tl;dr gibts unten !
Ich störe mich an den Aussagen "Spiel halt Metachamps" und "Metachamps sind die meistgespielten Picks im competitive", weil das viel zu sehr pauschalisiert. Ich versteh schon, was mit "spiel Metachamps" gemeint ist. Pick etwas, bei dem die Wahrscheinlichkeit, dass man gewinnt, am höchsten ist. Aber: Leute spielen League, um einfach nur Spaß zu haben oder um zu gewinnen. Den ersteren solls egal sein, was sie picken, solange der Champ Spaß macht. Und den letzteren kann ich nur ans Herz legen, anstatt stur den Metapicks zu folgen, wirklich zu verstehen, was das Meta ist und was einen Champ stark macht und wie man seine Chancen zu gewinnen erhöhen kann. Und da kommt man um Einzelbewertungen nicht herum.
Worauf basiert denn die Aussage, dass man lieber "Metachamps" spielen sollte anstatt Tryn, wenn nicht auf einer Einzelbewertung von Tryn im Vergleich zu diesen ominösen Metachamps? In LoL profitiert man stark vom Differenzieren. Darauf basiert doch das gesamte Decisionmaking. Am Ende läuft alles darauf hinaus, dass man sich mit seinem Gegner duelliert und die Frage stellt: Wer killt wen zuerst? Angenommen man hat ein 1vs1. Wie finde ich raus, wer gewinnt? Ich vergleiche die Skillsets der einzelnen Champions, die Items, die Level, die Position, die HP und das Mana, die Cooldowns auf Spells, Summoners und Items und last but least den Skill des Spielers. Also was ist League of Legends anderes, außer eine ständige Aufeinanderfolge von Einzelbewertungen?
Und genau deswegen finde ich den Rat "Folg dem competitive Meta" so kritisch. Gemeint ist, man soll einen starken Champion picken. Ich stör mich da in erster Linie an der Formulierung, denn sie fordert nicht auf, darüber nachzudenken, was einen Champ stark macht. "Folg dem Meta" fördert einfach nur die Einstellung von diesen soloQ-Kiddies, die direkt in Champselect anfangen zu flamen, wenn jemand einen unkonventionellen Pick auspackt, der nicht ständig in der LCS gespielt wird, ohne dass sie überhaupt verstanden haben, was das Meta eigentlich ist. Oder sie picken irgendwas, was sie gar nicht richtig spielen können, nur weils Meta ist.
Also was ist das Meta? Meta ist die Gesamtheit aus allen Champions, Items/Builds und Spielweisen, von dem die Spieler denken, dass damit die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist ein Spiel zu gewinnen. Das Meta ist kein feststehender Begriff, sondern verändert sich. Entweder werden Champs und Items durch Patches verändert oder jemand findet, dass xyz gut funktioniert, um erfolgreich zu sein.
Champions: Je besser ein Champion seine Rolle ausfüllen kann, desto stärker ist er. Wie gut ein Champ zumm Beispiel Damage dealen, Tanken, Engagen oder seinen Carry beschützen kann. Das wird in erster Linie vom Skillset und Scalings bestimmt.
Items: Manche Builds und Items funktionieren besser als andere. Generell kauft man das, was einem hilft, seine Rolle auszufüllen. Items und Gold sind in League superwichtig. Krass ausgedrückt: Lvl 1 mit full build ist stärker als Lvl 18 ohne Items. Und wegen des Jungle-Items Cinderhulk gibt es gerade das Tankmeta. Durch die Bonus-Hp können Tanks sehr kosteneffizient itemizen und haben somit viel mehr Einfluss auf das Spiel.
Spielweise: Champions und Items sind für soloQ und competitive gleich. Deswegen sind viele Champs in soloQ und im competitive stark. ( Und ich verurteile wie gesagt nicht die Picks, sondern die unreflektieren Summoner dahinter. ) Aber aufgrund der stark unterschiedlichen Spielweisen, muss man klar zwischen Competitive-Meta und soloQ-Meta trennen.
Im competitive wird kommuniziert. Es wird viel wert darauf gelegt, einer Teamstrategie folgend gemeinsame Aktionen auszuführen. Es gibt Standardmoves wie Laneswaps, zu Beginn gemeinsam junglen, early Level 3vs1 Towerdives, Vision denien und Leute in Traps baiten. Manche Games werden schon in der Champselect durch die Teamcomposition entschieden. Die Interaktionen der verbündeten Champs untereinander und als auch mit den Gegnerchamps sind ungemein wichtig, es ist halt ein richtiges 5vs5.
Für soloQ entscheidend ist, dass die Kommunikation viel weniger ist. Strategisches Teamplay und die Möglichkeit zum Counterplay mangels Koordinatiom rücken deutlich in den Hintergrund. Snowballing von Einzelspielern hat auf einmal viel mehr Bedeutung, weil das Gegnerteam zu unkoordiniert ist, um ihren Nachteil durch Teamplay wieder auszugleichen. Das ganze ist viel mehr auf die Fragen beschränkt "Wie werde ich fed?" oder "Wie mache ich einen Ally fed?". Und am Ende läuft soloQ auf 5vs5 Teamfights raus. Es wird wenig kommuniziert, man spielt keine bestimmte Teamcomp, das Skillniveau ist (sollte) in soloQ wegen ähnlichem Elo vergleichbar sein. Und am Ende gewinnt einfach das Team mit mehr Gold und den besseren Items den Fight.
Dass es einen klaren Unterschied gibt zwischen competitive und soloQ sieht man zum Beispiel an Lulu. Im competitive wird z.b. Lulu Top recht häufig gepickt, grade in "Protect the Hypercarry"-Comps spielt. Aber das ist eine Comp, die viel Koordination erfodert und deswegen sieht man das nie in soloQ. Lulu ist ein defensiv orientierter Champ, der mehr an der Support- als an der Carryrolle dran ist. Lulu ist kein schlechter Pick, aber es ist schwer, ihr Potential in soloQ voll auszuschöpfen. Die ganzen Toplanesnowballer wie Rengar, Irelia, Riven und Tryn fucken Lulu alle richtig hart.
edit dieser absatz: Riven ist ein weiteres Beispiel. Most played Top in soloQ, weil sie 1vs9 carrien kann, aber so gut wie nie zu sehen im competitive, weil man sie durch Teamplay countern kann. Oder Nunujungle. Höchste winrate in soloQ mit 57.08%, aber trotzdem wurden eher Rek'Sai, Gragas und Sej gepickt. Nunu kam nur dann, wenn ein Teamcomp wirklich einen controljungler brauchte. ( Source )
Was jetzt eben diesen Tryn angeht, wurden Stärken und Schwächen schon angesprochen.
Stärken: Sustain in der Lane, guter Splitpusher, gutes 1vs1, sickes Snowballen. Wenn Tryn ahead ist, ist er immer ein Problem. Er kann 1vs1 splitpushen und hat hohen Killpressure. Wenns nicht zum Kill reicht, kann er Leute durch Trades und Sustain aus der Lane drängen. Botrk ist Core auf Tryn, was ganz gut ist im aktuellen Tankmeta. ( Außerdem sind durchs Tankmeta Vi und J4 verschwunden, die noch härter gesnowballed haben als Tryn. ) Sobald Tryn das Blade fertig hat, ist es sehr schwer ihn im 1vs1 zu killen, grade als Tank. Dann muss eigentlich der Gegnerjungler Top kommen, was aber wiederum fürs eigene Team Ressourcen frei macht. Und sobald Tryn wirklich fed ist, zerstört er squishies. Einen fed Tryn kann man eigentlich nicht mehr focusen aufgrund der Ult, aber auch nicht ignorieren aufgrund des Damage. Hier profitiert man dann von der mangelnden Koordination in soloQ, weil das Gegnerteam ihren Kite, CC und Exhaust ordentlich timen müssen, um Tryn zu stoppen.
Schwächen: Tryn braucht etwas an Gold, um ins Rollen zu kommen. Wenn er behind ist, ist er ziemlich schwach, weil sein Kit wenig für das Team mitbringt. Wenn man last pick ist und im Team kein oder wenig Hardengage vorhanden ist, ist Tryn eine schlechte Wahl. Splitpushen kann ein Problem sein, wenn das eigene Team nicht koordiniert ist, nicht kiten kann und 4vs5 engaged wird. In den 5vs5 Teamfights kann es schwer sein an die Carries zu kommen. Koordination im Gegnerteam durch Kite etc. fuckt tryn ohne Ende. Und man kann sich als Tryn ziemlich easy selbst useless machen durch schlechtes Timing beim Engagen und bei der Ult.
Ich sehe Malph auch nicht als den Tryn Hardcounter. Die Winrate ist bei 50% - 50 %. Ich finde Tryns Laning deutlich besser. Tryn kann den Malph forever pushen und durchsustainen. Malph kriegt irgendwann Manaprobleme beim Clearen. Beide haben wenig Killpotential auf den anderen, aber Tryn hat den deutlichen Pressurevorteil. Das Pushen gibt Tryn die Möglichkeit zum Roamen / TP Ganks. Durch den Pushingpressure muss Malph auch vorsichtig mit den TPs sein, weil sonst ganz schnell der Turret weg ist. Auch erfolgreiche Malph TP-Ganks waren evtl. nicht worth durch das Turretgold. Malph gleicht diese Schwächen durch sein Kit ( scaled mit Armor ) und seine Teamfightengage wieder aus. Von daher finde ich Malph und Tryn recht even. Entweder Tryn schaffts zu Snowballen oder Malph schaffts seine Teamfightpräsenz durchzudrücken. Das gilt alles aber nur für soloQ. Im 5vs5 können die Schwächen Tryns hard abused werden. Gegnerteam focused einfach den Tryn schon im early und gibt ihm keinen Farm und schon hat man ein 5vs4.
Insgesamt würde ich sagen, Tryn ist ein guter Champ für die soloQ durch das Snowballen, aber eben auch ein "high risk-high" reward Pick. Fehler werden mit Tryn schneller bestraft als mit anderen Champs, aber Leute unterm Turret 1vs1 killen ist halt auch geil.
edit2: Achso aber prinzipiell kann es natürlich nicht schaden, wenn mal als Neuling die starken Picks für soloQ ( Top5 soloQ Picks for each role ) spielt, um überhaupt erstmal carrien zu lernen.
tl;dr
- Competitive Meta und soloQ-Meta sind zwei verschiedene Dinge
- Statt "Spiel Meta-Champs" sollte es "Spiel starke soloQ-Picks" heißen
- Tryns Snowballing ist gut für SoloQ. Er ist aber ziemlich weak wenn behind. ( High risk - high reward )
- Malph hardcountert Tryn nicht in soloQ