Foldequity (3) - Turn und River
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Foldequity (3) – Turn und River
von MiiWiin
Bislang hast du neben vielen Grundsätzen zur Foldequity ein ausführliches Beispiel zu einer Continuationbet gegen eine Range eines TAGs gesehen.
Jedoch endet die Hand nicht zwangsweise am Flop, auch am Turn und River kannst du weiter betten (2nd and 3rd Barrel) und dabei den Pot einheimsen.
Multibarrels
Das mathematische Beispiel im zweiten Teil wurde hinsichtlich des Ergebnisses sehr einfach betrachtet. Durch deine Bet erzeugst du Foldequity, hast du gegen die Range des Gegners diese Foldequity mindestens zu erwarten, so galt die Bet als gut.
FE (benötigt) < FE (vorhanden)
Dies stimmt jedoch nur, sofern du den Flop isoliert betrachtest. Es kann nämlich durchaus sein, dass die Bet auch gut ist, solltest du nicht ausreichend Foldequity erzielen. Dies ist der Fall, wenn du durch eine weitere Bet im Verlaufe der Hand eine deutlich höhere Foldequity erzeugen kannst.
Zum Beispiel:
FE [Flop] (benötigt) > FE [Flop] (vorhanden)
aber
FE [Turn] (benötigt) < FE [Turn] (vorhanden)
Daher gilt es selbstverständlich, auch auf den folgenden Streets die Foldequity genauestens abzuschätzen.
Grundsätzlich ist dies gegen die verschiedensten Gegner nicht sonderlich einfach, aber das eben genannte Prinzip kann an einem anderen Beispiel verdeutlicht werden.
Du hast einen Gegner, von dem du weißt, dass er jedes Pocketpair preflop limp/callt. Am Flop spielt er jedoch ausschließlich mit einem Set weiter.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25) limp/caller
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
2 folds, CO calls $0.25, Hero raises $1.25, 2 folds, CO calls $1.25
Flop: ($2.85) (2 players)
CO checks, Hero bets $2.00, CO folds
Aus den vorhandenen Informationen entsteht dieses Play!
Preflop mag das Play komisch aussehen, denn K2s hat keine herausragende Equity, zudem schätzt du selbst die Foldequity auf circa 0% ein.
Dennoch ist das Raise gut, weil du weißt, dass du am Flop eine Foldequity von über 80% besitzt (ein Pocketpair hittet nur jedes 7,5.Mal). Du gewinnst dort also durch eine klare +EV-Bet sehr häufig den Pot, der durch dein Isolationraise preflop sogar 4 zusätzliche Big Blinds des Cutoffs enthält.
Obwohl das Raise preflop theoretisch isoliert betrachtet –EV ist, so ist der gesamte Spielzug als +EV anzusehen.
Gleiches gilt demnach auch bei Spielern, die am Flop zu viel callen, dafür aber am Turn oder River vermehrt die Segel streichen.
Betrachte als nun die Situation aus Teil 2:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25) TAG
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
3 folds, Hero raises $0.75, SB calls $0.75, 1 fold
Flop: ($1.75) (2 players)
SB checks, Hero bets $1.20, SB calls $1.20
Turn: ($4.15) (2 players)
SB checks, Hero bets $2.75, SB...
Ist die 2nd Barrel nun gut oder nicht?
Es wurde bereits eine Range erarbeitet. Villain könnte hier am Turn noch folgendes halten:
99, 50%-Anteil von TT => 6 Kombinationen
50% seiner T9s, 98s-Hände => 3 Kombinationen
AJs-A9s, AQo-ATo => 39 Kombinationen
75% seiner Kx-Hände => 25 Kombinationen
A7s/A2s => 6 Kombinationen
33%-Anteil von 97s => 1 Kombination
Macht alles zusammen 80 Kombinationen.
Deine 2nd Barrel bewegt sich wieder im Bereich von 2/3-Potsize, welche grundsätzlich eine benötigte Foldequity von ca. 40% mit sich bringt.
Du setzt am Turn $2,75 um $4,15 zu gewinnen.
Benötigte Foldequity: 2,75 / (2,75 + 4,15) = 39,85%
Wie viele Kombinationen müssten demnach folden, um die 2nd Barrel zu einem +EV-Spielzug zu machen?
0,4 * 80 = 32
Was spielt Villain weiter?
Nun bleibt also wiederum nichts anderes übrig, als jede der Kombinationen auf Spielbarkeit zu überprüfen.
Der Turn an sich blankt mit der . Aus der Range deines Gegners verhilft es ausschließlich den A2s-Kombinationen zu Twopair.
Bei den folgenden Annahmen wird man (wie meistens) vortrefflich diskutieren können. Jedoch gehen wir von folgendem aus:
- Der Gegner spielt solide.
- Er versucht keine tricky Plays.
- Er hat keinen Grund, marginale Hände zwanghaft zum Showdown zu tragen.
- Er kennt seinen Positionsnachteil.
- Er wird made Hands auf dem Board selten am Turn c/c, um am River aufzugeben.
- Er nimmt Hero als soliden Gegner wahr.
99, 50%-Anteil von TT => 6 Kombinationen
Wie viele dieser sechs Kombinationen kann Villain weiterspielen? Er hält letztlich 3rd Pair mit TT, einen Bluffcatcher. Er steht out of Position und muss sich nun schon fragen, wie er denn auf eine eventuelle 3rd Barrel reagiert. Der Calldown wäre schon hart an der Grenze, vielleicht spielt er 1/3 der TTer-Kombis nochmals weiter.
Seine Sets mit 99 wird er sicherlich nicht folden.
50% seiner T9s, 98s-Hände => 3 Kombinationen
Weiterspielen würde hier eventuell Pair+Flushdraw, daher wird stellvertretend genommen. Die anderen beiden wird er meistens folden (müssen).
AJs-A9s, AQo-ATo => 39 Kombinationen
Hier wird es nun sehr schwer. A9s hält Twopair, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Doch was ist mit den anderen Ax-Händen? Foldet er hier überhaupt irgendein Toppair?
Hier kann man nun philosophieren, jedoch verteidigt der Spieler seinen Small Blind gegen ein Buttonraise, da darf man nicht davon ausgehen, dass ein Toppair foldet.
Daher wird er alle Kombinationen erneut callen.
75% seiner Kx-Hände => 25 Kombinationen
Dafür gehen wir hier einen Kompromiss ein. Ist er bei den Ax-Händen immer zu einem Call bereit, wird er sich von Kx häufiger trennen können.
Du kannst annehmen, dass ein Drittel dieser Range in der Hand verbleibt.
A7s/A2s => 6 Kombinationen
A2s belibt natürlich in der Hand, da aber angenommen wurde, dass er oben jedes Ax callen wird, kann er sich möglicherweise von A7 trennen.
33%-Anteil von 97s => 1 Kombination
Diese Kombinationen kann er am Turn beruhigt aufgeben.
Es bleiben in der Hand:
99, 33%-Anteil von TT => 4 Kombinationen
=> 1 Kombination
AJs-A9s, AQo-ATo => 39 Kombinationen
33% seiner Kx-Hände => 8 Kombinationen
A2s => 3 Kombinationen
Summe: 55 Kombinationen
Es check/folden:
66%-Anteil von TT => 2 Kombinationen
T9s, 98s-Hände=> 2 Kombinationen
66% seiner Kx-Hände => 17 Kombinationen
A7s: 3 Kombinationen
97s => 1 Kombinationen
Summe: 25 Kombinationen
Wir brauchen: FE (benötigt) < FE (vorhanden)
FE (benötigt) = 39,85%
FE (vorhanden) = 25 Kombinationen / (25+55) Kombinationen = 31,25%
FE (benötigt) < FE (vorhanden) = 39,85% < 31,25% (nicht erfüllt)
Die 2nd Barrel wäre daher nicht gut.
Die 3rd Barrel
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25) TAG
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
3 folds, Hero raises $0.75, SB calls $0.75, 1 fold
Flop: ($1.75) (2 players)
SB checks, Hero bets $1.20, SB calls $1.20
Turn: ($4.15) (2 players)
SB checks, Hero bets $2.75, SB calls $2.75
River: ($9.65) (2 players)
SB checks, Hero...
Nach der vorherigen Analyse brauchst du am River keine Kombinationen mehr zu zählen. Ein sehr großer Teil von Villains Range besteht aus Ax-Händen, wo schon anfangs Annahmen getroffen werden, dass er eher selten den Turn check/callt um am River aufzugeben.
Da hilft auch der alte Spruch „wer zweimal eine made Hand out of Position callt, gibt sie am River nicht mehr auf…“
Ob dein Gegner in der Lage ist, eine Hand wie ATo doch noch aufzugeben, ist reine Spekulation. Ausgehen solltest du davon nicht, die 3rd Barrel kann dir hier auch nicht mehr helfen.
Extras
Bei Semibluffs sind solche Plays sehr schwer zu berechnen, weil du neben der Foldequity noch deine Equity mit einberechnen müsstest.
Im Klartext: Theoretisch gilt es zu berücksichtigen, mit welchen Händen Villain deine Semibluffbet callt, dann aber bei einem eventuellen Hit in der Hand verbleibt.
Es gibt dort unzählige Fälle zu unterscheiden, denn improved deine Hand an Turn oder River, ist es selbstverständlich ideal für dich, keine Foldequity mehr zu erzielen.
Neben einer sehr komplizierten Rechnung müssten dabei so viele Annahmen getroffen werden, dass wohl jedes Ergebnis ernsthaft angezweifelt werden müsste.
Allerdings gibt es bereits Content zur Theorie:
Die mathematische Betrachtung von Draws
Semibluffs für Fortgeschrittene
Out of Position ändert sich hauptsächlich ein Faktor: Dein Gegner wird häufiger auf Floats setzen und somit vermehrt am Flop callen.
Auch insgesamt wird er mehr callen, da ein guter Gegner den Vorteil der Position kennt und weiß, dass er dort etwas mehr callen kann als out of Position.
In multiway Pots wird meistens ehrlicher gespielt. Auch wenn du dort seltener Bluffraises fangen wirst, so muss dir klar sein, dass viele Hände gegen dich auch irgendetwas getroffen haben könnten.
Du musst daher von weniger Foldequity ausgehen.
Beispiel: Selbst wenn jeder Gegner 70% seiner Range am Flop muckt, so hast du bei drei Gegnern nur noch (0,7 * 0,7 * 0,7 = ) 34,3% Foldequity zu erwarten.
Du hast gesehen, dass du mit einer 2/3-Potsizebet circa 40% Foldequity erzielst und dies im mathematisch vernünftigen Bereich liegt. Aus Erfahrung kann man sagen, dass du mit dieser Betsize keine großen Fehler machst. Abweichungen sind dennoch möglich.
Setzt du höher, so wird die Foldequity zwar etwas steigen, dafür muss es aber auch häufiger funktionieren. Setzt du weniger, so braucht es zwar nicht so häufig zu funktionieren, aber die tatsächliche Foldequity wird auch kleiner.
Beispiel: Setzt du als Contibet gerade mal ein Big Blind, so müsste es nur jedes 12. Mal funktionieren. Jedoch kannst du davon ausgehen, dass kein TAG jemals auf eine 1BB-Contibet folden wird.
Dennoch kannst du hier etwas experimentieren, die 2/3 sind nicht in Stein gemeißelt, aber im Bereich zwischen 0,5 und 1,0* Potsize sollten sich deine Betsizes bewegen.
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Du hast ein komplettes Beispiel für die Foldequity gegen einen Regular gesehen. Entscheidend ist, dass du dich mit deinem Gegner etwas auseinandersetzt und grob (und schnell) abschätzen kannst, welche Range dein Gegner preflop spielt, was er davon eventuell am Flop folden wird und was er möglicherweise auf späteren Streets mucken wird. Perfekt errechnen kannst du das leider nicht, wäre dies so, dann könntest du dich einem perfekten Spiel annähern. |
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