Natürlich muss man sich über diese Strafen aufregen. Sie sind schlichtweg ungerecht und in diesem Fall sogar kontraproduktiv und gefährlich. Es ist auch gar nicht meine Aufgabe eine besser geeignete Strafe vorzulegen. Wenn es nach mir ginge würde man sich an rechtsstaatliche Prinzipien halten und die Verursacher für den entstandenen Schaden und ggf begangene Straftaten belangen. Will man den Verein belangen braucht es dafür nachweisbare Verfehlungen. Kollektivstrafen führen grundsätzlich zu nichts und lassen die Szene nur enger zusammen rücken.
Stattdessen entscheidet sich der DFB jedes Mal erneut für diese Art der Bestrafung. Das hat bei unserem Spiel in Berlin (gegen Union) nicht funktioniert und auch nicht beim Spiel in Darmstadt. Bei letzterem war es ganz im Gegenteil ein Sicherheitsrisiko. Bei Heimspielen hat das Ganze ohnehin noch nie einen Effekt gezeigt. Das hat man jetzt mit der sehr kurzfristigen Aussprache der Strafe versucht auf biegen und brechen durchzusetzen. So können sich die Leute aus Block 40 keinen Ersatz mehr organisieren. Warum ausgerechnet Block 40? Gibt doch keinerlei Belege, dass der oder die Täter aus Block 40 kommen. Genauso random ist es beim Spiel gegen Ingolstadt nur Inhaber von Sitzplatzdauerkarten zuzulassen.
Viel schlimmer und potenziell gefährlicher sind die erteilten Auflagen. Personalisierte Eintrittskarten schaden in erster Linie den organisierten Fanclubs. Normalerweise kaufen wir Karten für Auswärtsspiele Monate im Vorraus (teilweise vor der Spielansetzung), buchen einen Bus und verkaufen das Komplettpaket dann ein bis zwei Wochen vor der Fahrt. Personalisierte Tickets führen dazu, dass wir keinerlei Fahrten mehr anbieten können. Zum einen steigt der Aufwand enorm, zum anderen kauft niemand Monate im Vorraus Karten die er dann nicht weiterverkaufen kann falls was dazwischen kommt. Das Risiko für den Fanclub auf den immensen Kosten sitzen zu bleiben ist enorm. Je nachdem wie das System umgesetzt wird kann es also das Ende der organisierten Auswärtsfahrten bedeuten.
Gleichzeitig ist die Maßnahme nicht dazu geeignet "Zwischenfälle" zu verhindern. Wer mit Raketen auf Nazis schießen will lässt sich nicht von personalisierten Tickets aufhalten. Eine Identifizierung vereinfacht das Prozedere auch nicht. Bei 2000 und mehr Auswärtsfans bringt es mich nicht weiter wenn ich deren Namen kenne. Notorische Zündler sind ohnehin namentlich bekannt. Unbekannte Personen bleiben auch danach unbekannt, da man dem Gesicht nicht einfach einen Namen zuordnen kann. Zeigte sich ja auch in Magdeburg. Es gibt zwar Bilder des Täters, eine Identifizierung war aber nicht möglich. Der Täter taucht in keiner Datenbank auf und ist auch in der Szene ein Unbekannter. Daran hätte ein personalisiertes Ticket nichts geändert.
Eine große Gefahr der personalisierten Tickets ist zudem, dass es nun einen Anreiz gibt sich Tickets für andere Blocks beim gastgebenden Verein zu sichern. Der Sicherheit ist somit nicht gedient. Ganz im Gegenteil entsteht zusätzliches Gefahrenpotential.
Alles in allem bewegt sich der DFB in einer Straf-Spirale aus der es kein entrinnen gibt. Der Verein tut was er tun kann. Auch in der Fanszene herrscht Einigkeit über Grenzen der Pyrotechnik. Dennoch lassen sich solche Vorkommnisse nicht effektiv unterbinden. Es wäre an der Zeit neue Wege zu gehen. Eine Legalisierung bestimmter pyrotechnischer Elemente könnte einer dieser Wege sein. Wird nicht passieren. Weiß ich selber.
Interessant wird es zu sehen welche Strafen der DFB gegen Magdeburg (Platzsturm, Naziparolen) und Darmstadt (Leuchtspuren in unseren Block) verhängt. War btw entsetzt wie unterschiedlich die Medien reagieren. Die Geschichte in Darmstadt war überhaupt kein Thema. Die Vorkommnisse in Magdeburg schafften es hingegen in die überregionalen Medien.