Eine häufige Situation: wir verteidigen den Blind, treffen aber nichts und werden mit der Contibet konfrontiert. Wir haben high Card Ace, aber sonst nicht viel vorzuweisen. Wann kann man callen, wann nicht? Und wie geht es später weiter?
Vielen Dank an Schnicker, der die Diskussion mit dieser Hand eröffnet hat:
Original von Schnicker
Pre Flop: (1.333 SB) Hero is BB with A8
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BTN raises, 1 fold, Hero callsFlop: (4.333 SB) 2
7
T
(2 players)
Hero checks, BTN bets, Hero callsTurn: (3.167 BB) 5
(2 players)
Hero checks, BTN bets, Hero callsRiver: (5.167 BB) K
(2 players)
Hero checks, BTN bets, Hero foldsIst das am River noch ein Call? Es busten halt alle Draws.
Was ist die schlechteste Hand, die ihr am River called?
Das Herz der Situation ist der Calldown. Für den Calldown gibt es eine Regel: man muss sich ihn leisten können. Das Mass dafür ist der Showdownvalue (wie oft ist man auch unverbessert vorne?), die Potgrösse und die zu erwartenden Kosten für den Showdown.

Es gibt dazu einen Platinartikel. In diesem werden durchschnittlichen Kosten für einen Calldown abgeschätzt und daraus eine Equity berechnet, die man am Flop für den Call braucht. Die Absicht ist dann ein Calldown. Der Artikel kommt damit auf eine Equity von 37%, die man für den Call braucht. Das wird dann um ein paar Faktoren korrigiert, die von der gegnerischen Spielweise am Turn abhängen. Im Artikel wird ausserdem angenommen, dass der Gegner in Position am River perfekt spielt, was heisst, er bettet nur, wenn er gewinnt, ansonsten checkt er. Wir können aber trotzdem am River nicht folden, da er auch perfekt blufft.
Die meisten Spieler haben heute niedrigere Contibet Werte als damals, wo der Artikel geschrieben wurde. Macht das etwas aus? Ich glaube nicht viel. Durch die Annahme des perfekt gespielten Rivers spielen die tatsächlichen Contibet Werte auf dem River keine Rolle. In der Praxis kann der River für uns nur günstiger sein. Bleibt also noch der Turn. Da nimmt der Artikel 100% Contibet an, was in der Praxis nicht auftritt. Man kann sich daher überlegen, was passiert, wenn der Gegner weniger bettet.
Zunächst die einfache Rechnung für den Fall, dass der Gegner immer durchbettet. Zu beachten ist hier, dass der Pot am Flop kleiner ist als üblich, da der small Blind nur 1/3 des big Blinds beträgt. Die benötigte Equity ergibt sich aus
Equity > Kosten / Pot am Showdown
und mit Pot am Flop = 2,25 BB und Kosten von 2,5 BB erhalten wir
Equity > 2,5 / (2,16 + 2* 2,5) = 34,9%
Der schlechteste Fall ist, wenn wir am River nichts mehr vom Gegner gewinnen, wir ihn aber immer auszahlen. Das ergibt
Equity > 2,5 / (2,16 + 2,5 + 1,5) = 40,6%
Sagen wir jetzt, der Gegner bettet nur zu 80% am Turn. Das Board ist drawlastig und enthält wahrscheinlich einige Gutshots in unserer check/call Range. In seiner Range sind nicht viele Gutshots. Man kann annehmen, dass er dann überdurchschnittlich oft bettet, um sich zu schützen. Dann erhalten wir
Equity > 2,3 / (2,16 + 2,3 + 1,3) = 39,9%
was der schlechteste Fall unter dieser Annahme ist. Wir stellen fest, dass eine moderate Änderung der Frequenz der Contibet am Turn weniger als 1% an benötigter Equity ausmacht. Die Situation ist ausserdem etwas günstiger für uns.
Sehen wir uns jetzt an, wie es gegen eine 100% Contibet Flop Range aussieht:
Board: T♠7♦2♠
Equity Win Tie
BU 56.09% 54.07% 2.02% { 22+, A2s+, K2s+, Q5s+, J6s+, T7s+, 97s+, 86s+, 76s, 65s, A2o+, K6o+, Q8o+, J9o+, T9o, 98o, 87o }
BB 43.91% 41.88% 2.02% { Ac8d }
Ausgegangen wurde hier von einer preflop Range von 43%, was heute manche für ziemlich tight halten würden. Auf Grund des guten Kickers ist man gut im grünen Bereich. A3o hätte 37% und würde wegen des backdoor Gutshots gecallt. KQ ohne backdoor Flush Draw hätte 38% und KJ 37%. Diese Hände würden schon wegen der Outs gecallt, hätten aber auch noch Showdownvalue. K9 hätte 34% und ist die Hand im tiefgelben Bereich. Mit backdoor Flush Draw wäre das wieder fast 38% und callbar. QJ hätte genügend Outs für einen Call. Da diese Hände alle auch Showdownvalue haben, zählen sie alle zu den Bluffcatchern.
Wie geht es am Turn weiter? Unter der Voraussetzung, dass sich diese Hände nicht verbessern, müssen wir einige aufgeben. Das geht sowohl nach Equity als auch nach dem Prinzip, dass wir von unseren Bluffcatchern so viele Hände folden sollten, dass der Anteil den Pot Odds entspricht. Die Kx und Qx Hände sind eine ganze Menge Hände und das bedeutet, auf dem Turn folden wir ganz bestimmt kein Ass.
Auf dem River werden wir dann noch alle Asse haben und vielleicht auch KQ. Wenn überhaupt, dann folden wir auf dem River nur die kleinsten Asse. Für A8 ist der Plan Calldown bis zum Showdown. Es sei denn, die Karten auf Turn und River sind keine Blanks.
In diesem Fall ist die Turnkarte eine Blank, die Riverkarte nicht. Obwohl auf dem River die Zahl der gegnerischen Valuehände stark ansteigt, wird er noch einige Bluffhände haben. Gegen die preflop Range hat man selbst auf diese Riverkarte noch 30% Equity. Das ist ein ziemlich guter Sicherheitspuffer, selbst wenn er manche schlechtere Hände nicht mehr bettet (Ax).
Must read:
Heads-up am Flop OOP: C/C Flop ohne Initiative - Mit Showdownvalue. Trotz des Alters ist der Artikel gar nicht so veraltet, wie man denken könnte.