Original von daemmerung
Der Kerl ist zieml. groß und nachvollziehbarer Weise bin ich nicht so scharf dadrauf, dem zu begegnen. Der wird sofort auf mich losrennen. Hätte den keiner beruhigt an dem Abend, wär es richtig übel ausgegangen.
Wenn ich 'n Foto mache, wird er mich zu 100% angreifen. Außerdem ist er in einer Gruppe gewesen. Die andern sind nicht so ausgetickt, er war der einzige totale Psychopath. Wenn es einen Streit in der Kneipe mit dem gibt, heißt das, dass man direkt 5 Feinde hat.
Die Beschreibung, die ich der Polizei gegeben hab, war rel. schlecht/falsch. War ja auch betrunken. Habe gesagt, er sei vllt 1,80m. Er war eher 1,90-2,00. Muss mich deshalb wohl auch nochmal melden.
wenn das ne ländliche Gegend ist, sollte es doch nicht ganz ausgeschlossen sein, dass du dem Typ wieder begegnest bzw ihn ausfindig machen kannst.
Du must dir im Klaren sein, welche Rolle dir bei der ganzen Geschichte zukommt.
Bist du ein Typ, dem körperliche Auseinandersetzung, Schlägerein nicht ganz fremd sind, ist es nicht so dramatisch. Denn in diesem Fall definierst du es als Kampf und warst bei dieser Geschichte einfach ein unterlegener Gegner, der sich eine Blöse gab und dafür eine schmerzhafte Quittung erhielt.
Bist du eher ein Typ, der Schlägereien absolut meidet, für den es die letzte Konsequenz in einem Notfall ist, dann ist es weit übler.
Denn dann kommt dir ganz klar die Rolle des Opfers zu.
Man versucht automatisch, ein Erklärung für das Geschehene zu finden.
Hast du dich daneben benommen, die Kontrolle verloren und jemand in irgendeiner Weise provoziert, möglicherweise dessen Freundin zuviele Blicke zugeworfen, so macht es das für dich als Opfer etwas leichter, diese Rolle anzunehmen. Du kannst es erklären, einordnen und Konsequenzen daraus ziehen, wie immer die auch auschauen. Hast du keinerlei Erklärung wird es noch schwieriger sich mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen.
Ich selbst wurde einmal unangemessen von Polizisten misshandelt. Obwohl die Folgeschäden nicht so schlimm waren wie bei dir (ich konnte vier wochen nicht schmerzlos schlucken, aber sonst war da weniger) kam Tage danach ein sehr ungutes Gefühl auf. Mir war Unrecht geschehen und bekomme gleichzeitig keine Annerkennung von dem System, in dem ich lebe, einer Demokratie, die auf das Vertrauensvotum der Allgemeinheit hin handelt. Das ist das absolute Ohnmachtsgefühl und wirkt sich unweigerlich auf den Selbstwert und die Selbstsicherheit. Die Betroffenen mögen es mir verzeihen wenn ich diesen Vergleich anstelle, aber ein solches Erlebnis ist, wenn auch in einer viel niedrigeren Intensität zumindest verwandt und im eigentlichen Wortsinne sogar identisch mit dem Begriff "Vergewaltigung".
Ich will da nicht von Thema abschweifen, worauf ich hinaus will ist, wie du dieses Erlebniss für dich verarbeitest.
Folgendes dient nicht als Rat, wie du gewalttätige Auseinandersetzung für dich definieren sollst sondern nur der Ermittlung deiner Rolle, der Realtion mit dem dem Erlebten.
Kannst du es als Kampf definieren, wirst du es als sehr nützliche Erfahrung verbuchen können, im Sinne von als gestandener Fighter musst du auf Überraschungsangriffe gefasst sein.
Da du den Thread eröffnet hast, gehe ich mal davon aus, das dem nicht so ist. Und da ich mich gut in dich reinfühlen kann, denke ich, dass es dir nochmehr zusetzt, als die rein physischen Schmerzen es ohnehin schon tun.
Wenn du also ein argloses Opfer bist (und damit in jedem Fall schuldloses, denn nichts kann Gewalt rechtfertigen, wenn keine Gewalt von dir ausgehen kann, da du es nicht als praktikables Mittel oder Option im Programm hast) dann können deine Konsequenzen wie folgt aussehen.
Du gibst dir eine Teilschuld und bist in Zukunft vorsichtiger.
Dies klingt plausibel und ist oft die scheinbar logische konsequenz.
Aber es ist fatal.
Du anerkennst das passierte und passt dein verhalten an. Du wählst deine lokaltitäten, dein Verhalten, du nimmst dich zurück. Du wählst die Strategie der vermeidung. Anstatt sein Verhalten ändert sich Dein verhalten! Das ist exact, was auch misshandelte Ehefrauen immer zuerst machen.
Die andere Option ist die, der Feststellung des Unrechtes und der Sanktionierung.
Hier hat sich der Typ unbestritten strafbar gemacht. Du warst bei der Polizei, deine Verletzung ist medizinisch aktenkundig. Wenn du wirklich auf dem Land lebst, solltest du ihn ausfindig machen können und wenn nicht, solltest du jetzt meiner Ansicht nach keine Kosten scheuen.
Alle Kosten kannst du zivilrechtlich geltend machen, wenn er verurteilt wird. Dazu wird dir wahrscheinlich sogar im Strafprozess, in dem du als Nebenkläger auftreten solltest schon ein Schmerzendgeld zugesprochen. Die Protzesskosten müssen dir keine Soragen machen, im Strafprozess zahlt der Verurteilte bzw der Kläger, was dann der Staat wäre.
Zudem gibt es für finanzschwache noch die Prozesskostenhilfe, dein Anwalt wird dich beraten.
Es gibt aber noch eine andere Option. Du gehst ab sofort ins Fitnesscenter und trainierst (sofern du dich bei einer künftigen Begegnung unterlegen siehst), was sehr positive Auswirkungen auf alle Bereiche der psychischen und körperlichen Gesundheit hat und was in solcher Situation auch dem unmerklichen Verlust des Selbstwertes entgegenwirkt.
Falls notwendig gehst du in einen kurzen Grundkurs für Selbstverteidung.
Es gibt Tricks, die sogar eine Frau nach kurzer Anleitung anwenden kann, die jeden Gegener ausser Gefecht setzen.
Man muss keinen schwarzen Gürtel in Taek-won-doo haben um einen Strassenkampf zu bestehen. Kampfsport ist Religion, der kampf selbst ist viel simpler.
Du wirst merken, wenn du dich fit und stark genug fühlst und stellst dich dem Arsch bei nächster Gelegenheit!
Ausserdem geht es dabei weniger um Strafe als um Genugtuung, die nicht zwingend mit Strafe verknüpft ist. Es geht um das Erleben von Kontrolle und um die Feststellung deiner Kraft und deines Selbstwertes.
Genau aus diesem Grund ist auch ein "Anheuern" oder "beauiftragen" weniger effektiv.
Tu etwas, lass dir das nicht gefallen und mach auch der Discothek ordentilcih Feuer unter dem Arsch. Die sind nämlich ziemlich angreifbar in solchen Dingen, auch wenn sie dir erst negativ gesonnen sind, womöglich sogar drohen. Wenn sie Druck von der Bezirksinspektion bekommen, schlagen die sich ganz ganz schnell auf eine Seite. Die des Staates nämlich, die auch die Deine ist und sie werden sich womöglich plötzlich erinnern, wer der Typ ist und werden vielleicht auch als zeuge auftreten, solange sie sich unbeschadet halten können.
Wenn du gar nicht weiter kommst, ist ein Privatdetektiv eine Option, die zwar teuer aber meist äusserst effektiv ist. Die bekommen manchmal sogar noch weit mehr raus, als nur den Namen.
Das mag alles unverhältnissmäsig klingen, aber es ist schon wichtig, dass du das Geschehene nicht so einfach hinnimmst und begräbst.
gruss,
mergelina