Ich finde den Thread sehr interessant, zumal ich mir in letzter Zeit häufig selbst diese Frage gestellt habe. Vor allem da ich viel im Schalker Block lese und man da schon schnell den Eindruck gewinnt, dass jemand ohne Dauerkarte kein "echter" Fan ist. Als Wahlberliner, fern von der Heimat, halte ich mich aber doch dafür und will es mal versuchen zu erklären.
Schalke ist mein Verein seit 1988, mein erster Held auf Schalke hies Ingo Anderbrügge. In meiner Familie gibt es keine echten Fußballfans, die mich dahingehend beinflußt hätten und von der geographischen Lage meines Heimatorts her hätte es eher der Club aus der verbotenen Stadt werden müssen. Ich kann also behaupten, mich in vollkommener Freiheit für den Verein entschieden zu haben.
De facto war es so, dass ich meinen Vater richtiggehend nötigen musste, das erste mal mit mir ins Stadion zu gehen. In den frühen 90ern hatte ich dann einige Freunde, die meine Leidenschaft teilten, und was noch wichtiger war, deren Väter auch. So kam ich endlich regelmäßig ins Stadion, zumal es zu Zeiten des Parkstadions sehr unkompliziert war an Tickets zu kommen. Es reichte 40 min vor dem Spiel zur Ticketbude zu gehen. Als ich endlich selber fahren konnte, wurde das Ganze natürlich noch einfacher.
Vor ca 8 Jahren zog ich nach Berlin. Allein durch die große Distanz ist es natürlich nicht mehr möglich regelmäßig ins Stadion zu gehen. Meine Freunde hier sind alle keine Schalke Fans und für einen Fanclub bin ich einfach nicht der Typ. Somit fallen auch Fahrgemeinschaften oder ähnliches aus.
Ich halte mich trotzdem für einen echten Fan, weil ich viele Höhen und Tiefen mit dem Verein durchlebt habe und meine Liebe für den Club nie wankte. Ich habe meine Zuneigung für den Verein nie versteckt oder geleugnet, selbst in irgendwelchen Hertha Bunken Kneipen. Hätte bspw. in der Nacht vorm Pokalfinale fast in der U- Bahn von 3 Duisburgern aufs Maul bekommen, nur weil ich meinte zu ihren Gesängen einen Kommentar abgeben zu müssen.
Meine Stimmung am Wochnenede hängt stark mit dem Ausgang des Spieltags zusammen. Ich lache, weine und fiebere mit dem Verein mit, wie schon vor über 20 Jahren, auch wenn es heute mehr aus der Ferne geschieht. Darum behaupte ich von mir ein echter Fan zu sein.