegen diese Checkraises am Flop zur Wehr zu setzen wurde schon im Artikel „Blindbattle – Das Spiel aus dem Big Blind“ (Platin) (http://de.pokerstrategy.com/strategy/no-limit/1256/4/) die Möglichkeit aufgezeigt, den Flop sowohl mit Hit als auch ohne Hit behindzuchecken, um dann den Turn entweder zu callen oder zu raisen.
Eine detaillierte Analyse dieses Spielzuges findest du im oben genannten Artikel unter „Wie spielst du gegen Small Blinds, die gerne den Flop checkraisen?“.
Metagame-Anpassungen
Neben den allgemeinen Anpassungen, welche du konkret in deinem Spiel gegen einen TAG-Fisch einbauen musst, gibt es noch einige Aspekte zum Metagame, welche du beachten musst.
Es ist sehr wichtig, dass du so genau wie möglich das Spiel des Gegners beschreiben kannst. Du wirst tagtäglich mit diesem Gegner an den Tischen sein und desto wichtiger ist es, einen sehr genauen Read auf die gegnerischen Lines zu bekommen. Elephant-Werte über eine hohe Anzahl von Händen können hier sehr hilfreich sein.
Es ist für dich jedoch nicht nur wichtig zu verstehen, wie der Gegner allgemein spielt. Du solltest auch verstehen, wie der Gegner dein Spiel sieht und ob er sich eventuell dem anpasst. Geht er dir etwas bewusst aus dem Weg? Oder versucht er gegen dich besonders aggressiv zu spielen.
Falls er versucht „vor dir zu flüchten“, ist das eine optimale Ausgangssituation, um Druck auf ihn auszuüben. Permanente Preflop-3-Bets und Postflop-Moves werden den Gegner zur Verzweiflung bringen. Eventuell wird er sogar den Tisch ganz verlassen, sobald du dich an den Tisch setzt und so einer Callingstation oder einem Maniac einen freien Platz bieten. Was du bei dem permanenten Druck Ausüben unbedingt beachten musst, ist, dass du es nicht zu sehr übertreibst, so dass der TAG-Fisch plötzlich beginnt, dagegen zu spielen und seine Passivität durch enorme Überaggression austauscht.
Auch du wirst sehr wahrscheinlich Leaks in deinem Spiel haben. Diese darf dein Gegner nicht sehen und ausnutzen können. Du musst also unbedingt verhindern, dass ein TAG-Fisch einen Read auf dich bekommt und deine Strategie ausnutzen kann. Das verhinderst du am besten durch das Wechseln der eigenen Gänge. Dies hört sich einfach an, ist jedoch etwas schwieriger umzusetzen.
Deine allerersten Versuche, deine Gänge zu wechseln solltest du unbedingt auf einem Limit machen, bei dem du dir sicher bist, dass du es schlägst. Außerdem solltest du eine ausreichend große Bankroll haben, da ansonsten die Gefahr besteht, dass du nicht in der Lage bist, vollständig umzuschalten. Neben diesen beiden Voraussetzungen benötigst du auch schon einiges an Pokererfahrung, um diesen Schritt zu gehen, da du durch einen ungewohnten Spielstil mit noch teilweise unbekannten Situationen konfrontiert wirst.
Dein Ziel ist es, deinen Spielstil, welchen du durch Pokerstrategy.com entwickelt hast. auch teilweise in extremer Weise verändern zu können. Du kannst zu Beginn damit anfangen. dir vor einer Session vorzunehmen. von deinem normalen TAG-Stil zu einem nitty, fast schon Rock-Stil zu switchen.
Es ist wichtig, dass du den ersten Gangwechsel in die tightere Richtung machst, da du mit dieser Spielweise in noch recht wenige unbekannte Situationen gelangen wirst. Kannst du nun nach Belieben zwischen einem sehr tighten und deinem normalen TAG-Stil sessionweise wechseln und fühlst dich dabei während des Spielens in beiden Rollen wohl, ist der nächste Schritt, während einer Session deinen Stil abrupt zu wechseln. Gelingt dir auch dies bewusst, so kannst du den nächsten größeren Schritt in die andere Richtung gehen: Du wirst zum LAG.
Viele Spieler wünschen sich, einen LAG-Stil zu spielen, da dieser Stil in Verbindung mit einem hohen Postflopskill steht und diesen möchte sich natürlich auch jeder gute Spieler zusprechen.
Auch hier gilt es zu Beginn, sich vor einer Session vorzunehmen, etwas looser zu spielen. Dies solltest du dann mit vermehrten Preflop-3-Bets und Coldcalls in Position verwirklichen. Deinen LAG-Stil solltest du vermehrt in Spots auspacken, in denen du in Position agieren kannst. Dann kannst du auch deinen Postflopskill weiterentwickeln und später besser ausnutzen.
Gelingt es dir, sessionweise deinen Stil zu einem LAG werden zu lassen, so kannst du nun beginnen, während einer Session zwischen deinen 3 Spielstilen bewusst zu wechseln. Durch dieses direkte Wechseln der Spielstile verhinderst du, dass dein Gegner besondere Reads auf deine derzeitige Spielweise bekommt.
So wirst du als Rock natürlich recht tight broke gehen, wobei du als LAG teilweise looser broke gehen wirst. Weiß dein Gegner nicht, wie du spielst, so kann er nicht sicher deine Handrange einschätzen und wird durch falsche Annahmen zu Fehlern gezwungen.
Diese Entwicklung der einzelnen Stile wird nicht innerhalb von ein paar Sessions erfolgen. Es wird einiges an Zeit vergehen, bis du genügend Erfahrung mit jedem Stil gesammelt hast, um dich in allen Rollen wohl zu fühlen.
Doch bist du in der Lage, zwischen deinen Stilen direkt hin und her zu springen, so fehlt nur noch ein Schritt um dich ein Stückchen näher zu einem kompletten No-Limit-Hold’em-Spieler zu bringen. Du kannst nun versuchen, diese abrupten Wechsel fließend durchzuführen und dich permanent den gegebenen Tischbedingungen und deinem eigenen Tableimage anzupassen. Du wirst so in der Lage sein mehrere Tische gleichzeitig mit leichten oder sogar auch extremen Stilunterschieden zu spielen. Spielst du dann auch noch an mehreren Tischen gegen den gleichen TAG-Fisch, so wird dieser sehr oft nicht realisieren, dass du unterschiedlich loose/tight, passiv/aggressiv agierst und dein Tableimage von einem Tisch zum anderen projizieren. Die von ihm gesammelten Elephant-Werte werden teilweise ebenso irreführend sein.
Durch dieses Metagamespiel erreichst du, dass dein Gegner völlig falsche Reads von dir entwickelt, welche zu Fehlentscheidungen führen werden. Und dies wird eine deiner Profitquellen sein.
Fazit
Das Spiel gegen einen Regular ist nicht so einfach zu erklären und zu meistern wie das Spiel gegen einen Maniac, eine Callingstation oder einen Rock. Spielst du gegen einen Regular, so musst du dich immer individuell an den Spieler anpassen. Verallgemeinerungen sind gegen diesen Spieler nicht so profitabel durchzuführen wie gegen die anderen Spielertypen.
Gegen einen Spieler, welcher sich selbst schon mit der Pokertheorie beschäftigt hat, wird es schwerer, die optimalen Gegenmaßnahmen zu finden.
Zusammenfassend musst du folgende Punkte im Spiel gegen einen TAG-Fisch im Gedächtnis behalten:
- Preflop-3-Bets und 4-Bets setzen den Gegner unter Druck.
- Dein Blindsteal- und Blinddefend-Verhalten muss sich dem Gegner individuell anpassen.
- Squeezespots sind gegen einen TAG-Fisch immer profitabel.
- Postflop werden Bluffraises gegen einen TAG-Fisch öfter erfolgreich sein.
- Finde die Leaks des TAG-Fisches und nutze diese aus.
- Wechsle deine Gänge, um weniger durchschaubar zu werden.
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