Auf Grund der Reads halte ich das für eine gut einschätzbare Situation. Ein Maniac ist nicht unberechenbar. Sie sind nur in anderer Weise berechenbar als z. B. ein tighter Spieler.
Der Pot am Turn ist in der Tat klein, aber man kann ja auch in kleinen Pötten ausrechnen, wie oft was klappen muss, damit es profitabel wird. Nach der Bet von SB sind 2,5 Bets im Pot, wir addieren 2 Bets mit einem Raise für einen dann 4,5 Bets grossen Pot. Wenn alle folden, dann haben wir kein Problem, kritisch wird es, wenn es noch weitergeht. Das heisst, wir addieren noch eine weitere Bet, da diese nötig ist, um den Pot weiterlaufen zu lassen. Wir brauchen einen Erfolg in 2/5,5 ~ 36% der Fälle. Sagen wir in 40%, weil wir diese Bet nicht immer bekommen.
Angesichts der Action am Flop denke ich, dass wir zu mindestens 90% vorne sind gegen SB. MP kann etwas getroffen haben, aber ich denke, die Foldequity gegen ihn beträgt mindestens 60%, weil er so oft eben nichts besonderes getroffen hat, das ihn gegen einen Raise weiterspielen lässt. Zusammen ist das 55%, dass es günstig für uns läuft. Natürlich hat SB Outs, wenn er im Pot bleibt und nicht wenige. Das reduziert unsere Erfolgschancen. Andererseits sind wir auch nicht chancenlos, wenn alle im Pot bleiben. Ich denke schon, dass man in der Summe auf 40% Erfolg kommt.
Was passiert, wenn der Move nicht klappt?
MP callt, SB foldet: immer noch in Ordnung, da wir vorne liegen könnten (MP hat häufig einen Flush Draw). Wir können am River gewinnen, wenn am River kein Karo kommt und MP nicht bettet (die Chancen dafür sind gut, wenn er nichts trifft, da wir am Turn viel Stärke gezeigt haben). Bettet er, folden wir.
MP callt, SB callt: Wir hoffen auf einen kostenlosen Showdown am River.
MP callt, SB callt, SB donkt am River: entscheidet man auf die Karte am River. Flush und Straightkarten sind schlecht, auf alles andere wird nicht aufgegeben. Auch da kommt ein Riverraise in Betracht, da MP meistens keine gute Hand hat und man gegen SB auch dann noch vorne liegen kann. Da der Pot jetzt gross ist, muss das gar nicht so oft klappen.
MP callt, SB 3-bettet: MP wird die 3-bet callen, also geht es am Turn um 1,5+2*3 + 2 = 9,5 Bets und am River um mindestens 2 Bets an implied Odds für das FH. Wir können immer noch vorne sein, aber seltener. Die Outs auf das FH alleine reichen nicht für den Call, wir müssten also auch in der Lage sein, den Showdown unverbessert sehen zu können, damit wir callen können. Für den Showdown bezahlen wir noch zwei Bets, weil am River wahrscheinlich auch eine fällig wird. 1/2 Bet wird durch die Outs abgedeckt, also muss der Showdownvalue 1,5 Bets in einem 13,5 Bets grossen Pot wert sein. Die 6er müssen unverbessert in mindestens 12% der Fälle gewinnen können. Wenn wir noch vorne sind, haben wir ca. 24 Outs gegen uns. Die treffen in 52% der Fälle. Das heisst, wir müssen am Turn noch zu mindestens 25% vorne sein, damit wir am River noch 12% behalten. Eine extrem marginale Situation, weil sich das schlecht einschätzen lässt und wir am River kaum Karten haben, auf die wir noch einigermassen gerne callen (Karten 2-5 ohne Karo). In vielen Fällen werden wir verlieren und es wird sich anfühlen wie rausgeworfenes Geld. Wenn man das ertragen kann und man sich am Turn nach einer 3-bet noch 25% gibt, vorne zu sein, dann kann man das machen. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass der Hauptprofit des Moves am Turn nicht war, am River gegen 2 Leute in den Showdown gehen zu müssen und das teuer bezahlt zu haben. In dieser Situation steckt sehr wenig Value. Es ist ok, nach der 3-bet zu folden, weil das weniger tiltet und man sich sagen kann, den Move am Turn aus anderen Gründen gemacht zu haben.
Die Hauptidee ist, wir glauben unseren Reads und ziehen darauf die Linie durch.
Wichtig ist aber: die Linie ist varianzlastig. Varianz kann tilten. Wer sich in dieser Hinsicht nicht traut, foldet besser am Turn. Es ist kein high Value Spot, man verpasst also nicht viel. Tiltvermeidung ist wichtiger als einen knappen Spot wahrzunehmen.