Aus deiner Range lässt sich erkennen, dass du no 3-bet spielst, was die Zahl deiner Valuehände erhöht. Ausserdem verteidigst du ziemlich loose, so dass du eine sehr weite Range hast. 66% sind 757 Kombinationen auf dem Flop. Du checkraist jede Hand für Value, die einen J schlägt. Das sind 168 Kombinationen, also 22,2% deiner Range. Die Flush Draws (inklusive Monsterdraws, ohne top Pair) sind 34 Kombos. Es gibt 45 Gutshots (ohne Monsterdraws).
Würdest du zu deinen Valuehänden auch alle Flush Draws und alle Gutshots checkraisen, dann checkraist du insgesamt 168+34+45 = 247 Kombos, also 32,6% deiner Range. Davon wären 79 Kombos Draws, also 79/247 = 32% deiner Checkraiserange.
Das ist prinzipiell nicht zu hoch, da deine Flush Draws eine gute Equity haben. Mit einem Flush Draw hast du über 40% Equity gegen die Range des Gegners. Das bedeutet, ein Flush Draw hat einen hohen Valueanteil auf Grund der Wahrscheinlichkeit, dass er den Showdown gewinnt, sollte der Gegner nicht folden. Der Bluffanteil ist bei einem Flush Draw gar nicht besonders hoch. Zum grössten Teil ist ein Checkraise mit dem Flush Draw eine Valuebet (wenn auch nicht zu 100%) und nur zu einem kleinen Teil ein Bluff. Wenn du einen Flush Draw mit einer pure Bluff Hand vergleichst, wirst du mit dem Flush Draw viel öfter gewinnen. Wenn du davon ausgehst, dass eine Bluffrange einen bestimmten EV haben sollte und du dann verschiedene Bluffranges miteinander vergleichst, dann sollte klar sein, dass eine Bluffrange, die nur aus Flush Draws besteht, viel mehr Hände enthalten darf als eine Bluffrange aus pure Bluffs, weil du deine Investition viel öfter zurückgewinnst. Wenn du also in deiner Range eine bestimmte Anzahl von Bluffhänden haben willst (als Anteil deiner Checkraiserange) und deine Bluffhände zählst, dann zählen Flush Draws viel weniger als Gutshots und die zählen immer noch deutlich weniger als pure Bluffs.
Die Aussage, eine Range sollte nicht mehr als x% Bluffes enthalten ist ungenau, weil sie die Qualität der Bluffhände nicht berücksichtigt. x% ist keine feste Zahl, sondern sollte an die Qualität deiner Bluffhände angepasst werden. Eine Aussage, dass generell nur so und so viel Prozent deiner Range Bluffes sein sollen ist unbrauchbar. Wieviele Hände du bluffen solltest, hängt von der Qualität deiner Bluffhände ab und der Foldequity, die du erzielen kannst. Die Foldequity hängt wiederum davon ab, wie gut die Range des Gegners das Board getroffen hat, also vom Board und der Range des Gegners. Der Bluffanteil in deinen Ranges ist also höchst variabel und situationsbezogen.
Eine bessere Aussage wäre, auf bestimmten Boards will ich gegen eine bestimmte Range so und so viel Bluffhände in meiner Range.
Richtig ist allerdings auch, dass sich manche Draws besser zum Checkraise eignen als andere. Hände mit Outs und Showdownvalue z. B. könnte man auch cc spielen. Das betrifft z. B. KQ und vielleicht auch KT. Der Gewinn, solche Hände in einen Bluff zu verwandeln ist nicht sehr hoch, da eine andere gute Linie für diese Hände zur Verfügung steht. Nimmt man solche Hände aus der Bluffrange heraus, verringert sich der Anteil der Bluffhände. Dann kann man vielleicht andere Hände in die Bluffrange nehmen, um sie wieder so aufzufüllen, dass die Checkraiserange balanciert ist. Da diese Hände weniger Outs haben, nimmt man für sie weniger Kombos in die Checkraiserange als man an Händen mit zahlreicheren Outs herausgenommen hat. Z. B. könnte man KQ durch Q:s 9 ersetzen. Q:s 9 hat nur backdoor Draws und viel weniger Equity als KQ, aber es sind auch nur 4 Kartenkombinationen statt 15 (K:s Q:s wird man immer noch checkraisen wollen).