Auf diesem Limit sind die Gedankengänge oft nicht kompliziert. Eine einfache und prinzipiell nicht falsche Idee ist: wenn ich meine Monster mit dieser Linie (cap Flop) spiele, dann kann ich auch ein paar Bluffs so spielen. Gängigerweise mit Monsterdraws, von denen es auf diesem Board nicht viele gibt (9:c 8:c). Ansonsten eben mit den Draws mit der besten Equity, weil die am wenigsten Foldequity brauchen. Im speziellen kann man sich natürlich trotzdem fragen, gegen welche Hände man Foldequity haben will. Für 9:c 8:c ist ist ein Cap sehr plausibel, weil sich in Heros Range auch ein paar Flush Draws befinden, gegen die 98s hinten liegt. Gegen die gewinnt man dann am River. Andere Flush Draws blocken Heros Flush Draws. Da ist es dann nicht so leicht, bessere Hände zu finden, die Hero noch folden könnte. Ich würde daher eher 98s auch in anderen Farben als der Flushfarbe cappen als z. B. K:c Q:c, was fast alle Flush Draws bei Hero blockt. Das hätte dann auch den Vorteil, dass man noch etwas zum Bluffen hat, falls noch ein Kreuz fällt.
Wenn Villain so weit denkt, dann hat er am River sogar ein paar gute Bluffs mit 98s. Er muss dann nicht Hände mit viel Showdownvalue bluffen wie AQ.
Da er am Turn nicht bettet, habe ich den Verdacht, dass er die 8 getroffen haben könnte. Genau diese Hände kann er jetzt nicht mehr bluffen, weil er damit gegen ein top Pair bluffen würde. Er kann sie aber auch nicht für Value betten, weil Heros Range überwiegend aus top Pair und besser besteht. Das Problem dabei ist, dass sein check damit furchtbar schwach wird. Hero kann jetzt bedenkenlos jedes Ass für Value betten und das mit ein paar Flush Draws balancieren. Das könnte Villain lösen, wenn er anfängt, Hände für Value zu checkraisen. Dann würde Hero in die Falle laufen, wenn er einfach jedes Ass bettet.
Die folgenden Überlegungen werden in den Micros nicht gemacht. Was bedeutet, man braucht als BU keine Angst vor einer Bet zu haben, wenn der Gegner checkt.
Wenn man Hände mit Initiative checkraisen will, dann sind zwei Überlegungen wichtig: ist ein Checkraise überhaupt profitabler als eine Bet? Welche Hände könnte ich noch besser bet/3-bet spielen?
Ein Checkraise ist dann besser als eine Bet, wenn man erwartet, dass der Gegner nach einem Check nicht wesentlich weniger Hände bettet als er auf eine Bet callen würde. Hier ist das so, dass Hero voraussichtlich fast seine ganze Range auf einen Check betten würde, weil die Range von Hero bereits stark polarisiert ist. Hero hat in seiner Range entweder starke bis sehr starke Hände (top Pair und besser) oder Semibluffs, die er prinzipiell gerne bluffen würde. Das bedeutet für CO, dass für alle Hände, für die ein Checkraise in Frage kommt, der Checkraise die profitablere Linie wäre.
Die Ausnahme könnten die Hände sein, die profitabel bet/3-bet gespielt werden könnten. Diese Linie bringt noch mehr Geld in den Pot als ein Checkraise. Bet/3-bet ist dann profitabler als ein Checkraise, wenn die Zahl der Hände, die der Gegner auf eine Bet raist (dann kommt man zu einer 3-bet), mindestens halb so gross ist wie die Zahl, die er auf einen Checkraise callt. Hero würde auf eine Bet nur noch A7s und besser raisen, weil alles andere zu wenig Equity hat, wenn man von einer betting Range bei CO von AA, 77, 55, A7, A5, AQ+ und Flush Draws ausgeht. Würden CO die preflop Cap Hände fehlen, dann würde das nichts ändern. Hero raist also AA, 77, 55, A7s = 12 Kombos. CO kann dagegen nur AA 3-betten. 77 hätte nur noch 56% Equity und wäre bereits ziemlich marginal.
Das heisst, es geht nur noch um eine Hand bei CO. Das lohnt sich vielleicht gar nicht, sich dafür den Kopf zu zerbrechen. Wie dem auch sei, A8-AK sind wesentlich mehr Kombos als die Hände, die Hero raist, daher wäre auch für AA der Checkraise profitabler als bet/3-bet, weil man mit dem Checkraise von viel mehr Händen 2 Bets bekommt als man 3 Bets bekommt.
Es wäre für CO daher das beste, seine gesamte Range am Turn einfach zu checken. Auch für die Hände, die nur für Value betten, aber keinen Checkraise spielen können, weil die ihren Value dadurch bekommen, dass Hero sehr wahrscheinlich seine gesamte Range auf einen Check bettet. Die müssen nicht selber betten, um Value zu bekommen.
Wenn er seine gesamten Valuehände am Turn checkt, dann sollte er auch seine Draws checken und manche davon gegebenenfalls checkraisen. In der Checkraise Linie hat er prinzipiell auch Foldequity gegen Ax, weil sich Hero eben schon überlegen muss, was für Monster da gegen ihn antreten. Wenn Hero nichts foldet, auch nicht tragisch, dann zahlt Hero eben die nicht so wenigen Valuehände von CO gut aus. Man muss ja sehen, dass A7 und besser bereits einen relativ grossen Anteil an der Range von CO hat.
Was ist, wenn Hero den Braten riecht und am Turn alles ausser seine Monster behind checkt? Dann hat CO es mit einem Spieler zu tun, dem er am Flop nicht die Information geben sollte, die ein Cap erzeugt. Gegen so einen Spieler ist es viel besser, die 3-bet einfach nur zu callen und mit seinen top Händen am Turn zu checkraisen. Turn check nach Flop Call ist ein viel natürlicherer Verlauf als Turn check mit Initiative nach Flop Cap und wird keinen Verdacht erwecken.
Wie gesagt, in den Micros mache ich mir keinen Kopf darum. Da gilt die Grundregel, starke Aktionen kommen von starken Händen und schwache Aktionen von schwachen Händen. Zu 90% wird diese Annahme stimmen. Zumindest auf Boards, wo sich nicht viel geändert hat (anders als hier auf dem River).